vor 2 Stunden schrieb TK-Chris:
Danke für das Kompliment.
Und die Antwort auf die Frage:
Nun, das Thema Lackierung ist schon sehr "speziell." Der vermeintlich leicht zu handhabende Hammerschlaglack (Hammerite) hat so seine Tücken. Ich habe da reichlich "Lehrgeld" bezahlt.
Bis ich die richtige Verfahrensweise rausbekommen habe, musste ich drei Anläufe nehmen.
Beim ersten Versuch ist der alte Lack, trotz vorherigem Grundieren wieder hochgekommen. (Fotos vom grundierten Werk hatte ich gepostet) Das zeigte sich anhand von runzligen Stellen.
Bei Versuch Nr. zwei ist mir während der Verarbeitung der Lack angetrochnet (Raumtemperatur zu warm) und es entwickelten sich dicke wellige Bereiche auf der Oberfläche.
Erst im dritten Anlauf habe ich es dann geschafft eine einheitliche Lackoberfläche hinzubekommen.
Das ist mir nur gelungen, weil ich mich
mit den Verarbeitungsmodalitäten des Lackes eingehend beschäftigt habe.
Wichtig zu wissen ist das eine Verarbeitung nur bis zu einer Raumtemperatur von 25 Grad (C.) erfolgen kann. Alles oben drüber funktioniert nicht. Ideale Verarbeitungstemperatur ist 15 Grad (C.)
Das ist bei den momentanen Sommertemperaturen nur morgens früh zu erreichen. Entsprechend habe ich den Lackierraum durch nächtliches Lüften vorgekühlt.
Nun muss man zur Verarbeitung des Hammerschlaglackes noch folgendes Wissen. Die Blättchen- bzw. Fleckenstruktur entsteht bei der Antrocknung des Lackes. Um diese Oberflächenstruktur überhaupt hinzubekommen, benötigt es einen satten Auftrag des Lackes. Viel Lack bringt viel Effekt. Das Problem ist, dass der Hammerschlaglack ab einer bestimmten Schichtdicke zum weglaufen neigt. Das heißt, dass bei stehenden, vertikalen Flächen sehr schnell Nasen bzw. Läufer entstehen können, während auf der horizontalen Fläche gerademal die notwendigste Schichtstärke aufgetragen ist. Diesen Punkt zu ermitteln, zwischen idealer Schichtdicke und dem Punkt vor weglaufen des Lackes, ist das eigentliche Kunststück.
Ich habe dazu bei komplizierten Teilen mit einer "Schaumstoffwalze" den Lack erst einmal flächig dünn aufgetragen.
Während des Auftrages ist der Lack schon etwas angetrocknet und hat so eine Klebeeigenschaft für den zweiten "satten" Lackauftrag hergestellt, der sofort nach dem ersten Lackauftrag erfolgte. Durch dieses Vorgehen läuft der Lack nicht so schnell weg. Ein kleiner Trick ist das Bauteil etwa alle 30 Sekunden zu schwenken. Wenn der Lack wirklich irgendwo läuft, kann man ihn dadurch zurücklaufen lassen. Nach etwa 10 Minuten ist man aus der zeitlichen Gefahrenzone. Mit einem kleinen Borstenpinsel, der sollte immer in der Nähe sein, kann man Problemzonen wie Nuten, Lüftungsschlitze oder Bohrlöcher austupfen. Dann steht einem guten Ergebnis nichts mehr im Wege.
Zu Ergänzen ist noch dass man Hammerschlaglack untereinander eigentlich nicht mischen soll.
Ich habe das trotzdem gemacht, weil es diesen BAUER - Farbton Blau/Grau nicht fertig zu kaufen gibt.
Ein Tropfen Silikonöl vergrößert die Blättchenstruktur. Ein Schuss Verdünnung macht den dicken Lack etwas streichfähiger. Aber Vorsicht, ein Schuss zuviel und man hat nur noch eine farbige Fläche ohne die gewünschte Blättchenstruktur.
Ich hatte ja eingangs schon erwähnt:
..das Thema Lackierung ist schon sehr "speziell."
