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preston sturges

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Everything posted by preston sturges

  1. sorry ... so habe ich es auch nicht gemeint ... wollte nur einen freundlichen hinweis geben!
  2. hier war der 1974er rollerball gemeint von norman jewison mit james caan, nicht das remake aus dem jahre 2001.
  3. Richtig ... Kubrick in CLOCKWORK ORANGE: je zwei Freikarten für den nächsten Magnetton Film im CINEPLEX Frankfurt incl. eines Molokko-plus an unserer Bar gehen in die Schweiz und nach Berlin.
  4. Nun .... DOLBY kam in Deutschland nur recht zögerlich in Schwung. Ich errinnere mich, dass es anfangs MONO und DOLBY Kopien gab. Es war auch sehr umständlich, da es anfangs weder DOLBY - Mischstudios noch Dolby-Lichttonkameras in Deutschland gab und die Verleiher die ersten Jahre nur die Toptitel in DOLBY eindeutschen ließen. Es musste also für die deutschen Synchronfassungen in London gemischt und das Tonnegativ hergestellt werden. Zusätzlicher Kosten- und Zeitaufwand. Erst 1981 gab's bei GEYER, Berlin, der BAVARIA, München und Alan Vydra, Hamburg, (der die BEATE UHSE Kinofilme in DOLBY-Gestöhn vertonte) die ersten DOLBY Mischstudios. 1982 (wenn mein Gedächtnis nicht trübt) kam dann die erste DOLBY Lichttonkamera in die BAVARIA, München und fast gleichzeitig nach ATLANTIK, Hamburg. FRAGE: Welcher bedeutende Filmemacher benutzte bereits 1970/71 DOLBY-Rauschünterdückung bei der Aufnahme des O-Tones? Im Film sieht man auch eine Musikkassette der Deutschen Grammophon mit DOLBY B Zeichen in Grossaufnahme. DOLBY Credits auch in den Schlusstiteln des Filmes. Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, dass es von ROLLERBALL einige Testkopien mit DOLBY-Mono Ton gegeben haben soll. Aber STOP .... interessiert das hier alles überhaupt jemanden?
  5. YENTL gab's schon in DOLBY A, einer der ersten in Deutschland.
  6. Vor ca. 4 Wochen lief im CINEPLEX, Frankfurt, BEN HUR in 35mm 4-Kanal-Magnetton in der Matinée. Komplett mit Overtüre, Intermission Musik ... und ohne BRAVO HIT 39 als Einlass- und Pausenmusik.
  7. Wir bemühen uns für die nächste 70mm Reihe um eine deutsche 70mm Erstaufführungskopie von "2001", die ausser in den Trick- und Farbsequenzen wirklich vom Original hergestellt worden ist. MGM hatte zur Erstaufführung ca. 180 70mm Kopien bei Technicolor herstellen lassen, alle vom Original. Dannach hat Kubrick, so sagen es die Chronisten, das 65mm Original bei sich im Kühlkeller gelagert, wie er es mit allen seinen Originalen getan hat. Daumen drücken ... vielleicht klappt's. Anbei schon mal ein kleiner Vorgeschmack ...
  8. Magentacine: Vollkommen richtig! Heutiges 65mm Equipment benötigt weder extra Licht dank dem neuen Material noch sonstige Extras, vielleicht einen schwereren Kamera-Head oder den etwas größeren Dolly. Die höhere Materialkosten des Rohmaterial sind "Peanuts" im Vergleich zu den Riesenbudgets heutiger Filme. Nein ... es sind m.E. ganz pragmatische Gründe in der a) Bearbeitung und b) Wiedergabe des Formates. a) Bearbeitung: Nahezu jeder Film der A-Klasse wird heute am Computer bearbeitet und erst wenn er fertig und abgenommen ist, laserausbelichtet. Es wird wohl an die Hunderte von 35mm Scannern und Laserbelichtern überall auf der Welt geben, aber 65mm Scanner und Belichter neuester Generation sind so rar wie eine farblich guterhaltene 70mm Kopie von BEN HUR ... nämlich nicht existent. ARRI, die auf dem 35mm Bereich den "Mercedes" unter den Laserbelichtern herstellen und dafür einen OSCAR erhielten, haben ihren angekündigten ARRILASER 65 noch nicht fertig. Und solange die 65mm digitale Verarbeitungskette nicht existiert, wird in der heutigen Zeit niemand auf dem Format drehen. b) Und solange auch auf der Wiedergabeseite die 70mm Maschinen abgebaut und durch vollautomatisierte 35mm Projektoren ersetzt werden, hat da auch niemand ernsthaftes wirtschaftliches Interesse. Einige namhafte grosse Premieren-Multiplexe wurden erst kürzlich in Großstädten für Beträge jenseits der 100 Mio. erbaut und eingerichtet und ist zumindest im grössten Haus ein 70mm Projektor zu finden? NEIN!! Also ... das 70mm Format ist nicht tot, aber es hat sich aus dem hektischen Tagesgeschäft ganz zurückgezogen und fristet nun sein verdientes Leben als rüstiger Pensionär. Und hin und wieder klopfen dann die jungen aktiven Leute an und lassen sich von dem Pensionär mit leuchtenden Augen Geschichten aus vergangenen Tagen erzählen, wo grosse Bilder und stereophonischer Ton, jenseits von DVD und Internet, den Schlüssel zu grossen Abenteuern öffneten.
  9. ZITAT: Dann gab es aber 1992 erstmals nach 3 Jahrzehnten wieder eine "original"-70mm-Produktion: "Far and Away" (fotografiert auf 65mm-Negativ). Für manche Betreiber und Vorführer ein Erlebnis, für mich indessen ein Rückschlag: flach in der Fotografie, körnig vom Dupnegativ gezogen, teilweise unscharf in der Tiefenschärfe und unmotiviert geschnitten. Demgegenüber sahen m.E. so gut wie alle 60er-Jahre Blow-ups besser (brillanter) aus, von den original auf 65mm gedrehten Produktionen ganz zu schweigen. ZITAT ENDE Haben wir da verschiedene Filme gesehen? Fand den Film und auch die 70mm Kopie wirklich nicht schlecht. Die Fotografie des Filmes hat mir sehr gut gefallen und es war so gewollt, daß die Irland Szenen grösstenteils mit trostlosen Farben in Szene gesetzt worden sind. Erreicht mit wenig Licht, offener Blende, soften Cooke-Objektiven, mittleren bis langen Brennweiten, 200er teilweise 500er Material und wie ich hörte, Skip Bleaching des Negatives in einigen Aussenszenen ... schließlich sollte auch photografisch unterstrichen werden, dass das Leben der beiden Protagonisten in Irland wenig "Farbe" hat und den Entschluss, nach Amerika auszuwandern, auf der bildgestalterischen Ebene unterstreichen. Hätte man diese Irlandszenen wie in den alten "glorreichen" 65mm Tagen fotografiert müssen, hätte man mit 50 ASA Material gearbeitet, hätte Unmengen an Scheinwerfern aufgebaut, wahrscheinlich vieles nicht an locations sondern im studio bauen und drehen müssen und hätte sicher nicht diesen interessanten Look erreichen können. Und wie schön dann der fast erstmalige Gebrauch von Totalen in prächigsten Eastman-Color und 70mm Tiefenschärfe, als das Wettrennen um das schönste Stück Land, unterstützt von 6-Kanal-Ton, beginnt. Das hätte in dieser Faszination bei konventioneller vorheriger Irland-Fotografie nicht so grossartig funktioniert und mir weit weniger Schauer den Rücken runterlaufen lassen.
  10. danke ... cooler tip ... etwas langsam die seite, aber gute auswahl.
  11. Zum Thema: KILL BILL - Unschärfe Unsere Kopie (DeLuxe London, Deutsches Internegativ #1) ist scharf. Leider tauchen leichte Negativflusen und Negativkratzer durchgängig mal stärker mal schwächer auf, besonders gegen Aktende, offensichtlich bei der Overlay-Kopierung der deutschen Untertitel entstanden. Deshalb (wegen der deutschen UT) auch ein deutsches Internegativ und somit ein weiterer Schritt weg vom Original-Negativ, bzw. vom Original-Laserausbelichteten Negativ.
  12. Wer jemals einen Kino-Spielfilm produziert hat (und das habe ich), der weiss, mit welcher Sorgfalt und Genauigkeit die Optik und Filmwege einer Kamera ständig gereinigt werden, wie zentimetergenau immer wieder und wieder die Aufnahmeentfernungen gemessen werden und mit wieviel Hingabe und Zeit ein Set eingeleuchet wird, um einen optimalen dem Film und dessen Dramaturgie entsprechenden Bildeindruck zu erhalten. Und auch bei einer Kinofilm-Produktion stehen Kameramänner und -assistenten ständig unter Zeitdruck. Nur es sind in der Regel Profis, die stolz auf ihre Arbeit sind und gute Arbeit abliefern wollen (und auch müssen, um weitere Arbeit zu finden.) Das war die Aufnahmeseite. Leider, leider ist diese Professionalität bei der Wiedergabeseite viel seltener der Fall. Auch hier würde ich mir dies wünschen, denn wie schnell ist eine sorgfältig arrangierte und ausgeleuchtete Szene durch falsche Wiedergabe völlig zerstört. Leute, seid stolz auf Euren Beruf, das Wichtigste in einem Kino ist die ordnungsgemäße und störungsfreie Projektion eines Filmes und die liegt in Euren Händen. PS: DIES IST EIN GENERELLES STATEMENT UND JEDE ÄHNLICHKEIT MIT LEBENDEN ODER TOTEN FORUMSTEILNEHMERN WÄRE REIN ZUFÄLLIG UND KEINESWEGS BEABSICHTIGT. PPS: SANDRINE. AIRPORT in 70mm ist wirklich nicht zu toppen, den kann man gar nicht unscharf stellen. Du siehst in der Totale noch jede Niete an der Boeing 707. Und das wurde mit Objektiven erreicht, die vor fast 50 Jahren entwickelt worden sind und auf Printfilm auskopiert, der auch schon 35 Jahre alt ist. Ein Erlebniss!!
  13. Christian ... welche 70mm prints wurden vom 35mm Original gezogen? Höre diese Behauptungen immer wieder, habe bisher aber noch keine 70mm in den Händen gehalten, wo dies zutraf. Bitte nenne einige Beispiele. Danke.
  14. Vorab ... ERDBEBEN (wenn die alte SENSURROUND Technik ordentlich funktioniert) 2001 - A SPACE ODYSSEE AIRPORT THE WILD BUNCH LORD JIM MY FAIR LADY (OV) HELLO DOLLY RAIDERS OF THE LOST ARC (OV) INDIANA JONES AND THE TEMPLE OF DOOM (OV) INDIANA JONES AND THE LAST CRUSUADE (OV) VERTIGO (OV) FINIANS RAINBOW (OV) WEST SIDE STORY (OV) BARAKA FAME (OV) GHANDI (OV) HEAVENS GATE (OV) LAWRENCE OF ARABIA (OV) OUT OF AFRICA (OV) SILVERADO (OV) STAR TREK II (OV) STAR TREK III (OV) STAR TREK IV (OV) STAR TREK V (OV) STAR TREK VI (OV) TOP GUN (OV) WHITE NIGHTS (OV) LITTLE SHOP OF HORRORS (OV) THE ROSE (OV) SHELTERING SKY (OV) THE PATHFINDER (OV) THE BEAR (OV) Das sind die Wunschtitel, wir haben noch nicht von allen Titeln die Rechte abklären können, das dauert ... und dauert ... und dauert ... bitte also noch etwas Geduld. Wünsche werden sehr gerne entgegengenommen.
  15. Geduld ... sobald das Programm steht, wird es hier in dem Forum gepostet werden. Dauert aber noch ca. 2 Wochen, da wir unter anderem OV Kopien aus England holen werden und da bedarf es noch einiger Abstimmung und Koordination.
  16. Dolby A - genau das gleiche Verfahren wie auch die Filme der Majors. Alan Vydras Studio war auf das Feinste ausgestattet.
  17. THE 13TH WARRIOR Leider nur ca 200 Original Kopien. Bemühe mich zur Zeit um eine Kopie, mal schauen! Einige Kopien von Batman, einige von Godzilla, einige von GONE WITH THE WIND, einige von BULLWORTH, einige von WIZARD OF OZ ... leider alles in OV.
  18. WESTWÄRTS ZIEHT DER WIND (PAINT YOUR WAGON) haben wir im Frühjahr dieses Jahres in 70mm gespielt. War ein sehr schönes Erlebniss, dem leider nur sehr wenig Zuschauer beiwohnen mochten. Clint Eastwood singen zu hören (2 Songs fehlen in den deutschen 35mm Kopien) war schon ein ungewöhnlicher Genuß.
  19. wir haben leider noch keine kopiezusage für den film erhalten. 30fps könnten wir aber spielen ... no problem.
  20. der erste in frankfurt gelaufenen film in Dolby-A war TESS (Roman Polanski), ob dann FAME oder HAIR der nächste gewesen war, weiss ich allerdings nicht mehr. Ab dann gab es regelmäßig Dolby-A Filme, anfangs die deutsche Fassung immer noch in USA oder London abgemischt, da es in Deutschland kein Synchronstudio mit Dolby Mischplatz und kein Kopierwerk mit Dolby Lichttonkamera gab. Den ersten Dolby-A Mischplatz hatte übrigens Alan Vydra, der seinerzeit für Beate Uhse die 35mm Hardcore Streifen mit DOLBY Ton versah. In seinem Studio in Hamburg wurde auch mangels einer anderen Möglichkeit ein großer Hollywood Blockbuster in deutscher Fassung (übrigens hervorragend) dolby-A-stereo gemischt. Ich verrate aber nicht welcher es war!!
  21. Apokalypse Now Redux war definitiv in der deutschen fassung eine der neuen technicolor dye transfer kopien. habe sie selber in den händen gehalten, u.a. erkennbar an der schwarz/weiss tonspur. sehr sehr gute qualität.
  22. Die digitale Technik hat doch schon auf breiter Front Einzug gehalten. Wenn auch noch auf Film gedreht und "projektioniert" wird, im Bereich der Bearbeitung einschl. neuerdings kompletter digitaler Internegative, gibt die Computer Technik schon den Ton an. Schon SEABISCUIT gesehen? Bei Kamerabewegenungen und Schenks fällt's schon merklich auf. HB
  23. Gentlemen, da kann ich nur sagen, tut Eure reste zusammen: The Audience is waiting!! HB
  24. Trefflich ... zum weitergeben!! Quelle: DIE ZEIT 07/2003 FILMUNREIF Dann bleibt doch zu Hause! In den Kinosälen ist der Filmfreund des Filmfreundes ärgster Feind. Eine Typologie der Filmspaßverderber anlässlich der 53. Berlinale Von Ralph Geisenhanslüke Von Ralph Geisenhanslüke Selten ist der moderne Mensch dem anderen so nah wie im Kino. Selten wünscht er sich so intensiv, er wäre dem anderen nie begegnet. Während der Film alle technischen Möglichkeiten aufbietet, eine farbigere Welt zu zeigen, soll die graue Realität draußen bleiben. Tut sie aber nicht. Die Realität sitzt eine Reihe weiter. Dort wird geredet, gelacht, geküsst. Dort knistert die Chipstüte. Während der eine in die Leinwand kriechen möchte, greift der andere ungerührt ins Popcorn. Im Kino wird der Nachbar zum Störfall. Eine Aufstellung der üblichen Verdächtigen: DER PLATZKARTENSPIESSER: Hat eigentlich alles richtig gemacht. Schon um 18 Uhr die Karte für die 20-Uhr-Vorstellung gekauft, natürlich an einem Kinotag in einem Multiplex. Das ist billiger. Dabei an der Kasse gefragt, wie lang der Werbeblock ist. Nach Beratung mit der freundlichen Servicekraft die wirklich schönsten Plätze ausgesucht. Stolz wie ein Frühbucher, der schon zwei Monate vor Abflug weiß, dass er 40 Minuten nach dem Start eine vegetarische Mahlzeit bekommen wird. Alles geregelt. Dann noch einkaufen oder essen gegangen. Nun betritt er exakt zu Beginn des Hauptfilms, vielleicht mit Einkaufstüten, weil die Zeit nicht reichte, die Sachen zum Wagen zu bringen, in den Saal und trifft in Reihe 10, auf Platz 26, auf seinen natürlichen Feind: den Platzkarten-Anarchisten. Der Platzkarten-Anarchist hat sich den Sessel schon warm gesessen und betrachtet ihn spätestens ab Erscheinen des Produktionsfirmenlogos als seinen angestammten Erlebnisraum. Der Platzkartenspießer nähert sich mit gesenkter Stimme. (»Entschuldigen Sie…«). Der Anarchist reagiert zunächst einsilbig, verweist auf andere freie Plätze und macht keine Anstalten, sich zu erheben. Während die ersten Szenen des Films zu sehen sind, entwickelt sich ein erst geflüsterter, dann lauterer (»Oh, Mann, was soll das denn jetzt…?«) Disput, in den bald auch Unbeteiligte eingreifen und nach dessen Ende etwa 100 Zuschauer in den Genuss kommen, gebeugte Gestalten unter gebrummten Verwünschungen durch das Bild laufen zu sehen. Will der Platzkarten-Anarchist daraufhin selbst seinen vorgesehenen Platz in Anspruch nehmen, entsteht eine so genannte Multiplex-Polonaise. DER MITTE-SITZER: Der halbe Saal ist leer, aber in der Mitte hocken alle aufeinander, das Bild erinnert an ein Diagramm aus einer Statistikvorlesung. Nicht nur in der Politik wollen alle in die Mitte. Auch im Kino hält sich, trotz tennisplatzgroßer Leinwand und Dolby 12.1, der Glaube, die wahre Bestimmung eines Cineasten sei es, dass er seine Mitte finde, um von Bild und Ton stärkstmöglich überwältigt zu werden. Die vorderen Reihen gehören den Kurzsichtigen, die selbst im Dunkeln zu eitel für eine Brille sind, die hinteren Paaren in der Anbahnungsphase. Mitte-Sitzer in Personalunion mit den berüchtigten Schuhausziehern überschreiten schnell den schmalen Grat der allgemeinen Duldung. DER SITZRIESE: Positioniert sich grundsätzlich genau vor dem Mitte-Sitzer und hält sich bei 2,02 Meter Körpergröße kerzengerade. Trägt zusätzlich hoch gegelte Frisuren oder Kopfbedeckungen, die ihn als Mitglied einer Jugendbewegung ausweisen. Meist gutmütig. Nimmt auf Bitte seiner Mitmenschen eine halb liegende, für ihn anatomisch ungünstige Haltung ein und leidet still. Kann dauerhaft nur in steilen Ranglagen überleben. In Off-Kinos wird der Sitzriese zum Vorbeuger. Dann spürt der Vordermann seinen Atem im Nacken, weiß aber: Das ist immer noch besser, als den Sitzriesen vor sich zu haben. DER GOURMAND: Alfred Hitchcock sagte: »Für mich ist Kino nicht ein Stück Leben, sondern ein Stück Kuchen.« Nichts tun Menschen im Kino so gern wie essen, offenbar eine Instinkthandlung: Der Kavalier alter Schule spendiert Süßigkeiten, weil er glaubt, Frauen möchten in der Dunkelheit versorgt werden. Der gemeine Vielfraß mit seinem Zweilitereimer Cola fürchtet vielleicht, draußen bräche der Krieg aus. Akustisch und olfaktorisch ist der Gourmand leicht zu orten. Gegen Ende der Vorstellung sieht sein Platz aus wie der Tiergarten nach der Love Parade. Aber nicht nur deshalb sind seine Gewohnheiten mittlerweile so gut erforscht, dass die Filmförderungsanstalt genau sagen kann, welche Filme den Appetit besonders anregen (Tabellenführer im Jahr 2001: Harry Potter). Der Gourmand hält das Kino am Leben. So sehr ist die Kalkulation der Kinobetreiber während des Multiplex-Booms der Neunziger in Schieflage geraten. Die Hälfte des Netto-Eintrittspreises geht an den Verleiher, die andere Hälfte für Werbung, Miete, Heizung und Personal drauf. Daher gilt die aus den USA stammende Faustregel nun auch bei uns: Der Gewinn am Ende des Jahres entspricht in etwa dem Gewinn aus dem Popcorn-Geschäft. Popcorn ist synonym für Fast-Food-Kino. Goldbraun angeleuchtet, liegt es in der Vitrine. Der Geruch zieht durchs Foyer. Beim Verzehr mit offenem Mund produziert das Fett-Stärke-Luft-Gemisch überraschende Surround-Effekte, die leise Dialogstellen überlagern. Wenn dann, wie kürzlich in Berlin geschehen, der Film (Herr der Ringe) auch noch unterbrochen wird, weil der Betreiber noch etwas Eis losschlagen möchte, kann es passieren, dass die Verkäufer nur knapp dem Volkszorn entgegen. Natürlich sind Gourmands immer die anderen. Dabei lassen nachweislich nur ein Viertel der Kinobesucher den Fressstand links liegen. Bislang jedenfalls. Infolge drastisch gestiegener Genussmittelpreise macht sich neuerdings im Kino eine Picknickmentalität breit. Oft hört man das Zischen von mitgebrachten Getränkedosen oder das Ploppen von Weinkorken. Wenn der Gourmand zum Selbstversorger wird, werden die Kinobetreiber wohl neu kalkulieren müssen. DER SITZFLÜCHTER: Obwohl es Gerüchte gibt, wonach manche Vorführer 25 statt 24 Bilder pro Sekunde zeigen, um schneller fertig zu werden – die Zeit kann sehr lang werden. Manche Unterart des Gourmands fühlt sich da permanent von Auszehrung bedroht. Auch Menschen mit schwacher Blase verfallen schon eine halbe Stunde nach Beginn in Duldungsstarre. Die Bilder rauschen an ihnen vorbei. Sie warten eine möglichst spannungsarme Stelle ab, um Erleichterung zu suchen. Der erste Sitzflüchter löst häufig eine kleine Migrationswelle aus, der sich auch engagierte Raucher anschließen. Erfahrene Sitzflüchter platzieren sich gleich am Rand, unerfahrene kehren häufig mit einem zweiten Bier zum Platz zurück. Sie sind für den Rest der Vorstellung Sklaven ihres Stoffwechsels. Das oft verfemte Klingeln von Mobiltelefonen und die darauf folgende Reaktionskette – Rausrennen (»Ja, bin im Kino«), Türöffnen, starker Lichteinfall – ist aufgrund der massiven Bausubstanz moderner Zelluloidcenter (schwaches Mobilfunksignal, Lichtschleusen) nur noch selten zu beobachten. DER WEINER: Kaum ein Zitat wurde von Filmkritikern so zuschanden geritten wie Kafkas »Im Kino gewesen. Geweint.« Nach landläufiger Meinung und einem weiteren geflügelten Wort des Filmtheoretikers Siegfried Kracauer sind es »die kleinen Ladenmädchen«, die da die Schleusen ihrer vermeintlich kleinen Seelen öffnen. Stimmt nicht. Nach aktuellen Umfragen sind fast die Hälfte der Zuschauer bekennende Flenner – ein Drittel davon Männer. Manche besuchen sogar vorsätzlich so genannte Taschentuchfilme. Im Sturm und Drang hielt man Weinen für einen Ausweis besseren Menschentums. Heute gilt es als Reinigungsritual der Seele. Kommt der Weiner also ins Kino, um ein psychohygienisches Grundbedürfnis zu stillen? Kulturpessimisten sagen: Wir füllen im Kino unsere innere Leere mit fremden Geschichten, weil das eigene Leben so wenig Anlass zu Gefühlsausbrüchen bietet. Normalerweise ringen die Weinenden bis zum Letzten, ehe sie genussvoll kapitulieren. Bei Klassikern wie Der englische Patient oder Schlaflos in Seattle ist aber häufig schon verhaltenes Schnäuzen zu hören, ehe in der Schlüsselszene die Geigen einsetzen. Im Dunkeln sieht’s ja keiner. DER ABLACHER: Etwa zweimal pro Jahr gehen Deutsche, statistisch gesehen, ins Kino (Amerikaner fünfmal, Isländer, an Dunkelheit gewöhnt, achtmal). Wenn sie sich also auf den Weg machen, dann wollen sie für ihr Geld auch Stimmung satt. Für den preisbewussten Ablacher beginnt darum der Spaß schon mit dem Werbeblock. Den Übergang zum Hauptfilm, wie beispielsweise dem neuen James Bond, empfindet er nicht nur wegen der gleichmäßigen Dichte des product placement als fließend. Ablacher bilden meist Gruppen. Er ist ein dankbarer Abnehmer für Trailer, die in zwei Minuten alle Brüller einer demnächst anlaufenden Komödie verbraten. Aufgrund seiner hohen Appetenz lacht er aber auch bei Landschaftsaufnahmen, Sexszenen oder Massakern. So läuft er nie Gefahr, einen Witz zu verpassen. DIE KNUTSCHER: Für 36 Prozent der Frauen hierzulande gehört Händchenhalten im Kino dazu. Das hat Men’s Health herausgefunden. 14 Prozent, so das Fachorgan weiter, haben auch nichts dagegen, im Kino »zur Sache zu kommen«. Was damit gemeint ist, verschweigen die Autoren. Ältere Herren in Trenchcoats galten lange als besonders handgreifliche Zuschauer. Mit Einführung der Videothek aber kamen die so genannten Bahnhofskinos aus der Mode. Auch die so genannte Lover’s Lane gehört der Vergangenheit an: die letzte Reihe, in der sich alle Paare einfanden, die sich nur im Dunkeln trauten oder nicht wussten, wohin sonst. Heimatlose Liebende verdienen den Schutz der Gemeinschaft – sind aber heute im Kino kaum noch anzutreffen. Nur die Inhaber von Autokinos berichten, dass in lauen Sommernächten manche Wagen zu wippen beginnen wie in einer Siebziger-Jahre-Teeny-Komödie. Aber in Autokinos laufen meist auch Filme, die man ohnehin schon gesehen hat. DER KOMMENTATOR: Ein Selbstdarsteller. Hält es nicht aus, tatenlos dazusitzen, während vorn der Bär tobt. Warum sollen nur die Lichtgestalten zeigen, was sie können? Er ist auch ein starker Typ. Und er will entdeckt werden. Die Klasse der Kommentatoren hat einen besonderen Artenreichtum hervorgebracht: Größte Verbreitung findet in unseren Gefilden der Nacherzähler. Er begreift Dinge nur, wenn er sie mit eigenen Worten wiedergeben kann. (»Höhö – bumm! Voll explodiert, der Kampfstern!«) DER ÜBERSETZER: Häufig anzutreffen in Vorstellungen mit fremdsprachiger Originalversion – wo er seiner Begleiterin zum Beispiel die Feinheiten im Slang New Yorker Straßengangs nahe bringt. Gern beweist er, dass seine Auslandsaufenthalte nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind. DER KENNER: Der Kenner sitzt in der synchronisierten Fassung und unterzieht diese einer kritischen Bewertung. Er kennt auch alle vorangegangenen Episoden von Star Wars auswendig oder verweist darauf, dass Ricks Krawatte in Casablanca beim Betreten des Basars anders geknotet ist als vorher. Sein naher Verwandter ist der Verrater. Er hat den Film schon fünfmal gesehen und lässt sein Umfeld uneigennützig an diesem Wissen teilhaben. Schlüsselsatz: »Oh, oh, gleich kommt das Monster!« DER UM-RUHE-BITTER: Traditioneller Widersacher aller, die während der Vorstellung reden. Bohrt zunächst seinen Blick ins Dunkel, um Verbündete zu suchen, steigert sich über Räuspern und Hüsteln zur direkten Ansprache. Seine gezischelte Aufforderung, das Gespräch doch bitte draußen fortzusetzen, mündet bisweilen in heftige Wortwechsel. Bis jemand »Ruhe auf den billigen Plätzen!« fordert. Aber es gibt längst keine billigen Plätze mehr. DER ABSPANNER: Will einen Film vom ersten Bild bis zum Abspann genießen wie einen großen Roman. Reagiert allergisch, wenn seine Reihe sich schon leert, während er noch ergriffen den Namen des Post-Production-Supervisors liest. Er ist selten aggressiv und äußert seinen Unmut meist durch Seufzen. Er bildet eine aussterbende Art, weil das ständige Streifen von Winterjacken an Hinterkopf und Nase und das Rempeln an den Knien ihn in seinem Revier bedroht. DER NACHHER-DRÜBER-REDER: Ein verkappter Rezensent. Bewohnt normalerweise Godard-Reihen oder Fassbinder-Retros und muss seine Vorbehalte gegen »das Hollywood-Kino« laut äußern – für den Fall, dass ein Kommilitone ihn in einem entsprechenden Film sehen sollte. Während seine Begleiter noch Restfeuchte aus den Augenwinkeln wischen oder wenigstens so lange innehalten, bis die Netzhaut nicht mehr flimmert, holt er bereits Luft zum Hinterfragen. Der Nachher-drüber-Reder eröffnet das Gespräch meist mit einem harmlosen: »Gehen wir noch irgendwo was trinken?«, schießt dann aber sofort nach: »Und? Wie fandste’s?« Den Versuch einer Antwort übergeht er. Schon vor Erreichen der Tür trägt er eine umfassende Kritik vor (»irgendwie wie der Letzte von den Coen-Brüdern, aber anders«) und legt Regie- und Drehbuchschwächen bloß (»Bei Tarantino hätt’s das nicht gegeben!«). Sein hehres Ziel ist die Demaskierung der manipulativen Kulturindustrie. Er ist daher meis t nicht nur Film-, sondern auch Verschwörungstheoretiker und lässt erst ab, wenn er alles bis zur letzten Szene entzaubert hat. Wer sich etwas aus einem Film bewahren möchte, meidet die Nähe des Nachher-drüber- Reders oder behandelt ihn nach der Kaurismäki-Methode: lange ansehen und schweigen. FUSSNOTE Der Dank für die besten Nebenrolle geht an: die Studierenden der Schauspielschule Berlin-Charlottenburg für ihre Darstellung der Kinobesucher.
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