vor 59 Minuten schrieb Film-Mechaniker:Nein, das Cooke-Portrait-Objektiv wurde von TTH nicht für die Projektion verwendet. Die Erklärung liegt tief im Inneren der drei Linsen: Auf Grund des stark negativen mittleren Elementes überfordert oder übersteigt man für Öffnungsverhältnisse von f/2 und kleiner die Korrekturmöglichkeiten. Die Zerstreuungslinse gleicht die Farbenlängs- und querfehler der vorderen Sammellinse aus und wirkt gleichzeitig mit der hinteren Sammellinse dem Astigmatismus entgegen. Wenn man die Lichtstärke steigern will, müssen alle drei Linsen übergroß gewählt werden, was bei gegebenem Bildwinkel die Halterungen sprengt. Anders gesagt müßte das Triplett zu stark anschwellen.
Eine andere Sache, die gegen Projektionstriplette spricht, ist, daß die negative Linse in der Mitte sehr dünn ist oder noch dünner sein sollte, als einem lieb ist. Wenn durch die Lampenenergie Spannung ins Glas kommt, Problem der Fassung, ist die Optik existenziell gefährdet.
Noch ein Grund, der fürs Petzval-Objektiv spricht, sind die zusätzlichen Korrekturmöglichkeiten durch eine vierte Linse. Im 19. Jahrhundert war daran nicht zu denken, doch dank den neu erschmolzenen Gläsern ist die Petzval-Anlage durchs 20. hindurch zu leistungsfähigen Objektiven weiterentwickelt worden. Am Frontachromaten ist wenig zu ändern, es sind die beiden hinteren Elemente, mit denen Fortschritt möglich wurde. Unter den Aufnahmeobjektiven möchte ich das Animar 26 mm, f/1.9, von Bausch & Lomb erwähnen. Das ist ein richtiger Scharfmacher. Für die Schmalfilmprojektion ist das Petzval bis Ende der 1950er Jahre auf f/1.3 gekommen mit f/1.6 als handelsüblich. Im Kino mit 35-mm-Film ist mehr Geld für teurere Optiken zu holen. Fünf, sechs, sieben Elemente sind üblich.
Herzlichen Dank für die Einschätzung! Da ist sicher was dran und ich denke es werden wohl hauptsächlich die genannten Dinge gute Gründe dafür gewesen sein, dass die Triplet-Objektive aus der Kino-Projektion nach kurzer Zeit wieder beinahe vollständig verdrängt worden sind.
Allerdings - und dafür gibt es doch einiges an Hinweisen - hatten die Triplet-Objektive zu Beginn des 20. Jhd. und auch noch (nach Ablauf des Taylor Patents um 1910 herum) doch anscheinend ganz deutliche Vorteile gegenüber den Petzval-Optiken. In einem Katalog von 1912 wird das Glaukar als "The King of Projection Lenses for Kinematograph Theatres" angepriesen.
Natürlich ist das Marketing und der Unterschied wird unter Umständen nicht so drastisch gewesen sein, wie beschrieben (oder zumindest nicht genug um den deutlich höheren Preis zu rechtfertigen), aber zumindest zu der Zeit scheint die Lichtstärke von f/3.1 noch ausreichend gewesen zu sein und ich bezweifle, dass Emil Busch jahrelang weiter Werbung für das Objektiv gemacht hätte, wenn es sich überhaupt nicht verkauft hat. Gleiches gilt für Meyer und das Trioplan, welches ja auch für die Projektion verwendet und beworben wurde zu der Zeit.
Dass die Petzval-Objektive dann rasch aufgeholt haben und durch die wahrscheinlich einfachere oder kostengünstigere Herstellung schnell wieder attraktiv wurden, stimmt sicher. Aber so richtig schlagend wurde das bei Busch frühestens mit der Einführung des Neokino (um 1927). Das wären also für Projektions-Triplets (und andere Anastigmaten, wie das Projektions-Tessar von Zeiss) zwei Jahrzehnte Zeit gewesen, was einige weitere Hersteller auch genutzt haben. Im Falle von Taylor-Hobson kommen da noch einmal ca. 15 Jahre dazu, wo sie sogar die Exklusivität gehabt hätten. Aber vielleicht war es zu früh, vielleicht auch das Triplet noch nicht lichtstark genug? Oder sie hielten es in der (wirtschaftlich mehr als schwierigen) Zeit auch einfach nicht für sinnvoll?
Aber warum sahen es dann Steinheil, Emil Busch, Faliez, Dallmeyer und viele weitere anders?
Die Projektionsobjektive von Taylor-Hobson mit Doppel-Gauss Konstruktion wurden meines Wissens erst viel später angeboten. Die meisten wahrscheinlich erst ab Mitte der 1950er Jahren.
F. Faliez hat um 1921 und Rüo-Optik sogar noch um 1926 einen neuen Projektions-Anastigmaten mit 3/3 Konstruktion herausgebracht. Verkaufsschlager werden das sicher nicht gewesen sein, aber zumindest deutet es darauf hin, dass die Idee noch nicht gänzlich aufgegeben war. Natürlich wurde parallel auch viel mit den neuen Doppel-Gauss und Ernostar Konstruktionen experimentiert, aber bis auf wenige Ausnahmen (wie das Super-Cinephor von Bausch & Lomb oder der Kipro-Anastigmat von Zeiss) gelang da der Durchbruch erst so richtig gegen Ende der 1940er.
