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Das schizophrene Kino


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Scheint gerade das große Thema zu werden, bei dem sich nun auch der SPIEGEL angehängt hat:

 

http://www.welt.de/k...altsfilmen.html

http://www.blueprint.../verbotene.html

 

Eine rechtliche Auseinandersetzung hier:

 

http://www.bloomsbur...CE619063B8AD4C1

 

(Eine Dissertation zu diesem Thema an der Uni Frankfurt/Main ist wohl im Entstehen begriffen, aber noch nicht nachgewiesen.)

Gemessen daran, dass es sich letztlich um lediglich (nur) noch vierzig Filme handelt, scheint mir das nicht ein wirklich weltbewegendes Thema zu sein:

 

http://de.wikipedia..../Vorbehaltsfilm

 

Offensichtlich hat die Murnau-Stiftung selbst keine Liste veröffentlicht (?).

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Warum eigentlich die ganze Aufregung?

Diese Filme - mögen sie Naziverniedlichend sein oder nicht - werden doch niemals im Mainstream laufen. Es wird also ein Film für ein Arthouse- oder Programkino sein, und dort gehen die Besucher mit einem Vorwissen hin.

Der Film "Jüd Süß" scheint ja wohl die größte Giftampulle im Schrank zu sein. Aber gerade aufgrund des vor einigen Jahren gedrehten Spielfilms über diesen Film würde ich das Original mal sehen.

Es wird doch keiner aus dem Kino kommen und dann Juden verfolgen - wir sehen auch Krimis im Kino und bringen danach niemanden um.

Gerade weil diese Filme (fast) verboten sind, ist doch der Reiz eher größer, den Inhalt zu sehen.

Würden diese Film frei zugänglich sein - es gäbe sicherlich nur wenige Besucher. Bis auf die Ewiggestrigen, aber die haben ja auch so genügend Hetzpropaganda... :evil:

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Würden diese Film frei zugänglich sein - es gäbe sicherlich nur wenige Besucher. Bis auf die Ewiggestrigen, aber die haben ja auch so genügend Hetzpropaganda... :evil:

 

Sehe ich ähnlich.

Immerhin bringt der Start der Doku "Verbotene Filme" die Möglichkeit, die Filme unkompliziert im Kino zu zeigen -- sieben Vorbehaltsfilme wurden digitalisiert und können (über Salzgeber) disponiert werden -- "Hitlerjunge Quex", "Jud Süß", "Kolberg", "Ohm Kröger", "Ich klage an" -- die anderen beiden fallen mir gerade nicht ein.

"Hitlerjunge Quex" ist hochspannend für Vorstellungen für Schulen (mit guter Begleitung durch Fachleute oder engagierte Lehrer natürlich), da das ein Film ist, dessen Propaganda an Jugendliche richtet.

 

Schöne Grüße,

Matthias

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Gerade weil diese Filme (fast) verboten sind ....

 

"Verboten" sind sie ja nicht, sondern jederzeit aufführbar. Man muss sie nur wissenschaftlich (mit Einführung und Diskussion) begleiten. Auf Anforderung schickt die Murnau-Stiftung einen Referenten gleich mit ...

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Ja, die Murnau Stiftung schickt auf Wunsch den Referenten mit. Und dann klappt das alles wirklich gut. Haben im Capitol in Aachen so mal "Jud Süß" gespielt. War sehr interessant.

Führt aber auch zu interessanten Diskussionen am Telefon. Es rief damals im Capitol nämlich eine (der Stimme nach ältere) Frau an, die sich darüber aufregte, das wir einen antisemitischen Film zeigen. Erst nach längerer Erklärung am Telefon war Sie dann zu beruhigen und alles war gut!

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Grundsätzlich gibt es Vorfahrt für Informationsfreiheit.

 

Aber DER EWIGE JUDE so wie TRUMPF DES WILLENS sind mir unheimlich hinsichtlich der unterschwelligen Nachwirkungen. Das gilt auch für einen neueren Film wie 300 (nebst Fortsetzung). Sie huldigem der Unterwerfung des Lebens unter den Willen zur Macht bei gleichzeitiger Ausmerzung des Andersartigen: zur Stärkung eines homogenisierten Systems.

Bin aber kein Psychologe.

 

Irgendeinen Nutzen haben diese Werke nicht gebracht. Nur die Erkenntnis, dass formal geil gemachte Bilder eben niemals unschuldig sind - weder gestern noch heute - sondern in jeder Gesellschaft immer und ausnahmslos (!) Ideologie transportieren. In allen Genres, Epochen und Formaten.

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Kolberg, ein langweiliges Historienepos, historisch, laut einem anwesenden Geschichtslehrer, sogar korrekt dargestellt, soll in der BRD nur in "kommentierter Form" verliehen worden sein, verlängert um Einschnitte mit Kommentar.

Meine Agfacolorkopie zeigt gegenteiliges, unkommentiert, in Farben und in voller Originallänge. Jugendfördernd und Jugendbildend, ab 10 und 14, laut FSK Freigabe aus Wiesbaden in 1951. Soviel zu gern vertretrenen Mythen in qualitativ hochwertigen Medien. Fehler werden abgeschrieben und weiter verbreitet.

Harlan hat gemäß des Urteils des Landgerichts Hamburg keine politischen Filme gemacht, der Freispruch erfolgte in Folge, mit der Folge, daß die alten Freigaben wieder in Kraft gesetzt wurden, und die Filme wieder erhältlich waren. Ob sie dann noch jemand sehen wollte?

Selbst der "Jud Suess", ein weiteres Historienfilmwerk, ein Remake eines britischen Vorbilds der 30er, ist "ein an Sich tendentiöses Thema, das meisterhaft und unter Vermeidung jeder Tendenz umgesetzt wurde"... das gibt einen guten Einblick in die BRD des Jahres 1951.

 

1953 zur Grünen Woche treffen sich die Staubsaugervertreter eines bekannten Unternehmens aus Wuppertal, um dort Abschlüsse zu tätigen, und ihre Jahrestagung zu zelebrieren. Abends sieht man sich dann in einem Ufa Kino am Zoo den "Hitlerjingen Quex" an. Während des Abends beim Feiern werden "beliebte Musikalienfolgen" zum Mitsingen gespielt, mit dem Lied der HJ, dem Wessel Lied usw... Ein belegter Blick in die BRD 1953, den mir ein Staubsaugersammler zeigen konnte, aus dem Nachlaß eines Verkäufers.

 

Die Giftschrankmethoden kommen erst später, ob zurecht, oder nicht ist mir hier egal, sie werfen einen ebenfalls entlarvenden Blick auf die BRD späterer Jahre. Beide Sichtweisen sind nicht zeitgemäß.

Ich hatte einmal versucht, den Reichsparteitag der Riefenstahl zu sehen. Da war ein Referent der FU, "stundenlang" am Labern, Dinge die wirklich nicht interessierten. Und wir hatten einen anderen Termin, der drängte. Als sich nach 70 Minuten Zuschauer beschwerten, und ein Ende forderten, wurden diese mit "Nazis raus" durch andere beschimpft. Soviel zur Kultur solcher Aufführungen.

Die Kopie des "Imperial War Museum" war dann auch kopiertechnischer Ausschuß, und ließ die Bilder nicht zur Wirkung kommen, was wohl auch gewollt war. Da gab und gibt es bessere Kopien. Die Zeit drängte, und nach 20 Min. Film verließen wir den Saal der Urania.

 

Eine kurze Einführung schadet nicht, das mache ich auch gerne bei klassischen Filmen. Die komentierende Diskussion danach, das bringt allen Interessierten wesentlich mehr, als die von mir erlebte Form.

 

Stefan

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Eine kurze Einführung schadet nicht, das mache ich auch gerne bei klassischen Filmen. Die komentierende Diskussion danach, das bringt allen Interessierten wesentlich mehr, als die von mir erlebte Form.

 

Und? Genau so wird's doch auch gemacht.

 

Schöne Grüße,

Matthias

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Insofern erstaunlich, dass das durchging, weil doch die alliierten Militärbehörden dagegen waren.

Die Murnau-Stiftung schreibt pauschal hierzu:

 

Doch auch die vermeintlich unpolitischen Spielfilme, weisen teils eine latente Neigung zur Verbreitung nationalsozialistischer Ideologien auf und müssen daher im Kontext dieser Zeit gesehen werden.

 

Besondere Bestimmungen gelten für die Propagandafilme, die 1945 von den Alliierten als Verbotsfilme klassifiziert werden. Dazu zählen unter anderem Filme wie JUD SÜSS (1940), KOLBERG (1945), HITLERJUNGE QUEX (1933), ICH KLAGE AN (1941) und OHM KRÜGER (1941), die eine deutlich rassistische, antisemitische, volksverhetzende und/oder kriegsverherrlichende Botschaft beinhalten.

 

 

http://www.fwm-stiftung.de/geschichte1933

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die meisten dieser Filme kann man bei Youtube runterladen weshalb Restriktionen keinen Sinn machen. Gerade KOLBERG gesehen. Das nationale Pathos nimmt keiner mehr ernst, wirkt heute eher wie eine Parodie. Trotzdem ganz gut gemacht, vor allem die Massenszenen. Später oft kopiert, z.B. in EVITA.

 

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