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Theater- und Kino Geschichte - Notbeleuchtung


GeorgWenzel

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Beantworten kann ich's nicht. Stelle aber etwas klugscheisserisch fest, dass die abgebildete Armatur nicht zum Einschalten der Notbeleuchtung diente, welche ja bei Betrieb ständig zu brennen hat. Diese Kästen hingen in den Sälen, und waren bei Bedarf auch Zuschauern zugänglich. Gerne auch beschriftet mit "Panikbeleuchtung". Später hat sich für diese zusätzlichen Spots, meist aus der Decke, der Begriff "Putzlicht" eingebürgert. Der handgeschrieben Kleber auf dem Bild nennt das ja auch "Zusatz Notbeleuchtung". Das doofe an den Dingern, wenn's an war, war, dass die in allen mir bekannten Fällen nur vom Saal aus - und nicht aus dem Vorführraum - wieder abzuschalten waren. Bei BWR über dem Balkon ein Riesenspaß.

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Hallo Georg,

DRGM steht für "Deutsches Reich Gebrauchsmuster". Demzufolge muss zumindest der Einbaurahmen aus der Zeit vor 1945 stammen. Es kann natürlich sein, dass auch nach 1945 die Gussformen weiterbenutzt wurden. Der Schalter "Sonder-Bel" Aus EIN scheint nachgerüstet zu sein. Also ich würde das Steuerteil grundsätzlich auf die Zeit zwischen 1935 und 1945 datieren wollen....

Viele Grüße

Ingo

Edited by IngoR
zu früh abgeschickt.... (see edit history)
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Oldschoolwissen:

Notbeleuchtung: netzunabhängige Beleuchtung der Ausgangstüren und Fluchtwege, muß leuchten bevor der erste Gast den Betrieb betritt, bis der letzte Gast den Betrieb verlassen hat.

Zusatz-Notbeleuchtung: netzunabhängig, wird von der Behörde vorgeschrieben bei verwinkelten Ausgangssituationen, zuschaltbar manuell oder automatisch (Netzausfall), Brenndauer mind. 3 Std.

Panikbeleuchtung: vom geregelten Saallicht unabhängiger Stromkreis, der eine vorgeschriebene Anzahl von Lampen schaltet, die den Saal ausreichend erhellen. Darf nur dort wieder ausgeschaltet werden können, wo eingeschaltet wurde, mindestens ein Schalter in jeder Ebene eines Saals sowie in der Kabine. Schaltet sich bei Netzausfall der Kabine automatisch ein (gekoppelt über einen Sperrschalter im Kab.verteiler, meist der Fallklappenschalter)

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50er Jahre, trotz DRGM, das ist in der Gußform so drin, und das DR existiert ja weiter,  Deutschland dreigeteilt, niemals, so auch das Verfassungsgericht...

50er auch deshalb, Hammerschlaglackierung, Helvetica Beschriftung. Das Schaltteil vor Krieg war in Tannenberg, einer Schriftart für beste Lesbarkeit auch bei astigmatischen Sehfehlern, beschriftet.

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  • 3 weeks later...
  • 2 weeks later...

Vor 1941 sah die Beschriftung so aus, Tannenberg, eine sehr moderne Schrifttype, die beste Lesbarkeit auch bei astigmatischen Sehfehlern gewährleistet, Frankfurter Schule ca 1926.

Durch Führerdekret wurde die Nutzung 1941 untersagt, da der Graphiker wohl nicht arisch war. 

IMG_20191022_210200.jpg

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vor 2 Stunden schrieb stefan2:

Vor 1941 sah die Beschriftung so aus, Tannenberg, eine sehr moderne Schrifttype, die beste Lesbarkeit auch bei astigmatischen Sehfehlern gewährleistet, Frankfurter Schule ca 1926.

Durch Führerdekret wurde die Nutzung 1941 untersagt, da der Graphiker wohl nicht arisch war.

 

Das stimmt so nicht.

Tatsächlich verwendete man nach dem Normalschrifterlass 1941 kaum noch gebrochene Schriften sondern Antiqua-Schnitte.

 

Die Tannenberg wurde aber erst Mitte der 30er Jahre entwickelt, ganz bewusst im Sinne der Nazis: "Fest und geschlossen, klar und kraftvoll stehen die Worte aus der - fetten Tannenberg - da: ein überzeugender Ausdruck neuen deutschen Wollens", so ihr Entwickler Erich Meyer.

 

Es handelt sich hier nicht im engeren Sinne um eine der Schriften, die vom Normalschrifterlass erfasst war, sie ist eine gebrochene Groteske. Der Normalschrifterlass richtete sich eher gegen die klassischen Fraktur-Schnitte, die als "Schwabacher Judenlettern" verunglimpft wurden.

 

Alles ausführlich hier nachzulesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Antiqua-Fraktur-Streit#Normalschrifterlass

 

Im Übrigen haben Schriften keine politische Meinung - aber Schriften sind wie jedes Kulturgut Spiegel ihrer Zeit.

Gleichzeitig muss man sich aber auch bei jeder Verwendung einer Schrift die Frage nach der Eignung stellen - und da ist die Entstehungsgeschichte einer Schrift ggf. durchaus relevant.

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