mrsv, um deine Fragen noch besser zu beantworten:
Gegen Ende 1908 hat Edison die Wichtigen der US-amerikanischen Filmwirtschaft in die
Motion Picture Patents Company hineingezogen, die ab 1. Januar 1909 ihre Wirkung entfaltete. Kurz zuvor sind die ersten Nickelodeons entstanden, billige Filmbuden mit Sitzbänken und Spucknäpfen. 1903 hat der erste Verleiher sein Geschäft angefangen, in Chicago. Diese Umstände bewirkten einen ungeheuren Filmbedarf. Firmen, bei denen man sich eben erst eingerichtet hatte, von der Technik (Pathé, Newman-Sinclair, Debrie) über die Produktion bis zur Werbung (erste Stars mit Namen auf den Plakaten), drehten auf, was sie konnten.
Projektoren wurden bis dahin in kleineren Reihen gebaut, vieles bestand aus Messing, Bronze und Blech. Nun liefen die Apparate den ganzen Tag durch und es konnte von den Vorführern nicht mehr erwartet werden, daß sie von Zeit zu Zeit mit dem Ölkännchen offene Getriebe schmieren. Es mußte solide pflegearme Technik her, die im 19. Jahrhundert auf anderen Gebieten entwickelt worden war: Guß, Lager mit dauernder Schmierung, geschlossenes Werk, Tachometer zur Einhaltung der Anzahl Vorführungen, härtere Zahnrollen. Bis vor den Ersten Weltkrieg entstand so die Grundlage für den wirklich großen Umsatz der späteren Jahre. 1913 hätte niemand gedacht, daß 1921 ein Film wie
The Kid (Chaplin) mit 6 (sechs!) Akten in die Kinos kommt. Ein Akt lief eine knappe Viertelstunde, der ganze Film also vielleicht 85 Minuten. 1912 gab es
Cabiria, doch der war eine Ausnahme zusammen mit
Intolerance (1914).
Nach dem Ersten Weltkrieg fand eine Beschleunigung des Lebens statt, eigentlich bereits mit dem Krieg. Die Bildfrequenz stieg von den friedlichen 16 aus Lumières Zeit auf das Doppelte um 1926. Sicher wurden nicht alle Streifen so schnell und gleich schnell oder langsam vorgeführt, aber
Metropolis braucht schon seine 20 Bilder pro Sekunde, sonst schläft das Publikum ein.
Ab 1919-20 wurde investiert, so viel es ging. Die Kassen klingelten, die Lichtburgen kamen, die Extravaganzen. Die Anzahl der deutschen Kinotheater stieg zwar zwischen 1918 und 1920 von 2299 auf 3731, aber dann wurde die Inflation schlimm.
Hier die Zahlen für München:
1906 1
1907 11
1908 16
1909 20
1910 21
1911 22
1912 35
1913 45
1914 46
1915 47
1916 49
1917 49
1918 53
1919 61
1920 62
1921 62
1922 56
Der überraschend schnelle Fortschritt in den Jahren 1912 und 1913 ist dadurch zu erklären, daß damals eine Polizeiverordnung abgeschafft wurde, welche die Gewerbefreiheit beschränkt hatte.
Technisch war der Höhepunkt 1928 erreicht. In der ersten Hälfte der 1920er Jahre fanden die ersten öffentlichen Tonfilmvorführungen statt. 1927 kam die erste Tonwochenschau heraus, die Fox Movietone Newsreel (Lichtton). Der Beck-Kohlenbogen brannte in jenen Jahren in immer mehr Betrieben, so daß die Voraussetzungen für den Farbenfilm um 1930 gegeben waren.