Vogt Die Erfindung des Lichttonfilms III c
aus Filmvorfuehrer, der freien Wissensdatenbank
c) Lichtquellen für die Tonaufzeichnungen
Für die Umformung der im Schallrhythmus vom Verstärker kommenden Wechselströme benötigte man ein Organ, das entsprechend den Stromänderungen Lichtänderungen herbeiführt, die den vorbeilaufenden Film entsprechend ihrem Rhythmus schwärzen. Diese Lichteinwirkungen können entweder räumlich sich vollziehen, hervorgerufen etwa durch ein sich schwenkendes Spiegelchen oder eine sich öffnenden und schließenden schrägen Spalt -- es entsteht dann eine zackenförmige Aufzeichnung -- oder dadruch, daß die Intensität der Lichtquelle, "im akustischen Rhythmus", variiert --; eine "Sprossenschrift" wäre dann die Folge. Wir entschlossen uns, nach einigen Vorversuchen mit mechanischen Systemen auf den ersten Weg zu verzichten, da mechanische Resonanzlagen und dadurch Bevorzugung einzelner Frequenzgebiete zu erwarten waren; wir entschieden uns für den zweiten Weg, nämlich, eine leuchtende Gasentladung zu verwenden. Die umfangreichen Erprobungen der verschiedensten Typen von Röhren eigener Herstellung führten schließlich zu einer Gasentladungsröhre mit räumlich eingeengtem, punktförmigem, kathodischem Glimmlicht, das in Abhängigkeit von der Stärke des im akustischen Rhythmus variierenden Anodenstroms seine Leuchtintensität änderte.
Die Abb. 10. zeigt eine derartige gebrauchsfähige und zu Tonaufzeichnungen brauchbare Glimmlampe. Die Abb. 11 zeigt diese Lampe im Schnitt, an Hand dessen ihre Konstruktion näher erläutert werden soll. Bei dieser trägheitslosen Lichtquelle, wir nannten sie "Ultrafrequenzlampe", (sie wurde bis 100 000 Hertz untersucht) besteht die Kathode K aus einem, mit den Wärme abstrahlenden Radiatoren RR versehenen Kupferstab, der über einen Platinkragen in das Glasgefäß eingeschmolzen ist. An der vorderen Seite trägt es zur Vermeidung der Metallzerstäubung eine Kalotte aus Wolfram. Diese stabförmige Kathode ist in einem engen Abstand von einem Magnesiumoxydzylinder T, der durch ein Glasrohr gehalten wird, umgeben. Die Anode A ist ein eingeschmolzenes, dünnes Drähtchen. Dieses Drähtchen ist mit der Lampenfassung F verbunden. Um eine hohe Leuchtdichte zu erzielen, ist der Druck in dem mit Stickstoff oder Argongas gefüllten Glas ziemlich hoch. Diese Gase haben bekanntlich im angeregten Zustand starke Linien im violetten Bereich des Spektrums, dem gleichen Bereich, bei welchem auch der normale Positivfilm eine hohe Empfindlichkeit aufweist. Im Gebrauch lag an dieser Lampe eine Spannung von ca. 500 Volt bei einem mittleren Strom von ca. 15 mA. Die von ihr abgestrahlte Lichtmenge, über das später zu beschreibende optische System in Form einer ca. fünftausendstel Millimeter breiten und einige Millimeter langen Lichtlinie auf den mit einer Geschwindigkeit von 38cm pro Sekunde vorüberlaufenden Film projiziert, reichte gerade aus, um die erforderliche Schwärzung des Filmes zu bewirken. Dieses "Lichtrelais" erhielt am 3. Juni 1919 das DRP 368 367. Nach mir zugegangenen Informationen wurde es noch im Jahre 1950, also nach 30 Jahren, zu Filmaufnahmen benutzt.
(Deutsches Museum - Abhandlungen und Berichte - 32. Jahrgang 1964 - Heft2)
Mit freundlicher Genehmigung Deutsches Museum
Diese Seite steht nicht unter der GNU Freie Dokumentationslizenz. Eine Weiterveröffentlichung ist ohne Genehmigung des Rechteinhabers nicht erlaubt

