Vogt Die Erfindung des Lichttonfilms II

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II. Die Gründung des "Triergons"

Wer konnte als Partner für eine solche Aufgabe in Frage kommen ? - Zunächst war es mein ehemaliger Unteroffizier und späterer Freund Joseph Massolle, der mittlerweile in Berlin bei Telefunken eine Anstellung angenommen hatte. Gleich mir gelernter Maschinenbauer, Radio-Telegrafist und später Hochfrequenz-Ingenieur, ein Mann, nicht gerade leicht im Umgang, aber zähen Fleißes, guter Ideen und nicht zu übertreffender Arbeitskraft. Ich bewog ihn, bei Seibt einzutreten. Es fehlte aber noch der Dritte im Bunde, der mehr als wir beide von der allgemeinen Physik verstand, insbesondere aber von den elektrischen Vorgängen im luftleeren Raum. Dieser Dritte war Dr. Joseph Engl -- oder Jo Engl -- wie er sich später nannte, Sohn eines Münchner Künstlers, den ich in Zusammenkünften der Berliner Jugendbewegung kennenlernte. Auch er wurde auf meine Veranlassung von Seibt eingestellt.

Abb.1. Die Erfinder des Tonfilms: Massolle, Vogt und Engl (1919-1925)
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Abb.1. Die Erfinder des Tonfilms: Massolle, Vogt und Engl (1919-1925)
Nun konnte begonnen werden, nun war die "Triergon"-Gruppe, wie wir uns später nannten, beieinander. Abb. 1 zeigt die drei Männer in ihrer ehemaligen jugendlichen Frische.

Als wir dann allerdings eines Tages mit dem Wunsch an Seibt herantraten, uns bei einer geglückten Lösung des Problems des sprechenden Films eine Beteiligung von einigen Prozenten aus den zu erwartenden Einnahmen zuzusichern, war Dr. Seibt sehr aufgebracht. Nach Wochen und Monaten heftiger Auseinandersetzungen schieden wir dort aus oder, besser, wurden wir ausgeschieden und zudem noch von ihm mit einem Rattenschwanz von Prozessen bedroht. Wir waren nun stellungslose freie Erfinder.
Die theoretischen Grundlagen unseres Vorhabens fanden wir bei Zusammenkünften wochentags in meiner Wohnung und sonntags sonnenlichtbadend auf den Wiesen in der Nähe von Potsdam zwischen Weltverbesserungsplänen, Versemachen und Kinderbetreuen. Fast ein Dutzend Patente wurden auf diese Weise geboren. Bald hatten aber auch die Kosten derselben und das Leben der drei Familien meine Ersparnisse aufgebraucht. Wie sollte es weitergehen, wo fanden wir weitere Mittel, nicht nur für unseren Lebensunterhalt, sondern auch für die Realisierung unserer Pläne? Ideen mögen noch so schön sein, zu ihrer Verwirklichung ist Kapital, häufig viel Kapital vonnöten, und leider wollte damals in Deutschland das Kapital nicht gern mit Ideen zusammengehen.
In dieser prekären Situation schilderte Massolle unser Vorhaben und unsere Sorgen einem uns von der Marinezeit her wohlwollend gesinnten hohen Beamten der Deutschen Post, Herrn Dr. Hans Harbich. Unsere Ideen leuchteten ihm ein. Er versprach, die Sache mit den leitenden Herren der großen elektrotechnischen Firma C. Lorenz in Berlin- Tempelhof zu erwägen. Auch diese Herren fanden unsere Pläne realisierbar. Sie erklärten sich bereit, selbstverständlich gegen entsprechende Beteiligung am Ergebnis, die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Abb2. Das Vakuumlaboratorium des "Triergons" im Kohlenkeller der Babelsberger Straße
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Abb2. Das Vakuumlaboratorium des "Triergons" im Kohlenkeller der Babelsberger Straße
Am 1. Juli 1919 wurde das "Laboratorium für Kinematographie" in einem Blumenladen, unterhalb meiner Wohnung in der Babelsbergerstraße 49 in Berlin-Wilmersdorf, von den Erfinder- und Geldgebergruppen gegründet. Der frühere Blumenladen mit großer Fensterscheibe wurde Registratur-, Besuchs- und Schreibzimmer, Patent- und Konferenzraum, der eigentliche, etwas größere Nebenraum wurde Laboratorium, später auch Aufnahmeatelier und Wiedergaberaum. Das für unsere Glasarbeiten notwendig gewordene Vakuumlaboratorium mitsamt der Glasbläserei fand schließlich seinen Platz in einem kleinen, mit zwei Lichtluken aus Glasziegeln versehenen Kohlenkeller, nachdem der Koks herausgeräumt und die unverputzte Ziegelwand weiß gekalkt war. Abb. 2 zeigt einen Teil der Einrichtung, die wir dort aufbauten, samt unserem tüchtigen Glasbläsermeister Worgitzky.

Es ist erstaunlich, welche Fülle von Versuchen in diesem Kohlenkellerlaboratorium ausgeführt wurde. Neben der Entwicklung und Hochzüchtung der Verstärkerröhren waren es geräuschfreie Hochohmwiderstände, die wir für unsere Widerstandsverstärkerschaltung benötigten. Vor allem aber war es die Entwicklung einer trägheitslosen Aufzeichnungslampe, die dort durchgeführt wurde. Schließlich wurden dort die erforderlichen fotoelektrischen Zellen in verschiedenen Modellen hergestellt.
Am 21. Mai 1954, nachdem das im Krieg zerstörte Haus wiederaufgebaut war, hat die Stadt Berlin an demselben eine Bronzetafel mit den Namen der Erfinder angebracht.

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(Deutsches Museum - Abhandlungen und Berichte - 32. Jahrgang 1964 - Heft2)
Mit freundlicher Genehmigung Deutsches Museum
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