albertk
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kleiner artikel zur 70mm-retrospektive in der frankfurter rundschau: http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/freizeittipps/?em_cnt=1687584& leider haben sich hier einige fehler eingeschlichen. 70mm, also todd-ao und super panavision 70 sind von der fläche her dreimal so groß wie normalformat. außerdem läuft in frankfurt nicht alles von der berlinale-retrospektive. es handelt sich vielmehr um eine auswahl guter kopien, d.h. vorzeigbare neue und einige gut erhaltene ältere.
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der erste spielort des frankfurter kommunalen kinos war meines wissens das mittlerweile abgerissene theater am turm. für die langjährige spielstätte im historischen museum kann ich preston sturges' eindruck nur bestätigen: die idee eines kommunalen kinos halte ich nach wie vor für eine errungenschaft. das programm war oft vortrefflich, aber der saal eine qual. um die winzige leinwand in einem 90-grad-winkel sehen zu können (=idealer blickwinkel), saß man am besten in der ersten reihe, bei scope in der zweiten. die wände waren nach meiner erinnerung weiß, die sitze gelb. die sitzreihen des kinos stiegen nur in jeder zweiten (!) reihe geringfügig an und der raum hatte die geschoßhöhe eines neubaus, d.h. unter 3m. die leinwand war eine weißgestrichene fläche, von den ausmaßen her nicht viel größer als eine dialeinwand. in den hinteren reihen hatte man grundsätzlich keine freie sicht auf die leinwand, was besonders bei untertitelten fassungen störte. hier konnte nun wirklich keinerlei kinogefühl aufkommen, weshalb ich damals in der innenstadt die zum teil noch bestehenden größeren alten kinos bevorzugte. glücklicherweise hat man beim bau des filmmuseums einen vorteilhafteren saal gebaut: die leinwand geht über die volle breitseite, die reihen verfügen über stufen, die bestuhlung ist violett. von den wänden her handelt es sich allerdings um eine black box. da kino aber auch eine sinnliche kunst ist, gibt es hier mehr als einen schwarz ausgekleideten vorführraum. es gibt eine historische wurlitzerorgel und einen flügel für stummfilmbegleitungen, alle existierenden formate von 16mm bis 70mm können projiziert werden. seit dem bestehen des kommunalen kinos 1971 schlossen reihenweise kinos. mir persönlich wäre es lieber gewesen, man hätte eines der von der zerstörung bedrohten alten säle gerettet und dies als kommunales kino bespielt - um so nicht nur filmgeschichte, sondern auch kinogeschichte zu dokumentieren. es gibt einige beispiele solcher rettungen historischer kinos, die allerdings rar sind. der purismus der 70er führte im kinobau zu allerhand kraßheiten: von riechs schuhschachtelkinos bis hin zu kommunalen kinos in sterilen kleinen vortragsräumen ohne atmospäre. leider habe ich auch an andereren orten ähnliche räume als "kino" gesehen. der pseudokritische purismus führte allerhand oberflächliche kritiker auch dazu, 16mm gegenüber 70mm vorzuziehen, mit der folge, daß es in vielen programmkinos keine abspielmöglichkeit mehr für großformate gab und gibt. nicht zuletzt führte diese pseudokritische haltung auch dazu, grundsätzlich alles hochzuloben - auch filme bar handwerklicher qualität - wenn es nur dem neuen deutschen film zuzuordnen war. nach einem großteil dieser filme kräht heute kein hahn mehr. ich glaube kaum, daß sich heutige filmstudenten um blue rays von NICHT VERSÖHNT oder DIE PATRIOTIN reißen. ich sehe da viel vordergründig behauptetes, viel prätenziöses und kaum revolutionäre sprengkraft, höchstens thematisch und dies nur in wenigen einzelfällen. dagegen sind nouvelle vague, britische sozialkritik und italienischer neorealismus immer noch diskutierwürdig, goutierbar und visuell interessanter. umso mehr gilt dies für die in 70mm gedrehten filme, die sich bewußt an die massen richten, mit dem geld großer produktionsfirmen finanziert werden und vordergründe botschaften und vermeintliche gesellschaftskritik meiden mußten bzw. in einigen fällen sogar geschickter zu verpacken wußten. man vergleiche nur einmal herzogs ambivalente despoten-melodramen mit LAWRENCE OF ARABIA, der bedeutend wenig patina angesetzt hat. rebellische jugendliche, spätestens in den USA seit DEAD END oder REBEL WITHOUT CAUSE im focus, aber noch ungestümer in der WEST SIDE STORY, fanden in deutschen filmen höchstens noch in den HALBSTARKEN ein visuelles gegenstück, wurden aber in zeitgleichen filmen wie den FRÜHREIFEN durch pfarrer besänftigt. deutsche musik- und schlagerfilme dieser zeit sind kaum noch ansehbar. häufig enden sie in musikalisch abgemilderten versöhnungen zwischen alt und jung wie in DER PFARRER MIT DER JAZZTROMPETE - d.h. hier waren weder jazz noch schrille töne erlaubt. zum thema komödien: gelungene originelle komödien sind im deutschen film ohnehin rar, im neuen deutschen film eine ausnahme, weil oberflächliche sprich schlechte gesellschaftskritik keinen humor erlaubt (die haben nicht mal brecht verstanden). PLAY TIME, der 1968 lief wurde damals in deutschland eher verissen und gnadenlos bemäkelt (ich habe mich da mal durchgearbeitet), weil antimodernistisch, was von linken kritikern automatisch als reaktionär begriffen wurde.
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Das Wiener Filmmuseum veranstaltet zur Zeit eine David-Lean-Reihe, von der ich hier noch gar nichts erfuhr: http://www.filmmuseum.at/jart/prj3/filmmuseum/main.jart?rel=de&content-id=1216720898687&schienen_id=1229505195400%20%20&reserve-mode=reserve Über die Kopien heißt es: Kennt jemand das Kino? Aus der Webseite sind die Vorführmöglichkeiten nicht herauszukriegen.
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Als die 70mm-Retrospektive in Berlin angekündigt wurde, gab es Gerüchte, die Reihe würde später in mehreren deutschen Städten laufen. U.a. wurden Mannheim, Hamburg und München genannt. In den Märzprogrammen der jeweiligen kommunalen Kinos (Cinema Quadrat Mannheim, Metropolis(Ex-Savoy) Hamburg, Filmmuseum im Stadtmuseum in München) habe ich aber dazu nichts gefunden. In München steht das Programm ohnehin schon bis Juni fest. Ich weiß nicht mal, ob die überhaupt 70mm zeigen können. Außer dem früheren Savoy, das für Todd-AO gebaut wurde und ideal gewesen wäre, sind das übrigens alles kleine Säle. Somit bleibt nur die kleine, aber sicher sehr solide 70mm-Filmreihe in Frankfurt.
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showmanship schrieb: Einen Festivalpaß hätte ich auch gekauft, den gibt es aber leider nicht. Wenn Du alle 10 oder 11 Programme (d.h. 2x CLEOPATRA) sehen willst, empfiehlt sich die Kinocard. Für die Kinocard brauchst Du allerdings ein Paßbild. Die Kinocard kostet 15 €, gilt ein Jahr & lohnt sich eher für hier in Frankfurt wohnende. Mit der Kinocard ist sonst der reguläre Eintritt 4 statt 6 €, was vergleichsweise ziemlich billig ist. Preise sind beim 70mm-Festival 11 €, ermäßig 9€ (mit Studentenausweis), und 8 € mit Kinocard.
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"Der Reiz des Sehens" - warum Film nur im Kino fun
albertk antwortete auf preston sturges's Thema in Talk
Interessanter Artikel, aber was die großen Filmpaläste einmal ausmachte, hat die mir unbekannte Autorin nur unzureichend geschildert. Es beginnt mit der Architektur, ein Kino, das nach außen hin durch Front, "Schaumannsarbeit", Schaukästen, Plakate, Fotos schon mal als solches erkennbar ist - frei nach der Devise eines amerikanischen Kinoarchitekten: The Show starts on the sidewalk. Dazu gehören aber auch Foyers, die auf den Kinobesuch einstimmen und nicht zuletzt durch einen schönen Kinosaal, interessante indirekte Beleuchtung, Einstimmung durch Musik etc. Der einzige Fortschritt scheint heutzutage in der bequemeren Bestuhlung und der damit verbundenen Beinfreiheit zu bestehen. Auch fehlt der Aspekt, daß nicht nur ein Hauptfilm zu sehen war, sondern daß ein Kinoprogramm aus Vorfilmen, Wochenschau, Bühnschau, Kinoorgelpräsenation, Verbeugungstournee der Darsteller u.ä. bestehen konnte. Kinos sind mehr als dunkle Räume, wo Mann und Frau bunt durcheinander gewürfelt sitzen, obwohl auch das vielleicht mit der ersten Freundin ungeheuren Reiz gehabt haben mag. Dadurch daß man sich um eine kinogemäße Präsentation bemühte, sind mir sogar ein Teil der eher einfach gestalteten Offenbacher Kinos meiner Kindheit, in denen ich allerhand mäßige Filme sah, in bessererer Erinnerung als manches spätere Kinocenter, Programmkino oder Multiplex. Wie toll wurde es erst später als ich später in Frankfurt Kinos wie das MGM-Theater oder das Metro im Schwan kennenlernte, obwohl es da schon spürbar bergab ging. Wie richtig großes Kino einmal ausgesehen haben mag, konnte ich dann bei richtig großen Palästen sehen: Dem Zoo-Palast in Berlin, Le Grand Rex in Paris oder Odeon und Empire am Leicester Square in London und dem Tuschinski im Amsterdam, wo es sogar Führungen gibt. Leider macht man sich in den wenigsten dieser erhaltenen Paläste besondere Mühe und sieht sie als Abspielsätten und nicht als Film-Theater. Es kann eigentlich nur noch besser werden. -
Ab heute kann man Karten beim Filmmuseum in Frankfurt kaufen, bzw. auch telefonisch vorbestellen. Telefonisch reservierte Karten sollten aber ½ Stunde vorher abgeholt werden, sonst verfällt die Reservierung. Zu erwarten sind guterhaltene bzw. häufig sogar sehr neue Kopien – durchweg in der Originalfassung. Besonders freue ich mich auf WEST SIDE STORY, LAWRENCE OF ARABIA, PLAY TIME und die Kurzfilme. In Frankfurt am Main leben wir mittlerweile in einer Wüste, was 70mm angeht. Das Kino im Filmmuseum ist das einzige in der Stadt, das noch 70mm spielen kann. Zugegeben, das Kino ist klein, aber sucht man sich die idealen Sitzplätze im 90-Grad-Winkel (4.-6. Reihe) ist das der optimale Genuß, gekoppelt mit den Vorzügen von 70mm. Natürlich sähen viele lieber Todd-AO auf einer 20-Meter-Leinwand wie dem Royal, einst MGM-Theater. Kinos mit solchen Leinwandmaßen gibt es ohnehin kaum noch. In den wenigen großen Sälen laufen höchstens Blockbuster in 35mm. Häufig sind diese Filme, die man dann ganz besonders groß bewundern kann, auch noch in grobkörnigem Super-35 gedreht und werden mit billig hergestellten, häufig unscharfen Kopien projiziert. Nicht zu reden von Popcornmief, grell leuchtenden Handys und Dauerquasslern, die gar nicht bemerken, daß sie nicht mehr vor der Glotze sitzen. Hinzu kommt die beliebige Architektur der Multiplexe: Gebäude, die von außen die Eleganz eines Baumarktes haben, können kein Kinogefühl mehr vermitteln. (Auf die einfachste viktorianische Music Hall, selbst auf ein Aktualitätenkino im Bahnhof wurde früher mehr Mühe verwendet als auf diese Supermarktarchitektur.) Das Royal ist mittlerweile abgerissen. Andere Frankfurter Kinos haben keine für 70mm geeigneten Projektoren mehr, bzw. diese ausgewechselt und spielten schon seit den 80ern dieses Verfahren nicht mehr. Mit Neid blickte ich schon in den 90ern nach London oder Paris, wo wenigstens ab und zu noch 70mm-Blowups liefen. Wer hier in den letzten Jahren ältere 70mm-Filme sehen wollte, konnte nach Griesheim (einem Vorort zwischen Frankfurt und Höchst) ins Cinestar zu den 70mm-Matineen fahren. Nach dem Weggang des dortigen Theaterleiters wurde das leider dort auch aufgegeben. Ansonsten mußte man reisen, um 70mm zu sehen. Wer sich intensiv für Film interessiert, wird schnell merken, daß es sich bei 70mm um ein systematisch verdrängtes Filmerbe und eine vergessene Kinotradition handelt. Die Qualitäten vieler 70mm-Filme mußte man jahrelang den vielen Verächtern des Formats hierzulande immer erst mühselig beweisen. Eines der zahllosen Beispiele für diese Verachtung sind deutsche Filmkritiker, die vergleichbar wie es Orwell in Animal Farm beschreibt, mit primitiven Versatzstücken gegen 70mm argumentierten, etwa im Sinne 70mm böse, 35mm gut. Kritisiert wurde grundsätzlich die Opulenz, häufig sogar die visuelle Gelungenheit, also gerade das, was Massen in manche der 70mm-Filme zog. Ähnliche Haltungen beschreibt auch Kevin Brownlow in seinem sehr ausführlichen David-Lean-Buch, wo er berichtet, wie Lean nach RYAN'S DAUGTHER auf harsche Kritiker traf, die ihm am liebsten "nur 16mm" erlaubt hätten. Ein anderer Beleg: Während meines Studiums der Filmwissenschaft wurde uns übrigens kein einzies Mal ein 70mm-Film gezeigt – nicht mal in 16mm oder Video. Namen wie David Lean wurden erst gar nicht erwähnt. Wir konnten viel Interessantes sehen & studieren, aber sahen auch reaktionäre, rassistische und wichtigtuerische Machwerke. Mein Fazit: Eisenstein erlaubte man durchaus Farbe und Opulenz, die man woanders zutiefst verdammt. Glücklicherweise häufen sich in den letzten Jahren viele kleinere Festivals und Filmreihen zu 70mm. Nach dem Niedergang der Präsentation von 70mm-Blowups gibt es aufeinmal 70mm in Amsterdam, Bradford, Karlsruhe, Kopenhagen, Knov, Oslo und auch immer wieder mal hier in Frankfurt! Und mit der Berlinale ist das Thema 70mm noch längst nicht erledigt. Bloß weil irgendwo einer schlecht kocht, nimmt mir das noch lange nicht die Lust am Essen!
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leider fand ich keinen 70mm-artikel über die webseite der rheinpfalz. HoBi08 könntest du den link bitte posten?
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Das Frankfurter Kino im Deutschen Filmmuseum zeigt im März eine hochinteressante 70mm-Reihe. Den link findet man in der obigen Nachricht, vielen Dank! Ich sende hier schon mal einen Auszug aus dem Programmheft: 70 MM – BIGGER THAN LIFE Filme aus der Berlinale-Retrospektive vom 13. bis 18. März 2001 Die Reihe präsentiert als einzige weitere Station in Deutschland Leinwandepen, Abenteuer- und Science-Fiction-Filme sowie Musicals aus der Berlinale-Restropektive. Kinoliebhaber sollten sich die seltene Chance nicht entgehen lassen, die ausgewählten Filme im Breitfilm-Format in voller visueller Brillanz zu erleben. Obwohl seit den Zeiten der Filmpioniere wie Thomas Alva Edison die Breite von 35 Millimetern der Standard für Kinoauswertung ist, wurde bereits in der Frühzeit des Films mit größeren Formaten experimentiert. Das erste 70-mm-Filmmaterial wurde in den 1920er Jahren in den USA entwickelt, und die Versuche mit diesem Format fanden einen ersten Höhepunkt um 1930. Aber aufgrund der Weltwirtschaftskrise und der Belastung der Kinos durch die Umstellung auf den Tonfilm konnte sich das Format nicht durchsetzen. Erst in den 1950er Jahren, angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch das Fernsehen, wurden die Versuche mit 70 mm und Mehrkanalstereoton reaktiviert, um den Zuschauern neue sinnliche Reize zu bieten. Das erste kommerziell erfolgreiche Verfahren Todd-AO hatte die American Optical Co. im Auftrag des Produzenten Michael Todd entwickelt, der kurz zuvor bereits zu den Initiatoren von Cinerama (bei welchem drei Filmstreifen synchron nebeneinander liefen) gehört hatte. Als erster nach dem neuen Verfahrenen entstandener Spielfilm kam das Musical Oklahoma! (1955) in die Kinos. Cleopatra Gedreht wurde auf 65 Millimeter breitem Filmmaterial mit einer Bildhöhe von fünf Perforationslöchern – im Unterschied zu den vier des 35-mm-Films. Die Vorführkopien wurden auf 70-mm-Film hergestellt, wobei man die zusätzlichen 5 mm auf dem Steifen für Magnettonspuren nutzte. Das 70-mm-Format bietet ein etwa drei Mal so großes Bild wie das 35-mm-Format und kann bis zu sechs Tonspuren aufnehmen. Bei der Projektion muss das Filmbild weniger stark vergrößert werden und wirkt entsprechend schärfer und brillanter. Bis Anfang der 1970er Jahre war 70 mm das Format für aufwendige Großproduktionen. Danach kamen noch einige herkömmliche 35-mm-Filme als Blowups auf 70mm ins Kino, deren Bildqualität sich nicht mit originalen 70-mm-Filmen messen kann – teilweise nicht einmal mit den 35-mm-Fassungen. Einer der letzten echten 70-mm-Spielfilme war Kenneth Branaghs Hamlet (1996). Ben-Hur Die meisten Erstaufführungskopien vom Kameranegativ sind im Laufe der Zeit farblich ausgebleicht, verlorengegangen oder zerstört worden. Einige Filme wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufwendig restauriert, nun mit dts- statt Magnetton versehen. Diese Restaurierungen und Umkopierungen sind durchaus in unterschiedlichem Maße gelungen; in jedem Fall sind aber kleine Abstriche gegenüber der ursprünglichen Brillanz der Schärfe und Farben zu machen. 70 mm heute Durch die Berlinale-Retrospektive können nun seltene Kopien aus dem Ausland in Deutschland gezeigt werden, die einzelne Kinos wegen der enormen Transport- und Versicherungskosten nicht alleine importieren könnten. Daher nutzen wir die Gelegenheit, diese Kopien vorzuführen – auch wenn unser Kinosaal nicht den Kinopalästen entspricht, für die sie geschaffen wurden. Die kleinere Leinwand bietet aber einen beindruckenden Gewinn an Schärfe und visueller Brillanz. Viele 70-mm-Filme enthalten alleine wegen ihrer aus dem Rahmen fallenden Längen Ouvertüren und Pausen. Solche Ouvertüren wurden von den Filmemachern und den Komponisten zur Einstimmung auf den Film geplant und sind also integraler Teil desselben. Wir bitten, diese Musik auch entsprechend zu goutieren: Sie läuft bei geschlossenem Vorhang und gedämpftem Saallicht. Alle Kinoliebhaber, denen es noch nicht egal ist, ob sie einen Film aus dem Netz heruntergeladen auf ihrem Rechner zu Hause oder so, wie er gedacht war, im Kino sehen, sollten sich diese seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen. Unser besonderer Dank gilt Connie Betz von der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Berlin. Kinotermine Fr 13.3. 18.00 Uhr Kurzfilmprogramm: THE MIRACLE OF TODD-AO USA 1956, R: Juan C. Hutchison 11 min OF Print courtesy of the Academy Film Archive SHELLA RAMA GB 1965, R: Richard Cawston, 14 min OF SKY OVER HOLLAND NL 1967, R: John Ferno, 22 min OF ÅRET GJENNOM BØRFJORD A Year Along the Abandoned Road Norwegen 1991, R: Morten Sakallerud, 12 min TOUR EIFFEL D 1993, R: Veit Helmer, 10 min LE MARIAGE DE FANNY F 1999, R: Olivier Brunet, 18 min OF ÅRET GJENNOM BØRFJORD A Year Along the Abandoned Road Das Kurzfilmprogramm gibt einen Einblick in die vielfältigen Möglichkeiten des 70-mm-Formats. THE MIRACLE OF TODD-AO (1956) demonstriert die technischen Qualitäten des Todd-AO-Verfahrens mittels Aufnahmen einer Achterbahnfahrt, von Flug- und Skiaufnahmen und einer Verfolgungsjagd in San Francisco. Die Kopie ist dem Academy Film Archive, Los Angeles zu verdanken. SHELLA RAMA (Super Technirama, 1965), ein im Auftrag der Shell Co. entstandener Industriefilm, zeichnet den Weg des Petroleums nach von der ersten Bohrung in den Sümpfen Nigerias über seinen Transport per Pipeline und Tanker bis zum Verbrauch. In SKY OVER HOLLAND (Superpanorama MCS 70, 1967) führt John Ferno die Niederlande aus der Luft vor. ÅRET GJENNOM BØRFJORD (Super Panavision 70, 1991) zeigt in einer einzigen Fahrtaufnahme im Norden in 50.000-facher Geschwindigkeit das Vergehen des arktischen Jahres. Veit Helmers TOUR EIFFEL (Arri 765, 1994) ist ein Kurzspielfilm, in dem ein Mann vom Eiffelturm aus mit ansehen muss, wie sein neues Kabrio gestohlen wird. LE MARIAGE DE FANNY (Superpanorama MCS 70, 1999) setzt die Erinnerungen einer Frau in einen experimentellen filmischen Diskurs um und mixt dabei 70-mm mit aufgeblasenen Aufnahmen. Fr 13.3. 20.00 Uhr LAWRENCE OF ARABIA Großbritannien 1962, R: David Lean, Da: Peter O’Toole, Alec Guinness, Anthony Quinn, Jack Hawkins, Omar Sharif, 216 min OF. Restaurierte Fassung von 1989 LAWRENCE OF ARABIA Kein 70-mm-Film konnte jemals mit grandioseren Landschaftsaufnahmen aufwarten als LAWRENCE OF ARABIA (1962, Super Panavision 70): Wer eine der Erstaufführungskopien der 1960er Jahre gesehen hat, weiß, dass beinahe jedes Sandkorn in der Wüste gestochen scharf erschien Die restaurierte Fassung von 1988, an der Regisseur David Lean selbst mitgearbeitet hat, kann damit nicht mehr hundertprozentig aufwarten. Dennoch ist der Film, welcher den Einsatz des Abenteurers T. E. Lawrence in der arabischen Wüste schildert – dieser sollte für die Briten während des ersten Weltkriegs den Aufstand der Araber gegen die Osmanen organisieren –, immer noch eines der visuell beeindruckendsten Werke der Filmgeschichte. Sa 14.3. 17.30 Uhr WEST SIDE STORY USA 1960/61, R: Robert Wise, Jerome Robbins, Da: Natalie Wood, Richard Beymer, Russ Tamblyn, 153 min OF WEST SIDE STORY mit der Musik von Leonard Bernstein war Ende der 1950er Jahre eines der erfolgreichsten Musicals am Broadway. Für seine Kinoadaption von 1961 (Super Panavision 70) versicherte sich Robert Wise der Mitarbeit des Choreographen Jerome Robbins, welchem einige der beeindruckendsten Tanzszenen der Filmgeschichte zu verdanken sind, etwa „Jet Song“, „America“ oder „Cool“. West Side Story ist eine moderne Romeo-und-Julia-Variation, angesiedelt im Milieu der Jugendbanden der West Side von Manhattan, und gewann zehn Oscars. Sa 14.3. 20.30 Uhr 2001: A SPACE ODYSSEY Großbritannien 1968, R: Stanley Kubrick, Da: Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester, 141 min OF 2001: A SPACE ODYSSEY Das andere überwältigende Meisterwerk des 70-mm-Films ist ohne Frage Stanley Kubricks Weltraumoper 2001: A SPACE ODYSSEY (1968, Super Panavision 70). Es handelt von einem rätselhaften Monolithen und eine Expedition zum Jupiter, deren Erfolg vom eigenwilligen Bordcomputer HAL sabotiert wird. Nie zuvor im Science-Fiction-Genre gab es derart glaubwürdige Aktionen im Weltraum zu sehen. Gleichzeitig technische Utopie, kulturphilosophische Spekulation und psychedelischer Trip, beeinflusste 2001 mit seiner revolutionären Tricktechnik nachhaltig die weitere Entwicklung des Science-Fiction. So 15.3. 12.00 Uhr | Matinee BEN-HUR USA 1959, R: William Wyler, Da: Charlton Heston, Jack Hawkins, Stephen Boyd, Haya Harareet, 215 min OF BEN-HUR Als eine der kommerziell erfolgreichsten Produktionen aller Zeiten gilt BEN-HUR (1959, MGM Camera 65) von William Wyler; das von Andrew Marton und Yakima Canutt spektakulär inszenierte Wagenrennen schrieb Filmgeschichte. Charlton Heston spielt in dem monumentalen Historienfilm den jüdischen Prinzen Judah Ben-Hur, der zum Galeerensklaven abstürzt, sein Schicksal wendet und schließlich zum Anhänger Christi konvertiert. Gedreht wurde in Italien, die grandiose Musik stammt von Miklos Rozsa. So 15.3. 17.30 Uhr FLYING CLIPPER. TRAUMREISE UNTER WEISSEN SEGELN BRD 1962, R: Hermann Leitner, Rudolf Nußgruber Dokumentarfilm, 154 min OF, Neue Kopie FLYING CLIPPER. TRAUMREISE UNTER WEISSEN SEGELN FLYING CLIPPER. TRAUMREISE UNTER WEISSEN SEGELN (1962, MCS-70) von Hermann Leitner und Rudolf Nußgruber war der erste lange deutsche 70-mm-Film. Zu einer Zeit, als eine Urlaubsreise ins Ausland noch kein Massenphänomen war, zeigte er die Fahrt eines schwedischen Segelschiffes mit internationaler Besatzung durchs Mittelmeer mit wunderschönen Aufnahmen von den Stationen der Reise. So 15.3. 20.30 Uhr CHEYENNE AUTUMN USA 1964, R: John Ford, Da: Richard Widmark, Carroll Baker, Karl Malden, Dolores Del Rio, 154 min OF CHEYENNE AUTUMN John Fords letzter Western CHEYENNE AUTUMN (1964, Super Panavision 70) behandelt den Zug der Cheyenne-Indianer 1878 von ihrer unfruchtbaren Reservation in Oklahoma über 1800 Meilen in ihre Heimat Dakota, verfolgt von der Kavallerie. Hunger und Krankheiten hatten ihre Zahl von über 1000 auf 286 reduziert, und auf ihrer Flucht müssen sie weitere Opfer bringen. Das tragische Schicksal des Stammes wird durch grandiose Panorama-Einstellungen heroisiert und in eine mythische Vergangenheit gerückt; als Kontrast gibt es zwischendurch eine komische Einlage in Dodge City. Ein sehr persönliches Werk von einem der Meister des amerikanischen Kinos. Mo 16.3. 19.00 Uhr | Mi 18.3. 19.00 Uhr CLEOPATRA USA 1963, R: J.L. Mankiewicz, Da: E. Taylor, R. Burton, Rex Harrison, 248 min OF. Restaurierte Fassung von 2006 CLEOPATRA Als CLEOPATRA (Todd-AO) 1963 herauskam, konnte er auf eine lange und komplizierte Produktionsgeschichte zurückblicken. In der Planung seit 1958, begannen die Dreharbeiten 1960 unter der Regie von Rouben Mamoulian. Es gab kein fertiges Drehbuch und die Kosten explodierten. Joseph L. Mankiewicz rettete schließlich als Autor und Regisseur das Projekt und ihm gelang es, mit intelligenten, teilweise an Shaw orientierten Dialogen den Figuren Leben einzuhauchen – insbesondere Cäsar, aber auch der ägyptischen Königin, die nacheinander zwei der mächtigsten Männer des römischen Weltreichs bezauberte. Cleopatra war seinerzeit einer der teuersten, längsten und spektakulärsten Filme der Filmgeschichte. Di 17.3. 18.00 Uhr BARAKA USA 1992, R: Ron Fricke, Dokumentarfilm, 96 min OF BARAKA „Baraka“ ist in der Sprache der Sufis der Atem des Lebens, und BARAKA (Todd-AO, 1992) heißt auch der Film von Ron Fricke, einem der Mitarbeiter von Koyaanisqatsi. Dessen Konzept, eine Aussage über das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt mit rein visuellen und klanglichen Mitteln zu treffen, wird weiterentwickelt: Fricke hat in 24 Ländern der Erde gedreht und seine atemberaubenden Bilder ohne sprachlichen Kommentar zu einem großen epischen Poem über die Entwicklung unseres Planeten und des Menschen montiert. Di 17.3. 20.30 Uhr PLAY TIME F 1967, R: J. Tati, Da: J. Tati, B. Dennek, J. Lecomte, 126 min OF. Restaurierte Fassung von 2002 PLAY TIME Nicht der erhoffte Erfolg war bei seinem Erscheinen auch PLAY TIME (1967, 70 mm Widescreen), sodass der Regisseur Jacques Tati den Film nach der Premiere um eine knappe halbe Stunde kürzte. Tatsächlich – und auch längst anerkannt – handelt es sich um Tatis besten Film, sein Meisterwerk. Nie zuvor und nie mehr danach hat er eine Komödie in allen ihren Einzelheiten so präzise ausgetüftelt. Die Handlung ist minimal und zeigt Monsieur Hulot, konfrontiert mit einer Gruppe amerikanischer Touristen, in einem modernen Paris aus Glas und Stahl. Play Time wird als einer der wenigen wirklich durch und durch perfekten Filme der Filmgeschichte bezeichnet. Es gelten besondere Eintrittspreise: 11 Euro / 9 Euro ermässigt / 8 Euro mit Kinocard
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Hello, Thomas! Did You attend any lectures in Berlin? I asked here about them, but I did not get any replies - just some remarks that Brownlow talked very interesting. I even was looking through a lot of newspapers without success.
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"Der Friedrichstadtpalast, auf den Trümmern des Staalichen Schauspielhauses entstanden..." Sorry, aber an diesem Satzanfang stimmt leider nichts. Der heutige Friedrichstadtpalast steht an anderer Stelle als der alte, einst Markthalle/Zirkus Renz/(Poelzigs)Deutsches Schauspielhaus/Friedrichstadtpalast. In Trümmern lag das frühere Gebäude nicht, sondern es wurde zu DDR-Zeiten u.a. wegen schlechter Fundamente abgerissen. Das Grundstück lag dann Jahrzehnte lang brach. Direkt davor befindet sich heute das Brecht-Denkmal, links davon das Berliner Ensemble. Der neue Friedrichstadt-Palast entstand in der Nähe, auf dem Grundstück des kleineren Zirkus Barlay. Ob der neue Friedrichstadt-Palast als Kino geeignet ist, wage ich allerdings auch zu bezweifeln. Selbst bei 1900 Plätzen irgendwie zu breit, zu hoch, zu groß und trotzdem reichlich enge - übrigens steinharte - Bestuhlung. Hatte man wenigstens eine große Leinwand dort?
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Unglaublich, wie einem der wenigen einigermaßen erhaltenen historischen Kinos der Denkmalschutz entzogen wird. Nach dem Krieg war keine historische Renovierung des Metrolpol zu erwarten. Aber der Umbau Ende der 80er zum Kino- und Konzertsaal, der sich am ursprünglichen Kino orientierte, wurde sicher auch mit öffentlichen Mitteln bewerkstelligt und problemlos durchgewinkt. Nun dient dieser gleiche Umbau als Argument dazu, das gesamte Kino plattzumachen und nur die Front stehenzulassen! Mit einem solchem Denkmalschutz könnte man komplett alle Theater abreißen, die irgendwann ihre Bestuhlung erneuerten, geschweige denn alle historischen Theater und Arenen. Einen Denkmalschutz für Kinos muß hierzulande erst noch erkämpft werden. Ich sehe es auch in meiner Heimatstadt. Reihenweise werden interessante Gebäude der Nachkriegszeit plattgemacht, um dem neuzeitlichen Bauboom Platz zu machen. Während das Metropol vom Kino zum Konzertsaal, schließlich zur Front einer Shopping Mall wird, gibt es in der gleichen Stadt ganz andere Projekte: Gleichzeitig werden nämlich 75 Millionen für eine neue Beethoven-Halle für die Nicht-Mehr-Hauptstadt verpraßt: http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv...49768a0a96
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magaentacine schrieb: klasse! was muß man denn pro stunde für die ehre bezahlen, dort arbeiten zu dürfen? am besten, jeder bringt noch seine eigene dp-70 von zuhause mit!
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bei so vielen beiträgen, frage ich mich, ob manche leute überhaupt auch die filme sehen... mehr hätte ich gern über brownlows vortrag erfahren. eigentlich auch schade, daß kein früher 70mm aus den 30ern im programm war. von brownlow ist auch nichts im katalog?
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Sorry, Thomas, I could not go to Berlin! Hope your daugther enjoys her father schlepping her to old 70mm movies. Enjoy Berlin, the russian rarities, Brownlows lectures and have a Rixdorfer Fassbrause (special Berlin Lemonade) instead of beer. There is a mistake in my list: Filmpalast Berlin is now called Astor Film Lounge.
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Hello, Thomas Hauerslev! Enjoy the 70mm screenings in Berlin! This is one of the biggest celebrations of 70mm for years! Berlin has become a 70mm-desert during the last 10 years as in most other german towns. There were no regular 70mm screenings anymore except the two Imax cinemas. Even one of the two has closed down and is now used as a theatre. Still existing cinemas with 70mm equipment still in use: Arsenal, Saal 1, Potsdamer Platz 2 Delphi, Kantstr. 12a Filmpalast/now: metro Astor Film Lounge, Kurfürstendamm 225 International, Karl-Marx-Allee 33 Odeon, Hauptstraße 116 (Schöneberg) Urania-Filmbühne, An der Urania 17 Zoo-Palast/UCI Kinowelt Zoo Palast 1 Berlinale Palast/Stella Musical Theater, Marlene Dietrich Platz (only temporary use) Cinestar IMAX Theater, Potsdamer Str. 4 (IMAX!) Cinestar 8, Potsdamer Potsdamer Str. 4 Demolished cinemas: Royal-Palast and City/later Royal 1+2, Tauentzienstraße (Europa-Center), now Saturn Hansa store MGM-Theater, Kurfürstendamm Universum, new building as theatre Schaubühne am Lehniner Platz: once screened Cinerama & 70mm Former cinemas: Kosmos/Kosmos UFA Palast, Karl-Marx-Allee 131, now theatre (?) Discovery Channel IMAX-Theater Berlin, now theatre Temporary screenings were at: Waldbühne, Glockenturmstraße (close to olympia-stadion) open air until 2003, had also 70mm screenings Sportpalast (stadium), completely demolished, screened Cinerama, Cinemiracle and 70mm This is no complete list. For information try the Berlin 70mm-film buffs or http://www.kinokompendium.de/
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WIDER DIE 70mm-NASERÜMPFER (Zu Georg Seeßlens Artikel BREIT GEGEN DIE WAND im "Freitag" vom 4.2.2009) Vorab: Eigentlich fand ich Georg Seeßlen Kritiken oft interessant. Aber dieser Artikel ist ein Musterbeispiel für die Naserümpferei über 70mm. Wenn man als Kind oder Jugendlicher ein bestimmtes unterhaltsames Buch in einer Bibliothek oder Buchhandlung wünschte, hatte man es manchmal mit Erwachsenen zu tun, die erst einmal die Nase rümpften. Bei Filmkritikern finde ich das völlig unangebracht. In Seeßlens Artikel fehlt kein Versatzstück, das uns die 70mm-Hasser seit Jahrzehnten herunterbeten. Und dies in der Regel wenig kenntnisreich! Die Kritik strotzt vor technischen Fehlern. Es beginnt mit dem Link, der CinemaScope nennt, dabei handelt es sich um eine Retrospektive zum Thema 70mm. Statt "Technoscope" muß es heißen Techniscope, und das entstand übrigens nicht in den 70er, sondern in den 60ern. BEN-HUR wurde nicht in Ultra Panavision gedreht, sondern in MGM Camera 65. Die Breite (1:2,76) ist jedoch identisch. Im Format 1:2,76 wurden nur 8 Filme gedreht. So ist Seeßlens Vorwurf, ein Großteil der 70mm-Kopien seien beschnitten herausgekommen, einfach falsch. Auch erkennt man selbst auf einer gut gezogenen 35mm-CinemaScope-Kopie eines 70mm-Films häufig noch Qualitäten des ursprünglichen Großformats. RAINTREE COUNTY lief übrigens nur in CinemaScope, dafür lief BEN-HUR jahrelang. Es heißt übrigens nicht 70mm-Panavision, sondern "Super Panavision 70". Leider haben die Filmfirmen hier selbst oft genug wirre Formatangaben in ihren Filmen. Koyaanisqatsi ist übrigens kein 70mm-Film. Bei dieser kurzen Aufzählung der Fehler möchte ich es belassen. Details sind seit Jahren exakter im Internet beispielsweise im "American Widescreen Museum" oder bei "In 70mm" nachzulesen. Seit Jahrzehnten schreiben Kritiker, daß das Fernsehen "schuld" am Breitwandfilm sei. Tatsächlich gab es seit Anbeginn unterschiedliche Formate, ein größerer Schub an Breitformaten kam bereits in den 30er Jahren, dann in den 50ern. Interessanter liest sich das bei John Belton: Die Freizeitgewohnheiten der US-Amerikaner nach dem 2. Weltkrieg hatten sich massiv verändert, u.a. gründete man vermehrt Familien, zog auf Land, kaufte Häuser und Autos. Das Format 70mm über die Malerei zu geißeln halte ich auch für einen Fehlgriff. Malerei ist zum einen ein völlig anderer Bereich. Dort dürften Formate wie 1:1,33 oder 1:1,375 eher die Ausnahme sein. Picasso wählte für den zweiten Teil seines Filmes mit Clouzot sogar bewußt CinemaScope. Außerdem frage ich mich, hat Seeßlen noch nie etwas von Panoramen gehört? Im übrigen ist 70mm mehr als nur ein breiter Rahmen. Ein "Normalformat" gab es seit Anbeginn der Filmgeschichte erst mal gar nicht. Stattdessen gab es ein Sammelsurium großer, kleiner und sogar schon einige breitere Formate als das sehr kleine Guckkastenformat von Edison, das sich später durchsetzte. Skandalös teuer sei 70mm, schreibt Seeßlen. Wenn das ein seriöses Kriterium sei, dürfen wir uns gewisse Machwerke der Filmgeschichte nicht antun. Galerien, Museen und Schlösser müßten wir meiden. Gegen CLEOPATRA war Neuschwanstein sicher ein Wandlitz. Dagegen müßte man jeden Youtube-Spot, der nur mit einem Handy aufgenommen ist, verteidigen... Einem Format ideologische Verhaftetheit anzulasten ist billige Sophisterei. Oder läßt sich etwas daraus schließen, daß JUD SÜSS und BIRTH OF A NATION, zwei rassistische Filme, in 35mm gedreht wurden, während in 70mm dagegen EXODUS und PORGY AND BESS vorliegen? Natürlich dominieren in 70mm gewisse Genres. Aber den Vorwurf der Kollossalschinken ist einfach zu abgegriffen. Was kennt Herr Seeßlen eigentlich? Mittlerweile gibt es sogar einen Essayfilm französischer Herkunft oder einen norwegischen Experimentalfilm rund um einen Fjord. PLAY TIME von Tati ist genausowenig ohne 70mm zu denken wie die LAWRENCE OF ARABIA, RYAN'S DAUGTHER oder die WEST SIDE STORY. (Ich habe nur mal meine Lieblinge genannt, die auch nach mehrfachem Sehen immer noch standhielten!) Was Seeßlen zu Cinerama beklagt, ist übrigens auch falsch. THIS IS CINERAMA war trotz kleiner Produktionsfirma, die nichts mit Hollywood zu tun hatte, von Anfang an ein Riesenerfolg. Gleich nach der Premiere 1952 gab es zahllose Pläne für Spielfilme, Musicalverfilmungen etc. Leider ging man erst ein Jahrzehnt daran, zwei Spielfilme herzustellen und setzte auf die billigeren Travelogues (Reise-Dokumentarfilme). Seeßlen beklagt, daß Cinerama seine Zuschauer umzingle. Was beabsichtigt das Kino denn sonst? Das war bereits der Anspruch der allerersten Filme, von der ANKUNFT EINES ZUGES der Lumieres oder der kühn ausgestatteten Filme des Illusionisten Meliès. Aber bei Cinerama geschah dies nicht nur mit einer gewölbten 146-Grad-Leinwand sondern auch mit 7 Magnettonspuren, damals eine Neuerung, so daß man auch akustisch beeindruckt wurde. Die Negative für Cinerama waren zusammen genommen sechsmal so groß wie das Normalformat und liefen mit 26 Bildern/Sekunde, also erhöhter Geschwindigkeit. Die Cinerama-Filme liefen in Farbe – also alles Neuerungen, die damals Sensationen waren. Jahrelang kann und konnte man in Bradford in Nordengland THIS IS CINERAMA und HOW THE WEST WAS WON im originalen 3-Streifen-Verfahren sehen. Wer je Cinerama gesehen hat, kann bei Imax nur gähnen. Und auch hier muß ich Seeßlen widersprechen: Kenneth Branaghs HAMLET von 1997 war leider kein klassischer 70mm-Film. Natürlich kann in jedem Format alles drehen, es ist nur eine Frage des Könnens. Es ist auch immer eine Frage der Kameraleute, Beleuchter und Ausstatter, was sie mit einem Format anfangen können. Oberflächige Fotografie, die immer nur auf eine Nase scharfstellt, ist freilich bei einem großen Bild für eine große Leinwand gedacht. Neuere 70mm-Produktionen halte ich weitgehend in dieser Hinsicht für mißlungen. Dies ist kein Kulturpessimus sondern eine nüchterne Einschätzung dessen, was ich neueres in 70mm sehen konnte. Klassische Fotografie bemüht sich um weitestgehende Schärfe. Klassische 35- und 70mm-Fotografie läßt Schauspieler in einem Raum agieren. Manche schneiden x-mal, wo andere dies mit wenigen Schnitten, behutsamen Einstellungen, Totalen und origineller Bildgestaltung hinkriegen. Deswegen werden Filme wie LAWRENCE OF ARABIA immer wieder mit Fotos beworben, die die weiten Wüstenlandschaften oder einfach nur Peter O'Toole mit brennendem Streichholz bei ausgestreckter Hand zeigen. Auf so etwas konnten Kameramänner, die auf 16mm oder Video schwören, nicht kommen. Und wo wird eigentlich prächtig in 70mm gestorben? Die Willkürlichkeit der Argumente schlägt leider allzuhäufig auf ihren Autor zurück. Seit wann ist es denn ein Mangel, wenn auf einem Bild mehr als nur eine Bildinformation zu entnehmen ist? Vielleicht macht es manchmal auch den (Kunst-)Genuß aus, daß man mehr als einmal hingucken kann. Vollends absurd wird es, wenn Seeßlen behauptet, das Kino verlöre durch Breitwand, selbst der alte abgerundete Schwarzweißfernseher sei dem überlegen. Das habe ich schon origineller, wenn auch nicht weniger übertrieben bei Kracauer gelesen, der den Schwarzweißfilm "natürlicher" empfand! Was Gott Eisenstein durfte, ist dem Ochsen David Lean natürlich nicht erlaubt... Ein Hamburger Filmkritiker hatte dafür eine extra Rubrik: FILMVERÄCHTER! Diesen Leuten ist Angst und Bange vor sinnlichen Eindrücken. Und an ein "Leben im Normalformat" werde ich mich nie gewöhnen. Deswegen besitze ich keinen Fernseher, gehe lieber ins Kino und schaue Filme in 70mm oder Cinemascope.
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Hellzapoppin' wurde "beschnitten" vorgeführt? Der Film ist noch im Normalformat gedreht. Wie kann man solche Klassiker in Breitwand vorführen? Soviele Formate haben die meisten Kinos doch gar nicht zur Auswahl, es sind gerade mal vier! Normalformat müßte doch eigentlich das mindeste sein! Es sage keiner, die Zuschauer wollten das so. Dieses Kino kann sich auch nicht damit schmücken, Klassiker zu zeigen, wenn nicht mal das einfachste häufigste aller Formate stimmt. Ich gehe extra ins Kino um Klassiker zu sehen und nicht Darsteller mit abgeschnittenen Füßen oder Köpfen. Ich halte in solchen Fällen eine Vorführung im falschen Format keinen Gewinn an größerem Bild sondern eine Verstümmelung. Bei 1:1,85-Breitwand entspricht dies nur 75% des Bildes. Klassische Filmfotografie legt häufig auch explizit wert auf Kadrage, so daß ein Beschnitt die Qualität verfälscht. Bei solchen Vorführungen muß man sich nicht wundern, wenn Filmfans immer mehr zu DVDs greifen.
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Gab es mal ein Kino in Frankfurt / Bockenheim nähe Uni?
albertk antwortete auf 3dcg's Thema in Allgemeines Board
Das Gebäude der Camera in der Gräfstraße steht nicht mehr leer, sondern wurde umgebaut. Im Inneren befinden sich jetzt Büros, Etagen und Fenster wurden eingezogen. Eine Nutzung als Kino - wie früher einmal lange Zeit gegeben - ist damit wahrscheinlich kaum noch möglich. Die Camera wurde lange Zeit von der Universität als Hörsaal benutzt, zeitweise gab es in den 80er Jahren eine wenig attraktive Holzbestuhlung mit Tischen und von der Decke hingen Neonlampen. Vor rund 15-20 Jahren gab es vermehrte Versuche des Vereins "Schöne Neue Welt" dort ein reguläres Kino zu betreiben. Dies ging aber nicht über einige Filmreihen hinaus, die jeweils einige Tage dauerten. Pläne bestanden unter anderem für ein Programmkino, das tagsüber für universitäre Zwecke genutzt werden sollte und abends öffentlich bespielt werden sollte bzw. ein Café und eine Buchhandlung in dem verhältnismäßig geräumigen Foyer. Von der Universitätsleitung bestand leider kein Interesse, dieses Projekt zu unterstützen. Schade um den schönen Kinosaal mit Balkon! -
merkwürdige legenden ranken sich auch um eartha kitt: in mehreren nachrufen war von orson welles' faustverfilmung die rede. soweit ich weiß, gibt es keinen faustfilm von welles, aber eine theatertournee, u.a. auch in deutschland, in der eartha kitt als gretchen aufgetreten sein soll. eine andere zeitungsmeldung erwähnte auch, sie sei bekannt durch ein musical "die witwe von paris" geworden, das ich sonst nirgends fand. in frankfurt erzählte eartha kitt übrigens auch noch von ihrer bekanntschaft mit dem jungen james dean, sie diente für ihn als eine art coach, wie man sich auf einer bühne bewegt...
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2001 - A SPACE ODYSSEY wurde in 65mm gedreht, aber ohne anamorphotische kompression, d.h. er ist im format 1:2,21. benutzt wurden kameras für super panavision 70, todd-ao und mcs-70. in vorspännen liest man, glaube ich, produced in cinerama, eine angabe, die es bei verschiedenen filmen gibt, die in unterschiedlichen formaten gedreht wurden, die alle nichts mehr mit dem ursprünglichen 3-streifen-system cinerama zu tun haben. die letzten richtigen cineramafilme waren die 1962 uraufgeführten THE WONDERFUL WORLD OF THE BROTHERS GRIMM und HOW THE WEST WAS WON. danach gab es keine neuen 3-streifen-filme mehr. bis 1963 wurden in europa noch allerhand kinos für cinerama umgerüstet, bald danach zeigte man dort hauptsächlich nur noch 70mm-Kopien und später nicht mal mehr das.
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Jetzt kann man sich im Kino endlich wohlfühlen
albertk antwortete auf RaKna's Thema in Allgemeines Board
die früheren kinonamen, die auf eine brauerei (kino im kindl) und einen früheren kinokonzern (ufa-pavilion) hinweisen verbieten sich von selbst. worin bestehen denn jenseits der namensänderung die wirklichen verbesserungen? -
die entertainerin eartha kitt starb gestern im alter von 81 jahren. http://www.variety.com/article/VR1240001174.html?categoryid=14&cs=1&query=kitt berühmt wurde eartha kitt zuerst mit der broadway-show NEW FACES OF 1952., später auch als film NEW FACES - wo sie u.a. ihre unvergleichliche version von C'EST SI BON sang. eine jazzige stimme, kindlich, rauh und gleichzeitig frivol klingend. eartha kitt trat noch in den letzten jahren in musicals und nachtclubs auf. nachdem sie 1968 bei einem dinner mit dem präsidenten den vietnamkrieg kritisierte, bekam sie keine engagements mehr in den USA, trat danach aber in frankreich und deutschland auf. wer in den 90ern in frankfurt lebte, konnte sie in dem nachtclub groschenoper hören und sehen. zu fassbinders 50. geburtstag (posthum) war eartha kitt gaststar im frankfurter filmmuseum. als es dort zu laut wurde, holte ein hausmeister vom nebenhaus die polizei und machte damit dem event ein ende! zur entschädigung gab es dann eine extra-show, wo man eartha kitt mit vollem programm sehen konnte. ich habe nie wieder danach auf einer musical-bühne jemand gesehen, der mich dermaßen begeisterte. nachdem sie über eine stunde gesungen hatte, stellte sie sich auch noch fragen aus dem publikum. u.a. erzählte sie auch von ihrer filmkarriere, die sie aber wenig gelungen fand. sie meinte, sie hielte sich lieber ans singen und an die bühne, denn filmleute, so sagte sie wörtlich: they fool you!
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die unschärfe des films fiel mir auch schon beim vorspann auf. ärgerlich fand ich auch die extrem grob gerasterte leinwand. in der 3. oder 4. reihe sitzend hatte ich in etwa einen 90-grad-blickwinkel und das bild sah aus, als wäre es auf eine grobe malerleinwand projiziert bzw. als sähe man ein grobes mosaik. in anderen kleinen kinos kenne ich keine leinwand mit einer solch groben rasterung. lachstürme von anfang bis ende habe ich auch nicht erlebt. der film hat mich von anfang an überhaupt nicht gepackt. im vergleich zu einigen französischen filmen der letzten jahre handelte es sich um öde dialoge, die langweilig abgefilmt wirken - allerdings sah ich nur die ersten 10 minuten. gegangen bin ich dann aber hauptsächlich wegen der obengenannten technischen mängel. irgendwie schade, denn bei dieser kinokette habe ich immer wieder gutscheine gekauft und fand sie auch besonders unterstützenswert.
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Jetzt kann man sich im Kino endlich wohlfühlen
albertk antwortete auf RaKna's Thema in Allgemeines Board
das kino war schon vorher ein interessanter, guterhaltener 50er-jahre-bau mit arthouse-programm. mit rund 500 plätzen war das in den 50er und 60er jahren ein mittgelgroßes kino, zentral in west-berlin gelegen. der saal ist ein nur leicht ansteigendes parkett-theater mit einer kühnen muschelartig geformten decke. daß man geschichtsvergessen einen neuen namen wählt, ist unbegreiflich. zudem dürfte der name bei älteren besuchern verwirrung erzeugen, da es jahrzehnte auf dem kurfürstendamm bereits ein programmkino namens astor gab. die bilder in der "welt" zeigen eigentlich nichts, was an dem alten gebäude verbessert wurde. front und eingangsfoyer weisen wie einst auf ein filmtheater hin - so etwas muß man heutzutage betonen, da viele neue kinos/multiplexe von außen gar nicht mehr erkennbar sind bzw. sich genauso dahinter ein lidl oder ein baumarkt verbergen könnte. lediglich eine neue bestuhlung und eine grellere beleuchtung fallen auf. der saal war früher von den farben weiß (decke) und ocker (bestuhlung) beherrscht. schaut man sich das letzte bild vom kinosaal an (mit dem blick auf die leinwand) sieht man grell-lila-rosa töne, die eher etwas campig und deplaciert wirken - vielleicht ideal für eine almodovar-retro! die neuen sessel wirken eher etwas elephantös. nicht verbessert wurde offensichtlich die sitzanordnung, des leider etwas zu breit geratenen saales, hier hätte man 4er- oder 8er-gruppen gewünscht, wie z.b. in münchen im gloria, d.h. eine anordnung in drei sitzblöcken. der schnickschnack mit kinofremden speisen und überteuerten eintrittspreisen wird sich wohl von selber geben, wenn ein großteil der ohnehin schon raren arthouse-besucher fernbleibt. erfreulich zu sehen, daß hier noch eine DP-70 steht, die aber in den letzten jahren wohl kaum jemals für 70mm genutzt wurde.
