14.Mai 1976.
Für Viele ein unbedeutendes Datum.
Für mich der Beginn des 70mm-Zeitalters, das ich leider viel zu spät noch erlebte. Es war eigentlich die Zeit, als die „echten“ 70mm-Filme gar nicht mehr in die Kinos kamen. Es waren nur noch Filme, die die Filmleute in 35mm aufnahmen und für die 70mm-Kinos weltweit auf 70mm aufgeblasen hatten (Blow Up).
Unser Fernseher von 1966 hatte immer noch ein fast ovales rundliches Bild in schwarzweiss. Auch Farbfilme hatte ich noch bis zum November im Fernsehen in schwarzweiss gesehen.
„Montana“ war der erste Farbfilm, den ich auf meinem neuen Fernsehgerät gesehen habe. Von meinem Lehrlingslohn (238 DM) kaufte ich mir beim Selbi einen Farbfernseher für 1600 DM. 200 DM hat mein Vater dazugegeben (Selbi: Grosshändler für die Gewerbetreibenden. Wir hatten zwar nach dem Tod meiner Oma Ende 1975 den Lebensmittelhandel aufgegeben und sind fast gleichzeitig in die Gartenstrasse 38 im gleichen Ort Bergatreute umgezogen). Allerdings stelle man den SW-Fernseher jetzt in das Esszimmer und meinen in das Eltern-Wohnzimmer. Er ist dann zum Gemeinschafts-Fernseher geworden
Am 14 Mai kam ich wie immer vom Internat von Saulgau nach Ravensburg, wo ich während der Wartezeit zum nächsten Bus nach Bergatreute in´s „Frauentor“-Kino ging.
Dort lief in „Vision 2000“ (70mm) der 14 Jahre alte Film „55 Tage in Peking“.
Für mich war das wie Tag und Nacht. Der Unterschied von SW und 100 qm Grossbildwand- das war enorm. Ich kannte zuvor ja das Kino. Das Bild war eigentlich sehr gross, aber bei dieser Vorstellung ging nach der Werbung plötzlich das Licht an und wurde wieder dunkel gedimmt. Dann kam etwas, was ich in diesem Kino zuvor noch nie erlebt habe: das Bild wurde jetzt noch grösser ausgefahren. So ein grosses Kinobild hatte ich in meinem Leben noch nie erlebt! Dann noch ein Ton, der aus allen Richtungen kam. Stereoton im Kino hatte ich bisher noch nie gehört. Ich wusste gar nicht, dass ein Filmton aus so vielen Lautsprechern kam. Für mich änderte sich das Interesse am Kino von diesem Tag an grundlegend. Allerdings schrieb ich CinemaScope immer falsch. Ich hatte der Ausdruck nur von Freunden gehört und noch nie gelesen, wie man CinemaScope wirklich richtig schreibt.
Mit 17 Jahren war ich schon Technikinteressiert, aber Keiner konnte mich über die verschiedenen Filmtechniken aufklären, weil ich in einem Bauerndorf aufwuchs. Auch Filmmusik interessierte mich schon damals. Die Audiocassette „From Broadway to Hollywood“ war viele Jahre die einzige Filmmusik, die ich in einem Plattenladen in Ravensburg aufgestöbet hatte. Da waren an die 30 verschiedene Filmmusicals und Filmmelodien drauf, wie „Ben-Hur“, „Vom Winde verweht“, „Porgy and Bess“ ect. Kein Mensch von heute kann sich vorstellen, wie unglaublich schwierig es war, über Filme etwas zu bekommen. Daher waren die Zeitungsfilmberichte in der Hörzu das Non-Plus-Ultra für mich. Kurz und bündig stand da die Besetzungsliste, sowie eine Filmkurzbeschreibung und Farbfotos aus dem Film drinn. Ich schnitt diese kleinen Filmberichte aus, klebte die mit äusserster Präzision (Die Zeitungsschnipsel schnitt ich extra mit einen Rasiermesser millimetergenau aus). Mit der Schere hätte man das nie so genau hinbekommen und durch das Vergössern sieht man heute noch die Genauigkeit der handgeschriebenen Filmberichte. Wenn mich im Fernsehen ein Film besonders gefallen hat, habe ich ihn hervorgehoben und sogar mit meinen zeichnerischen Fähigkeiten eingerahmt. Schwelgerisch waren auch die Inhaltbeschreibungen ausgefallen und ich habe dadurch auch diese härteste Zeit meines Lebens vergessen.
Für Viele sind diese Zeitungsfilmberichte ohne Gegenstand und verschwendete
Zeit. Aber für mich als 17-jähriger war es die Liebe zum Film, der eigentlich mein damals sinnloses Leben rettete!
Besondere Filme in diesem Jahr im Fernsehen waren für mich:
RUF DER WILDGÄNSE Ein östereichischer Wildwestfilm auf Karl May-Art
CHEYENNE Atemberaubende Naturaufnahmen von den US-National-Parks
DREI MÄNNER IN EINEM BOOT Ulkige Fahrt auf dem Bodensee
TODESTROMMELN AM GROSSEN FLUSS Alle Filme von 1963 faszinierten mich damals, weil 1963 „Winnetou 1“ mein absoluter Lieblingsfilm war und viele guten Filme in diesem Jahr herauskamen. so auch mein Zweier Lieblingsfilm
OLD SHATTERHAND Super Film, aber von der Filmmusik war ich nicht begeistert.
LAND DER TAUSEND ABENTEUER Hat mir wegen der guten CinemaScope-Aufnahmen gut gefallen, so wie der nachfolgende Film:
WURZELN DES HIMMELS Wunderschöne Panoramawirkung der afrikanischen Steppe.
MEUTEREI AUF DER BOUNTY was hätte ich gegeben, wenn ich den in Farbe gesehen hätte!
QUO VADIS? Den Film, den ich ich herrlichen Technicolor-Farben 1971 im Kino sah- leider auch in SW
Im Kino sah ich:
DER SCHATZ IM SILBERSEE
UNTER GEIERN
OLD SUREHAND
WINNETOU 1
WINNETOU 2
WINNETOU 3
DURCHS WILDE KURDISTAN
IM REICHE DES SILBERNEN LÖWEN
DER ÖLPRINZ in den Jugendvorstellungen um 15 Uhr am Samstagnachmittag.
Ich bin mit meinen zwei Geschwistern mit dem Fahrrad nach Ravensburg gepilgert (16km ein Weg). Leider waren die Kopien total verkratzt und wirklich nicht mehr schön.So habe ich mich vor ein paar Jahren gefreut, dass die auf DVD erschienen sind. Leider ist die Qualität der DVD nicht so gut, dass man sie auf einer 2 Meter breiten CinemaScope-Leinwand ansehen kann.