cinerama

Initiative "Filmerbe in Gefahr"

40 Beiträge in diesem Thema

Wenn man bei den Archiven nur alles jeweils Ausländische abtrennte, wäre viel gewonnen. Warum müssen die europäischen Filmarchive mit amerikanischen Kopien vollgestopft sein? Man schicke alles Spanische nach Spanien, Material ungarischer Produktionen nach Ungarn und so weiter. Bei der cinémathèque suisse lagern Kopien von The Lion King und Antz und anderen Schunds immer gleich mehrfach und man ist noch stolz auf eingebrannte Untertitel. Weg mit dem Müll!

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Leider ist es so, dass seit dem 2. Weltkrieg die Hollywood Produktionen dominieren und da ist oft auch die deutsche Synchronfassung interessant. Aber es ist mit Film genau das gleiche wie mit Filmplakate, beides sind Produkte die nach dem Gebrauch für die Vernichtung vorgesehen waren. Die negative wird der Produzent selber archivieren. Alles andere ist etwas für Liebhaber. Ich denke den meisten ist es auch egal ob jemand leere Cola Flaschen archiviert oder nicht. Filmkopien sind mittlerweile nur noch etwas für Sammler.

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Sehr würde ich die Beibehaltung des bisherigen Archivprinzips und den Code of Ethics der FIAF hervorheben und verteidigen.

Es ist unverantwortlich, auch Duplikate, Dubletten oder Verleihkopien zu entsorgen, die nachhaltig einen Rückschluss auf der Erstauswertung des Films im eigenen Land errmöglichen.

Wo tauchte die Sintflut-These "Duplikate aufgeben" und "Wir können nicht alles retten" auf? Und warum müssen plötzlich Archive beräumt werden?

Das ist nicht notwendig und barbarisch. Alles bisher Eingelagerte und aus gutem Grund archivarlisch Aufgenommene kann und muss aufgehoben werden. Aus folgendem Grund ist hier Entwarnung zu verkünden: es kommt nun - nach Einstellung der Serienfilmkopierung und seit 2013 - kaum Material mehr nach. Vorhandene Archivräume sind das Tafelsilber des Staates und können nicht beräumt werden. Sie sind weitgehend intakt und verfügen über eine hervorragende Kühlung, weshalb auch der Zersetzungsprozess einiger gefährdeter Materialien nanezu gestoppt werden kann.

Was akut gefährdet ist und mangels Klimatisierung der Gefahr der Zersetzung anheim fällt, ist das nicht professionell gelagerter Material einiger säumiger FIlmfirmen und Produzenten . also anderenortes.

Macht man eigentlich selbstverständliche Distinktion, erstaunt die Panik in den Archiven, alles dort Gelagerte sofort digitalisieren zu müssen oder gar Auswahlkriterien für eine "Arche-Noah"-Aktion zu erhaltener analoger Güter auszuspinnen.

 

Man kann von einer Verzerrung einerseits und von Geschäftsinteressen neuer Branchen und Archiv-Kuratoren ausgehen, die etwas revolutionieren wollen und am Ende eine Kostenlawine lostreten, die in keinem Verhältnis zur geforderterten "Zugänglichkeitsmachung" von FIlmen steht. Zugänglich sind fast alle Materialien dort, wo 35mm-Projektion noch existiert. Allzu viele Anlagen muss es auch gar nicht geben; die noch vorhandenen reichen aus. Aus ganz einfachem Grunde: der Bedarf, die Nachfrage nach einem Grossteil der Filmgeschichte ist so verhalten, dass auch eine digitalisierte Variante unter dem Ladentisch verstaubt. Man sollte sich keine Illusionen machen. Und ausserdem sollte man propagieren, seltenere Filme durchaus weiterhin in Programmkinos, Plexen, kommunalen Kinos, Museumskinos und anderswo im richtigen Kinosaal zu vermarkten. Wofür Filme einst gedreht wurden (und nicht für den Konsum auf dem Smart-Phone, auch wenn der neue Eigner von Time Warner diesen Zielmarkt ganz gross machen möchte).

bearbeitet von cinerama (Änderungen anzeigen)

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Der Räumungsvorschlag kommt von mir. Wenn mir jemand erklärt, mit welchem Grund Filmarchivare jammern, sie hätten zu wenig Geld zur Verfügung, während sie Neubauten errichten lassen für Millionen, Beispiel Schweiz mit Baustelle bis 2018, dann lasse ich nach. Wäre ich Direktor des Filmarchives, bescheidenerweise des schweizerischen, würden Millionen ins Duplizieren gefährdeten Films fließen und nicht in Beton und Computer. Bei den Bibliotheken hat noch kein Computer ein Buch gerettet, es sind chemische Maßnahmen, und meine Entscheidung wäre ohne Überlegen Buch, nicht Text. Das Papier zuerst, der Band. Bücher gab es lange vor dem Druck. Gleich beim Film: Fotografie zuerst, dann Geschichte, also Dokument vor Fiktion.

 

Mit Verlaub, Rückschluß auf der Erstauswertung des Films im eigenen Land errmöglichen für The Lion King, Antz, Die Hard, Edward Scissorhands?

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Der Räumungsvorschlag kommt vom Bundsarchiv selbst: um Platz für Digisate zu schaffen und mit der Begründung, jedwedes Filmmaterial sei kaum noch abspielbar/vorführbar nach Wegfall der Abspieltechnik u.a. in den Kinos - daher sei der Zugang zu "Film" verwehrt, der nach laut Unesco-Beschluss und nach meinem Eindruck andere Codes und Archivethiken bricht. Argumentieren wir da mit einer Minderwertigkeit der Synchronfassungen oder andererseits mit der künstlerischen Fragwürdigkeit von "The Lion King", "Antz", schaffen wir eine weitere Steilvorlage zur Räumung. Der bald weitere Räumungen auch deutscher Originalproduktionen folgen, sobald digitalisiert ist.

Laut FIAF haben auch Synchronfassungen einen kulturellen Wert. Verneinen wir ihn, werden alsbald Originalmischbänder aufgegeben. Oder auch wertvolle 35mm-Technicolor-, Magnetton- oder 70mm-Kopien. Wertvoll. weil in vielen kommunalen Kinos oder auch auf Berlinale-Retrospektiven mit dem Begriff "Originalfassung" geworben wurde. Man spielte dann im Berliner "Arsenal" beispielsweise "Circus World" in englischer rotstichiger 16mm-Kopie, mit grünem Lauftreifen, mit beschnittenem Format auf Normalformat und mit jaulendem Mono-Lichtton. Unweit des Kinos befindet sind ein Archiv mit der rotstichigen 70mm-Version (sogar auf engllsch): immerhin ein Forschritt in Aspekten der Schärfe, der Formats und des Raumtons. Unweit des Kinos besteht auch eine Privatsammlung, in der "CIrcus World" als zwar monaurale synchfronisierte 35mm-Fassung, aber als Technicolor-Druckkopie ohne Farbverlust vorliegt. Eben so existiert eine synchronisierte Technicolor-Kopie von "Gone with the Wind" in dieser Stadt (oder mehrere sogar), während man zeitgleich auf der Berlinale-"Technicolor"-Retrospektive dreist eine englische "Originalfassung" zeigt: sie wurde von Dick May mindewertig von den Farbauszügen über Intermed-Negativ umkopiert und ist bar jeder Technicolor-Charakteristik.

Das ist doch der eigentliche Skandal, oder nicht?

Wenn man dann die Räumung von Synchronfassungen fordert, vermindert man das Spektrum des Abspielrepertoires, fürchte ich. Wir erleben dann nur noch "Videobuden" in staatlichen subventionierten Archivkinos, Kommunalen Kinos und Festival-Retrospektiven.

Die deutsche Linie ist leider glasklar und verurteilenswert: keinerlei Analog-Kopierung oder Analog-Sicherung mehr. Wenn man dies schon nicht mehr erzwingen kann, so wäre doch der bedingungslose Einsatz für den Erhalt alles vorhandenen (und somit nicht mehr anwachsenden) Analog-Materials gesetzlich festzuschreiben. Wie gesagt: die Archivräume sind vorhanden, sie müssen lediglich weitergeführt werden.

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Der Räumungsvorschlag kommt vom Bundsarchiv selbst: um Platz für Digisate zu schaffen und mit der Begründung, jedwedes Filmmaterial sei kaum noch abspielbar/vorführbar nach Wegfall der Abspieltechnik u.a. in den Kinos - daher sei der Zugang zu "Film" verwehrt, der nach laut Unesco-Beschluss und nach meinem Eindruck andere Codes und Archivethiken bricht.
  • „Platz schaffen für Digisate“ ist das Verlogenste, was man sagen kann. Die 35-mm-Kopie eines 100-Minuten-Films wiegt 21 kg und nimmt 0,048 m3 Raum ein, der Datenhaufen davon wiegt nichts und hat Platz auf einer Speicherkarte.

  • „Nicht spielbares Filmmaterial“ sagt nur der Verbraucher (Konsument, wenn Fremdwörter mehr ziehen). Der Archivar besorgt ein Duplikat und kann frische Kopien abziehen.

Ich kann es nicht fassen, daß man beim Bundesfilmarchiv die Filmtechnik aufgibt. Es ist nicht zu fassen, es ist der Holocaust für die Filmgeschichte Deutschlands.

bearbeitet von Filmtechniker (Änderungen anzeigen)

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Man wird sich an die Kamera-Negative erst einmal nicht heranmachen, weil damit (etwas simpel und einseitig) der Begriff des "Originals" gekoppelt wird. Aber die Benutzerstücke (= Filmkopien) möchte man ausforsten. Leider aber wurde viele Nitro-Originalnegative nach einem Brand im Bundesarchiv Koblenz kontinuierlich kassiert und nach Umkopierung entsorgt.

 

Martin Koeber von der Deutschen Kinemathek erwähnte nun desöfteren, dass man ja nicht jede verfärbte und verstreifte Verleihkopie aufbewahren müsse. Natürlich kann man dies verstehen, aber mit vielen solcher Andeutungen wurde das bisher eher konservativ und auf Materialerhalt festgelegte Bundesarchiv aus meiner Sicht erschüttert. Es stieg die Furcht, hinter dem Kinemathekenverbund "hinterherzuhängen" oder funktionslos zu werden.

 

Auf Kinematheken-Info sind unabhängige Fachartikel gerne willkommen: möchte dazu ermutigen!

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Ich kann es nicht fassen, daß man beim Bundesfilmarchiv die Filmtechnik aufgibt. Es ist nicht zu fassen, es ist der Holocaust für die Filmgeschichte Deutschlands.

 

Das geht mir auch extrem schwer rein bzw. schlägt auf's Gemüt. Bevor man sich nach endloser Diskussion (wie hierzulande üblich) eines besseren besinnt, ist vermutlich alles zu spät. Es ist unfassbar.

 

Ich spreche mich für ein privat getragenes und in Teilen staatlich gefördertes Crowd Archiving Projekt für existierende Privatsammlungen aus, das gleichzeitig die Übernahme von Material aus Archiven (aus rechtlichen Gründen unter Auflagen) gewährleistet und regelt.

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Wenn ich die Beiträge lese, kommt mir der Gedanke, was wir unseren Nachkommen hinterlassen.

Denn wenn ein System so gestaltet wird, dass man die Nutzung einschränken kann und dies tut, verhindert man illegale Nutzung auch dann noch, wenn sie inzwischen legal ist.

Wenn ich mir vorstelle, dass es so etwas schon in den 20er Jahren gegeben hätte und mir vorstelle, welche Filme dann noch existieren würden.

 

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Von der Sache und vom Engagement sicher richtig. Aber der Regisseur von "Varieté" heißt Ewald André Dupont - nicht André Dubois. Und auch nicht Blanche DuBois! (Da hat wahrscheinlich die Autokorrektur wieder einmal zugeschlagen, ein Zeichen mehr wie sehr die "intelligenten" neuen Techniken voller Macken sind.)

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Klaus Kreimeier schrieb am 9.1.2017 in der FAZ einen lesenswerten Artikel zum Thema Entsorgung der Massenkultur beim Filmerbe:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/klaus-kreimeier-aeussert-sich-zur-digitalisierung-des-filmerbes-14610183.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Mit meinen Worten: Es kann nicht die Arbeit der Archive sein, eine elitäre Filmauswahl vermeintlicher Hochkultur zu definieren - und den Rest als "Massenware" zu entsorgen. Immer wieder stutzte ich, wenn ich irgendwelche Kanons der Filmkultur sah. Schnell konnte man bei genauerer Betrachtung immer feststellen, wie Spezialisten von einander abschreiben und zahllose Raritäten nicht kennen. Plastisch zeigte das auch die Filmreihe "Geliebt und verdrängt", die u.a. hier in Frankfurt im Filmmuseum lief. Es gab nicht nur die restaurativen Adenauer-Zeit-Filme, es gab auch damals allerhand Gegengift!

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Kreimeier u.a. Nicht-Filmfachleute; Eher ganz dagegen... 

Die Genannten sind bedauerlicherweise Verfechter des digitalen Komplettersatzes von Filmgut: Neukopierung auf Film, d.h. Originalormat, wird nicht mehr gefordert. Auch nicht der Erhalt der Filmtechnik und der superb geruesteten, staateeigenen (!) Filmkopierwerke. (Solches wuerde ja die Digitalisierungs-"Offensive" finanziell ausbremsen.)

Der Genannte Prof. griff vor wenigen Tagen auch noch Dr. Dirk Alt an, einen der Verfechter der filmtechnischen, d.h. analogen Sicherung und des Ziehens neuer Vorfuehrkopien. Und ficht stattdessen heftig fuer die Gruppe um Dr. Rother von der Deutschen Kinemathek, die aus geschäftlichen Gruenden nur noch fuer die Anfertigung digitaler "Sicherungspakete" plaedieren. Sonst schaffe man sich nur ein "neues analoges Problem", so die Kinemathek. Genau so stromlinienfoermig Herr Junkersdorf: Buisuliness-interessen. Und nachweislich wird der Bedarf mit der Branchen- und Geschichtslüge abgefüttert, Filmerbe sei schlagartig und komplett bedroht, und würde nicht sofort alles digitalisiert, so schloessen in Kürze viele digitale (!) Filmbearbeitungsbetriebe, so Frau Grieb. Kein Wort zu den gut gesicherten und klimatisiert lagernden Archiven - scheinbar existieren diese Werte nicht?

 

Motto: "weg" mit dem Projekt der kulturellen Tradition der Vorfuehrungen mit Filmrollen - sie stören das Buisiness der Broadcastverwerter.

bearbeitet von cinerama (Änderungen anzeigen)

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Ein neues analoges Problem, cool. Es scheint demnach auch aloge Probleme zu geben.

Das Gegenstück zu digital ist nicht analog, sondern materiell.

 

Arnold & Richter hat die Filmtechnik aufgegeben. Das ist ein Problem. Nach Jahrzehnten des Kopiermaschinenbaus nichts mehr auf dem Gebiet

Fernsehen, Video, Computer-Technik sind der Tod des Films. Laufen denn da noch Leute mit „Endlösung“ im Hirn herum?

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