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Silas Leachman

Korrekte Abspielgeschwindigkeit bei Stummfilmen

6 posts in this topic

Hallo Forum,

 

hat jemand einen Tipp, wo ich die korrekte Abspielgeschwindigkeit für Stummfilme nachschlagen kann.

Ich habe z. B. Nosferatu von Murnau auf 16mm, bei 24 B/s ist's etwas zu schnell, bei 18 B/s zu langsam.

Gibt es eine Übersicht darüber oder muß ich mich langsam "rantasten".

Ich habe einen Siemens 2000, somit ist die stufenlose Einstellung kein Problem.

 

Ich bin für jeden Hinweis dankbar.

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Als Ausgangspunkt würde ich mal mit 20 B/s anfangen, vor 1920 können auch Frequenzen bis runter zu 15, 16 Bildern vorkommen. Gegen Ende der Stummfilmzeit ist zwischen 20 und 24 Bildern alles möglich.

 

Am besten, man macht einen Testlauf und achtet auf "Naturphänomene" wie z.B. Pferde, Hunde, fließendes Wasser usw. (natürlich nicht gerade die gedopte NOSFERATU-Kutsche) und stellt danach die Frequenz ein.

 

Ganz wichtig: Die wenigsten Filme sind mit einer festen Bildfrequenz gedreht, sie variiert durchaus je nach Inhalt. Langsam spielende Darsteller wurden unterdreht und somit in der Wiedergabe "beschleunigt", handlungswichtige kurze Vorgänge durch Überdrehen (= leichte Zeitlupe) so gedehnt, daß der Zuschauer sie nicht verpasste (Beispiel: etwas Wichtiges fällt vom Tisch).

 

Als Guido Seeber in seinem Buch DER PRAKTISCHE KAMERAMANN um 1924 schrieb, der Kameramann solle berücksichtigen, daß mancher Kinobesitzer sonntags mit höherer Geschwindkeit vorführen ließe, um eine Zusatzvorstellung zu gewinnen, hätte er wohl nicht geahnt, daß die Praxis der Bildfrequenz-Mogelei im Jahr 2006 immer noch praktiziert wird! ;)

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Hallo!

Also Nosferatu wurde nach meinen Infos mit 18 gedreht. Die S8-Version läuft mit 18 auch ganz angenehm, ich kann die Bildrate mit meinem Steuergerät beliebig hoch und runterfahren.

Viele Grüsse

Wolfgang

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Ganz wichtig: Die wenigsten Filme sind mit einer festen Bildfrequenz gedreht, sie variiert durchaus je nach Inhalt. Langsam spielende Darsteller wurden unterdreht und somit in der Wiedergabe "beschleunigt", handlungswichtige kurze Vorgänge durch Überdrehen (= leichte Zeitlupe) so gedehnt, daß der Zuschauer sie nicht verpasste (Beispiel: etwas Wichtiges fällt vom Tisch).

Das stimmt genau.

 

 

Als Guido Seeber in seinem Buch DER PRAKTISCHE KAMERAMANN um 1924 schrieb, der Kameramann solle berücksichtigen, daß mancher Kinobesitzer sonntags mit höherer Geschwindkeit vorführen ließe (...)

 

Das ist der Punkt. Kommt hinzu, das man zwar schon zu Stummfilmzeiten anfing, die Projektoren zu motorisieren, aber auch dafür gab es keinen allgemein gültigen Tempo-Standard. Von Hand kurbelnde Filmvorführer kurbelten sowieso so schnell oder langsam, wie es ihnen gefiel, egal ob Sonntag oder Montag. Es gab zwar Projektoren mit Tacho, aber nicht sehr oft. Daher konnte ein Filmvorführer sowieso nur nach Gefühl kurbeln. Die Frage der "authentischen Vorführgeschwindigkeit" erübrigt sich daher: Es gibt sie nicht. Daher ist es ziemlich egal, ob ein Stummfilm nachweislich mit X Bildern aufgenommen wurde, in den Kinos sah das dann oft ganz anders aus.

 

Brillo

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Bei der Restaurierung und Kopierung auf Videomedien nutzt man gerne auch Zigarren/Zigarettenrauch als Geschwindigkeitsorientierung.

Jens

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Hallo,

Ich habe vor vier wochen Nosferatu vorgeführt.

Die kopie bekam ich vom Deutsches Filmmuseum.

Da war ein zettel dabei,der sagte dass der film auf 20 bilder vorgeführt

werden sollte.

Mit freundliche Grüsse,

Jan.

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