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35mm und Federwerk?


Regular8
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Hallo,

mit großem Erstaunen hab ich im Internet etwas gefunden über eine 35mm Filmkamera mit Federwerksmotor. Bisher war mir völlig unbekannt, dass es auch für 35 mm (und nicht nur für 16 und 8 mm) Kameras Federwerksmotoren gab oder gibt. Ich stelle mir das recht problematisch vor, da die Federspannung ja schon bei 16mm Kameras meist nur für knapp 30 Sekunden Filmdurchzug reicht. Und bei 35 mm Film muss ja wesentlich mehr Masse in viel höherer Geschwindigkeit bewegt werden. Solche Federn müssen doch entweder mindestens zehn mal so stark sein, oder nur fürchterlich wenig Film durchziehen können.

Leider finde ich jetzt nur noch etwas über eine Konvas Kamera KCP1, bei der zwar überall dabei steht, dass ein Federwerksmotor erhältlich war, aber nicht, wieviel Film der Federwerksmotor mit einem Aufzug durchziehen kann. Weiß das jemand? Natürlich würden mich auch Daten zu anderen 35 mm Kameras mit Federwerksmotor interessieren. Vorallem eben die zu erwartende "Lauflänge" pro Aufzug. Ich möchte mir ein Bild davon machen, für welche Zwecke man den Federwerksmotor einer 35mm Kamera bezüglich seiner Lauflänge einsetzen konnte und für welche nicht, oder wann man ihn eingesetzt hat (also z.B. in den 20er, oder 30er Jahren oder wann auch immer). Oder eventuell sogar professionelle Produktionen, von denen bekannt ist, dass Aufnahmen mit dem Federwerksmotor entstanden sind.

Wie wichtig war der Federwerksmotor in der Geschichte des Films beim 35mm? Ich bin bisher davon ausgegangen, dass Federwerksmotoren nur bei 8 und 16 mm Kameras existiert haben und nur so eine Art qualitativ nicht ernst zu nehmende (unprofessionelle) Notbehelfsmassnahme waren, um für den Amateur Kameras zu bauen, die in der Zeit vor Lithiumbatterien und Akkus einfach unkompliziert, aber ohne großen Anspruch an Gleichlauf, Bildstand und so weiter zu handhaben waren.

 

EDIT: Nachtrag: Dass man ganz früher Film sogar manuell gekurbelt hat, weiß ich. Aber das ist ja auch wieder eine ganz andere Nummer. Beim Kurbeln kann man ja minutenlang ohne Pause herumkurbeln, das stellt somit für die professionelle Produktion kein Hindernis dar. Aber eine nach 20 Sekunden stehen bleibende Federwerkskamera... schränkt ein.

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Die mir bekannten Normalfilmkameras mit Federwerk sind

 

  • Gassino Scythes, 1918. Federwerk und Handkurbel.
  • FACT Autocinephot, 1919, Vorgänger des Debrie Sept, 1921; faßt 5 m Film. 16 B./s. Durchzug 5 m
  • ICA Kinamo, 1921, Federwerkzusatz ab 1923; faßt 15 m Film, später 25. Durchzug 6 m. 16 B./s und Handkurbel
  • Bol Cinégraphe, 1923, faßt 15 m Film. Federwerkzusatz, Durchzug ?
  • Bell & Howell Eyemo, 1925; faßt 30 m Film. Durchzug etwa 528 Bilder. Erstes Modell 16-24 B./s, später 16 bis 32 und 4 bis 64 B./s
  • DeVry, 1925; faßt 30 m Film. Durchzug 16 B./s und Handkurbel
  • Le Blay OLʼYWOOD, 1925-26. Faßt 15 Film. Durchzug 15 m. 16 B./s
  • Le Blay Bidru, 1930 (?); faßt 30 m Film. 16 bis 26 B./s
  • Newman & Sinclair Autokine, 1931 (?); faßt 60 m Film. Durchzug 60 m.10 bis 24 B./s
  • Morigraf, 1935; faßt 60 m Film. Durchzug ? 16-24-30 B./s

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Aus der Erinnerung (also ohne Gewähr) hatte die 35mm DeVry einen Durchzug von etwa 12-15 Metern. Liegt schon sehr lang zurück, leider habe ich sie damals verkauft. Seit Jahren suche ich eine, aber nicht zu den Mondpreisen, die zuweilen im US-eBay aufgerufen werden. (Derzeit gibt es eine, die aber nur "as is", also ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Funktion verkauft wird). Wer also eine "Lunchbox" zuviel hat, sende mir bitte eine PN!

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Hallo,

 

also mit Federwerkskameras kann man, genau wie mit Handkurbelkameras, Einstellungen beliebiger Laenge vom Stativ drehen. Man zieht einfach waehrend der Aufnahme das Federwerk auf.

Geht natuerlich nur, wenn eine ordentliche Kurbel vorhanden ist. Bei der Eyemo mit ihrem Schluessel geht das eher schlecht. Habe ich bei meiner jedenfalls noch nie versucht, zumal der Aufzug auch ziemlich viel Kraft erfordert.

 

Federwerk sehe ich keinesfalls alls Behelf an. Strom steht eben nicht ueberall zur Verfuegung, frueher gab es auch noch keine Solarlader. Kameras wie die Eumig C16R, die voellig ohne Batterien auskommen, sind die idealen Expeditionskameras (Der Belichtungsmesser ist auch nach einem Sturz und Defekt mit wenigen Handgriffen getauscht, schon kann man weiter filmen).

 

Gruss

 

Liliputkino

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  • 3 weeks later...

Ich erinnere mich aus alten Wochenschauaufnahmen an kurze Ausschnitte bei denen Kameramänner zu sehen waren die Kameras im Einsatz hatten, bei denen sich seitlich ein Aufziehschlüsseldrehte. Also Federwerkskameras. Die Breite einer 16mm Kamera vor Augen, kamen mir diese Kameras breiter vor, was für 35mm spricht.

Ich bin mir nicht sicher ob es da von Arri auch 35mm-Federwerkskameras gibt (müßte TK-Chris wissen). Auch glaube ich dass Leni Riefenstahl 35mm Federwerkskameras verwendet hat. Mir spuken da Standfotos im Kopf herum, die ich mal gesehen habe. Sofern jemand im Forum belastbares Detailwissen hat - bitte nur zu

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Beim Olympia-Film, aber auch beim ''Triumph des Willens'' kamen etliche Kameraleute mit Eyemos zum Einsatz. Z. B. in den kleinen Aufzugkoerben, die an den Fahnenmasten angebracht waren.

 

Bei seiner ersten Kameraarbeit ueberhaupt setzte W. Frentz eine Zeiss Kinamo N25 ein, die ihm zur Verfuegung gestellt worden war. Aus dem Kajak heraus zu filmen, ist mit einer schweren Kamera natuerlich nicht moeglich.

1988 habe ich mal so etwas Aehnliches gemacht, allerdings mit einer Bolex H16.

 

Gruss

 

Liliputkino

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  • 6 years later...
  • 10 months later...
  • 1 year later...
  • 2 months later...
Am 13.3.2021 um 08:42 schrieb Film-Mechaniker:

Jetzt habe ich eine Abbildung eines Ciné-Nizo 35 gefunden.

Das war aber keine Federwerkkamera.

 

1022088232_Cin-Nizo35.jpg.63d9a8559467bb61de0039f664c227ae.jpg

 

Das ist Unsinn. Beide Geräte, Ciné-Nizo 35 und Ciné-Nizo 16, nehmen Film auf Tali.-Spulen auf und sind mit einem Federwerk ausgestattet.

Abgebildet ist der Ciné-Nizo 16. Die Normalfilmkamera ist auf der linken Seite (Filmkammer) breiter.

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  • 4 months later...
Am 17.1.2012 um 21:31 schrieb Liliputkino:

mit Federwerkskameras kann man, genau wie mit Handkurbelkameras, Einstellungen beliebiger Laenge vom Stativ drehen. Man zieht einfach waehrend der Aufnahme das Federwerk auf.

Geht natuerlich nur, wenn eine ordentliche Kurbel vorhanden ist. Bei der Eyemo mit ihrem Schluessel geht das eher schlecht. Habe ich bei meiner jedenfalls noch nie versucht, zumal der Aufzug auch ziemlich viel Kraft erfordert.

 

Das ist nicht bei allen Federwerken möglich. Die Feder des Eyemo ist mit dem äußeren Ende an einem Bolzen im Gehäuse angehängt. Sie wird am Kern aufgezogen und sie gibt die Energie auch wieder über den Kern ab. Weil der Federkern mit einem Schlingfedernfreilauf gefaßt wird, kann man aber den Mechanismus mit Kurbel beliebig lang weiter bewegen, wenn die Feder vom Gesperre angehalten wird.

 

Die Kurbel wird ein ganzes Stück weit in ihre Buchse eingeschoben, sie kann jedoch jederzeit herausrutschen. Zum Glück läßt die Buchse sich mit der Anbaugruppe abnehmen und bearbeiten, so daß man Kugelrasten anbringen kann. Sinnvoll beim Drehen von Hand wäre eine längere Kurbel, die von B. & H. dient schon eher nur zum Rückwickeln.

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  • 4 weeks later...
  • 3 months later...

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