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Doku über das ehemalige Lichtspielhaus Schramberg (Baujahr 1928)


Empfohlene Beiträge

Geschrieben

Hallo liebes Forum,

 

ich war die letzten Jahre nur als Leser hier unterwegs und schreibe nun meinen ersten Beitrag. Ich arbeite seit 10 Jahren in der Filmbranche als Tonmeister (Postproduktion) und habe hier einige tolle Infos erfahren in den letzten paar Jahren rund um die Kinogeschichte, zur Projektion oder zu themenbezogener Literatur.

Neben meiner Beschäftigung mit dem Kino allgemein und dem Bau verschiedener Studios (zuletzt ein eigenes 70qm-Mischkino) drehe ich seit 2023 einen Dokumentarfilm über "mein" altes Kino aus meiner Kindheit, wo ich meinen aller ersten Kinofilm erlebt habe und wo für mich die Kinoliebe angefangen hat.

 

Das ehemalige Lichtspielhaus in Schramberg (auch vertreten im Buch "Von Atlantis bis Urania - Filmtheater in Baden-Württemberg" von Herbert Spaich), wurde 1928 gebaut von den Laupheimer Lichtspielbetrieben als Tochter der Universal Pictures, mit Carl Laemmle als Bauherren. Im Stil der neuen Sachlichkeit war das somit ein Großstadtkino in einer Kleinstadt mitten im Schwarzwald. Ich glaube es ist sogar das einzige, welches von der deutschen Niederlassung von Universal neu gebaut wurde. Es fanden damals über 500 Personen im Saal und auf der Empore Platz.

 

Übernächstes Jahr wird es 100 Jahre alt, allerdings ist es seit 20 Jahren geschlossen und in einem desolaten Zustand. Wir (ein neu gegründeter Förderverein) versuchen, es wieder zum Leben zu erwecken und einen Betrieb im Original-Zustand zu ermöglichen, was sich aber als nicht einfach gestaltet aufgrund von Sicherheitsbedenken und anderen Baustellen da drin, neben dem schlechten Zustand.

 

Diese Bemühungen und die Geschichte des Gebäudes sowie tolle Erzählungen von Zeitzeugen (teilweise mit Erlebnissen aus den 50er-Jahren) haben wir in einem Dokumentarfilm festgehalten, der sich noch in Produktion befindet.

Da gibt es auch eine hochspannende Passage über die damalige Tätigkeit des Filmvorführers bzw. der Filmvorführerin - wir haben tolle Archivbilder von den beiden Kinomaschinen ab 1948 und es wird u.A. vom Sohn des ehem. Vorführers dort viel erzählt über Brandschutztrommeln, dem Überblenden zwischen den Filmrollen, Nitrofilm generell und dem ganzen Vorgang inkl. manueller Vorhangsteuerung und Licht im Saal; genauso war die Besitzerin etwas später eine der ersten weiblichen Filmvorführerinnen in Deutschland nach dem Krieg.

Wir drehen im Juli außerdem noch schöne Bilder mit einem Bauer B12, der noch funktionsfähig ist, um die Geschichten bildlich zu unterstreichen.

 

Die ca. 90-minütige Doku befindet sich noch im Schnitt und soll im Herbst fertiggestellt werden - wenn es Interesse an dem Film gibt, kann ich gerne hier darüber informieren sobald man ihn sehen kann!
Es gibt nun einen nagelneuen Trailer hier:
https://youtu.be/qPTplXBKO3g?si=68mNAv0YatgNbX7h

 

Außerdem versuchen wir im Moment, die letzten Kosten für die Postproduktion und Verwertung zu decken - unter anderem möchten wir für ein paar Stücke der Filmmusik ein echtes Orchester aufnehmen. Infos zur Spendenkampagne und noch mehr Hintergründe zum Film finden sich hier:
https://www.startnext.com/spiel-des-lichts

 

Weitere Fotos und mehr zur Geschichte des Gebäudes und des Fördervereins:
https://lichtspielhaus-schramberg.jimdofree.com/

 

Außerdem würden mich vergleichbare Geschichten und "Schicksale" sehr interessieren. Es gibt ja viele alte Lichtspielhäuser, die toll aufgepeppelt wurden und noch in Betrieb sind (vorgestern war ich im Turmpalast in Seligenstadt, wunderbares Kino von 1936). Gibt es hier erfolgreiche Beispiele solcher Instandhaltungen?

Sehr viel Text, aber auch komplexes Thema 🙂

 

Danke & beste Grüße,
Volker

 

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Geschrieben

Oh wirklich? Spannend! War das im Lichtspielhaus oder im Central-Theater (da gab es zwei kleinere Räume, ein Gebäude aus den 60ern oder 70ern)?

Zu der Zeit ungefähr war ich zum ersten mal im Lichtspielhaus im Kino.

Geschrieben
Am 29.6.2026 um 15:06 schrieb VolkerA:

Hallo liebes Forum,

 

ich war die letzten Jahre nur als Leser hier unterwegs und schreibe nun meinen ersten Beitrag. Ich arbeite seit 10 Jahren in der Filmbranche als Tonmeister (Postproduktion) und habe hier einige tolle Infos erfahren in den letzten paar Jahren rund um die Kinogeschichte, zur Projektion oder zu themenbezogener Literatur.

Neben meiner Beschäftigung mit dem Kino allgemein und dem Bau verschiedener Studios (zuletzt ein eigenes 70qm-Mischkino) drehe ich seit 2023 einen Dokumentarfilm über "mein" altes Kino aus meiner Kindheit, wo ich meinen aller ersten Kinofilm erlebt habe und wo für mich die Kinoliebe angefangen hat.

 

Das ehemalige Lichtspielhaus in Schramberg (auch vertreten im Buch "Von Atlantis bis Urania - Filmtheater in Baden-Württemberg" von Herbert Spaich), wurde 1928 gebaut von den Laupheimer Lichtspielbetrieben als Tochter der Universal Pictures, mit Carl Laemmle als Bauherren. Im Stil der neuen Sachlichkeit war das somit ein Großstadtkino in einer Kleinstadt mitten im Schwarzwald. Ich glaube es ist sogar das einzige, welches von der deutschen Niederlassung von Universal neu gebaut wurde. Es fanden damals über 500 Personen im Saal und auf der Empore Platz.

 

Übernächstes Jahr wird es 100 Jahre alt, allerdings ist es seit 20 Jahren geschlossen und in einem desolaten Zustand. Wir (ein neu gegründeter Förderverein) versuchen, es wieder zum Leben zu erwecken und einen Betrieb im Original-Zustand zu ermöglichen, was sich aber als nicht einfach gestaltet aufgrund von Sicherheitsbedenken und anderen Baustellen da drin, neben dem schlechten Zustand.

 

Diese Bemühungen und die Geschichte des Gebäudes sowie tolle Erzählungen von Zeitzeugen (teilweise mit Erlebnissen aus den 50er-Jahren) haben wir in einem Dokumentarfilm festgehalten, der sich noch in Produktion befindet.

Da gibt es auch eine hochspannende Passage über die damalige Tätigkeit des Filmvorführers bzw. der Filmvorführerin - wir haben tolle Archivbilder von den beiden Kinomaschinen ab 1948 und es wird u.A. vom Sohn des ehem. Vorführers dort viel erzählt über Brandschutztrommeln, dem Überblenden zwischen den Filmrollen, Nitrofilm generell und dem ganzen Vorgang inkl. manueller Vorhangsteuerung und Licht im Saal; genauso war die Besitzerin etwas später eine der ersten weiblichen Filmvorführerinnen in Deutschland nach dem Krieg.

Wir drehen im Juli außerdem noch schöne Bilder mit einem Bauer B12, der noch funktionsfähig ist, um die Geschichten bildlich zu unterstreichen.

 

Die ca. 90-minütige Doku befindet sich noch im Schnitt und soll im Herbst fertiggestellt werden - wenn es Interesse an dem Film gibt, kann ich gerne hier darüber informieren sobald man ihn sehen kann!
Es gibt nun einen nagelneuen Trailer hier:
https://youtu.be/qPTplXBKO3g?si=68mNAv0YatgNbX7h

 

Außerdem versuchen wir im Moment, die letzten Kosten für die Postproduktion und Verwertung zu decken - unter anderem möchten wir für ein paar Stücke der Filmmusik ein echtes Orchester aufnehmen. Infos zur Spendenkampagne und noch mehr Hintergründe zum Film finden sich hier:
https://www.startnext.com/spiel-des-lichts

 

Weitere Fotos und mehr zur Geschichte des Gebäudes und des Fördervereins:
https://lichtspielhaus-schramberg.jimdofree.com/

 

Außerdem würden mich vergleichbare Geschichten und "Schicksale" sehr interessieren. Es gibt ja viele alte Lichtspielhäuser, die toll aufgepeppelt wurden und noch in Betrieb sind (vorgestern war ich im Turmpalast in Seligenstadt, wunderbares Kino von 1936). Gibt es hier erfolgreiche Beispiele solcher Instandhaltungen?

Sehr viel Text, aber auch komplexes Thema 🙂

 

Danke & beste Grüße,
Volker

 

Lieber Volker.

 

Ihr seit nicht die ersten, die sowas versuchen. Das haben meine ehemaligen Mitstreiter und ich vom Förderverein Dudweiler Scala e.V. schon 2005 in Dudweiler/Saar probiert. In diesem Ort gab es einst vier Kinos, von dem eines sein gesamtes Innenleben noch komplett bewahrt hatte. Wir versuchten alles, um das Haus wieder zum Leben zu erwecken und hatten anfangs auch ganz guten Erfolg damit. Unser Ziel war es, aus dem Haus eine Multikulturelle Spielstätte zu machen. Es sollten neben Filmvorführungen auch Theater- und Konzertveranstaltungen u. a. darin stattfinden. Wir bekamen von den Eigentümern des Hauses, das auch schon sehr mitgenommen war, einen doppelten Mietvertrag ausgestellt, sprich: Wir zahlten zweimal Miete. Einmal für das winzige Foyer mit einer Treppe 900 Euro und für den eigentlichen Saal 300 Euro. Wenn dieses habgierige Volk gekonnt hätte, wie sie gewollt hätten, dann hätten sie uns am liebsten jeden Quadratmeter einzeln vermietet. Dennoch schafften wir es anderthalb Jahre lang dort Veranstaltungen durchzuführen. Wir erfüllten die Mindestvoraussetzungen der unteren Bauaufsichtsbehörde (UBA) und konnten sogar im Winter mithilfe einer Baustellenheizung, den riesigen Saal mit 300 Sitzplätzen erwärmen. Wir machten Kino mithilfe von 16mm-Filmkopien, das Dudweiler-Statt-Theater spielte mehrfach das Stück "Linie 1" und Sketche von Loriot. Wir arbeiteten mit einer Tanztheatergruppe aus Georgien zusammen, die regelmäßig ihre Künste darbot, wir hatten Roger Willemsen für eine Lesung zu Gast, eine Alphornbläsergruppe, viele gute Amateurbands, die im regionalen Umfeld sehr bekannt sind usw. usf. Die Veranstaltungen waren im großen und ganzen sehr gut besucht. Am besten lief unser sogenannter Heimatabend, den wir insgesamt acht mal abhielten. Da wurde über die Geschichte des Ortes Dudweiler erzählt, mithilfe von Filmen, die der ortsansässige Amateurfilmer Josef Anna von den 50er- bis in die 80er-Jahre auf 16mm und Super 8 drehte. Dazu gab es außerdem DIA-Shows und Lesungen, sowie Expertengespräche. Der Radio- und Fernsehmoderator Michael Friemel (vom Saarländischen Rundfunk - er wohnt auch in Dudweiler) unterhielt sich dabei mit den Machern der Dudweiler Geschichtswerkstatt über das vergangene und das heute. Wenn keine Veranstaltung stattfand, bauten wir weiter im Haus herum, um es wieder flott zu kriegen. Das ganze nannte sich "Dudweiler Scala - Kultur in der Baustelle". Bei jeder Veranstaltung konnten die Zuschauer den Fortschritt sehen, den wir erreicht hatten. Doch seitens der Hauseigentümer bekamen wir ständig Steine in den Weg gelegt. Der Hauptgrund warum es letztendlich scheiterte war der, das die Eigentümer nur Geld aus der Sache rausholen, uns aber in keinster Weise unterstützen wollten. Sie wollten keine Grundsanierung bezahlen, sprich keine Wärmedämmung, keine neue Heizung einbauen, kein neues Dach usw. Stattdessen wollten sie uns das Haus für zwei Millionen Euro verkaufen. Irre! Also gaben wir letztendlich auf. Wir waren uns alle darüber von vorneherein im klaren, dass die Sache nicht leicht wird und das es teuer wird. Wir rechneten mit Renovierungs- und Neueinrichtungskosten von mindestens einer Million. Aber der Förderverein lief gut, wir hatten sehr viele Mitglieder und freiwillige Spender und Helfer, die uns unterstützten. Selbst die UBA kam uns immer wieder entgegen und erteilte uns (eben weil wir stehts die Mindestauflagen erfüllten) immer wieder eine Spielerlaubnis. Vor rund zwei Jahren, wurde das Haus schließlich endgültig abgerissen, nachdem es mitsamt dem Grundstück von einer örtlichen Apothekerin (die offenbar Millionären ist) zu einem Preis zwischen 600.00 und 700.000 Euro gekauft wurde. Den Saal riss man ab und das Vorderhaus aus dem 18. Jahrhundert lies man stehen und setzte es fast in seinen Ursprungszustand zurück. Dort ist jetzt (wen wunderts) eine weitere Apotheke von unserer "Millionärin" mit Apotheken-Monopol drin. Das Ursprungshaus wurde einst von Friedrich Joachim Stengel erdacht, entworfen und gebaut, der einst viele bekannte Bauwerke in Saarbrücken errichten lies - unter anderem die Ludwigskirche.. Das Haus war als Jagdsitz auf dem Lande für den damaligen Saarbrücker Fürsten gedacht. Es hat sogar mal der gute alte Goethe dort ein paar Nächte geschlafen, als er mal wieder auf Reisen war. Es ist eines der ältesten Häuser unserer kleinen Stadt. Und es steht m. W. auch unter Denkmalschutz. Der Kinosaal, der zunächst eine große Pferdestallung war, wurde später erst errichtet und wurde um die Jahrhundertwende (19. / 20. Jahrhundert) zu einem Theater- und Gemeindesaal. Es gibt noch Fotos davon, die den Saal in seiner alten Pracht zeigen. Mit Kassettendecke, Kronleuchtern, Wandleuchten usw. Bei der Schließung des Kinos im Jahre 1982 hat man die Kronleuchter (warum auch immer) abgebaut und verschrottet. Im Jahre 1989 hatte schon mal ein Mitbürger von Dudweiler versucht, das Kino wieder zu beleben. Nachdem man ein paar Wochen zuvor tatsächlich dort eine Veranstaltung im Rahmen des deutsch-französischen Theaterfestivals "Perspective" ein paar Stücke auf die alte Bühne brachte, erdachte sich der Mann ebenfalls ein griffiges Konzept (so wie wir) um das Kino wieder mit Leben zu füllen. Er errechnete dabei Kosten in Höhe von 500.000 DM. Doch auch er scheiterte damals an dem Unwillen der einstigen Eigentümer. Die ganze Familie ist einfach nur Unwillig, Geldgeil und Streitlustig. Wenn man die drei Namen, der drei Generationen dieser Familie auf unserem Wochenmarkt bei den "alten Bürgern" fallen lässt, dann schlagen diese allesamt die Hände über dem Kopf zusammen und sagen im schönsten Saarländisch: " Geh mir bloß fort und her mir mit denne Leid uff!" Und da haben sie vollkommen recht.  Ich habe damals unsere Tätigkeiten im und rund um das Haus auf Super 8 festgehalten, weil es mir wichtig erschien, dies für die Stadtchronik festzuhalten. Doch leider blieb mein Film unvollendet. Wenn Du noch mehr Infos wissen willst, dann frag ruhig.

 

Herzliche Grüße vom Panther

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