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SchumiFV

Das Kinosterben geht weiter

1.453 Beiträge in diesem Thema

Gestern war der letzte Spieltag der "Eden-Lichtspiele" in Lübeck, einem Kino in einem denkmalgeschützten Haus aus dem 13. Jahrhundert in der Lübecker Altstadt. Das Kino datiert auf die 10er Jahre, und ist um die 100 Jahre alt.

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Als Abschiedsveranstaltung wurde "Il nuovo cinema Paradisio" gegeben. Der Saal war noch mal gut gefüllt.

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Nach dem Ende des Films rief der neue Eigentümer zum "letzten Walzer" in der historischen Hanseaten-Diele, einem bekannten Tanzlokal der vergangenen Jahrzehnte, auf. Eines jener Etablissements, bei dem sich früher die Dame ihren gewünschten Herren per Tischtelephon zum Tanz auffordern konnte, eine entsprechende Telephonanlage gab es noch, 25 NSt...

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Wie mir ein älterer Gast erzählte, sind Er und seine Abiturkameraden dort nach dem Abitur hingegangen, um sich von einer der reichlich vorhandenen "reiferen Damen" in die Liebe einführen zu lassen.

Ab heute wird dann das Objekt beräumt und entkernt. Wer will, kann Devotionalien bei einem Auktionator vor Ort erwerben, zu einem "Schätzpreis". Was keinen Liebhaber findet, geht in den Container.

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Noch ein paar Bilder...

 

Tanzparkett

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Kinosaal

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Kasse/Foyer

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Notlicht

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Closetts

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Interessant an diesem "kleinen Theater" mit 300 Plätzen war das Philips-Verstärkergestell, seinerzeit (1951) das größte, was ELA und Tonfilm liefern konnte, für Säle bis 2500 Plätze waren hier 2 röhrenbestückte 40 Watt Verstärker mit aktiver, elektrischer Weiche verbaut. Biamp in 1951, irgendwie toll.

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Ich bin Anfang der 80er in Lübeck zur Berufsschule gegangen. Damals war das Eden, wenn ich mich recht erinnere, gut besucht, Besser jedenfalls, als die übrigen (Stadthalle?). Naja ist nun auch schon über 30 Jahre her...

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Martin,

 

der BWR wird gerettet. Nachdem zwar von privaten Interessenten keine Rückmeldung kam, was eine zeitnahe Rettung ermöglichte, ist es stattdessen gelungen, einen kompletten Wiederaufbau in einem Arbeitsschutzmuseum der DGUV bei Euch in der Nähe (Duisburg?) zu realisieren. Die ungewöhnliche Komplettheit der 1951er Installation ermöglicht es, den Arbeitsplatz Filmvorführer relativ realitätsnäh wieder erstehen zu lassen. Und das fand ich eine gute Lösung, die ich gerne unterstützen werde.

30 Jahre des Nicht-Investierens und 30 Jahre Stillstand mit div. Feuchteschäden machen es unmöglich, das Kino wiederzubeleben. Die letzte Schliessung stand 1950 aus brandschutzrechtl. Gründen an, was überhaupt zum Renovieren führte. Davor sollte schon 1941 endgültig Schluß sein, aus gleichen Gründen, was aber fallende Bomben und Zerstörung der anderen Kinos verhinderte.

 

Das Gebäude wird entkernt, der Saal soll aber zusammen mit einem schönen Kaffeehaus in der Tanzbar wieder erstehen, allerdings nicht nur für Film, sondern mit Lesungen, Vorträgen, Musikabenden und Anderen kulturellen Veranstaltungen. Kino allein hat heute keine Chance mehr, erst Recht nicht als 200m² Einzelsaalkino in nicht barrierefreien Obergeschoß ohne Fluchtwege außer durch brennede Haus zur Straße.

Um das zu erreichen sind Spenden erforderlich, denn die Kosten der denkmalgerechten Herstellung sind exorbitant. Wer will, kann gerne geben, Millionen bevorzugt, damit es schnell geht...

 

-St.

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Hast Recht.

Ist dieses Museum in Dortmund. Ich habe ja den Kontakt nicht hergestellt, daher der vermutete Ort.

Wird sicher interessant.

 

Interessant fand ich auch den "Vorhang". Dieses war eine metallisierte, perforierte Bildwand, die kunstvoll mit Blumenmotiven verziert wurde.

Offensichtlich ein Relikt der Raumbildzeit der frühen 50er. Beleuchtet mit verschiedenen Farbstrahlern wurden so effektvolle Farblichtspiele geboten. Daher der unter dem eigentlichen Kinonamen nachgesetzten Buchstabenschriftzug.

 

"EDEN", Lichtspiele.

 

-St

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Kreativität und Eigeninitiative, gehörten bei Betreibern, von Filmtheatern dieses Formats, damals scheinbar zum guten Ton. :mrgreen:

 

Rund um die Dortmunder Kinoszene gab es vor ein paar Jahren doch immer etliche 35mm Enthusiasten. Da sollten sich doch eigentlich auch vor Ort Leute finden lassen, die neben dem musealen Wiederaufbau des BWR auf der DASA, auch etwas zu dessen technischer Betriebsfähigkeit beitragen könnten?

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Douglas Wolfsperger dreht eine Dokumentation über das Traditionshaus Scala in Konstanz, welches seine Türen Ende 2016 schließen wird um einem Drogeriemarkt Platz zu machen... Wer diese Produktion ein wenig finanziell unterstützen möchte:

http://www.douglas-wolfsperger.de/fileadmin/Spendenaufruf_Scala-Filmprojekt.pdf

Wäre schön, wenn dieses Kino wenigstens im Film erhalten bliebe...

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Sicher ein interessantes Filmprojekt. Doch aus dem Soendenaufruf geht hervor, was Schuld an der Situation überhaupt hat.

Auch dieser Produzent wird nie ins eigene Risiko gehen. Er arbeitet erst, wenn ihm kinofeindliche Sender oder staatliche Gremien das Geld schenken. Statt selber etwas Publikumswirksames mit garantiertem Erfolg zu machen, ruft er dazu auf, dass Andere sas Risiko tragen sollen, ohne aber an einem eventuellen Erfolg beteiligt zu werden. Pfui, danke nein. Von mir gibt's da keinen Cent.

Tod dem Deutschen Filmproduktionswesen der Subventionsbarone.

 

-St

bearbeitet von stefan2 (Änderungen anzeigen)

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Ui Stefan, das hört sich ziemlich frustriert an. Ich glaube kaum, dass der Film an der Kasse (ob Kino oder Zweitverwerter) Millionen Umsätze macht. Der Film über das Kino würde also unter kommerziellen Aspekten NIE gedreht werden. Deshalb finde ich diese Aktion gut und hoffe, dass Herr Wolfsperger das Geld für die Produktion zusammen bekommt. Denn sonst verschwindet das Scala ganz heimlich. Und das wäre wirklich schade.

Gruß Uwe

bearbeitet von Utschke (Änderungen anzeigen)

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Es muss dringend ein Gesetz her, das solche Traumpaläste vor privater Zerstörungswut schützt. Kino, Theater, Museen, Baukunst usw. gehören der öffentlichen Hand und nicht überforderten Bauträgern. Schande über die Stadt Mainz.

 

PS.: Die Architekten vom Neubau suchen noch einen Namen für ihre Legoschachtel. Wie wär´s mit UGLY ?

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Problem halt, wenn man statt in eigenen Räumlichkeiten, in angemieteten Räumen seinen Geschäftsbetrieb führt. Und irgendwann läuft dann der (bis dahin unverändert geltende) Gewerberaummietvertrag aus, und der Vermieter greift die Chance zur "Anpassung an den Markt", beim Neuverhandeln.

Das ist im liberalen Wirtschaftsraum nun mal so. Aber den eigentlichen Fehler hatte ich ja benannt. Auch der, eine Folge des Wirtschaftssystems.

 

-St

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Aber den eigentlichen Fehler hatte ich ja benannt.

 

Den Fehler, ein Kino zu mieten statt Eigentümer zu sein? Nun ja, das ist wohl kaum etwas was man einem Betreiber vorwerfen kann.

Immerhin rückt die FFA ja inzwischen von der Forderung nach einem 5-Jahres-Mietvertrag für Investitionsförderung ab - *das* was nämlich ein wunderbarer Steigbügel für Vermieter in Mietpreisverhandlungen, zuungunsten der Kinos.

 

Schöne Grüße,

Matthias

bearbeitet von macplanet (Änderungen anzeigen)

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Problem halt, wenn man statt in eigenen Räumlichkeiten, in angemieteten Räumen seinen Geschäftsbetrieb führt. Und...

 

Lieber stefan2,

nach dem, was ich hier im filmvorführerforum alles so in Deinen Beiträgen lese, scheinst Du selbst das absolut perfekte Kino zu besitzen, samt Gebäude und Grundstück! So gerne würde ich mir das mal anschauen, denn als Kinobetreiber (inzwischen über 30 Jahre) könnte ich sicher noch jede Menge von Dir lernen...!

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