Hallo Leute
ich wollte mich doch nochmal einklinken:
Was uns mit unserem Prototyp vielleicht von anderen vergleichbaren Projekten unterscheidet, ist, dass die Gesamte Entwicklungsarbeit innerhalb eines EU-geförderten Projektes namens Spectral entstanden ist. Das hatte den Vorteil, dass wir über ein gewisses Budget verfügen konnten. Geleitet wurde die Entwicklung von mir und meinem Kollegen Juan David González Monroy. Wir sind beide keine Techniker, sondern Künstler & Filmemacher, wir basteln beide ganz gerne, aber unser technisches Know-How ist sehr begrenzt. Von Motor- und LED-Steuerungen haben wir keine Ahnung. Deshalb haben für diese Entwicklung von Anfang an Jan Kulka aus Prag engagiert, der schon Erfahrung mit High-Density-LEDs bei der Entwicklung seines Archeoscopes gesammelt hatte. Jan wiederum hat sich in Prag Hilfe von verschiedenen Elektronikern gesucht. Nun ist das EU-Projekt beendet, was bedeutet, dass wir mit einem sehr viel kleineren Budget in die Zielgerade gehen. Konkret heißt das, dass wir hier in Berlin seit Januar nur noch ehrenamtlich am Projekt weiterarbeiten.
Zum Thema LED ja oder nein:
Wir hatten bei unseren Versuchen mit High-Density-LEDs der Firma Getian kein einziges Mal Farbverschiebungen innerhalb des projizierten Bildes. Wir haben Testreihen durchgeführt mit 200W, 400W, 600W und 800W. Eine wichtige Limitierung war die Temperatur auf der COB-LED selbst, die darf nämlich nicht über 60 °C erhitzen, sonst geht sie kaputt. Hier könnt Ihr die Testreihen sehen:
https://www.filmlabs.org/wiki/en/meetings_projects/spectral/laborberlin16mmprojector/start#high_density_led_tests
Die Referenz war ein ganz normaler B&H 16mm Projektor mit 24V 250W Halogen. Dieser kam bei unseren Messungen mit einer 50mm f/1,4 Optik und 155 cm Abstand zur Wand auf 10.000 Lux. Die LEDs haben wir in unserem Versuchsaufbau ohne optische Elemente mit 2,3 cm Abstand direkt hinter dem Filmfenster platziert. Mit der 800W LED haben wir 22.000 Lux erreichen können, ohne die 60 °C zu erreichen. Dies war nur möglich mit Wasserkühlung (die sehr viel leiser ist als jeder CPU-Kühlkörper mit Lüfter).
Wir haben ausschliesslich mit LEDs mit 6000K (± 200K) gearbeitet. Bei Getian kann man alles bis hinauf zu 8500K bestellen. (Theoretisch könnte man wahrscheinlich auch LEDS ohne Silikonpaste bestellen, und dann selbst im Projektor einen passenden Farbfilter davor setzen. Das müsste man mit dem Hersteller besprechen.) Um nicht zu viel Geld bei unseren Tests zu verprassen, hatten wir erstmal nur LEDs mit einem CRI von 70 bestellt. Aber wir sind tatsächlich so zufrieden mit den auf die Leinwand projizierten Farben, dass wir wenig Drang verspüren, nochmal mehr Geld in neue LEDs mit höherem CRI zu investieren. Meine Hypothese ist, dass der CRI in der Projektion weit weniger relevant ist, als beim Scannen und in der digitalen Farbkorrektur.
Nun mag man ja eine 800W LED unnötig hell finden, oder unnötig teuer (wir haben 141 USD bezahlt, plus Versand, plus Zoll), und es ist durchaus denkbar, dass man mit einer besseren Kondensor-Linse das Licht besser bündeln und somit mit einer etwas schwächeren LED auch ähnlich helle Ergebnisse erzielen könnte. Wir werden dieses Thema dieses Jahr noch eruieren. Wir gehen davon aus, dass wir bei solche einer flächigen COB-LED eine ähnliche Optik verwenden müssen, wie man sie auch in älteren Projektoren mit einer rechteckigen Glühwendel verwendet (keine Ahnung, wie man diesen Lampentypus nennt ...).
Da wir das gesamte Projekt am Ende als Open Source online stellen wollen, brauchen wir natürlich an dieser Stelle eine Lösung, die sich überall auf der Welt nachbauen lässt. Deshalb wären Optiken, die man von der Stange kaufen kann, am besten. Also, falls hier im Forum jemand einen Tipp hat, was man da nehmen könnte, dann wäre das tatsächlich sehr hilfreich!
Gute Nacht
Bernd