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Kinotonologie: Entwicklung und technische Details FP20, FP30, Teller, Matrix...


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Geschrieben (bearbeitet)

Ist zwar ein eher nostalgischer Blick, aber auf (noch) aktuell in Betrieb befindliche Technik, für alle Liebhaber der Kinoton-Produkte.

 

Ich habe etwas in den Patenten gekramt, und mal rausgesucht, ob sich was zu den Geräten finden lässt, zu Philips- und Kinoton-Zeiten. Ziel ist es, dass die Entwicklungsleistungen nicht in Vergessenheit geraten. In den Patenten (ich empfehle, selber mal reinzusehen) stehen auch einige interessante Gedanken, warum einzelne Dinge technisch so und nicht anders ausgeführt wurden. Ich zitiere Grafiken aus den Patenten, was meiner Recherche nach aber rechtlich zulässig ist. Es geht hierbei nur um Bildungs- und Forschungszweck, die Rechte liegen bei den Patentinhabern.

 

Los geht es mit der FP20/FP30. Die FP20 wurde bei Philips Niederlande entwickelt, vom bekannten Ingenieur Jan Kotte (der auch die DP70 entwickelt hat).

 

Einzelobjektivhalter FP20, Philips, Jan Kotte: Patent DE_1092689_B, 1956

 

FP20_Optikhalter.png

Schrankbauweise FP20, Philips, Jan Kotte: Patent DE_1125271_B, 1959
Projektorgehäuse aus einem einzelnen Blechstück gefertigt. Nicht überraschend: das Argument sind einfache Herstellung und Montage.

FP20_Schrankbauweise3.png

FP20_Schrankbauweise2.png

FP20_Schrankbauweise.png

 

Keramikrollen-Seitenführung FP20, Philips, Jan Kotte: Patent US_3074310_A

Hervorgehoben wird, dass die Keramikrollen gedreht werden können, so dass beide Seiten genutzt werden können.

(Allerdings habe ich noch nie eine abgenutzte Keramikrolle gesehen. Gibts sowas?)

FP20_Keramikrollen.png

Dann gibts hier noch die sagenhafte (manche sagen: unsägliche) Kinoton FP20 Soloautomatik, Kinoton GmbH München, 1963, Patent DE_1873456_U. Sicher keine dumme Idee, aber in Summe m.E. kein Ruhmesblatt des Projektorenbaus. Richtig gut wirds dann erst wieder mit der Kinoton FP30 und den Kinoton-Tellern. Infos dazu folgen.

FP20_Soloautomatik.png

 

Interessant ist auch das Patent zur Blendenwelle und dem Resitex-Zahnrad:

Philips, Jan Kotte: Patent DE_1125761_B, 1959

Im Patent steht auch, warum das Resitex-Zahnrad nicht flach und aus Vollmaterial ist, sondern die Wandung verdünnt ist: das Zahnrad soll nachgiebig sein (bei 30kg Last mindestens 1mm Auslenkung), und so geräuschdämpfend wirken, indem das Ganze ein mechanisches Filter zwischen dem Getriebe und der Welle bildet. Allerdings scheint man das bei späterer Fertigung aufgebeben zu haben, zumindest ist das Zahnrad bei mir flach und aus dem Vollen, ohne die dünnere Wandung. Weiß jemand Details?

 

 

FP20_Blendenwelle.png

 

Es gab noch ein US-Patent für die Laufbänder der Filmbahn, das ich aber grade verschmissen habe.

 

Was mir aufgefallen ist: ich habe kein Patent zur Bildstrich-Kupplungsbuchse gefunden, die ja aber eigentlich der Clou der FP20 und FP30 ist. Weiß jemand, woher diese Entwicklung kam? Die Ballantyne Pro-35 (US-Projektor) hat was ähnliches, die kam aber m.W. erst nach der FP20. Details wären auch hier interessant.

 

 

Bearbeitet von dbx1000 (Änderungen anzeigen)
Geschrieben

Dann habe ich noch ein Patent von Jan Kotte (Philips) gefunden, 1981, Patent DE_3125210_A1, das ich nicht richtig zuordnen kann.

Es geht um eine Wellenkupplung mit leicht kegeligen Zahnrädern, wobei die Zahnzahl der Zahnräder um Eins differiert. Der Sinn hat sich bei mir kurzem Durchlesen noch nicht erschlossen. Wurde das mal irgendwo eingesetzt in einem Projektor?

Kotte_Kegelzahnrad.png

Geschrieben (bearbeitet)

Weiter geht es mit dem Kinoton-Filmteller. Der wurde bekanntlich von Willi Burth, Ravensburg entwickelt.

 

Filmteller, 1964, Willi Burth, Patent DE_1237893_B

Schon unverkennbar die Funktionsweise, aber die Einsteckeinheit sieht noch etwas ungewohnt aus, sie wird offenbar auf eine Achse aufgesteckt (oder ist gar fest montiert und nicht abnehmbar, der Zeichnung nach?). Auch wie das mit dem Steuerbügel funktionieren soll, ist hier noch nicht so klar erkennbar. Muss das Patent nochmal genauer durchlesen, ob davon was erwähnt wird.

Burth_Filmteller_1967.png

Burth_Filmteller_1967_2.png

 

Ein weiteres Patent gabs dann für Willi Burth 1973, hier das spanische: ES_194340_U. Ich konnte kein deutsches Patent dazu finden.

Hier schon mit der frühen Drucktastensteuerung des Steuerkastens (später durch Drehschalter ersetzt), mit dem Pendel zur Filmzuführung, und dem Schutzbügel am Pendel.

 

 

 

Burth_filmteller_1973_1.png

Burth_Filmteller_1973_2.png

Bearbeitet von dbx1000 (Änderungen anzeigen)
Geschrieben

Nicht bekannt sein dürfte den meisten, dass bereits Willi Burth sich an einem Endlosteller versucht hatte.


Patent US_4671467_A, 1985, Willi Burth
Offenbar ein erster Versuch eines Endlostellers, noch ohne die Sternform, dabei sollen sich die inneren Lagen schneller drehen als die äußeren. Wie das funktionieren sollte, ist mir noch etwas unklar.
 

Burth_Endlosteller2.png

Burth_Endlosteller1.png

Geschrieben

Schließlich gabs dann den Kinoton-Endlosteller:

Günter Peschke, Kinoton GmbH, 1991, Patent DE_4209176_C1

Der war in einigen Installationen in Betrieb, scheint sich rein technisch auch bewährt zu haben, hat dann aber wohl vom Ablauf der in der Praxis nicht so viel gebracht wie erhofft.

Deutlich ist die Sternform des Filmwickels zu erkennen.

 

Kinoton_Endlosteller2.png

Kinoton_Endlosteller1.png

Geschrieben

1991 gabs dann die FP30E, ich habe dazu ein französisches Patent gefunden:

Thomas Wild, Gerald Wilke, Kinoton GmbH, Patent FR_2671410_A1, 1991.
Die Zeichnungen geben nicht so viel her, ist es nur die Regelschleife für die Steuerung des Schaltschritts. Wen es interessiert, des kann es im original in Französisch nachlesen.

Interessant dass es kein deutsches Patent dazu gibt. Möglicherweise kam da jemand anders zuvor? Ich glaube mich zu erinnern, dass mal jemand erwähnt hatte dass die Technik der E-Maschine extern zugekauft war. Auch hier wären Details natürlich interessant, falls jemand was weiß.

Geschrieben (bearbeitet)

Schließlich kam dann die Kinoton-Infrarot-Einsteckeinheit der ST200E (sog. E-Teller), ohne mechanisches Pendel:
Gerald Wilke, Günter Peschke, Wolfgang Maier, Kinoton, Patent US_5992780_A, 1998

Interessant ist, dass der Film in der Extremauslenkungsposition "Beschleunigen" (Fig. 6) mechanisch so geführt wird, dass der Winkel zur IR-Lichtschranke immer genau passt, d.h. die in Auslösung bleibt, auch wenn der Film aus noch größerem Winkel einläuft (bei der "Bremsen"-Position das selbe). Das bedeutet, dass die Form des Metallstücks am Einlauf, v.a. nach hinten/innen hin, für die Funktion ganz wesentlich ist. Vermutlich spielt auch die Steifigkeit des Filmmaterials etwas hinein - hoffentlich geeignet für alle Filmmaterialien und Zustände. Hat da jemand Erfahrungen mit den E-Tellern?

Kinoton_IR_Einheit2.png

Kinoton_IR_Einheit1.png

Bearbeitet von dbx1000 (Änderungen anzeigen)
Geschrieben (bearbeitet)

1998 gab es noch den Imax-Teller. Ich hatte mir beim Ansehen schon immer gedacht "das sieht irgendwie nach Kinoton aus". Und so ist es auch:
Ian Maxwell, IMAX; Christoph Dobler, Kinoton; Patent US_5941472_A, 1998

Christoph Dobler ist ja denke ich den meisten (manchen möglicherweise sogar durch persönliche Begegnung) bekannt, er hatte zusammen mit Renate Zoller Kinoton geführt.

Im Patent sind gut die mit Stapler transportierbaren (Holz?)Platten für den Film zu sehen, und die seitlich versetzten Teller.

Das Patent sieht auch eine Kuppelförmige Abdeckung der Einsteckeinheit-Öffnung beim Filmwechsel vor. Weiß jemand mit Imax-Erfahrung, ob das in der Praxis dann so gemacht wurde? Habe einen Filmwechsel selber nie gesehen.

 

Imaxteller1.pngImaxteller2.png

Bearbeitet von dbx1000 (Änderungen anzeigen)
Geschrieben
vor 34 Minuten schrieb dbx1000:

Interessant ist auch das Patent zur Blendenwelle und dem Resitex-Zahnrad:

Philips, Jan Kotte: Patent DE_1125761_B, 1959

Im Patent steht auch, warum das Resitex-Zahnrad nicht flach und aus Vollmaterial ist, sondern die Wandung verdünnt ist: das Zahnrad soll nachgiebig sein (bei 30kg Last mindestens 1mm Auslenkung), und so geräuschdämpfend wirken, indem das Ganze ein mechanisches Filter zwischen dem Getriebe und der Welle bildet. Allerdings scheint man das bei späterer Fertigung aufgebeben zu haben, zumindest ist das Zahnrad bei mir flach und aus dem Vollen, ohne die dünnere Wandung. Weiß jemand Details?

 

Das ist ein typischer Fall von theoretischem Ingenieurtum. So wie es auf der Zeichnung dargestellt ist, verhält sich das Getriebe nicht. Bei Last verwirft ein nachgiebiges Schneckenrad sich in mehrere Richtungen, nicht einfach in eine. Es kommt zu einem Schwabbeln und dabei werden die Eingriffe der aufeinander folgenden Zähne undefiniert. Abnutzung setzt ein, wenn nicht genügend Schmiermittel für reibungsarme Abläufe sorgen.

Geschrieben (bearbeitet)

Eigenartigerweise konnte ich nichts zur Kinoton-Matrix finden (Diodensteckmatrix; die EMK1 war ja m.W. aus den USA von Pennywise lizensiert).

Allerdings gibt es ein frühes Patent zu einer Automatisierung vom altbekannten Willi Burth!

Willi Burth, Patent DE_1838144_U, 1961

Die Trommelform sieht mir wiederum sehr nach Zeiss-Ikon/Ernemann-Automatisierung aus: https://www.universum-berlinerallee.de/w/Ernemat

Weiß jemand, ob das ggf. von Ernemann dann lizensiert wurde?

 

Burth_Automation.png

 

So, das wars fürs erste von den Kinoton-und-Co-Patenten.

Allerdings habe ich noch ein paar interessante Bilder von FP20-Spezielgetrieben, die bei Gelegenheit folgen.

Bearbeitet von dbx1000 (Änderungen anzeigen)

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