vielen dank dem personal der schauburg, vor allem den vorführern & dem theaterleiter!
für 70mm-fans bot das festival wieder zahllose optischen genüsse.
zuviel filme waren zwar rotstichtig. allerdings stellt sich das auge im laufe des sehens darauf ein.
hier hatten wir eine deutliche demonstration, was mit filmgeschichte der 50er & 60er passiert – während anderswo irgendwelche "klassiker" wie berlin alexanderplatz restauriert werden.
TARAS BULBA verpaßte ich halb, dank dem lokführerstreik. warum gerade dieser eher mäßige panavision-film zum ersten 70mm-blowup wurde ist mir allerdings schleierhaft, sieht man mal von der musik ab.
KAISERLICHE VENUS (ich würde den film eigentlich VENUS IMPERIALE nennen, weil zuerst frz. produktion) – war eine entdeckung. einerseits eine amüsante leichte komödie, andererseits immer mit szenen optischer rafinesse.
ein schönes beispiel für die qualitäten des leider zu unrecht vergessenen TECHNIRAMA–systems. dieses system hat immerhin über 100 filme, davon 70 auf 70mm (als Super Technirama 70) hervorgebracht. stärke ist das große aufnahmenegativ, fast gleichgroß mit 70mm – so daß techniramakopien eine schärfe aufweisen, wie sie mit einem 35mm-panavision oder gar super-35-film nicht vergleichbar sind. ähnlich stark im gleichen verfahren– allerdings sehr stark gefadet – wirkte der später – am sonntag laufende EL CID.
TECHNIRAMA wurde – wegen geringerer produktionskosten nämlich auch häufig in europa angewandt, so gibt es spanische, italienische, britische technirama-filme. eigentlich müßte man 1 festival zu diesem system machen. das verfahren hat einen eigenen look, vergleichbar nur mit TODD-AO.
auf PATHFINDER/OFELAS war ich gespannt, aber es handelte sich leider um einen läppischen film über lappen. keine spannung, kein tempo & auch ohne ethnografische details. man schaue sich dagegen mal THE VIKINGS an! zudem war die fotografie von keinerlei schärfe getrübt - nicht mal die nahaufnahmen stapfender füße.
KARTHOUM war eine entdeckung. visuell einer der stärksten des festivals, da verzieh man auch gern die deutsche synchro. leider lief er nur in einer fassung, die sphärisch war, d.h. von dem film der ursprünglich in ULTRA PANVISION gedreht wurde (1:2,76) fehlte ein bißchen rand – aber es war ein rares beispiel für ein "rectified print" , d.h. eine kopie für cineramabildwände, die jene krümmung ausgleichen sollten und bei denen die objekte und personen am rand schmäler werden.
solche filme hätte ich gern mehrfach gesehen.
in RIO BRAVO da haben wir nur kurz mal reinguckt und sind gleich wieder rausgegangen. das sah leider aus wie mit einem polfilter auf 16mm.
in bradford demonstrierten sie allerdings noch schlimmeres: eine szene aus WIZARD OF OZ mit rotstichigen gesichtern und auch sonst flauen falschen farben. das sah in einer xmal duplizierten eastman-kopie neulich im filmmuseum frankfurt besser aus.
THE KING AND I ist eigentlich eine vergessene rarität, die im gegensatz zu den anderen rodgers-&-hammerstein-operetten nicht altert. auch die qualität des bühnenstücks konnte man vor einigen jahren auf der bühne des londoner palladium erleben. getragen von zwei starken schauspielern ist es eine herrliche komödie über absolutismus vs. demokratie bzw. männer vs. frauen.
bedauerlicherweise ist dieser film mit optiken gedreht, die nur eine geringe tiefenschärfe erlauben. man kann dies bei den ersten cinemascope-filmen sehen, bei denen die schauspieler eigentlich nur in wenigen metern agieren dürfen. trotz des 4x so großen negativbildes von CINEMASCOPE 55 entstand hier aber kein look wie Todd-AO.
THE KING AND I lief in einer ansehbaren aber sehr merkwürdigen 70mm-kopie. was mir schon beim vorspann merkwürdig vorkam, bewahrheitete sich im verlauf des sehens. der vorspann war nicht mittig. d.h. rechts waren ornamente, die links fehlten.
offensichtlich handelt es sich bei den 70mm-kopien von diesem film nicht um eine kopie der CinemaScope-55-fassung – sondern um eine seitlich verschobene abtastung einer 35mm-CinemaScope-Kopie (eventuell eines internegativs). nichts war mittig, was mittig aufgenommen wurde. einige szenen im palast, vor allem auch die szenen mit der landkarte, sind symetrische einstellungen, wo stets links mehr fehlt als rechts.
kollege magenta machte zudem verdächtige überblendzeichen auf der kopie aus, die tatsächlich von einer kopierten cs-kopie stammen.
kurzum: grandeur 70 ist vermutlich ein blowup einer verkleinerungskopie.
danach lief BEN HUR. leider eine der rötesten gefadeten kopien, aber dafür im superbreiten MGM-CAMERA-65-system. hoffen wir, daß dieser film in diesem format doch einmal restauriert wird, nur so läßt sich eigentlich die frühere qualität erahnen.
leider fügt die deutsche fassung diesem film, den ich auch mehrfach in englisch (in cs) sah, ein unerträgliches religiöses pathos zu.
auch akustisch können fassungen enorm differieren. während jesu geburt – ein optischer exzeß zwischen douglas sirk und krippenspiel – muhen normalerweise kühe und ein kälbchen springt zur seite. das kam diesmal akustisch nicht rüber – das wirkte sonst eher wie eine ironische brechung.
william wyler war kein monumentalfilmregisseur, sondern ein schauspielerregisseur, dessen stärkste werke in den 30er und 40er jahen liegen (THE BEST YEARS OF OUR LIVES), vor allem jene, bei denen gregg toland an der kamera stand, bzw. jene mit bette davis. nach ben hur konnte er es sich leisten, lieblingsprojekte (INFAM) zu verwirklichen.
eine kuriosität am rande: man konnte auf diesem festival charlton heston mit 3 verschiedenen synchronstimmen hören. & wilhelm borchert, der ihn in ben hur spircht, spricht in el cid auch noch eine andere stimme.
ONKEL TOMS HÜTTE ist leider 1 film voller anachronismen. ursprünglich als großprojekt geplant, wurde daraus ein eher gutgemeintes als sozialkritisches machwerk. eartha kitt, die in diesem film nur im nachspann singt, sagte einmal in frankfurt zu solchen filmproduzenten: "they fool you." außerdem paßte die hintergrundmusik von dieter thomas mit ihrem fröhlichen hoppel-poppel-sound öfter überhaupt nicht zum film.
dennoch zeigte ONKEL TOMS HÜTTE was man mit dem MCS 70 superpanorama alles machen konnte – & wieviel. eine kleinere handlichere kamera, die auch ihren eigenen look hat.
EISSTATION ZEBRA halte ich für 1 vergessenes meisterwerk. fotografisch ist vor allem der erste teil sehr stark – das ist überhaupt einer der besten 70mm-filme.
thomas hauerslevs vortrag bot für die fans sicher allerhand bekanntes, aber war auch eine solide übersicht über die vielfalt an formaten, die heute noch in jedem lexikon & auch im internet häufig falsch wiedergegeben wird.
ein besonderes schmankerl waren die zinnemann-tests, das heißt, frühe Todd-AO aufnahmen in rochester aus dem jahre 1953. szenen eines flusses, spaziergängerInnen, boote & eine kutschfahrt. gedreht in 30 b/s & mit 128-grad-bug-eye linsen, wirkte manches reichlich verzerrt. man kann keine personen, die nah auf die kamera zukommen mit einem quasi-fish-eye fotografieren – ohne groteske effekte zu erzielen. kein wunder, daß man später dann von dieser bug-eye-linsen-fotografie ziemlich abkam.
aber die hier zu sehende kutschfahrt überzeugte rodgers & hammerstein davon, oklahoma in todd-ao drehen zu lassen. das material war übrigens ansco-color, das von den farben eher an damalige titelseiten von illustrierten erinnert. von eastman war damals wohl noch kein 65mm-material zu erhalten.
den mit der arri 765 gedrehten AS GOOD AS IT GETS wird auch beim mehrfachen sehen nicht besser. die moppeligen damen aus utah mögen vielleicht manchem gefallen, aber die häufig mangelnde tiefenschärfe – z.b. am wasserfall – wird durch sie nicht ausgeglichen.
das highlight des festivals war für mich ein kurzfilm in einem bisher unbekannten system:
CLEARVISION 2000!!!
der film arbeitet mit 70mm, allerdings unter voller ausnutzung der bildfläche des negativs zwischen den sprossen & 30 bildern pro sekunde. da exzellent tiefenscharf fotografiert, 1 exzellentes beispiel für gute optische qualität. flugszenen und eine fahrt durch das nächtliche las vegas wirkten tatsächlich gestochen scharf.
leider ist inzwischen der erfinder mitlerweile verstorben – & das system existiert nur durch diesen einen demonstrationsfilm & 1 patent.
hoffen wir, daß der film seine runden durch festivals macht – & junge oder alte filmemacher dazu bringt, endlich mal einen längeren film in diesem doch sehr qualitativ guten verfahren zu machen – das auf jeder dp70 laufen kann!
die restaurierung von PLAY TIME ist 1 musterbeispiel, wie 1 film nach 40 jahren behandelt werden kann. da ich den film sehr liebe, sah ich ihn in verschiedensten fassungen, von 35mm (rotstich) bis 70mm (starker rotstich), in deutschen – fast durchsynchronisierten fassungen, die dem film die mehrsprachige ebene nehmen bis hin zu vhs & dvd. die nun vorliegende fassung auf 70mm, mit kasch links & rechts – ist die endgültige.
tati hatte den film zuerst länger herausgebracht & in der literatur werden manchmal längere laufzeiten – bis 152 minuten angegeben. schon immer wollte ich das genauer wissen. wie der anwesende restaurator FAILLOT mir mitteilte, mochte tati diese lange fassung nicht & machte zwei weitere, so daß wir mit der restaurierten fassung, die nach einem originalnegativ gezogen sei, eine sozugen remasterte version von tatis dritter schnittfassung haben.
weshalb tati für seinen 70mm-film das sonst nirgendwo übliche seitenverhältnis 1,76 wählte, wußte der restaurator leider auch nicht.
dieser film ist ein musterbeispiel, wie scharf 70mm aussehen kann. und auch ein beispiel, wie ein film ohne handlung 2 stunden unterhaltend und komisch sein kann.
der häufig malträtierte fisch im royal garden kostete übrigens 54 francs - das muß ich gelegentlich mal umrechnen.
leider ging die ausstellung im goldenen foyer der schauburg über rare objektive etwas unter. hoffentlich kommen die alle noch mal zum einsatz! auch die aushänge mit alten plakaten und filmfotos zeigen, wie kino mal früher ausgesehen hat!
schön ist es auch, zu einem so guten programm noch 1 schönes programmheft in händen zu halten, auf das interesse an guten 70mm-kopien nicht verblaßt!