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Filmkritikeransichten zur Digitalisierung


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Hallo Sebastian,

 

ein wirklich toller Artikel, der es auf den Punkt bringt. Digital ist natürlich die Gegenwart und Zukunft. Aber um nur mal die Komponenten "Licht & Schatten" sowie "Farben" anzusprechen, sind Digitalkopien von Meisterwerken immer nur so gut, wie die jeweilige Bearbeitung. Es ist nur eine Frage kurzer Zeit, wann die digitalen Graustufen- und Farbspektren immer besser an die analogen Anmutungen herankommen. Doch was nutzt es, wenn ein Klassiker durch irgendeine Scanvorrichtung gejagt wird, ohne entsprechend professionelle Bearbeitung. Und falls doch, wird auch wieder richtig teuer, wenn es denn gut sein soll.

 

Das ist ähnlich dem Colormanagement im Druckwesen. Ein Farbausdruck auf 10 verschiedenen Geräten ausgegeben, bringt in aller Regel auch 10 verschiedene (unbefriedigende) Ergebnisse. Schliesslich wird beim Drucken von Waren nicht umsonst die Farbe der Ware mit dem Druckergebnis abgestimmt und ggf. korrigiert. Ähnlich sollte auch der Weg in der Filmindustrie gehen.

 

Fazit: Das Ergebnis wird immer nur so gut sein, wie der Bearbeitende sich am Original orientiert und es umsetzt. Oder eben auch nicht.

 

Zustimmende Grüße

 

Detlev

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Förster meint nicht nur technische Wertigkeiten, sondern vornehmlich kulturelle Verwurzelungen, die blindlinks gekappt werden. Wurzeln und Böden, die gewissermassen in "ort- und materielose Datenerfassungssysteme" abwanden, welche wenig über die Herkunft der Kinokunst verraten. Er zeigt Mut, sich auch unbeliebt zu machen und ist in der Lage, etwas zu bewegen.

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Der Beitrag zeigt ein paar schöne Beispiele auf, warum Digital nicht immer "besser" ist. Da werden in Kinos aus Mangel an hochwertigen Kopien schon mal zu DVD-Versionen gegriffen. Ist ja auch bequem. Einfach in den nächsten Saturn, DVD für 5 Euro kaufen und zurück im Kino gegen 7 Euro Eintritt/Karte vorführen. Da kann man wirklich von Glück sprechen, dass VHS-Kassetten bereits der Vergangenheit angehören und TV-Sender ihre Logos oben in die Ecken pflanzen...

 

Absaufende Details in dunklen Bildinhalten, wie im Beitrag kritisiert, müssen auch nicht sein, wenn die DCI-Spezifikation eingehalten wird. Das betrifft sowohl die Vorführung im Kino mit gut eingestellten Projektoren als auch die Postproduktion des Films selbst.

 

... und was die "Pixelsuppe" des DCI, ist der "Filmriss" der Filmbandprojektion während der Vorfühung.

 

Anscheinend leidet die Branche aber immer noch in einigen (wenigen) Bereichen an geringer vorhandener Kompetenz. Bleibt die Hoffnung, dass sich das in den nächsten Jahren ändert.

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Der Beitrag zeigt ein paar schöne Beispiele auf, warum Digital nicht immer "besser" ist. Da werden in Kinos aus Mangel an hochwertigen Kopien schon mal zu DVD-Versionen gegriffen. Ist ja auch bequem. Einfach in den nächsten Saturn, DVD für 5 Euro kaufen und zurück im Kino gegen 7 Euro Eintritt/Karte vorführen.

 

"DVD für 5 Euro kaufen und zurück im Kino gegen 7 Euro Eintritt/Karte vorführen" würde ich nicht so stehen lassen.

 

Richtigerweise müsste es heißen, dass gegen den Kauf der DVD lediglich die sonst fälligen Filmtransportkosten gegengerechnet werden müssen. Ansonsten muss jede verkaufte Eintrittskarte mit dem Verleih korrekt abgerechnet werden.

 

Mich wundert es immer wieder, dass es vielen Kinobesuchern völlig egal ist, in welch schlechter Bildqualität so mancher Film dargeboten wird. Hauptsache, sie bekommen den Film zu sehen und regen sich eher darüber auf, dass aus den Surroundlautsprechern nix kommt.

 

Im Übrigen würde ich gegenüber der DVD, wenn ich keine Möglichkeit habe, um eine 2k- oder 35mm-Filmkopie zu bekommen, sehr wahrscheinlich einer blu-ray den Vorzug geben.

 

Gruß

Maximum

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Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich verstörender finde: Dass Kinobetreiber offenbar immer noch DVD-Versionen gegen Entgeld im Kino zeigen oder dass ein Journalist/Filmkritiker diese gezeigten DVDs als Beispiele für die Schwächen der Digitalisierung gegenüber 35mm Filmband heranzieht.

 

Erst gestern war ich im Hamburger Kino "Metropolis". Dort lief die 35mm-Filmfassung von Junior Bonner. Die Bildqualität kann nur als gruselig bezeichnet werden. Selbst auf 1,5-fache Sitzentfernung zur Bildbreite (immerhin Cinemascope) war keine befriedigende Schärfe vorhanden! Dem Vorführer gelang es nicht, das Bild über die gesamte Fläche scharf einzustellen. Damit nicht genug. Verfärbungen dunkler Bildinhalte in Richtung Blau/Rot und "ausgewaschene" Farben mögen sicherlich noch dem alten Filmmaterial geschuldet sein, aber dass jeder 2. Akt so dermaßen verzerrt klang, dass die Stimmen teilweise nicht mehr zu verstehen waren, ist mir unverständlich.

Das Kino sieht umwerfend aus! Bis ins kleinste Detail wird hier dem Cineasten ein wirklich tolles Kinovergnügen beschert, das aber letztendlich durch die Wiedergabequalität des Films zunichte gemacht wurde.

 

Ich würde jetzt aber nicht auf die Idee kommen, anhand dieser Vorführung pauschal die Nachteile des 35mm Films gegenüber DCI zu beschreiben. Dafür gibt es bessere Filmkopien, bessere Projektoren und sicherlich auch besser (fehlerfreier?) funktionierende Tonwiedergabesysteme.

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Unabhängig vom Einzelfall: Generell dürfte wohl die Qualitätssicherung einer anspruchsvollen 35mm-Projektion immer schwieriger werden, je deutlicher Tradition und Weitergabe von Fachwissen schwinden. Die oben berichteten Erfahrungen mit digitaler Projektion (erkennbar war ja nicht alles DCI): Ich könnte ähnliche Geschichten für verbliebene 35mm-Projektion berichten, auch nicht erst seit gestern und auch an Orten, wo man Besseres erwarten würde und müsste. Wenn eine verwölbte Azetatkopie nicht mehr einwandfrei projizierbar ist, dann liegt das vermutlich an einem Equipment, das nur noch für Polyester eingerichtet ist. Zerrender Ton? Da darf man mal nachfragen, ob der Rotlicht-Vorverstärker auch wirklich ausgeschaltet war. Alles schon erlebt - im Berliner Raum. Nur, verdammt nochmal, warum bin ich als Zuschauer für die Qualitätskontrolle zuständig? An der Stelle liegt der Hase im Pfeffer begraben - egal, ob digital oder analog projiziert wird ....

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Es muß bei alten Filmen analog projiziert werden, weil es sich anderenfalls um keine werkgetreue Wiedergabe handelt.

Sollteb Filmbandkopien von Mindestgüten abweichen, müssen sie neu hergestellt werden oder es sollte eine sorgsame Kopien- und Archivrecherche angestrengt werden.

Der Begriff der "Werktreue" ist doch selbstverständlich bei Ausstellungen (Ausnahme: die digitalen Repliken einer Tutanchamun-Ausstellung in Bln), in der Filmproduktion (Setting, Kostüme, Slangs und Idiome), in der Musikklassik (Harnancourt) oder in Kinos der Filmmuseen und grossen Studios.

 

Genügend Kopierwerke gibt es in Betrieb, die man beauftragen könnte - die Fachleute liesse sich durchaus herbeizitieren. Tut man dies nicht, dann werden sie entlassen (so wie vorige Woche 30% der Berliner Geyer-Mitarbeiter).

 

Man will aber keine Authentizität mehr, weil diese Wertbegriff heute als scheinbar selbstverständlich, daher langweilig und allemal als "unkreativ" gilt - und der Artikel kritisiert zurecht die Unfähigkeit der Künsterischen, technischen und archivarischen Leitung der Kinemathek, mit Filmrollen-Material qualifiziert umzugehen (wo man derzeit in Schnelldurchgängen digitalisiert).

 

Am KarWai-Film und dessen DCP zur Berlinale (das auch ich mit ansehen musste) stellt der Autor berechtigt Fragen, wie und auf welchem Wege filmische Drehanteile, die regulär besser aussehen müssten, derart verdorben sind. Insofern ist eine Anprangerung von Geschmacklosigkeit, Geiz, defizitären Fachkenntnissen und Gleichgültigkeit diesmal auf die digitale "Filmepoche" gemünzt. Zurecht, da sich doch das Ideologem der Digitale rühmte, Schluss mit dem Unrat der Vergangenheit zu machen (und mit militärischer Gnadenlosigkeit die Verdrängung betrieb). In kürzester Zeit hat die Digitale so viel neuen Unrat geschaffen hat, wie ich ihn in 40 Jahren nicht erlebte...

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Sollteb Filmbandkopien von Mindestgüten abweichen, müssen sie neu hergestellt werden oder es sollte eine sorgsame Kopien- und Archivrecherche angestrengt werden.

Aus Sicht des Cineasten, Journalisten und Künstlers bin ich hier einer Meinung mit Dir. Leider sind Filmkopien, deren Restaurierung und die "ordentliche" Archivierung relativ teuer. Aus diesen Gründen stehen schlicht der finanzielle Aufwand dem zu erwartenden Ertrag aus dem Verleih am Ende entgegen.

 

In kürzester Zeit hat die Digitale so viel neuen Unrat geschaffen hat, wie ich ihn in 40 Jahren nicht erlebte...

Gerade der digitalen Nachbearbeitung haben wir doch viele filmische Meisterwerke zu verdanken, die aktuell im Kino als Wiederaufführung zu sehen sind. Ohne die aktuelle Digitaltechnik wäre eine Restauration in dem Umfang gar nicht möglich, wie sie heutzutage teilweise stattfindet.

 

Wir sollten auch nicht wiederholt den Fehler machen und Heimmedien wie VHS, DVDs und Blu-rays als Maßstab für die machbare Qualität des "digitalisierten Films" heranziehen. Gerade auf dieser Ebene wird (leider) viel falsch gemacht.

Neu ist das alles nicht. Auch damals schon waren Super 8-Filme nicht annähernd in der Lage, die Technik des Filmbandes aufzuzeigen, wie es Filme auf 35mm und 70mm vermochten.

 

Ein in 16mm gedrehter Film wie "Clerks" wird nie die Qualität einer guten 35mm-Filmkopie erreichen - völlig gleichgültig auf welchem Trägermedium der Film transportiert und wiedergegeben wird. Ähnlich äußerte sich sogar Kevin Smith, als er sich für die lausige Bildqualität entschuldigte.

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"Clerks" - der Lieblingsfilm meiner früheren Freundin!

Natürlich kann man Deiner Argumentation sehr wohl folgen - und auch bohrend nach Lücken suchen, die den vorgeblichen Fortschritt infrage stellen. Nun stehe ich nicht auf Seiten des derzeitigen Fortschritts, der m.E. aus der Balance gelaufen ist.

 

Ein paar Gegenthesen wären zu bemühen, wonach Blu ray und DCP für viele Gäste kaum merkliche Unterscheidungen bieten und derzeitige Medienträger sind, die alsbald wieder verschwinden könnten.

Darüberhinaus nehme ich an, dass unser lieb gewonnenes Traditionsmodell (dort hehres Kino - hier schnödes Home Cinema) zerbröselt - gerade aufgrund der inhärenten Kräfte und Optionen der Digitalisierung: die m.E. nicht für theaterbasierte Kulturen erfunden wurde, sondern für deren Rivalen.

 

Einige jüngere Super-8-Kopien erreichen ohne Problem die Güte früherer 16mm-Fassungen, einige 4k DCPs beinhalten suppige und desaturierte Bilder.

Leider: trotz bisweilen auch "fachmännisch" betreuten DCP-Masterings erreichen die wenigsten Repertoire-Titel das Licht der Kinobildwand: im Verhältnis deutlich weniger als zu Zeiten (guter wie schlechter) 16mm-, 35mm- und 70mm-Repertoirekopien. Der technische Fortschritt wie auch die realen Rationalisierungs-"Chancen" haben das Bild des Repertoirespiels nicht stärken können. Für die wenigen Repertoire-Spieler wäre also die Anfertigung eines werkgerechten Medienträgers (das ist aus Sicht einer Kulturhistoriker das per definitionem vorbestimmte "Filmband") eben so möglich und durchführbar.

Diejenigen, die diesen Weg gehen, finden meinen Respekt. Mit vielleicht 5% stehen sie einem Heer an Digitalisierern gegenüber, deren Argumente mir sehr vertraut sind, deren Ansatz aber für artgerechte Filmrestaurierung wenig oder nichts einbringt. Sie möchten uns einreden, wir sollten uns vom Filmband verabschieden im Glauben, Dinge realistisch einzuschätzen.

Diese Diskussion führt jedoch zu keinem Ergebnis, fürchte ich, da das Problem nicht lösbar ist, sondern sich verschärfen dürfte.

 

Erstaunlich: Angeblich 1. Mio EUR an digitalen Restaurierungskosten für einen fragwürdigen BEN-HUR und für einen schlampig lichbestimmten LAWRENCE OF ARABIA sollten bitte auch den Kosten früherer Neukopierungen gegenübergestellt werden - nebst der Anzahl der diese DCP-Filme spielenden Kinos in 2013.

 

Bezeichnenderweise spielt ja gerade das hier im Marketing auch mit DCP und angeblich allen Möglichkeiten hier werbetechnisch aggressiv auftretende Kino aus Karlsruhe einen BEN HUR an diesem Karfreitag auf 35mm-Uraltmaterial - nach in selbigem Hause exakt vor 1 Jahr grossmundig mit 4k DCP auf dem Niveau der von den "Trimmern von Technicolor" erreichbaren einstigen 70mm-Welt-Premierenkopien annonciert wurde.

 

Also geht es (abgesehen von den Vorlieben für technsche Details bei analogen Kopierungen oder derzeit digitalen Transfers - die wir hier minoritär pflegen - um einen gewaltigen Schaden für das Repertoire auf Basis der Kinoverwertung. EinnSchaden als Folge der Verwurstung der letzten Jahre und Jahrzehnte (darunter primär die TV-Ausstrahlungen und dem nacheilend die schlampig gemasterten VHS-Kassetten und DVDs, die es aber mithin schafften, den Kinomarkt fortan unfruchtbar zu machen. Oder als Folge zerschitzter Filmband-Kopien der Kinofilm-Verleiher auf der anderen Seite).

 

Da aber mit dem Filmbandabspiel einst ein nicht austauschbares technolgisches Medium erschaffen war, dass (in Zeiten vor Einführung von HD) den Verwertungs-Weg ins Kino unumgänglich machte, konnten 35mm und 70mm den Bestand der Kinos und ihren Stellenwert (Langzeitauswertungen zur Amortisation teurer Filmkopien) in etwa wahren.

 

Heute bin ich mir nicht sicher, wie die Zukunft des Kinos aussieht, in der der HD-Medienträger überall verfügbar und abrufbereit gerade die "Nicht-Exklusivität" des Kinosspiels oder auch der Filmrepertoires propagiert. Mit der erfreulichen Seite allerdings, dass insgesamt auf elektronischen Medienträger die Filmauswahl für den Konsumenten reichhaltiger geworden ist. Nur muss er dazu nicht mehr zwingend ins Kino gehen.

 

Diesen Paradigmenwechsel haben mittlerweile die Filmkritiker erkannt, bisweilen auch überdramatisiert, aber konsequent zum Thema gemacht.

Hier im Forum wie in der Kinobranche ingesamt werden jedoch die zu erwartenden Entwicklungen heruntergespielt. Und hinter der angeblich "schönen" Aura von 70mm-Filmen, 4k DCPs oder traditionellen 35mm-Nostalgie verdrängt.

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Ist prima, wenn es mitunter auch mal weh tut. ;-)

Wie sehr die Selbstverteidigungsreden der Instanzen (hier eine Ministerrede: http://www.bundesreg...n-filmerbe.html )

 

Neben der Einführung einer Pflichtregistrierung haben wir bereits weitere Maßnahmen zur Sicherung des klassischen Filmerbes getroffen, das Filme von Beginn der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts betrifft. Bereits in 2012 wurden für die Restaurierung und Digitalisierung unseres Filmerbes durch mein Haus fast eine halbe Million Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. In diesem Jahr sind es hierfür schon eine Million Euro zusätzlich. Diese Mittel fließen unter anderem an die DEFA-Stiftung, das Deutsche Filminstitut in Frankfurt, die Friedrich-Wilhelm-Murnau Stiftung und die Stiftung Deutsche Kinemathek, die federführend einen Bestandskatalog erarbeitet, in dem alte Filmklassiker registriert werden.

 

leider an der Wirklichkeit vorbeiziehen, kann jeder, der in der Postproduktion arbeitet, sofort bestätigen.

Ein Schein-Aktionismus des Herrn Minister verschleiert dabei, dass ein Grossteil Filmgeschichte verloren ist und sich aus finanziellen Begrenzungen heraus nicht weiter sichern lässt.

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Na ja - wir werden uns sicher nicht über Titel streiten, aber der kleine Einwurf sei doch gestattet, dass der Herr Kulturstaatsminister den Rang eines Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesregierung hat. Er ist eben kein Bundesminister, und die Bundesregierung darf dafür auch keinen Bundesminister haben - da seien die Länder und die föderale Verfassung davor. Seine offizielle Bezeichnung ist im Übrigen "Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien", aber gelegentlich tritt auch die Bundesregierung mal gerne pompöser auf. Nichtsdestotrotz würde ich seine Einlassungen ungerne als "Ministerrede" durchgehen lassen.

 

Zur beklagten Sache: Der Bundesbeauftragte selbst weiß ja auch nicht, was wirklich not tut, noch wissen es seine Beamten, deren Aufgabe eher darin besteht, das Feld der Repräsentation (der Bundesregierung) vorzubereiten und zu beackern. Die Einflüsterungen, man müsse digitalisieren, kommen natürlich aus den Institutionen selbst. Es ist der anhaltende Rechtfertigungszwang um Gelder - Zuschüsse der Bundesregierung oder der Länder -, im kulturellen, im wissenschaftlichen Bereich, oder anderswo; ein Zwang, der dazu führt, immer innovativ sein zu müssen, immer an der Spitze der Bewegung zu stehen. Man darf nie das machen, was man schon Jahre lang gemacht hat. Das mag noch so bewährt und richtig sein - wenn der Moment der Evaluation kommt (im wissenschaftlichen Bereich ja sehr beliebt), zählt das alles nicht. Es zählt dann auch nicht, wie gut man seine Studenten ausgebildet hat; es zählt dafür, wie häufig man an Veranstaltungen des IWF teilgenommen hat, mögen sie auch noch so esoterisch gewesen sein. Hier nicht anders: Die Archive, die Institutionen sind auf den Zug der Digitalisierung aufgesprungen, um vorne an der Front zu sein, weil sie sich rechtfertigen müssen, um weiterhin Finanzierungsmittel zu bekommen. Über Sinn oder Unsinn - langfristig gedacht - denkt keiner der Beteiligten nach. Warum auch? Jeder Institutsleiter denkt in erster Linie an den Erhalt seiner Einrichtung; denn nur daran wird er letztlich gemessen.

 

Letztlich also eine Frage der Sozialisation. Und, resignierend angefügt, des Mangels an Kämpfernaturen: Die sich auch gegen den Mainstream, gegen neu aufflackernde Diskussionsthemen dann zu Wehr setzen, wenn sie erkannt haben, dass dies kein langfristig sinnvoller Weg sein kann ...

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Dies trifft grossenteils wohl den Kern.

Zu ergänzen war meinerseits nur, dass unter Zugrundelegung des verabschiedeten Etats in einer professionellen Postproduktionsfirma allenfalls ein Dutzend an Filmtiteln digital restauriert werden könnten.

Ein Rettung gerade auch des nachkriegsdeutschen Filmerbes (darunter auch viefach verpönter "Kommerz") ist nicht einmal als Rinnsal anzudenken: das ist unter Kollegen die entsetzte Reaktion auf die Selbstbeweihräucherung der Bundesregierung. Vor gerade mal ein paar Jahren wurde eine brandneues Filmkopierwerk im Bundesarchiv in Hoppegarten erbaut. Finden auch hier Etat-Ausstockungen statt? Der Staatsbeauftragte für Medien spricht hier ja schalkhaft von "guter alter Filmrolle", die weltweit immer weniger abspielbar sei.

Die DCPs sind aber ebenfalls nicht überall abspielbar. 4k-Anlagen kenne ich aus keinem einzigen kommunalen oder musealen Kino.

Wie lange halten eigentlich die vom Staatsbeauftragten finanzierten digitalen Sicherungspakete von gerade mal einem Dutzend Titeln?

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Es gibt mittlerweile einige 4k im Kommunalen Kino. Zwei davon (515er) habe ich in der Linse in 88250 Weingarten installiert und werde die auch weiter versuchen, in den kommunalen oder auch kleinen Kinos zu installieren. Ist einfach das beste Bild, das zur Zeit erreichbar ist. DIE Billigangebote, die es im 2k DLP Sektor gerade gibt, sind da in meinen Augen keine Alternative. Da wäre teilweise ein gleichteurer Home Cinema Beamer besser, wenn der DCI konform wäre.

Jens

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Da kann ich mich @Jensg nur anschließen... - Im Kommunalen Kino Freiburg wird ab 8. April auch ein 515er sein Werk verrichten (z.Zt. steht dort noch ein 320er), parallel neben zwei FP 30 im Überblendbetrieb... (Leider mußte jedoch der 16mm-Bauer-Selecton II-Projektor aus Platzmangel demontiert werden!)

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  • 2 weeks later...

 

Am KarWai-Film und dessen DCP zur Berlinale (das auch ich mit ansehen musste) stellt der Autor berechtigt Fragen, wie und auf welchem Wege filmische Drehanteile, die regulär besser aussehen müssten, derart verdorben sind. Insofern ist eine Anprangerung von Geschmacklosigkeit, Geiz, defizitären Fachkenntnissen und Gleichgültigkeit diesmal auf die digitale "Filmepoche" gemünzt. Zurecht, da sich doch das Ideologem der Digitale rühmte, Schluss mit dem Unrat der Vergangenheit zu machen (und mit militärischer Gnadenlosigkeit die Verdrängung betrieb). In kürzester Zeit hat die Digitale so viel neuen Unrat geschaffen hat, wie ich ihn in 40 Jahren nicht erlebte...

 

Aahhrg! Polemikalarm!!! Und trotzdem - ich muss Dir leider rechtgeben. Alter, was hat Onkel Won da geraucht? Mal von den inhaltlichen Defiziten (ähäm) abgesehen, ich hab mich vom 515er mal richtig berauschen lassen wollen, 3. Reihe und los!, und dann geschah genau das - Rauschen. Und nicht zu wenig davon. Sehr hübsch auch das Pixelgehüpfe im Sekundentakt in den Slomo-Sequenzen. Also ständig. Warum macht jemand sowas? Die Kamera erstickt im Gain, dei Post kann nichts mehr retten, weil nichts an Information mehr übrig ist. Allerdings: keine Digitalkrankheit. Eher ein Defizit im hell-dunkel-Department...

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