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Geschrieben

Liebe Forumsmitglieder,

ich habe zwei IB Tech 16mm-Filme, die riechen wie Essig. Nun erklĂ€rt mir der VerkĂ€ufer, die IB Technicolor-Kopien wĂŒrden einen essigĂ€hnlichen Geruch (nach Kotze) verbreiten, es handle sich aber nicht um das Essigsyndrom und rĂŒhre vom Cyan im blauen Tonstreifen her.

Da ich ĂŒber die Suchfunktion nichts gefunden habe: Kann jemand diese ErklĂ€rung bestĂ€tigen?

Herzlichen Dank im Voraus,

Michael

Geschrieben

Nein. Das Netteste, was mir dazu einfiele, wĂ€re: Unfug. Alle weiteren Bemerkungen wĂ€ren schon etwas gröber und wĂŒrden dem einen oder anderen die Ohrenspitzen erröten lassen; weswegen ich sie fĂŒr mich behalte. Also: Nicht glauben!!! (Im Zweifel ist es doch Essig!)

Geschrieben

Das Technicolor Kopien besonders riechen ist unfug. Wenn die filmkopie vom Essigsyndrom befallen ist, dann kannst Du die Kopie in die MĂŒlltonne werfen oder bzw. dem VerkĂ€ufer vor die Nase halten.

Aber vorsicht: Ich habe oft erlebt, dass jemand behauptet, die eine oder andere Kopie ist vom Essigsyndrom befallen nur weil es riecht.

Das stimmt nicht pauschal, es gibt auch konservierungsmittel oder Filmreiniger (keine Ahnung was die tatsĂ€chliche Ursache ist), die zu GerĂŒchen fĂŒhren, die Ă€hnlich wie Essig riechen. Aber diese Kopien sind vollkommen in ordnung, ein Test mit pH StĂ€bchen klĂ€rt die Situation auf. HierfĂŒr das pH StĂ€bchen kurz anfeuchten (spucke tut es auch, oder kurz in ein Glas eintauchen) mit dem Film in die Dose legen und nach ca. 10-20 Minuten nachschauen. Wenn der Film vom Essigsyndrom befallen ist, zeigt es einen pH wert, meistens zwischen 0 und 4 an. Die pH Skala geht von 0 bis 14, 7 ist neutral (leitungswasser), destilliertes wasser zeigt bereits pH 5 an.

< 5 ist sauer, >7 bis 14 ist alkalisch und kommt bei Film nicht vor (z.B. Seifenlaugen etc. sind alkalisch).

Wenn der Film von Essig befallen ist, dann ist er meistens wellig und verliert bei der projektion stÀndig an SchÀrfe. Wenn das Syndrom fortgeschrittener ist, dann klebt der Film schon aneinander, so als ob er geschmolzen wÀhre.

 

Das Essigsyndrom kann man zwar nicht stoppen, oder rĂŒckgĂ€ngig machen, aber mit einer Behandlung mit Kampfer soll man es verlangsamen.

Ich experimentiere gerade mit einem Akt eines Films, wo es gerade begonnen hat und die anderen Akte noch vollkommen in ordnung sind.

 

Das ganze passiert daher, das Acetat ja das Salz von EssigsĂ€ure ist und bestimmte Filmreiniger (meistens aus den USA in den 50iger Jahren verwendet), katalytisch wirken und nach einer gewissen Zeit (nach mehreren Jahren) eine chemische Reaktion wieder rĂŒckwerts lĂ€uft und EssigsĂ€ure entsteht.

Geschrieben
ich habe zwei IB Tech 16mm-Filme, die riechen wie Essig. Nun erklĂ€rt mir der VerkĂ€ufer, die IB Technicolor-Kopien wĂŒrden einen essigĂ€hnlichen Geruch (nach Kotze) verbreiten, es handle sich aber nicht um das Essigsyndrom und rĂŒhre vom Cyan im blauen Tonstreifen her.

So ein Penner! Der hat ja nicht ein Mal eine Ahnung davon, was er plappert: Cyan-Verbindungen sind die chemische Verbindung von C, Kohlenstoff, und N, Stickstoff. HCN, Cyan-Wasserstoff-Gas, ist die Grundlage von BlausĂ€ure. Allen Nitrogeniumverbindungen gemein ist ihr erstickender Geruch, darum der Name Stickstoff. Der Farbstoff Cyan, BlaugrĂŒn, ist typisch fĂŒr den Stickstoff.

 

Essig riecht aufweckend scharf und ist der Todfeind von Cyan, weshalb die BlaugrĂŒnschicht von Farbfilmen oft so stark verblichen ist („Rotstich“).

 

Das Ganze hat mit Technicolor nichts zu tun, es ist einzig der FilmtrĂ€ger, das Cellulose(di)acetat, das zerfĂ€llt. Auch Schwarzweißfilme haben das Essigsyndrom.

  • Face with tears of joy 1
Geschrieben

Ich hab's geahnt - obwohl ich beim googeln auf einer Internetsite dieselbe Aussage gefunden habe: Hier (siehe auf der Seite ganz oben).

Aber Aaton's Tipp mit den Test-StÀbchen ist der sicherste. Werde ich mal ausprobieren. Muss die Dinger allerdings erst bestellen. Wittner hat doch auch sowas, oder?

Herzlichen Dank Euch allen fĂŒr Eure Antworten!

Geschrieben
Muss die Dinger allerdings erst bestellen. Wittner hat doch auch sowas, oder?

 

Es mag sich geÀndert haben, aber zu meiner Schulzeit in den 90ern gab's Ph-Teststreifen in der Apotheke. Rezeptfrei ;-)

 

 

 

Geschrieben

Es mag sich geÀndert haben, aber zu meiner Schulzeit in den 90ern gab's Ph-Teststreifen in der Apotheke. Rezeptfrei ;-)

Und die eigenen sich auch fĂŒr Filmkopien?

Geschrieben

  WĂŒsste jetzt nicht, was am Ph-Wert einer Filmkopie ander sein sollte als am Ph-Wert irgendeines anderen Objekts. Keine Ahnung, ob daneben legen reicht, aber das wĂŒrde ich einfach ausprobieren. VerfĂ€rbt es sich => alles klar. VerfĂ€rbt es sich nicht: Vielleicht mal einen Streifen in die Rolle einwickeln. Als Referenz am besten das Selbe bei einer unbefallenen Filmrolle durchfĂŒhren.  

Geschrieben

pH papier Streifen tun es auch, die StĂ€bchen die ich benutze sind solche, die in der chemischen Industrie gebraucht werden. Sie sind genauer in der Bestimmung eines sehr kleinen pH Bereichs aber bei Film mit Essigsyndrom musst Du nur prĂŒfen ob sauer oder neutral.

Damit Du weist wie es aussehen soll, tauchst Du ein StĂŒck in Cola oder Selter ein. Die KohlensĂ€ure darin ist nĂ€mlich auch sauer.

Es reicht das Papier einfach in die Dose mit reinzulegen. Wichtig ist es aber, dass Du es mit Wasser anfeuchtest. Muss nicht triefen und tropfen es reicht auch wenn Du es kurz in den Mund nimmst. Lege es dann so in die dose, dass kein Film damit in BerĂŒhrung kommt (Wasser ist nicht gut fĂŒr Film). Dann muss die Dose verschlossen werden. Das pH Papier braucht einige Minuten um sich zu verfĂ€rben. Im prinzip misst Du den pH Wert der EssigsĂ€ure DĂ€mpfe.

Und ich kann bestÀtigen, dass von Essigsyndrom befallene Filme deutlich einen saueren pH Wert anzeigen.

Wie gesagt, wenn Du sehen willst wie die VerfÀrbung aussehen muss, tauch es in ein KohlensÀure haltigem GetrÀnk ein. Aber nicht die Selter mit Medium KohlensÀure Gehalt.

Geschrieben

Aber was mir noch nicht ganz klar ist: Hast Du tatsÀchlich eine Bluetrack IB Technicolor Kopie, also Blaue Tonspur? das sind sehr alte Technicolor Kopien, die meisten gÀngigen Technicolor Kopien sind Greytrack, also graue Tonspur wie bei der Tonspur bei Schwarzweis Film Kopien.

von welchem Film ist denn die Rede?

Geschrieben

... und gerade weil es sich um Kopien aus den vierziger Jahren handelt, ist um so unwahrscheinlicher, dass die blaue Farbe (ausgerechnet!) heute noch riechen sollte. In den Staaten kursieren köstliche Geschichten ĂŒber den angeblichen Fischgeruch von IB prints, aber sie sind mit Verlaub alle Blödsinn. Ein möglicher muffliger Geruch ist nach meiner Erfahrung die Vorstufe eines ausbrechenden Essig-Syndroms; es braucht noch seine gewisse Zeit, bis es so richtig in der Nase kribbelt, aber es wird der Tag kommen, an dem man wĂŒnscht, seine Nase nicht zu nahe an die Kopie gehalten zu haben ... - Ach ja: was ich noch gelten lassen wĂŒrde: Beschichtete Kopien ("Retheto Panzerschicht") haben immer gerochen; ein eigentĂŒmlicher, nicht zu beschreibender, aber keineswegs unsympathischer Geruch. Und keineswegs mufflig. Vor vierzig Jahren roch jeder BWR mehr oder weniger danach. Ganz, ganz leicht, aber man hatte es in der Nase: Hier wird Film gelagert. Aber, aber: Die einzige Verbindungslinie, die ich zwischen Kopienbeschichtung und IB-Kopien sehe, ist, dass Technicolor-Kopien vermutlich standardmĂ€ĂŸig als Teil des Farbdruckprozesses eben auch beschichtet wurden (weil der dĂŒnne Farbauftrag fĂŒr sich genommen mechanisch viel zu empindlich gewesen wĂ€re). Dass man das heute noch riechen kann: nein, das hat sich ausgedĂŒnstet, siehe Eingangsbemerkung ...

 

Hier noch eine jĂŒngere Diskussion um "riechende" Technicolor-Kopien ...

http://www.film-tech...f1/t004238.html

Geschrieben

So, der ph-Test ist gemacht: Es ist Essig!

Der VerkĂ€ufer ist zum GlĂŒck bereit, mir das Geld zurĂŒckzuerstatten...

Herzlichen Dank fĂŒr Eure Tipps und Hilfe!

@filmantiques: Ja, es handelt sich um alte Bluetrack Technicolor.

  • 3 Wochen spĂ€ter...
Geschrieben

Es mag sich geÀndert haben, aber zu meiner Schulzeit in den 90ern gab's Ph-Teststreifen in der Apotheke. Rezeptfrei ;-)

Um da mal dran anzuknĂŒpfen. Hab mir auch mal so Teststreifen aus der Apotheke geholt, die gehen aber leider nur von pH 5,6 bis 8,0. Reicht diese Spanne fĂŒr eine vernĂŒnftige Beurteilung aus? Was sollte unbefallenes Material denn haben? 7,0?

Geschrieben

Was die Spannbreite betrifft: Essig liegt bei einem pH-Wert von 2,5 - wenn es also ein Essigsyndrom gibt, dann wird der Teststreifen mit Sicherheit reagieren. Interessant wĂ€re die Frage, wie schnell er reagiert - reicht eine Stunde in der FilmbĂŒchse aus? Zwei? Ein Tag?

  • Like 1
Geschrieben

Ja, nur wenn normales Filmmaterial ohne Essig bei 5,5 liegt wird der Streifen auch dann reagieren und ich kann nichts aus dem Ergebnis ablesen und verfalle bloß in sinnlose Panik. Liegt normales Material bei 6, sehe ich bloß, ob es gar nicht 6,0, oder "ein klitzekleinesbisschen 5,6 bis ganzganzfurchtbarschlimm 2,5" ist. Aber danke schon mal fĂŒr die 2,5 als Wert.

Geschrieben

Unbefallenes Material sollte im neutralen Bereich liegen. Was nicht ausschließt, dass so ein Teststreifen doch irgendeine FĂ€rbung zeigt, wenn man ihn ein Jahr lang in einer geschlossenen FilmbĂŒchse belĂ€sst (Rest-Chemikalien? Beschichtung? - dann llerdings mit Reaktionen im alkalischen Bereich). Der Test wird belastbare Ergebnisse wohl nur mit frischem Teststreifen fĂŒr eine definierte Zeitdauer ergeben. Vorschlag fĂŒr den Anfang: ein Tag in die BĂŒchse - und schauen, was passiert ... Vielleicht kann ja @Michael Scheck noch beitragen, welche Einwirkungszeit er seinen Teststreifen eingerĂ€umt hat ...

  • Like 1
Geschrieben

Zum Thema Teststreifen: Es gibt speziell fĂŒr Film entwickelte Teststreifen, sog. "A-D strips", entwickelt vom IPI (Image Permanence Institut).

 

Damit kann man recht einfach die EssigausdĂŒnstungen feststellen.

 

Gibt es z. B. hier: www.cwaller.de

  • 1 Jahr spĂ€ter...
Geschrieben

Manchmal beflĂŒgelt einen ja doch die Diskussion in einem anderen Thread (hier: Lagerung/Verwendung von Filmen mit Essigsyndrom - http://www.filmvorfu..._20#entry216224), nochmal auf ein altes Thema zurĂŒckzukommen: Warum werden Technicolor-IB-Kopien so ĂŒbermĂ€ĂŸig hĂ€ufig vom Essigsyndrom befallen? Mein Verdacht war bisher die Schutzbeschichtung - die Technicolor-Farben waren wasserlöslich und mussten nach FarbĂŒbertragung gegen Feuchtigkeitseinfluss geschĂŒtzt werden. Das US-Patent 1.900.140 (1929/1933), mit dem sich Technicolor das Drei-Farben-Übertragungsverfahren patentieren ließ, zeigt: DafĂŒr setzte Technicolor Tannine als Gerbmittel ein, die chemisch möglicherweise hinsichtlich des Einflusses auf den AzetattrĂ€ger schon nicht unbedenklich waren. Doch hoch interessant ist die im Patent vorgeschlagene Zusammensetzung der FarbauszĂŒge: Allen drei Farben wurde EssigsĂ€ure zugesetzt - womit der potentielle Auslöser des Essigsyndroms ziemlich klar benannt ist. - Schon vor knapp zwanzig Jahren schrieb Les Paul Robley - ich hĂ€tte mich mal erinnern sollen - im American Cinematographer (Juni 1996), dass Technicolor-IB-Kopien "have been found to be more prone to vinegar syndrome than those using standard Eastman color processing, mainly because higher amounts of certain acids are used in the final wash." Dem ist - bis auf die oben gemachte ErgĂ€nzung - eigentlich nichts hinzuzufĂŒgen.

 

Das berĂŒhmte Technicolor-Cyan setzte sich nach dem Patent wie folgt zusammen (offen, was Technicolor schon damals und in spĂ€teren Jahren tatsĂ€chlich verwendet hat):

Pontacyl Green SN extra (ei[weiß]behandelt 4,5%) 5.700 cm³

Fast Acid Green B (ei[weiß]behandelt 3,0%) 2.800 cm³

reine EssigsÀure 600 cm³

auffĂŒllen mit Wasser auf 18 l

 

Gleiche oder annĂ€hernd gleiche EssigsĂ€ure-Anteile auch in den anderen FarbauszĂŒgen.

 

Das US-Patent findet man hier

http://www.google.co...s/US1900140.pdf

 

Den Text aus dem American Cinematographer bitte selbst googeln ("Attack of the Vinegar Syndrome"), er steht als pdf bei der Australian Film Societies Federation, lÀsst sich aber nicht verlinken.

  • Like 1
Geschrieben

Die einfachste ErklĂ€rung wĂ€re das Alter. Die sind ja alle ĂŒber 60 Jahre alt, was mir just mal als kritische Schwelle in gĂ€ngigen Zerfalls-Tabellen fĂŒr Acetat auffiel - rein statistisch natĂŒrlich.

Geschrieben

Nicht alle Kopien sind so alt. Letzte bekannte Druckkopie war Apocalypse Now Redux. Weiß aber nicht, ob Acetat oder Polyester. Kann man auf PolyestertrĂ€ger auch IB Tech machen?

 

Gruß Martin

Geschrieben

Marin schrieb:

Nicht alle Kopien sind so alt. Letzte bekannte Druckkopie war Apocalypse Now Redux. Weiß aber nicht, ob Acetat oder Polyester.

 

@Martin: halte die aufgewickelte Kopie mal gegen das Licht.

Scheint Licht durch, ist das Material aus Polyester.

Bleibt die Kopie schwarz, so ist es Triazetat.

 

 

 

Gruß

Maximum

Geschrieben

Kann man auf PolyestertrÀger auch IB Tech machen?

 

Ja - jedenfalls in der letzten Weiterentwicklung, in der auch Apocalypse Now Redux kopiert wurde:

 

"In 1994, Technicolor announced plans to revive an updated version of the 3-strip process perfected by Dr. Kalmus for use with polyester-base film stocks. Three years later, the old IB process was resurrected making fresh prints for selected special engagements of newly restored classics."

 

http://www.in70mm.co...10/technicolor/

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