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Ende der Vorstellung: Das Handwerk der Filmvorführer stirbt aus


rene rossi

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(Rant fortgesetzt)

 

Nachdem 35mm-Kopien in Zukunft wohl nur noch in Archivkinos und Kinematheken gespielt werden dürften, bin ich für ordentliche normgerechte Überblendzeichen und strenge Bestrafung (Neukopierung Klammerteil oder ganzer Akt, deftigste Geldbußen für eigenmächtig angebrachte Zeichen).

Ein Vorführer, der sein Handwerk versteht, kann auch nur mit einem Achtungszeichen und etwas Taktgefühl sauber überblenden, daher ist der oft gebrachte Einwand unsinnig, das zweite Zeichen falle dem Verschleiß zum Opfer. Ja und? Selbst wenn, kann man das beim Einlegen und/oder Starten einwandfrei kompensieren.

 

Zu viele Vorführer haben nie kapiert, was Kopienvorbereitung ist und wozu sie dient, daß ältere Kopien in ganzer Länge manuell überprüft werden müssen (Filmkante, Einrisse, sich öffnende Klebestellen usw.), bevor man sie projiziert. Da können manche Festivals als Vorbild dienen, bei denen es trotz historischem Material und zahlreichen Klebestellen zu keinem Filmriß und keinen Schäden kommt.

 

Aber wozu sag ich's - die einen haben ein Gefühl dafür, bei den anderen hilft erfahrungsgemäß auch keine Erklärung. Halten sich aber alle für Spitzenvorführer! :roll:

 

"Adrenalin", wenn ich heute nicht mehr gelacht hätte! Für simple Konzentration auf die Arbeit wollen manche schon als Helden gefeiert werden. Das sind sog. Foyervorführer, die mit einem Espresso im Foyer stehen und hoffen, daß jemand sie für intellektuell hält, auch wenn sie nicht genau wissen, wieviel L in das Wort gehören...

 

Ist das etwa die Jodeldiplominhaberin, die schon Tati seitenverkehrt vorgeführt hat, weil auf 70mm-Film keine Lichttonspur zu sehen ist?

 

Kommt hin. Klingt so nach "hängengebliebener" Studentin (ich kann nix, werd nix, also bleib ich hier) Und "Herr Bodo" ist wohl auch nicht unbedingt ein eifriger Vorführer, es sei denn, der Text verhaspelt sich hier

Natürlich seien deren Server – auf die die Filmkopien zuvor geladen werden müssen – weniger reparaturanfällig, räumt auch Seifried ein, aber “ansonsten wird da nur aufs Knöpfchen gedrückt

 

 

Aber wenn wir schon bei Fehlern sind: Ich habe erst kürzlich eine Kopie eines Fernsehsenders (arg geschrumpft, sollte aber im Beitrag laufen) auf dem Gewissen... die war danach nicht mehr zu gebrauchen... lauter Schnipsel

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Hossaa!! ... das macht doch Spaß und Laune, mal richtig vom Leder zu ziehen und die "Fehler der Anderen" an den Pranger stellen zu dürfen. Da kann man gut die (chauvinistische) Sau rauslassen und es tut der gefrusteten Seele gut!

 

Und wenn Du gerade so schön dabei bist ... erzähl doch mal von der Chaos Vorstellung im April 2011 in der ASTOR Filmlounge ... als die 70mm Kopie von ANNA KARENINA vom Master of Desaster "zu Fritten" gefahren worden ist.

Das war die einzige Kopie, die nicht ich vorbereitet habe, denn diese liefen ohne Risse.

Eidesstattliche Erklärung. Deutlich genug?

Was war eigentlich mit DIE BEFREIUNG los in Karlsruhe? Der zweite Teil wurde nach Überraschungen abgesetzt und auf 35mm nachbestellt.

Das Bundesarchiv hat sich das gemerkt.

 

Mein Einwand zielt ja nicht darauf ab, eine bestimmte Person zu beschuldigen, sondern dass solches 45 Jahre altes Material sehr sorgfältig geprüft und im Zweifelsfall auch umdisponiert werden muss. Und wenn unterschiedliche Personen eine solchen Kopie richten, muss natürliche eine professionelle Kommunikation über Zustand etc. zwischen den Beteiligten gegeben sein.

 

Ältere 70mm Kopien sind immer geschrumpft ... ich habe keine Kopie in den Händen gehabt, die noch 70mm breit war. 68mm - 68,5mm ist die Regel. Manche sogar nur 67mm breit ... was dann natürlich auch zu kleinen Verschiebungen der Tonspurlagen führt ..

. ein Faß ohne Boden ... :sad:

 

Wofür Karlsruhe keine geschruimpftem Zahnkränze besitzt. Eine Archivkopie sehr ich in der dortigen Schauburg gefährdet, durch vorerst unmerkliche Änderungen an der Perforation.

Bearbeitet von cinerama (Änderungen anzeigen)
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[...]

Und ja ... ich habe schon mal einen Akt verkehrt eingelegt und dann die Tonspur auf der Bildwand bewundert. War mir sehr peinlich und dauerte auch einige Minuten, bis der Akt ausgelegt, auf Anfang gespult und wieder neu eingelegt war.

[....]

Wenn das Nicht-Erkennen von Materialschwächen kein Vorführfehler ist, was denn dann? Gerade seltene und nicht wiederbringbare 70mm Kopien sollte man auf "Herz und Nieren" prüfen und die Vorführtauglichkeit beurteilen können. Das gehört zum Handwerk.

 

Hast Du nicht noch mehr riskiert? ALIENS auf Bauer U2 usw., wo dann Bildfelder infrage standen?

Aber dem "Verteidiger" des Handwerks und der Sorgfalt passiert das nicht, niemals....

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[...]Manche sogar nur 67mm breit ... was dann natürlich auch zu kleinen Verschiebungen der Tonspurlagen führt ... ein Faß ohne Boden ... :sad:

 

Und die führst Du noch mechanisch "sorgfältig und gewissenhaft" vor? (Nur kleine Verschiebungen der Tonspur als Folge?)

Möchte ich gerne sehen und davon lernen.

Aber angeblich wurde "Todd-AO so erfunden", hörte man aus Deiner Region.

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Märbelpicker, Ameisler, Kammertürke, Silhouettenschneider, Scharfrichter, Rohrpostbeamten, Quacksalber, Paternostermacher, Bernsteindreher, Lithograph, Bleisatzsetzer, Köhler, Hofmohren, Inselindianer, Moritatensänger, Fullonen, Urinwäscher, Fischbeinreißer, Kaffeeriecher, Gepäckträger, Abtrittanbieter, Harzer, Küfer, Haferlump, Postreiter, Feuermelder - alles ausgestorbene Berufe. Also, was soll das Gejammere...

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  • 2 Wochen später...

Der Zeit-Artikel ist ja die totale Schauergeschichte ... früher Filmwickel, die vom Teller durch den ganzen Raum flogen, rausgeschnittene Bilder bei Filmriss, heute Kinoserver, die mehr Hitze erzeugen, als die analogen Kisten ... Zentralsteuerung aus dem technischen Betriebsraum (ehemals BWR), statt aus dem Büro ... meine Lieblingsstilblüte: "hüfthohe Filmrollen [...], 30 Kilo schwer, die umständlich auf den Projektor gewuchtet werden mussten" - versuche mir gerade vorzustellen, wie man früher die Filmwickel auf das Lampenhaus gelegt hat ...

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Der Zeit-Artikel ist ja die totale Schauergeschichte ... früher Filmwickel, die vom Teller durch den ganzen Raum flogen, rausgeschnittene Bilder bei Filmriss, heute Kinoserver, die mehr Hitze erzeugen, als die analogen Kisten ... Zentralsteuerung aus dem technischen Betriebsraum (ehemals BWR), statt aus dem Büro ... meine Lieblingsstilblüte: "hüfthohe Filmrollen [...], 30 Kilo schwer, die umständlich auf den Projektor gewuchtet werden mussten" - versuche mir gerade vorzustellen, wie man früher die Filmwickel auf das Lampenhaus gelegt hat ...

 

Hui, Du hast nie nen Drei-Stunden-Film vom Spulenturm vorgeführt, oder?

 

Schöne Grüße,

Matthias

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Doch. Aber wie du schon schreibst, ist der Spulenturm der korrekte Ort für eine 3-Std-Film-Filmspule und nicht der Projektor.

 

Ich weiß bei solchen bei solchen Artikeln nie genau, ob der Lokaljournalist die Geschichte nur "nostalgisch" aufbrezeln will, oder ob sich da nicht auch unbedacht schlampige Arbeitsweise und mangelndes technisches Wissen von Seiten der Kinomitarbeiter artikuliert (was ich hier beileibe nicht kritisieren will!).

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Doch. Aber wie du schon schreibst, ist der Spulenturm der korrekte Ort für eine 3-Std-Film-Filmspule und nicht der Projektor.

 

Naja, das ist aber jetzt mäkelig -- für einen Nicht-Fachmann ist der Spulenturm schlicht Teil des Projektors.

 

Schöne Grüße,

Matthias

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Schön auch, wenn im verlinkten, älteren Artikel das Gegenteil erzählt wird :-D

http://www.zeit.de/k...-filmvorfuehrer

 

"Am Stück wäre die Filmrolle so groß und schwer, dass man sie gar nicht heben könnte", sagt Dumski.
In kleinen Kinos müssen Filmvorführer mitunter zwischendurch auch den Saal reinigen, den Einlass koordinieren, das Licht kontrollieren und kleinere handwerkliche Tätigkeiten erledigen.

 

Vergleiche o.g. neueren Artikel:

Längst [= nach der Digitalisierung] muss ein Filmvorführer viel mehr leisten als nur die technische Vorbereitung der Vorführungen. Er regelt den Einlass, sitzt an der Kasse, nimmt Reservierungen am Telefon entgegen und räumt nach der Vorstellung den Saal auf.
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Spannender als das Recycling des schon bei Impulse (verkürzt) publizierten Artikels - aha, kam über dpa, werden wir also in der nächsten Zeit noch anderswo lesen - scheint mir die Rubrik, unter der der SPIEGEL den Artikel eingeordnet hat: "Kuriose Berufe". Mhhh. Da finde ich die Ansage "Einsiedler gesucht, Arbeitsort Schlucht" (fast gleich darunter) doch wesentlich aufregender. Ab in die Schweiz ... ;-)

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In der Saure-Gurken-Zeit ist Kino-Nostalgie wohl besonders angesagt, neuer Aufguss der gleichen Geschichte:

 

Spannend fänd ich ja mal ein Portrait über einen Film-Spediteur -- ein Beruf, von dem kaum jemand weiß, dass es ihn überhaupt gibt, aber um so mehr ein spannendes Thema so einer Reportage.

 

Schöne Grüße,

Matthias

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Spannend als alleinigen Inhalt - naja...

Eher schon in Kombination mit einer Kinodoku. Welche echten Film-Spediteure fahren denn noch Pelicases durch die Gegend? Überleben könnten die doch eh nur noch, wenn sie auch beliebige andere Güter transportieren, das verwässert das Berufsbild doch arg.

 

- Carsten

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