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Frage: Dienstagseinsätze


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Bis im Juli 1985 der Starttag in der Bundesrepublik einheitlich vom Freitag auf Donnerstag vorverlegt wurde, erinnere ich mich, dass es immer auch mal Neueinsätze am Dienstag gab, welche zuvor nicht angeķündigt wurden. Von daher meine Frage: weiß noch jemand genauer, was es damit auf sich hatte?

 

Meine Vermutung ist, dass eventuell so etwas wie eine "negative Prolongation" bestanden haben könnte, man also Filme die über das Wochenende eine gewisse Zuschauerzahl unterschritten hatten, am Montag kicken durfte. Dies würde erklären,  warum die Dienstagseinsätze nicht zuvor beworben wurden und es in den Inseraten vom Freitag keinen Hinweis gab, dass der Film nur bis einschließlich Montag lief. Die Filmkunst- oder Auslesetage, die vielerorts am Donnerstag waren, fanden ja meist Erwähnung.

 

In alten Filmechos finde ich auf den Seiten mit den Indexen häufiger mal den Hinweis 3T, 4T. Typischerweise sind das in der Regel Titel, die ich eh als Kröten eingestuft hätte. Deshalb noch die zweite Frage hintendrein: Angenommen meine These ist richtig. Hat sich das denn überhaupt gerechnet, einen schlecht gehenden Film zu exen und stattdessen einen Zweiten, ebenso wenig Erfolg versprechenden einzusetzen und dafür nochmals Fracht zu bezahlen und ggf. auch noch zu inserieren? Wie war das mit der Mindestgarantie geregelt?

 

Bin sehr gespannt wer was dazu weiß und sage schon einmal Danke!

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In meiner Erinnerung waren damals Blockbuster immer in Paketen angeboten worden, also 1 Hit und 10 Kröten. War vor allem für die damals noch weit verbreiteten Ein-Saal-Häuser ein Riesen-Problem. Irgendwie musste man die Kröten ja auch einsetzen, ob die allerdings in der Schweiz am Dienstag eingesetzt wurden, weiß ich nicht mehr.

 

Dafür gab es die geilen Samstag-Spät-Vorstellungs-Previews, heute leider nicht mehr möglich. Die für mich eher dummen Mittwochs-Previews sind nicht das Gelbe vom Ei. Hab auch nie begriffen, warum der Donnerstag Starttag wurde. Österreich startet bis heute äußerst erfolgreich am Freitag...

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Was ich meine sind keine Kröten von Verleihern, welche sie mit Blockbustern in Paketen verpacken konnten.

Beispiel aus Filmecho 43/1974:

"Kamikaze Okinawa Zero" (Pilot), Wahlstedt, Stadthalle 3T

"Könige der Sonne" (Titanus), Wiesbaden, Apollo 3 T

"UX-Bluthund - Tauchfahrt des Schreckens" (Alfia/ Äquator) Lübeck, City 3 T

"Zwei Trottel in der Fussballiga" (Aktuell), Krefeld, Seidendaden, 4 T

 

Bitte Fakten wenn jemand etwas weiß; spekulieren kann ich selber.

 

Die Änderung des Starttages erfolgte nach längerer Diskussion der Landesverbände des HdF. Man erhoffte sich durch den vorgezogenen Start erste Mundpropaganda für die neuen Filme in Betrieben, Schulen etc. vor dem Wochenende. Wenn man sich anschaut, dass das Jahr der Änderung 1985 das (trotz "Otto 1") besucherschwächste überhaupt war, und der Besuch danach wieder anzog (wobei man den Effekt der Wiedervereinigung nicht außer Acht lassen darf), hat es zumindest nicht geschadet und war neben vielen anderen Faktoren vielleicht doch nicht so dumm.

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@ Cine-Reste

 

Da ich in den 70er bis Anfang der 80er in beiden Bereichen ( Kino und auch Verleih, auch selbstständig) tätig war,

kann ich zu dieser Thematik mal etwas ausführlichere Infos geben, zur Abspielpraxis, Verleihverträgen u.s.w. ,

Beitrag kommt heute oder morgen.

 

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Die Filmvermietungspraxis früher (vor den 80er Jahren) war anders als heute.Die Filmverleiher brachten 1 - 2 mal im Jahr eine neue Staffel heraus mit Ihren Neuerscheinungen, sehr oft waren auch Wiederaufführungen dabei. Diese Staffeln mussten nun an die Kunden (die Kinobetreiber) vermietet werden. Die Vermietungen übernahmen die Verleihchefs für die Großkunden mit oft mehreren Häusern in unterschiedlichen Städten, die Filialleiter für die größeren Kinobetreiber in Schlüsselstädten und jeder Verleiher hatte noch für jeden Verleihbezirk eine mehr oder weniger große Anzahl an Vertretern, die täglich unterwegs waren, um die kleineren und ganz kleinen Kunden vor Ort zu besuchen. In Orten mit mehreren Kinobetreibern wurden die Verleihstaffeln aufgeteilt (gemeinsame Einsätze gab es bis auf Großfilme nicht) und da hatte immer abwechselnd mal der eine mal der andere Kinobetreiber das "Anwahlrecht", also konnte er wählen und die andere Hälfte der Staffel nahm dann der Mitbewerber. 

 

Bei den Filmeinsätzen gab es natürlich auch damals schon Vorgaben, der eine Filme musste eine komplette Woche laufen, der andere Film 4 Tage über Sonntag (Fr-Mo) und die kleinere Produktion oder die kleinere Wiederaufführung oder Wiedereinsatz im Ort 3 Tage/Woche (also Di-Do.)

 

Da man nicht mit so vielen Kopien zu dieser Zeit arbeitete, waren außer bei sehr großen Starts oftmals gar keiner Termine in den wie oben abgeschlossenen Veträgen sondern nur die vereinbarte Laufzeit vereinbart. Um den tatsächlichen Einsatztermin nahm man dann mit der jeweiligen Verleihdispo Kontakt auf und der/die jeweilige Disponent/in schaute, ob er/sie mit den oft nur wenigen Kopien den gewünschten Termin hinbekam.

 

Das wie oben beschildert war der Regelablauf, Ausnahmen gab es aber schon immer von der Regel.

 

Ich poste mal demnächst einen oder mehrere Verleihverträge aus dieser Zeit ... muss mal ins Archiv abtauchen und etwas raussuchen.

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Danke schon einmal für die ausführlichen und interessanten Antworten.

Das mit der Vermietpraxis war mir schon weitestgehend bekannt. Meine Frage konkretisiere ich deshalb wie folgt: bestand die Möglichkeit, einen Film unter gewissen Bedingungen am Montag noch abzusetzen, und kurzfristig einen Ersatz für ab Dienstag zu bestellen?

In den Fällen die ich in Erinnerung habe, hatte ich den Eindruck, dass dies so gewesen sein könnte. Da hingen ja Aushänge auf denen ein Schild "Ab Freitag" ankündigte. Die Filme welche dann Dienstags vollkommen überraschend eingesetzt wurden, hatte ich in der Vorabwerbung aber noch nie wahrgenommen. 

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Ich kenne das mit den Verleihvertreter auch noch. Die wollten natürlich ihre umsatzträchtigen Titel am Wochenende spielen. Die weniger intressanten waren dann von Dienstag - Donnerstag im Programm. Bei mehreren Verleiheverträge konnte ein Kino mit einem Saal die Titel im Jahr überhaupt nicht spielen. In manchen Orten waren die Verleiher oft nur mit einem Kinobestitzer im Vertrag, der andere am gleichen Ort hatte dann die Verleihstaffel von anderen gespielt. In Göppingen waren z. B. Huttenlocher bei Paramount, Universal, Centfox, Constantin während

Fa. Hoffmann MGM, Columbia, Rank und NORA Filmverträge hatte. Also spielte Huttenlicher nie einen MGM Film!

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preston sturges hat da schon sehr schön und treffend die "Verleih/Vertrags/Abspiel-Praxis" dargestellt,

dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

 

Was "bestand die Möglichkeit, einen Film unter gewissen Bedingungen am Montag noch abzusetzen, und kurzfristig einen Ersatz für ab Dienstag zu bestellen?" betrifft:   In Großstädten wurde fast immer eine 1-wöchige Mindestlaufzeit durchgezogen, bei Mittel- und Kleinstädten gab es manchmal den Fall, das ein freitags neu eingesetzter Film leider zum "Rohrkrepierer" wurde, das Geschäft also

bereits FR/SA dermaßen schlecht war, das der Kinobesitzer den Film zum MO absetzte, und sich montagmorgens zügig bei einem Verleih einen anderen Titel für dienstags - donnerstags bestellte (  zügig, damit das Filmlager noch die Kopie für den zuständigen Spediteur bereitstellen konnte, und die Kopie, und gegebenenfalls noch nicht vorhandenes Werbematerial mit der Montagnacht-Lieferung beim Kino ankam).

 

Titel, die sich schon beim Start in den Großstädten als solche "Rohrkrepierer" erwiesen hatten, wurden an den Mittel- und Kleinplätzen dann meist gar nicht mehr (wenn man Glück hatte, und der Verleih nicht auf einem Einsatz bestand) terminiert , oder auf 3-Tage-Wochentermine, Filmkunsttage oder eine andere Sondervorstellung reduziert. Als Ausgleich (die ursprüngliche Spielzeit war ja Vertragsbestandteil) wurde dann später oft ein älterer ( aber gängiger) Film in WA zusätzlich gebucht und gespielt.

 

An Plätzen ohne Konkurrenz konnte der Theaterbesitzer natürlich mit "härteren Bandagen" mit den Verleihern verhandeln,

und Titel und Spielzeiten "anpassen".

 

Wäre schön (und für einigige "jüngere"sicher interessant), wenn preston sturges hier mal ein paar Verleihverträge

aus "jenen Tagen" einstellen könnte. Auch was sich an den sog. "Kundentagen" ( montags z.B. im Europa-Haus in Düsseldorf in den Verleih-Filialen) so "abspielte", da könnte man einiges zu schreiben, oder, wie Maurice Chevalier in GIGI sang, "oh yes , I remember it well...." 🧐

 

 

Edited by RexamRathaus (see edit history)
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vor 11 Minuten schrieb RexamRathaus:

Wäre schön (und für einigige "jüngere"sicher interessant), wenn preston sturges hier mal ein paar Verleihverträge

aus "jenen Tagen" einstellen könnte. Auch was sich an den sog. "Kundentagen" ( montags z.B. im Europa-Haus in Düsseldorf in den Verleih-Filialen) so "abspielte", da könnte man einiges zu schreiben, oder, wie Maurice Chevalier in GIGI sang, "oh yes , I remember it well...." 🧐

 

Ja, absolut!

 

Das neulich hier erwähnte Buch "Strengstes Jugendverbot" gibt ein paar Einblicke in diese Zeit und ist durchaus interessant - wenngleich es leider gleichzeitig auch der Beweis dafür ist, dass es schon seine guten Seiten hat, wenn Bücher von Verlagen (mit Lektorat und anderen tollen Dingen) herausgebracht werden und nicht als BOD in Eigenleistung.

https://books.google.de/books/about/Strengstes_Jugendverbot.html?id=acbcDwAAQBAJ&redir_esc=y

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Einen schönen Einblick in die "Branche damals, und früher" bekommt man auch hier

 

http://1686.homepagemodules.de/t62695f2290151-Vor-Jahren-Die-deutsche-Film-und-Kinoszene.html

 

zum den Themen Verleihfirmen (und ihre "Untergänge") /Film-Echo-Bewertungung/ Top oder Flop-Filme

 

Der leider verstorbene Verleih/Kino-Fachmann Joachim Kramp (Saarfilm) gibt hier schöne Einblicke,

z.B. Konkurse innerhalb der Filmbranche....

 

http://1686.homepagemodules.de/t60655f2290130-Vermischtes-aus-alten-Zeiten.html

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