Vogt Die Erfindung des Lichttonfilms III
aus Filmvorfuehrer, der freien Wissensdatenbank
III. Der leitende Gedanke und seine Verwirklichung
Folgende Leitgedanken legten wir unseren Arbeiten zugrunde:
- Als Schallträger muß der gleiche Film dienen, der auch das Bild trägt.
- Der Schall muß fotografisch aufgenommen und durch fotografische Prozesse vervielfältigt werden.
- Alle erforderlichen Einrichtungen für die Schallaufnahme, -verstärkung, -übertragung, -fixierung, -kopierung und -wiedergabe dürfen den Originalschalleindruck nicht deformieren.
Nur von der Erfüllung dieser erwähnten drei Bedingungen konnte nan eine naturgetreue und synchron mit dem Bildvorgang ablaufende Schallwiedergabe erwarten.
Die Aufzeichnung vom 30. Oktober 1918 aus meinem Erfindertagebuch, Abb. 3, enthält bereits einige der wesentlichen diesen Anforderungen entsprechenden Mlerkmale: ein Mikrophon, eine schalldruckempfindiche, leuchtende Gasstrecke (Quecksilberdampflampe) für die Aufnahme, die Anordnung derselben mit einem Spalt vor dem Film und eine foto- elektrische Zelle (Kaliumzelle) samt Verstärkerröhre für die Wiedergabe.
Abb. 3: Erste Notiz vom 30. Oktober 1918 über das Prinzip des einzuschlagenden weges im Tagebuch des Verfassers.
Abb. 4: Schematische Darstellung der Aufnahme und Wiedergabe eines Bildtonfilms.
In der Abb. 4 ist der Aufnahme- und Wiedergabevorgang eines "Bildtonfilms" prinzipiell und schematisch dargestellt.
Zum Verständnis dieser Abbildungen sei nur kurz folgendes erwähnt: Der Film bewegt sich bei dem Aufnahmevorgang ruckweise an der Stelle B vorbei und nimmt dort die von der Szene ausgehenden Lichteindrücke, das "Bild", zerlegt in eine Anzahl "Teilbilder", auf. An der zweiten, tiefer liegenden Projektionsstelle T wird der "Ton" als schmale Lichtlinie seitlich vom Bild aufgezeichnet. Der von der Szene ausgehende Schall moduliert durch das Mikrophon K einen elektrischen Strom, dessen Änderungen im Verstärker I verstärkt und einer Gasentladungslampe L zugeführt werden. Der von dieser Lampe ausgehende Lichtstrom ändert sich somit im Rhythmus der Schallvorgänge und wird durch ein Linsensystem auf dem sich jetzt gleichmäßig weiter bewegenden Film an der Stelle T als schmaler Schwärzungsstreifen in Form feiner, unregelmäßiger Sprossen abgebildet. Zwischen den Projektionsstellen B und T ist eine Schleife zu dem Zwecke eingeschaltet, die ruckweise Bewegung des Filmes an der oberen "Bildabbildungsstelle" in eine stetige an der "unteren Tonabbildungsstelle" zu verwandeln.
Bei der Wiedergabe des inzwischen durch Umkopierung hergestellten positiven "Bildtonfilms" verläuft der Prozeß umgekehrt. An der Stelle B werden die Szenenbilder des sich dort ebenfalls ruckweise bewegenden Positivbildfilmes durchleuchtet und vermittels eines Objektives an die Projektionsfläche geworfen. Weiter unten wird durch eine andere Lichtquelle die Sprossenschrift der Tonaufzeichnung gleichfalls durchleuchtet. Das entsprechend der jeweiligen Durchlässigkeit einer Sprosse der geichmäßig vorübergleitenden Filmaufzeichnung sich ändernde Licht fällt in eine fotoelektrische Zelle, die in übereinstimmung mit den einfallenden Lichtmengen Elektronenströme auf einen Verstärker II gibt, der diese Ströme entsprechend vervielfacht und schließlich dem Lautsprecher unterhalb der Projektionswand zuführt. Das sind, in einfacher Weise dargestellt, die prinzipiellen Vorgänge bei der Aufnahme und Wiedergabe sprechender Filme, wie sie von Triergon angegeben wurden und heute noch gelten.
Nachdem das Prinzip festlag, galt es nunmehr, die zahlreichen Einzelprobleme in Angriff zu nehmen.
(Deutsches Museum - Abhandlungen und Berichte - 32. Jahrgang 1964 - Heft2)
Mit freundlicher Genehmigung Deutsches Museum
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