Atelier Kino Wien/Österreich
Neues Kinosterben in Wien?
Atelierkino von Schließung bedroht - Kinoreform sieht vor, dass Unternehmen nur mehr für zwei "Arthouse-Kinos"-Standorte Förderungen erhalten
Wien - Wien droht ein neues Kino-Sterben. Laut der "Presse" von Samstag steht das 1967 von der Constantin-Gruppe übernommene Atelier-Kino in der Wollzeile vor der Schließung. Das Gebäude werde bereits von potenziellen Nachmietern - meist Discobetreibern - inspiziert. Zahlreiche Betreiber fürchten die Schließung weiterer Traditions-Kinos. Schuld sei die Reform der Kino-Förderung, die am Dienstag im Gemeinderats-Ausschuss beschlossen werden soll.
"Wettbewerbsverzerrende Lex Constantin"
Mehr zum ThemaWien
Jeder Bezirk hat seine Stadtgeschichten
Unternehmen
Windows vs. Linux: Senken Sie Ihre Kosten
investieren
Mehr Flexibilität mit Leasingmodellen
bezahlte Einschaltungen
Künftig bekommen Unternehmen, die mehrere "Arthouse-Kinos" besitzen, die kulturell wertvolle Filme zeigen, nur mehr eine Förderung für zwei Standorte, so die "Presse". Die Neuregelung trifft in Wien vor allem die Constantin-Gruppe, weswegen Constantin-Geschäftsführer Christof Papousek erbost von einer "wettbewerbsverzerrenden Lex Constantin" spricht. Das Atelier-Kino verliere künftig 9000 Euro pro Jahr, rechnet Papousek vor. Er kann nicht ausschließen, dass auch in einem der fünf anderen Traditionskinos der Constantin-Gruppe (Auge Gottes, Artis, Tuchlauben, Actor's Studio, Urania) bald die Lichter ausgehen.
Weitere Schließungen betroffen
Christian Dörfler, Besitzer des Haydn English Cinema, fürchtet weitere Schließungen. Denn am Dienstag werde mit der neuen Kinoförderung gleichzeitig die Investitions-Förderung gestrichen: "Damit verlieren die alten Kinos gegenüber den Großkinos massiv an Boden." Alte Kinos könnten nicht mehr investieren, würden unattraktiv, verlieren Kunden, kämen in wirtschaftliche Probleme: "Die Multiplexe sind wenige Jahre alt und müssen nichts investieren." In der Praxis hieße das: "Man bestraft die alten, kleinen Kinos."
Wirtschaftskammer unglücklich mit Änderungen
Bisher wurden die Wiener Kinos mit ca. 730.000 Euro pro Jahr gefördert. 50 Prozent waren für Investitionen (Modernisierung) kulturell wertvoller Kinos reserviert. Diese 365.000 Euro werden am Dienstag ersatzlos gestrichen - nachdem die Kinoförderung als Provisorium bereits 2005 auf 207.004 Euro gesenkt wurde. Auch die Wirtschaftskammer ist mit dem neuen Regime nicht glücklich: "Wir haben sehr darum gekämpft, dass die Förderung so bleibt, wie sie ist", sagt Klaus Vögl, Fachgruppengeschäftsführer der Wiener Wirtschaftskammer.
Mailath-Pokorny rät, sich Geld bei Wirtschaftskammer zu holen
Im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) rät man den Lichtspiel-Betreibern hingegen, sich das Geld von der Wirtschaftskammer zu holen: "Wir sind der Meinung, dass Investitionsförderung eine Aufgabe der Wirtschaftskammer ist." Dass Investitionen kleiner Kinos bisher unterstützt werden, sei kein Argument: "Wir renovieren auch keine Buchhandlungen."
VP-Gemeinderat Bernhard Dworak sieht noch eine Chance, den Beschluss der Kinoförderung am Dienstag zu verhindern - und appelliert an die SPÖ: "Mit einem Besucher-Minus von rund 20 Prozent im Vorjahr ist die Situation der Kinos sowieso schwierig. Gerade jetzt braucht die Branche ein Signal - keine Kürzungen." (APA)