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Filmtechniker

Die Werkstatt überlebt — in Öl eingelegt

36 posts in this topic

Überempfindlich trifft es ganz gut, obgleich ich gut nachvollziehen kann, daß miserabel formatierte, rhetorische Katastrophen sehr, sehr stören können; so weit stören können, daß man nicht weiterlesen möchte. Und da, finde ich, hat TK-Chris völlig recht: Man hätte, nachdem das Gespräch i. allg. positiv verlief, konstruktiv auf diese Fehler hinweisen können. Möglicherweise war das Konzept des Ordners ja ganz brauchbar, sodaß die Expertise einer fachkundigen Person nur zu einer in jedem Falle erwünschten Verbesserung geführt haben könnte.

 

Aber manchmal hat man seine Gründe, und da teile ich wiederum nicht TK-Chris' Ansicht. Wenn man nicht hinter der Sache steht, sollte man es bleibenlassen, und wenn die Konsequenzen auch unangenehm sind. Sich selbst und seinen Prinzipien treu zu bleiben ist genauso eine Tugend, wie Pünktlichkeit.

Edited by FP (see edit history)

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Oder der Ordner war ganz bewußt so gestaltet, einfach um anhand der Reaktion des Bewerbers Rückschlüsse zu ziehen......

Quasi die Nudel an der Backe.

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Es scheint, ich bin von den Verhältnissen in der Schweiz total eingeschüchtert und wage es schon gar nicht mehr, meine Stärken auszuspielen. Hier würde man sich gleich angegriffen fühlen, wenn ich sagte, man könnte die Texte verbessern.

 

Die Sozialämtler tun ja auch alles dafür, daß man sich über kurz oder lang als vollkommen unfähig fühlt.

 

Silas, danke! Da ist doch noch jemand, der versteht, was es bedeutet, wenn man sein Date einfach hocken läßt. Man spricht doch keine Einladung zu einer beruflichen Besprechung aus und hält sie nicht! Das ist keine Kleinigkeit, das ist grobe Unhöflichkeit.

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Es gibt doch auch das "akademische Viertelstündchen", welches ich zumeist anerkenne.

Im Prinzip muß ich Simon unterstützen. Der Termin wurde ja nicht von Simon, sondern vom Einladenden vorgegeben. Lade Ich (örtlich anwesend) ein, dann muß Ich auch zur vereinbarten Zeit bereit stehen. Ein externer Besucher kann sich verspäten.

Pünktlich wie die Reichsbahn, das war einmal. Straßen sind überlastet (keiner erinnert sich mehr an die mathem. Statistik, die Bücher wie "Die Dimensionierung von Verkehrswegen" hervorgebracht. Mußte ich auch noch durcharbeiten, denn Verkehrswege sind nicht nur Straßen und Schienen, sondern auch Stromtrassen und Fermeldebündel. Die Dimensionierung aller funktioniert nach dem gleichen mathem. Grundsatz. Doch unsere verdummten, nazistisch gestörten Politiker kennen keine Mathematik.

 

Eine Mappe mit orthographisch und von der Interpunktation widersinnig anmutenden Texten, in graphisch katastrophalem Zustand, da noch einen Kommentar zu verlangen, ist eigentlich unverschämt. Oder wollte der Herausgeber gerade dazu aufrufen, hier die Kritik anzuwenden? Das ist ja auch möglich. Nur, in meiner Kenntnis unserer Zeit, unwahrscheinlich.

Sich einer Arbeitsanbahnung in den Weg zu stellen? Ich glaube nicht, daß sich das daraus ableiten läßt. Nicht nur derjenige, welcher eine Stelle anbietet, kann auswählen. Auch ein Arbeitnehmer hat das Recht auf einen geeigneten Betrieb.

 

 

Chris, Du weist glaube ich ganz gut, daß es sich nicht lohnt, in D zu arbeiten. Etwa 12% sind Nettoeinzahler, die das System finanzieren. Der Rest (dazu gehören auch Studienrat und Frau als Leiterin des Umweltamtes usw.) sind Netto Bezieher.

Im "Niedriglohnsegment" (10 EUR/h) erzielst Du etwa 1600 EUR vor Abgaben, Steuern und Monat. Davon bleiben unter 1000 EUR nach.

Harz zahlt 405 EUR aus. Dazu muß man Wohnung, Energiezuschuß, Winterhilfe rechnen. Ich glaube, das ist in zumindest in D sehr viel attraktiver, als zu arbeiten.

Weshalb ja auch so viele Menschen so gerne nach D kommen, denn so gut geht es kaum einem Land.

Zudem ich beim "Arbeiten" meinen Ofen nicht mit (auf dem im dörflichen fast kostenlosen) Holz heizen kann, damit Oel oder Gas kaufen muß, ein Auto brauche, um zur Arbeit zu fahren, oder die nicht verbilligte Monatskarte der U-Bahn nehmen muß. Auch diese 60 EUR hier und da, die nicht zu zahlenden Krankenkassenanteile muß zum Vergleichsnetto hinzugerechnet werden.

Das ist aber ein anderes Thema und hat hier mit dem Thread nichts zu tun.

Ich wollte hier keinesfalls die Notwendigkeit einer angemessenen Sozialfürsorge kritisieren, sondern auf die Notwendigkeit einer 200 - 300%igen Lohnerhöhung für alle Beschäftigten (ohne Manager) bei Reformation des Steuersystems auf angemessene Spreizung zwischen tatsächlich gezahltem Eingangssteuersatz und Spitzensteuersatz hinweisen. Zusätlich würde eine Besteuerung "arbeitsloser Einkommen" > 70% helfen, eine tollen Standard für alle zu sichern. Doch dazu ist in Zeiten von Börsenwertorientierung und Globalismus keine Chance. Zum Nachteil aller.

 

St.

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Okay, allerdings wäre das in diesem Fall auch kein Grund für mich, den Job sausen zu lassen (sofern ich ihn haben möchte, weil interessant). Es sei denn, ich habe noch eine Tasche voller spannender anderer Angebote.

 

Trotzdem viel Erfolg bei der weiteren Suche, lass Dich nicht entmutigen.

Edited by Silas Leachman (see edit history)

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Silas, danke! Da ist doch noch jemand, der versteht, was es bedeutet, wenn man sein Date einfach hocken läßt. Man spricht doch keine Einladung zu einer beruflichen Besprechung aus und hält sie nicht! Das ist keine Kleinigkeit, das ist grobe Unhöflichkeit.

 

Simon, ich wollte mit meiner Anmerkung durch die Blume andeuten, dass es so gedeutet werden kann, dass man dich vielleicht hat warten lassen, weil du selbst unpünktlich warst. Wenn du erst zur vereinbarten Minute durch die Tür schreitest, ist das m.E. schon verspätet für einen Vorstellungstermin.

Deutsches und Schweizer Pünktlichkeitsverständnis unterscheiden sich hier möglicherweise.

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Sich einer Arbeitsanbahnung in den Weg zu stellen? Ich glaube nicht, daß sich das daraus ableiten läßt. Nicht nur derjenige, welcher eine Stelle anbietet, kann auswählen. Auch ein Arbeitnehmer hat das Recht auf einen geeigneten Betrieb.

 

Hat er.

Aber wenn das einzige Argument ein Spleen, eine Unhöflichkeit oder sogar eine Unverschämtheit der Personalabteilung ist, sollter er das ignorieren.

Die Personalabteilung ist das letzte, wonach man einen Betrieb beurteilen kann.

Viel eher schaut man sich die Kantine, die Arbeitsplätze der künftigen Kollegen oder die schwarzen Bretter an - daran kann man (womöglich) etwas über das Betriebsklima ablesen.

 

Schöne Grüße,

Matthias

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Teile der Werkstatt überleben, in Öl und Holzstaub.

 

Mein Vermieter muß selber räumen bis Ende März, die ganze Schreinerei mit wesentlich mehr Maschinen, als ich habe.

Zum Glück fand ich etwas, heute sind die Fräsmaschine und die Stahlschränke bei blauem Himmel transferiert worden.

Die Colchester habe ich verkauft. Den Rest kann ich mit dem T4 noch holen.

 

Ja, Vorstellungsgespräche gibt es wohl keine mehr für so einen wie mich. Man steigt auch nicht von der Hochschule ins

Kinogewerbe ab und macht mit 48 eine Handwerkslehre, so blöd!

 

Das Rekursverfahren ist mittlerweile beim Appellationsgericht. Die Gegenpartei verschanzt sich hinter Papieren, mit

denen belegt ist, daß ich die Werkstatt aufgelöst habe (Bestätigung der Kündigung des Mietvertrags vom Vermieter,

Abmeldung bei der Vorsorgekasse) und dreht den Spieß um, indem sie sagt, mein aktuelles Rechtsschutzinteresse

wäre damit dahingefallen. Gleichzeitig behauptet sie weiterhin, ich wäre von Anfang an von der Sozialhilfe ergänzend

zur selbständigen Tätigkeit unterstützt worden. Das ist nicht der Fall. Diese laufend erneuerten Widersprüche stellen

ein geistiges Niveau dar, auf das ich mich eigentlich gar nicht mehr einlassen mag. Ich kann nur noch hoffen, daß es

beim Gericht irgend jemanden gibt, die oder der noch einen Funken gesunden Menschenverstand hat und den

Quatsch der Behörde erkennt.

 

Über alle die Monate ist dafür mein Vorhaben weiter gereift. Das kann mir niemand nehmen. Ich habe eine spezielle

Kopieranlage für stark geschrumpften 16-mm-Film erfunden, für einige Tausend Franken sind Werkstücke da, noch

aus der „Filmkunst“-Zeit, viele Zusammenhänge sind durchdacht, verstanden und überlegt. Während man beim

Wirtschaftsdepartement eine negative Einschätzung der Rentabilität meines Vorhabens macht, weiß ich sehr genau

um die Situation bei den Filmarchiven und noch bestehenden Kopierwerken. Ich habe bis 25 Promille Filmschrumpfung

Konkurrenz, darüber hinaus nicht mehr. Es gibt weltweit noch zwei Hersteller von Filmkopieranlagen, RTI-BHP und

Debrie Technologies plus eine Privatperson in Nordamerika. Debrie baut intermittierende Apparate, die bis 21 Promille

abfangen, BHP kontinuierlich belichtende, die bis 25 Promille ertragen. Im Format 16 sind aber beide schwächer,

BHP kann dort nur bis 12,5 Promille etwas anbieten. Meine Anlage führt 16-mm-Film bis zum buchstäblichen Zerfall,

was 30, 40, 50 Promille ausmachen kann.

 

Vielleicht sollte ich Lotto spielen. Es sind gerade etwa 20 Millionen im Jackpot.

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Zum Abschließen dieser Geschichte möchte ich nachtragen, daß nun auch das Lager aufgelöst ist, wo ich die Fräsmaschine, vier Stahlschränke voller Werkeuge und noch manches vom Labor gehalten hatte. Die Fräse ist verkauft. Ich habe noch ein Mal Projektoren aller Formate entsorgt. Es ging nicht anders. Doch es gibt Gewinn daraus, die Miete entfällt, alter Ballast ist weg, ich blicke wieder mehr nach vorne. 😌

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Sehr schade, aber vielleicht hätte man ggf. ankündigen können, wie radikal diese Entscheidungen anstanden? U.U wäre anderenorts Interesse an der Forts. solcher Projekte gewesen. "Entsorgen" ist eigentlich nur im Notfall angesagt - zuvor fragt man bitte in die Runde der Gleichgesinnten, bevor Gravierendes passiert. Danke.

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Man hat mitverfolgen können, wie ich einen Perforierapparat anschaffte, ihn zerlegte und die Kosten fürs Werkzeug aufrechnete. Noch und noch habe ich von Doppel-8-Rohfilm aus Material geschrieben, das als unperforiertes 16 mm erhältlich ist, auch von beidseitigem 16. Zu Gigabitfilm habe ich explizit ausgeführt, was gesagt werden kann, es ist sang- und klanglos untergegangen. Viele wollen Körnigkeit und Farbstiche. Rudolf hat meine Anweisung, wie die Streifen durch seinen Filmspalter gezogen werden müssen, in den Wind geschlagen und sich beklagt. Von alledem abgesehen gibt es noch so viele Projektoren, daß die von mir entsorgten keine Verluste darstellen. Der Diksi-Tfp. hat eine furchtbare Schwäche, die mir die Entscheidung leichter machte, der Variatorantrieb. Den Steenbeck 938 zerstörte ich schon vor Jahren. Zu viele Spanplatten und Keilriemen

 

Neues ist nötig, um den Film am Leben zu erhalten.

 

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