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Simon Wyss

Bolex International geht es schlecht

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Filmerinnen und Bolexer!

 

Diesen Nachmittag habe ich Besuch von einem Filmemacher aus Zürich gehabt. Er hat mir seine Kamera vorgelegt, die unruhigen Bildstand leistet, wie ich anhand eines Videos sehen kann, das er mir gestern übermittelte. Der Scan ist professionell mit ARRISCAN bei Cinégrell gemacht worden. Nun die Paillard-Bolex H 16 Reflex-4 in Händen mußte ich Folgendes feststellen:

 

  • Das automatische Einfädeln funktioniert nicht, der Film entgleist nach dem Greifer. Filmführende Elemente nicht ausgerichtet!
  • Im Lauf verliert die untere Filmschleife einen Schritt. Man sieht es kaum passieren, doch es ist da, nicht immer, aber immer wieder ein Mal. Von zu kurzen Schleifen rührt dann der beeinträchtigte Bildstand her, das ist völlig klar.
  • Die Zahnrollen tragen auf der Oberseite einen eigenartigen und nutzlosen Absatz. Die Zähne sehen auf eine mir unbekannte Weise zu wenig hoch aus. Ob es sich um Nicht-Paillard-Teile handelt, kann ich ohne Demontage nicht beurteilen.
  • Auf der rechten Bildseite gibt es Vignettierung, Abschattung. Das war auf Bildern, die mir der junge Mann heute am Laptop zeigte, zu sehen. Mit Blick von vorne auf den Reflexprismenblock erkenne ich, daß dieser nicht versetzt worden ist. Er beschneidet das Licht ganz leicht.
  • Die originale Revolverscheibe ist vorhanden. Die Objektive stehen damit am alten Ort, sind also nicht aufs breitere Bildfenster eingemittet.
  • Es ist eine Bildfensterplatte aus Elox-Aluminium eingesetzt worden, wie sie bei den Magazin-Modellen RX-5, EBM, SBM und EL vorhanden ist. Die Innenkanten des Bildfensters sind blank, nicht geschwärzt. Der Kunde hat auch einen Geisterrahmen in verschiedenen Aufnahmen erwähnt.
  • Den Einbau eines 13fach vergrößernden Suchers hat man abgelehnt.

 

Der Umbau ist von Bolex International, Yverdon, ausgeführt worden. Kosten: 1650 Schweizer Franken.

 

Das geht gar nicht. Ich bin fassungslos ob der Frechheit. Die Kamera ist in dem Zustand, wie sie Yverdon verlassen hat, unbrauchbar und darüber hinaus noch unverkäuflich. Man müßte sie auf den Normalzustand zurücksetzen, um vielleicht 600 Franken holen zu können. Leider hat der Mann zu spät reagiert, nach unserem Handelsrecht hätte er binnen 10 Tagen reklamieren müssen. Eine Garantie leistet Bolex International nicht.

 

Die Aufnahmen, die der Mann macht, finde ich nicht schlecht. Wo es geht, dreht er ab Stativ, aber auch die Handaufnahmen sind brauchbar. Er stellt richtig scharf, belichtet gut, alles sitzt.

 

Seit der Übernahme der Aktiengesellschaft Bolex International durch einen Hugo Diaz Ende letzten Augustes ist die Webseite unterirdisch und nun dieses. Leute, hält euch fern von Bolex International!

 

Ich muß wohl froh sein, in Zukunft noch Ersatzteile kaufen zu können. Marc Ueter fungiert als Geschäftsführer, Otello Diotallevi knaubt weiterhin etwas zusammen. Der ist gelernter Koch, sicher kein Mechaniker, wie es in der Zeitung stand.

 

Beinahe sprachlos, euer S. W.

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für das geld, das der umbau dieser kaffeemühle verschlungen hat, hätte er eine arri super 16 mit sperrgreifer kriegen können.

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Ich habe ihn gefragt, ob das Mieten einer Super-16-Kamera in Frage käme. Das hat er verneint, sagte, er brauche ein eigenes Gerät, weil er sporadisch dreht.

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Wenn man sich so umschaut, stolpert man immer wieder über wirklich günstige Arris am Gebrauchtmarkt - wird ja fast nix mehr professionell auf Film gemacht und viele der kleinen Filmfirmen, die Werbefilme gemacht haben, sind aus kostengründen ausgestiegen. Auch Eclair´s und Auricons findet man immer wieder recht günstig. bei solchen Profikameras muß man nicht einmal zwangsläufig auf super16 drehen - selbst bei einer Höhenbeschneidung wiegt der Bildstand und die niedrigere Empfindlichkeit, die bei einem echten Reflexsucher möglich ist, die Bolex-Lösung bestimmt auf. 

Aber der Schaden ist nun mal angerichtet...

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vor einer Stunde schrieb mono:

wirklich günstige Arris

 

Meist werden die Arris, auch 35er Konvas u.a., nur als Body ohne Objektive verkauft - letztere sind dann wirklich nicht billig.

Die sind wohl stärker nachgefragt, weil sie sich an Digitalkameras adaptieren lassen. Vor allem die Normalbrennweiten.

Zurück bleiben die Gehäuse...

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vor 8 Stunden schrieb Simon Wyss:

 Otello Diotallevi knaubt weiterhin etwas zusammen. Der ist gelernter Koch

Das ist richtig.

Wurde so auch von Hr. Ueter gesagt, als wir im Rahmen des Yverdon-Analog-Resistance-Festivals die Firma besuchen durften.

Hat aber wohl jahrzehntelange Erfahrung bei Bolex.

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Das macht ja nix. Wenn er die Zutaten zu einer perfekten Bolex veredelt, geht das voll in Ordnung!!

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Bei unserem Hausbesuch vor 2 Jahren ( s. meinen Bericht auf Filmkorn) hat das alles einen guten Eindruck gemacht..vielleicht hat sich das unter neuer Leitung geändert...

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Moin,

 

da der Umbau auf S16 schon seit vielen Jahren angeboten und meines Wissens immer vom selben Techniker durchgeführt wurde, kann ich mir eigentlich nur vorstellen dass da was in die Hose gegangen ist. Beispielsweise wäre möglich, dass man - warum auch immer (z.B. Zeitmangel, Krankheit, Urlaub) - die Arbeit diesmal an jemand anderen abgeben hat. Ist eben mal etwas mehr oder weniger gründlich daneben gegangen und so etwas kommt auch bei anderen Handwerksbetrieben vor, wie ich leider aus erster Hand weiß und schon hier und da selbst schmerzlich erfahren musste. Natürlich ist so etwas ziemlich unschön und mit Ärger verbunden, aber es ist deswegen auch nicht gleich zwangsläufig der Untergang des Abendlandes. Dafür gibt es in aller Regel auch so etwas wie Reklamation und Nachbesserung.

 

Dass der Umbau des Suchers von 10fach auf 13fach abgelehnt wurde ist - so könnte ich mir vorstellen - auch kein böser Wille, sondern vielleicht eher auf knappe Ersatzteile zurückzuführen?

 

Sollte darüber hinaus jemand unbedingt eine Super16 BOLEX haben wollen, dann könnte ich mir vorstellen, meine abzugeben: Ein Umbau von Walter Pitterling, eine RX4 mit eingebautem Belichtungsmesser, Synchronkontakt, gehärtetem Greiferlager, Fader, 10fach Sucher für S16 eingerichtet und neu ausgerichtetem Revolver. Insgesamt in bildschönem Zustand, über einen ebenfalls von WePe umgebauten Super16-Bauer P5 und eventuell Objektive (10mm) könnte man eventuell auch sprechen.

 

Freundliche Grüße zum Sonntag

 

Yan

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Zum Umbau einer H 16 auf Super gehört etwas mehr, als man sich gemeinhin vorstellt und ein 13- oder 14fach-Sucher ist auch aufwändiger.

 

Korrektes Super-16 schließt ein, daß die Objektive aufs aus der Filmmitte gerückte Bild zentriert sind. Dazu müßte eine neue Revolverscheibe verwendet werden, bei der die Gewinde um 1,169 mm weiter vom Mittelpunkt entfernt angebracht sind (ISO 5768). Das Doppelprisma muß um etwa einen halben Millimeter verschoben werden. Am besten wird dazu das Glas aus der Halterung gelöst und neu eingekittet. Die Halterung läßt so viel Versatz nicht zu, es sei denn, man mache sich an deren Bearbeitung.

 

Die stärker vergrößernden Sucher basieren auf anderen Linsen zwischen Doppelprisma und seitlich umlenkendem, zwischen diesem und dem oberen Prisma sowie zwischen dem Dreieckprisma und dem Okular. Es handelt sich um rechteckig bearbeitete Linsen. Vermutlich sind diese nicht mehr vorhanden. Die 13- und 14fach-Sucher fallen in die Eumig-Ära.

 

Bei allem Verständnis fürs Aufnahmeformat Super-16 finde ich, man überlastet die H-Kamera damit. Den für richtige Arbeit angemessenen Preis von gegen 2000 Franken wollen die Super-16-Leute nicht bezahlen. Im vorliegenden Fall braucht es nicht mehr viel, um die Summe zu erreichen. Die Kamera ist für viel weniger angeschafft worden. Man schränkt sich bei den Objektiven unnötig ein, weil nicht alle das Super-16-Bild einwandfrei abdecken.

 

Falls die angekündigte Super-8-Kamera von Kodak kommt, geht das Gewinsel wahrscheinlich aufs Neue los, weil sie ein breiteres Bildfenster hat. Echte Weitwinkeloptiken sind da gar nicht möglich, nur retrofokale.

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Posted (edited)
vor 55 Minuten schrieb Simon Wyss:

Zum Umbau einer H 16 auf Super gehört etwas mehr, als man sich gemeinhin vorstellt und ein 13- oder 14fach-Sucher ist auch aufwändiger.

 

Korrektes Super-16 schließt ein, daß die Objektive aufs aus der Filmmitte gerückte Bild zentriert sind. Dazu müßte eine neue Revolverscheibe verwendet werden, bei der die Gewinde um 1,169 mm weiter vom Mittelpunkt entfernt angebracht sind (ISO 5768). Das Doppelprisma muß um etwa einen halben Millimeter verschoben werden. Am besten wird dazu das Glas aus der Halterung gelöst und neu eingekittet. Die Halterung läßt so viel Versatz nicht zu, es sei denn, man mache sich an deren Bearbeitung.

 

Die stärker vergrößernden Sucher basieren auf anderen Linsen zwischen Doppelprisma und seitlich umlenkendem, zwischen diesem und dem oberen Prisma sowie zwischen dem Dreieckprisma und dem Okular. Es handelt sich um rechteckig bearbeitete Linsen. Vermutlich sind diese nicht mehr vorhanden. Die 13- und 14fach-Sucher fallen in die Eumig-Ära.

 

Bei allem Verständnis fürs Aufnahmeformat Super-16 finde ich, man überlastet die H-Kamera damit. Den für richtige Arbeit angemessenen Preis von gegen 2000 Franken wollen die Super-16-Leute nicht bezahlen. Im vorliegenden Fall braucht es nicht mehr viel, um die Summe zu erreichen. Die Kamera ist für viel weniger angeschafft worden. Man schränkt sich bei den Objektiven unnötig ein, weil nicht alle das Super-16-Bild einwandfrei abdecken.

 

Falls die angekündigte Super-8-Kamera von Kodak kommt, geht das Gewinsel wahrscheinlich aufs Neue los, weil sie ein breiteres Bildfenster hat. Echte Weitwinkeloptiken sind da gar nicht möglich, nur retrofokale.

 

Naja, ist schon richtig, allerdings hat Herr Pitterling seinerzeit nicht nur einen erheblichen Aufwand betrieben - immerhin war er nicht nur engagierter 16mm Filme über Jahrzehnte, sondern auch Feinwerktechniker von Beruf, mit ausgezeichneter Werkstatt zu Hause und darüber hinaus professionellen Möglichkeiten der Materialveredelung - sondern seine Super16 Umbauten laufen bzw. funktionieren vor allem. Jedenfalls habe ich mit einer Reihe von Anwendern gesprochen und niemanden gefunden der irgendwie unzufrieden gewesen wäre, im Gegenteil. Das Gleiche gilt auch für seine Umbauten von D8 auf DS8. 

 

Seine Sucherumbauten hat er nicht nur sorgfältig sondern auch mit teilweise speziell angefertigten optischen Komponenten durchgeführt, so beispielsweise die eckige Linse auf dem Sucherprisma, welche er gegen das Original ausgetauscht hat. 

 

Bei seinem Projektorumbau hat er ebenfalls die optische Achse entsprechend des neuen Filmbildmaßes geändert. Das alles in auch äußerlich ansprechender Form und zu halbwegs verträglichen Preisen. 

Edited by yan (see edit history)

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Soeben über einen Umweg die Nachricht erhalten, daß Marc Ueter nicht mehr dabei ist. Um Ersatzteilnachfragen werde man sich ab September wieder kümmern. Als ich gestern in Yverdon anrief, hat niemand abgenommen.

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