Filmvorführerforum: 70 mm - Vorführtermine (In- und Ausland) - Filmvorführerforum

Zum Inhalt wechseln

  • 117 Seiten +
  • « Erste
  • 115
  • 116
  • 117
  • Du kannst kein neues Thema erstellen
  • Antworten nicht möglich

70 mm - Vorführtermine (In- und Ausland) Thema bewerten: ***** 3 Stimmen

#2321 Mitglied ist offline   cinerama 

  • Advanced Member
  • PIPPIPPIP
  • Galerie anzeigen
  • Gruppe: Mitglieder
  • Beiträge: 6321
  • Registriert: 03 October 2003

Geschrieben 30 April 2012 - 20:49

Beitrag anzeigenmagentacine sagte am 30 April 2012 - 18:13:

@cinerama hat völlig Recht mit der Feststellung, daß die restaurierte Fassung von PLAYTIME farblich anders aussieht als die EA-Kopien. Seine komplette Ablehnung würde ich nicht teilen, allein aufgrund der Frage: Was ist die Alternative? Die 35-mm-Kopien fand ich immer unbefriedigend, und eine Neukopierung direkt vom Kameranegativ wird (leider) niemand mehr riskieren.

@cinerama:
Du hast immer wieder auf die speziellen Eigenarten des damaligen Eastman-Prozesses hingewiesen. Ist es aus Deiner Kopierwerks-Erfahrung überhaupt möglich, von einem damaligen (nicht veränderten) Farbnegativ über heutiges Duplikatmaterial auf heutigem Farbprintmaterial den Originalcharakter eines Films mit so subtilen Abstufungen wie PLAYTIME herzustellen? Ich meine, wirklich vergleichbar mit einer damaligen Direktkopie?

Neukopierung ist immer gut - das hatte ich oben verteidigt und somit dem Vorwurf der Totalablehnung vorzubeugen versucht.
Die Zusammensetzung der Farbstoffe ist zu untersuchen, da es Änderungen gab. Auch die Rezepturen damaliger Materialien sind nicht im Sinne heutiger MTF-Verfahren erfasst worden.
Wer ein Meister der photochemischen Entwicklung ist (dazu gehört nicht nur das Genie des Ingenieurs oder Chemikers, zumeist eher die des Praktikers und "Erkennenden") wird durch Änderungen im ECP-Entwicklungsprozess grösstmögliche Näherungen zum Original erreichen. Auch jüngere Kopierwerksleute, wenn sie denn je weder einen solchen Auftrag erhielten, sollten zu diesen Annäherungen fähig sein: meist aber arbeiten die jungen Talente bereits als Colorist in Grading Studios und mit anderen Medienträgern und sind dem Kopierwerk verloren gegangen.
Zeitgleich gibt es noch einige kurz vor (oder weit nach) der Rente stehende Lichtbestimmer und Tonmeister damaliger Epochen, die ein eindrucksvoll scharfes und sicheres Erinnerungsvermögen haben (präziser oft als die der praktizierenden "Filmkünstler", bedauerlicherweise).
Aber hierbei geht es dann auch schon um sehr detaillierte, feinsinnige oder professionelle Debatten.

Die oftmals in unserem Forum angesprochenen, wirklich sehr groben Fehler (zu helle, zu grüne, in Weissflächen zu gelbliche oder in der Ausleuchtung ungleichmässige oder im Bildstand verwackelte) Breitfilmkopien sollte m.E. selbst ein historisch unerfahrener, aber für heutige Auftragsabwicklung verantwortlicher Mitarbeiter eines Filmkopierwerks erkennen.

Das Vertiefen in die Kunst der Feinheiten (etwa die eigentümliche "Lichtstimmung" der Fox-Klassiker der 60er Jahre, oder die Farbbestimmung eines Ausstattungsfilms wie THE TEN COMMANDMENS) ginge bereits über diese Forderung nach Mindesstandards (Vermeidung zu heller, absaufender, farbstichiger ausfressender oder im LAD-Standard sich bewegender Abstimmungen) hinaus und erforderte intensive Kenntnisse der einzelnen Filme und des ästhetischen Geschmacks der damaligen Epoche. Kunsthistorischer Sachverstand ist dabei von Vorteil.

Das umzusetzen ist personell schwierig im Jahre 2012 und nur in wenigen Fällen glückend - aber wenn man die richtigen Personen zusammenbrächte, dann klappt das garantiert ...

Kurzum: ich bestätige klar, dass der Charakter des damaligen Looks auch über eine heutige Duplikatherstellung erhalten werden kann. Und noch radikaler gesagt: es sollte eine Direktkopierung von den meisten Eastman-Color-Kameraoriginalen der Breitfilme auch heute noch möglich und anstrebenswert sein. Wer mit Material umgehen kann, seinen BHP beherscht, der bekommt diesen Auftrag fraglos hin. Fragiler verhält es sich leider bei Orwo- und Agfa-Materialien, aber bei den 70mm-Eastman Color-Produktionen (zudem mit langen Schnitten) sehe ich von Einzelfällen abgesehen und im Gegensatz zu den mit Sicherungs- (also Dup-)Arbeiten beauftragten Restauratoren keine grossen Probleme.
Neuerliche Direktkopierungen vom Originalnegativ hätte man ab 1987 bei LAWRENCE O.A, FAIR LADY, VERTIGO, 2001, PLAY TIME drigend durchführen sollen. Und damit zumindest eine Handvoll vorzeigbarer Archivkopien anbieten können. Wenn natürlich mutwillige Beschädigung oder der Verlust einer Negativrolle im Spiel sein sollte, liegt die Lage schwieriger. Das sind aber doch Ausnahmen. Die meisten Geschichten über horrend erhaltene Materialien sind masslos aufgebauscht und übertrieben. Und zur Erstellung und Finanzierung eines Sicherungspakets (Dupmaterialien) bedarf es oft eines marketing-technisch "gelungenen" Begündungshorizonts, der all das erst fantastisch ausmalt, was den Eindruck befördern hilft, man sei Teilhaber, Unterstützter und Zeitzeuge einer filmischen Rettung geworden (obwohl die Mängel an den Originalnegativen vernachlässigbar gering sind).

Diesen Standpunkt - wie auch die "überzogen" wirkende Kritik an den leider zu oft verherrlichten 70mm-Restaurationsfassungen seit ebenfalls rund zehn Jahren, auch im Forum) vertrete ich deshalb so unnachgiebig, weil viele Fehler auf Schusseligkeit beruhten und vermeidbar gewesen wären. Und weil man noch heute perfekte 70mm-Kopien ziehen könnte!
Es hätte daher (zumindest nach meiner Auffassung seit 2002) wenig genützt, derart unvorsichtig, wie international bei den Auswertungen dieser Restaurationsfassungen geschehen, alles zu idealisieren, wo doch absehbar war, das diese teils gravierenden Fehler spätestens mit der Edition einer DVD oder Blu ray Disc, die ja zumeist eine brauchbare Korrektur- und Endfertigung erhält, auffallen würden.
Man hätte daher rechtzeitig die schlampige Arbeit der hier namentlich benannten Restaurateure anprangern sollen, um zu verhindern, dass eine (eigentlich technisch unbegründete!) Flucht zu den DVD- oder DCP-Medien ingang gesetzt wird. Durch einwandfreie Arbeit der photochemischen Restaurateure hätte man die Bedeutung der Digisate somit zurückdrängen können.
Jedenfalls war das meine Hoffnung und ist es nach wie vor. Gute Beispiele für die Neukopierung auf 70mm sind LORD JIM und in Teilen auch HELLO DOLLY.
Es geht doch!


(Trotzdem hört man, die in Kürze auftauchende Blu ray Disc von LAWRENCE O.A. soll schon wieder auf Restaurationsmaterial von Robert A. Harris zurückgehen. Seit Harris aber, also 1987, hat kaum einer mehr das Originalnegativ genutzt. Jetzt soll es unbrauchbar geworden sein?)

Widescreen & Cinema Society Berlin
1

#2322 Mitglied ist offline   cinerama 

  • Advanced Member
  • PIPPIPPIP
  • Galerie anzeigen
  • Gruppe: Mitglieder
  • Beiträge: 6321
  • Registriert: 03 October 2003

Geschrieben 05 May 2012 - 02:36

Ein Marathon-70mm-Festival noch in diesem Jahr steckt in den Vorbereitungen, mit teils seit 50 Jahren nicht mehr gezeigten Vintage Prints ...

Totgesagte leben manchmal länger, das gilt auch für das 70mm-Kino! Und in anbetracht von HD und RealD überall - was bleibt waschechten Kinoenthusiasten Anderes übrig, als ausnahmsweise einmal auch auf das krasse Gegenteil zu setzen?

Was wäre "natur-sichtiger" als 3D?
3D ohne Brillen!
Ergo 70mm-Breitfilmpräsentation.

Und sie sollte (wenn möglich) "authentisch" sein. Die Debatte darüber wird nicht enden.

Hier der Auftakt:

Angehängte Datei(en)


Widescreen & Cinema Society Berlin
0

#2323 Mitglied ist offline   preston sturges 

  • Advanced Member
  • Galerie anzeigen
  • Gruppe: Moderatoren
  • Beiträge: 5083
  • Registriert: 05 June 2003
  • OrtKarlsruhe

Geschrieben 05 May 2012 - 07:26

Pfingstsonntag, 27. Mai, 17:00 Uhr - Schauburg-CINERAMA, Karlsruhe
"Karlsruher Filmwochen 2012"

Jacques Tati: Playtime
Frankreich 1967 - 126 Min.
Regie: Jacques Tati
Mit Jacques Tati, Barbara Dennek

Restaurierte Fassung im Original 70mm-Format

Monsieur Hulot in modernen Zeiten: im Labyrinth eines Bürohauses, auf einer Erfindermesse,
in den Wohnzellen der Eigentumswohnungen erlebt und erleidet er Segnungen und
Wirrungen des zukunftsorientierten Lebens in allen seinen Ausprägungen. Schließlich
dekonstruiert er ein neu eröffnetes Restaurant bis aus den Ruinen wieder Pariser savoir vivre
erblüht. – Ein Meisterwerk des subtilen Humors, mit gigantischem Aufwand produziert: als
Filmkulisse wurde ein ganze Betonstadt gebaut.

Ermäßigter Eintrittspreis für Forumsmitglieder (bitte PN an mich)

Mit Einführung und anschließendem Filmgespräch

Angehängte Datei(en)


0

#2324 Mitglied ist offline   cinerama 

  • Advanced Member
  • PIPPIPPIP
  • Galerie anzeigen
  • Gruppe: Mitglieder
  • Beiträge: 6321
  • Registriert: 03 October 2003

Geschrieben 07 May 2012 - 12:38

Bezugnehmend auf einen kleinen Disput über die Güte von Tonformaten und heutigen Umspielungen auf http://www.filmvorfu...100#entry163610 behauptet @preston sturges von der "Schauburg Karlsruhe", meine Aussage zum dts-Transfer älterer Magnettonmaster sei nicht auf Basis von A/B-Vergleichen erfolgt.

Beitrag anzeigenpreston sturges sagte am 07 May 2012 - 06:40:

A/B Vergleich wäre eim direkter Vergleich von 70mm Magnetton und 70mm dts-Ton unter identischen Wiedergabebedingungen gleichzeitig in einem Kinosaal.
Der Begriff A-B steht dann für das direkte Schalten von einer Quelle zur anderen Quelle um einen unbeeinflußten und möglichst objektiven Vergleich zu ermöglichen.

Zielführend wäre es dann, diesen Vergleich auch "blind" durchzuführen, d.h. es ist beim Abhören nicht bekannt, welche Quelle gerade gehört wird.
Erst nach Auswertung blinder A/B Vergleiche sind einigermaßen zuverlässige Aussagen zur Perzeption der verschiedenen Tonformate zu treffen.

Auch wage ich Deine Aussage zu bezweifeln, dass ein solcher A/B Vergleich mit den genannten Titeln von Dir durchgeführt wurde ... dazu fehlt/fehlte Dir auch letztendlich der Zugriff auf die 70mm-dts Neukopierungen.


Angebot:

eine Testwiederholung wird hiermit angeboten.

Davon ausgehend, dass der @preston sturges zur Verfügung stehende Raum auch vor ihm selbst glaubhaft bleibt - und zumal er im Filmvorführerforum nicht konkreter auf Filmtitel und Restaurationsbewertungen eingeht - erkläre ich mich gerne kostenlos bereit, mit einer 70mm-Magnetton-Rolle der Erstaufführung zur kommenden Veranstaltung, PLAY TIME restored (für die ich hiermit sogar werbe), zu erscheinen. Einzige Bedingung: eine anteilige Übernahme von Fahrtkosten (MFZ z. B.) und das Arrangement einer Übernachtung. Evtl. auch ohne Übernachtung mit sofortiger Rückfahrt.

Blind- und Sehtests eingeschlossen, möge sich jeder selbst am konkreten Material informieren. Wenn gewünscht (es ist kein "Muss"), könnte doch auch das Publikum über seine Eindrücke abstimmen? Sollte es zugunsten der Tongüte und der Bildschärfe der neuen DTS-70mm-Fassung abstimmen, werde ich sämtliche Unkosten übernehmen.

Aufgrund der Verbindlichkeit der Disponierung des oben genannten Films würde diese Vorführung an besagtem Termin sowohl das Publikum interessieren als vielleicht auch den Regisseur Tati, würde er noch leben.
Widescreen & Cinema Society Berlin
0


  • 117 Seiten +
  • « Erste
  • 115
  • 116
  • 117
  • Du kannst kein neues Thema erstellen
  • Antworten nicht möglich

Thema verteilen:


1 Besucher lesen dieses Thema
Mitglieder: 0, Gäste: 1, unsichtbare Mitglieder: 0