Der Laie erklärt dem Chemiker 🙂 (bitte nicht hauen über ggf. unrichtige Begrifflichkeiten!)
Damit der Film 100 ASA erreicht und nicht so blind wie Fotopapier ist, werden die Silbersalze vorm Gießen sensibilisiert (frag mich nicht wie). Einige davon aber nicht. Das sind die "kaputten". Die sind gleichmäßig in der Schicht verteilt. Bei Entwicklung zum Negativ sind sie egal — sie verhalten sich wie unbelichtet, werden einfach rausfixiert und senken nur (proportional) leicht die Dichte. Völlig unkritisch.
Bei der Umkehrentwicklung ist es anders. Nachdem FD bleiben sie unentwickelt in der Schicht, wie tatsächlich unbelichtete auch, nur eben gleichmäßig verteilt. Quasi ein unentwickelter Schleier. Auch nach dem Bleichen sind sie noch da, schließlich sind sie im FD nicht zu Silber geworden.
Und jetzt kommt die Zweitbelichtung: Die ist ja einige zigtausendfach stärker als die Erstbelichtung. Und damit aktiviert sie auch die "kaputten", nicht sensibilisierten Halogenide. Im SD entwickelst Du die dann zu dunklem Schleier.
Mein Verständnis bzgl. KSCN/KI ist, dass es diese unsensibilisierten Kristalle löst bzw. löslich macht. Es löst also den latenten Schleier auf. Diese unsensibiliserten Salze docken dabei wohl noch im FD an oxidierendes Silber an (irgendeine Kraft) und werden damit zu proportionalen Verstärkern der Dichte. Diese besseren Schwärzen sind ein Teil der Kontraststeigerung.
Da sie nach dem Bleichen nun weg sind (oder teils auch aus der Schicht gespült, falls sie kein Silber verstärkt haben), können sie im SD auch nicht zu Schleier werden. Das ist Teil 2 der Kontraststeuerung.
