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Savoy-Lichtspiele

Royal-Palast / City Berlin ERINNERUNGEN

54 Beiträge in diesem Thema

Nicht immer gleich so unterstellend, bitte.

 

Es gab es viele Diskussionen über die Wirkung von Architekturfotos. Meine Professorin schreibt in ihrem Buch "Umwidmungen", daß erst nach Begehung der Räume sie auch funktional und proportional erfahrbar werden können.

 

Einige Forumsmitglieder fragten immer wieder nach Bildern des ROYAL PALAST und CITY IM EUROPACENTER, auch nach der offenen Bildwand und bedauerten, daß die fotografische Optik vieles schmälere. Daher ist Ihre Einschätzung nicht richtig, daß das Foto in natura die Proportionen der Leinwand richtig wiedergäbe.

Als wir uns in Berlin trafen, räumten doch Sie ein, die große Bildwand nie gesehen zu haben. Als wir beide (Sie kamen kurz und desintessiert um Mitternacht hineingehuscht) den grossen Saal betraten, äusserten Sie, dieser sei doch sehr "länglich". Das stimmt aber nicht.

 

Also wurde ein verfügbares Forumbild kadriert, und es steht ja auch oben angekündigt, um die Bildwand etwas "näher zu rücken". Dem Fotografen wollte ich im Voraus ausdrücklich danken, das ist kein Verbrechen. Leider wurde er nicht benannt, aber die Bilder sind innerhalb des nicht kommerziellen Forums "public domain" eben so wie die Zitate.

 

Die nachgereichten Bilden sind eine Wunscherfüllung für die Interessenten hier im Forum, ich verdiene an diesen Reportagen wirklich nichts.

 

Der Fotograf ist nicht @samuel bronston? Dann Verzeihung bitte. Im Threa "as time goes bye" entstand aber dieser Eindruck, da er vieles sonst beigesteuert hatte und sich auch zu Wort meldete. Dort steht:

 

 

Ich will drängeln, nur kann ich es kaum noch abwarten die Bilder vom Savoy und anderen Düsseldorfer, Essener und Duisburger Kinos zu sehen.

Keine Panik, ich hab noch ein paar Sachen auf Lager, auch Aufnahmen von aussen. :o

Durch den Weitwinkel erscheinen die Leinwände bei näherer Entfernung sehr eindrucksvoll, danke an den (leider) unbekannten, aber verdienstvollen Fotografen! (Vielleicht meldet er sich ja einmal.)

 

Obwohl die Bilder stets interessant sind, verstehe ich aber nicht, warum zu viel an Text hinzugefügt wird, um es interessanter zu machen.

 

Ohne text hättest Du doch nichts zu meckern ... noch nicht mitbekommen, dass wir die kleinen fehler nur einbauen, damit Du Deine freude und beschäftigung hast? :-)

 

nun ... der fotograf ist wohlbekannt und die verdienste unbestritten. Es kommen noch mehr fotos in loser reihenfolge, zum kommenden 3. Todd-AO festival bei uns diesen oktober gibt es die komplette sammlung in einem hübschen bildband zum festival-sonderpreis. Am freitagabend zum "Get-together" ist die Premiere des Büchleins ... der fotograf wird anwesend sein, wird bestimmt 'ne tolle party. Ich schenke Dir auch einen großen rotstift, da darfst Du alle fehler anstreichen.

 

Warum manche sich hier nicht zu wort melden? Nun nicht jeder mag das ständige gemeckere und besserwissen bestimmter forumsteilnehmer, die sich wie ausgehungert auf jede hier geschriebene silbe stürzen in der hoffnung sich an richtigstellungen, ergänzungen und wortklaubereien profilieren zu können.

 

Ich schlage zur abwechslung vor, doch selber einmal etwas positives in diesen thread einzubringen. Wenn Du fotos einstellst, aber bitte das unausweichliche clip-zitat nicht größer als das bild selber machen ... man kann sonst nichts erkennen und das sieht dann ziemlich amateurhaft aus ...

Als Zeitzeuge der frühen 60ziger bezüglich zahlreicher damaliger 70mm Vorführungen in Düsseldorf und Essen, wollte ich mich auch schon mal zu Wort melden, habe es aber genau aus den Gründen die @preston sturges angibt, (sofortiges riesiges Besserwissen), sein gelassen und werde mich auch zuküftig zurückhalten.

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... aber die Bilder sind innerhalb des nicht kommerziellen Forums "public domain"

 

die bilder sind nicht "public domain" ... das wurde aber hier mehrfach erörtert und kommerziell oder nicht-kommerziell spielt in dem zusammenhang keine rolle. Gerne kannst Du sie aber zu diskussionszwecken zitieren, deshalb haben wir sie ja hier ins forum gestellt.

 

der begriff "public domain" wird immer gerne bei urheberverstössen im internet genutzt, beweist aber nur, dass derjenige sich mit urheber- und nutzungsrechtefragen überhaupt nicht auseina´nder gesetzt hat. In den USA gilt alles was vor dem 1. 1. 1923 datiert als sogenanntes "public domain", aber a) sind wir hier nicht in den USA und b) stammt das Foto definitiv aus einer Zeit nach 1923. Und "Dummheit schützt vor Stafe nicht" - die wir aber in diesem fall minderer größe und zurechungsfährigkeit zur bewährung aussetzen :-)

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Bis dato war es im Filmvorführerforum nicht untersagt, aus anderen Threads unserer Community Texte oder Bilder zu entnehmen oder zu kürzen und zu markieren, weil Sie es ja auch sehr sehr gerne tun (sogar mit Verleihgut). Ist kein Verstoss und auch nichts Böses. :D

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Nein, es gibt hierfür gar keine Strafe. Der Thread wurde doch höflich benannt von mir (obwohl kaum erforderlich im Diskussionschat). Bitte besprechen Sie dies mit den Moderatoren und dem Administrator. Dankeschön.

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Auf ausdrücklichen Wunsch von @preston sturges und zum Grössenvergleich von nachträglich auf Breitwand umgebauten Kino-Sälen von Anfang des 20. Jhds. und andererseits den 70mm-Zweckbauten aus Mitte der 1960er Jahre also zwei (unbeschnittene) Bilder exklusiv von ihm

 

a) vom Stühleausbau in Schauburg Filmtheater Karlsruhe aus seiner Gallery und

b) vom Royal-Palast Mitte der 1980er Jahre (damals unrenoviert), ebenfalls aus seiner Gallerie.

 

(Als daß auch eine andere, ungeschminkte Sichtweise hiermit dokumentiert werde).

 

Erdbeben_danach.sized.jpg

Royal_70mm.jpg

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schöne bilder ...

 

schade, dass nunmehr nur noch eines der häuser steht und filme zeigt :-(

 

ansonsten mein lieber freund @cinerama ... die größe alleine ist nicht entscheidend, obwohl diese branche (offensichtlich auch Du) natürlich auf superlative und "den größten haben" fixiert scheint ... :-)

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Historisch ist es, wie ich finde, ungeheuer wichtig, über Architektur, Ambiente, Programm und auch Volumen-Atmosphäre von Veranstaltungssälen zu sprechen.

So hat der russische Filmtechnikforscher Leo Goldowsky nachgewiesen, dass nicht allein der Betrachtungsabstand zur Leinwand zählt, sondern auch das proportionale Verhältnis des Betrachters zum Umraum, zum Dekor (oder Nicht-Dekor) oder zur Krümmung und Höhe von Bildschirmen.

 

Darüberhinaus gibt es Auseinandersetzungen über Fragen des Dekors, der Wandbespannungen und ihrer Farbe (burgunderrot oder Black-Box-Saal u.v.m.), oder auch zur unverzerrten Geometrie des Projektionsbildes usw. usf. etc. pp.

 

Es gibt also nicht "das" Schönste, Beste oder Gemütlichste. Aber im Rahmen einer Nachzeichnung der Historie des Breitwandkinos, speziell auch des 70mm-Formats, könnte dieser Thread einige Dokumente ans Licht bringen, anhand derer "weit aus dem Rahmen fallende" Konzepte im Filmtheaterbau besprochen werden könnten.

 

Darüber freue ich mich immer, auch wenn Sie natürlich berechtigt einwenden können, daß ein nicht mehr existierendes Filmtheater vielleicht eine zweitrangige (wirtschaftliche?) Bedeutung habe. Aber es ist ja auch der Nostalgie-Thread, keiner über Bauten der Neuzeit. :wink:

 

Hier noch der Schneewittchen-Sarg aus der Vogelperspektive: man erkennt anliegend im rechten Winkel auch deutlich den Bau des grossen CITY-im Europacenter:

 

___________________I-Punkt-Perspektive__1.8.2005__DSCN2631__sharpened__gradiation__small.jpg

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Zur heutigen Eröffnung des "größten Elektronik-Kaufhauses Europas" am 28.6.2007 retrospektiv einige Etappen des "Umbaus des ROYAL PALAST und CITY IM EUROPACENTER" wie es amtlich hiess:

 

 

Kommerzielle Eröffnungsvorstellung des ROYAL PALAST (zwei Monate nach der CITY-Eröffnung) im Juli 1965 in 70mm Ultra Panavision und 6-Kanal Magnetton - also kurz nach den einweihenden Internationalen Filmfestspielen Berlin:

 

Kommerzieller_Eroeffnungsfilm.komp__small.jpg

 

 

Aufgang zur letzten Veranstaltung am 28.4.2004, 23.00 Uhr:

 

28.4.2004_013__small.jpg

 

 

Dämmerung der einstmals größten Breitleinwand der Erde im Nachklang zur letzten Vorstellung im ROYAL PALAST (der Vorhang ist Verschuttmasse geworden):

 

28.4.2004_022__small.jpg

 

 

Bildwerferraum (nur halbe Länge erkennbar) im ROYAL PALAST kurz vor Abschalten der Maschinen:

 

Royal_Palast__cinema_1__DP_70_und_ein_Meistervorfuehrer_Berlins__28.4.2004_025__small.jpg

 

 

Auslaufen der Schlußvorstellung im CITY IM EUROPACENTER, 28.4.2004:

 

28.4.2004_006__small.jpg

 

 

Bildwerferraum des angegegliederten CITY IM EUROPACENTER (nur halbe Grösse erkennbar) nach Abschalten der Maschinen am 28.4.2004:

 

Vorfuhrraum_Kino_2__28.4.2004_034__small.jpg

 

 

Nebenausgänge des Kinokomplexes mit 60er Jahre-Filmplakaten (u.a. von Cinerama-Filmen im Charlottenburger CINERAMA CAPITOL THEATER am Lehniner Platz):

 

28.4.2004_020__small.jpg

 

 

Zwischennutzung der Gebäudefassade für Zwecke der kränkelnden Berliner Immobilienmarktes, März 2006 - sehr sexy:

 

Maerz_2006.jpg

 

 

Gerüstbau am Kinokomplex im Frühjahr 2006, der durchaus noch eine Sanierung des Kino erwarten liess:

 

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Entkernung des strassenseitig liegenden Kassenpavillons im Mai/Juni 2006:

 

25.4.06__Kassenhaueschen__small.jpg

 

 

Abbruch der Aussenfassaden, ebenfalls im Mai/Juni 2006:

 

Royal-Palast__25.5.2006_002__smallest.jpg

 

 

Interview mit Europacenter-Manager Timm, ein Profi des Marketings und Erfolges, Abenschau-Motto: "Erfolg, der hoffen läßt" (im Hintergrund durch die Glasscheiben erkennbar der Kubus des grossen Saals mit ansteigender Deckenformation - "eingelocht", liesse sich sagen):

 

29b.5.2006_002__small.jpg

 

 

Blick der Fernsehkameras (180 Grad-Schwenk) in den entkernten ROYAL PALAST-Saal im Sommer 2006 - die Schallwände hängen an einem seidenen Faden:

 

29b.5.2006_001m_small.jpg

 

 

Zerlegung des Stahlgerüstbaus des Kinoobjekts in tausende von Einzelteilen:

 

Royal_Palast-Skelett__2.6.2006_001__small.jpg

 

 

Palastabrisse "Made in GDR":

 

Palast_der_Republik__Abriss_2007.jpg

 

 

Rohbau eines Medienkaufhauses im Winter 2006/07 - der Grundriss scheint immerhin identisch, die "Identifikation" der Anwohner muss gewahrt bleiben - das Landesdenkmalamt ist damit zufrieden:

 

Saturn__Rohbau__4.1.2007_011__small.jpg

 

 

Skelettstruktur des neuen Medienkaufhauses am Standort von ROYAL PALAST und CITY:

 

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Fast fertiger Kaufhausbau im Frühjahr 2007- strahlt Claudia Schiffer zur Eröffnung des schwarzen Blocks?

 

15.5.2007__geschaerft.jpg

 

 

Heute um 06.00 Uhr die Einweihung von SATURN IM EUROPACENTER, sogar ein neues "Filmzentrum", wie man es der Presse mitteilte.

 

Viel Glück. Gottes Segen. Und Immer volle Kassen!

 

 

Saturn-Werbung__27.6.2007_004__small.jpg

 

 

Kontroverse Auffassungen über Abrisse und Neubauten wird es immer geben. Für die regionale rbb Abendschau-Fernsehsendung am 28.6.2007 um 19.30 Uhr freut sich gewiss die Redaktion über einen Zwei- oder Dreizeiler zur Umgestaltung unserer Stadtzentren - sicher könnte eine Debatte angestossen werden.

 

Gerne bitte darf eine Meinungsäusserung (heute bis 18.00 Uhr) an die Redaktion der Abendschau gemailt werden: zuschauerredaktion@rbb-online.de

 

Allerherzlichsten Dank - es hat auch stets einen Nutzen und eine Nachwirkung!

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Bildwerferraum des CITY IM EUROPACENTER, direkt nach der letzten Vorstellung:

 

Vorfuhrraum_Kino_2__28.4.2004_034__small.jpg

 

 

das soll "direkt nach der letzten vorstellung" gewesen sein? Kann ich mir nicht vorstellen ... über solch dreckige tellerscheiben kann doch nicht soeben noch ein film gelaufen sein ...

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@preston sturges: ich denke er meint damit nach der letzten vorstellung im royal-palast und nicht nach der letzten vorstellung im city

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[...] das soll "direkt nach der letzten vorstellung" gewesen sein? Kann ich mir nicht vorstellen...über solch dreckige tellerscheiben kann doch nicht soeben noch ein film gelaufen sein ...

Ihre Vorführräume sahen aber auch nicht erfreulich aus, lieber @preston - wirklich nicht schön ...

 

Das fragliche Bild ist wie gesagt vom CITY, selbstverständlich von mir fotografiert am 28.4.04 - direkt nach der Schlussvorstellung. Der etwas staubige Teller (ST 200) war eine Ersatzanlage (für Festivals u.a.). Der real benutzte Teller (ST 270) befand sich etwa sechs Meter hinter dem hinteren DP-70-Projektor, unterhalb der zweiten Deckenleuchte und kurz vor dem Eingang des Gleichrichterraums (man sieht auf dem Foto die zwei oberen Umlekrollen am Mast).

 

 

Und hier die Kurznachricht der Berliner Abenschau, angenehm "reserviert" (herzl. Dank an die Red. für ihre Neutralität):

http://www.rbb-online.de/_/abendschau/b...77643.html

 

Schliesslich Dokumente der schlimmsten Kulturbarbarei seit Kinogedenken (Motto: so paaren sich nur die Heuschrecken und Zombies):

http://www.kewego.de/video/iLyROoaftK8K.html

http://www.tagesspiegel.de/advertorials...98,2328327

http://www.tagesspiegel.de/advertorials...98,2328333

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Erinnerung zehn Jahre nach der Schiessung an das nach Auffassung nicht weniger Branchenkundiger konstruktiv genialste Panorama-Kinos überhaupt. Bisher zumindest, aber man kann ja neu bauen!

 

Der 10-jährige Trauertag war bereits im Vormonat April, gemäss der Schliessung im April 2004 und Abrissbeginn in 2005.

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Beim Blick auf die Fotos aus dem BWR: Der Royal-Palast hatte neben den beiden sichtbaren DP70 doch mit Sicherheit noch eine reine 35mm-Vorprogramm-Maschine, oder? Die dann rechts von dem vorne stehenden Teller stand? Oder hat der Teller irgendwann die Vorprogramm-Maschine ersetzt?

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Daneben stand m.W. zeitweise eine Bauer Selecton - aber in der Zeit davor, d.h. ab Eröffnung auch eine FP20 Solo-Automatik (mit dem gekrümmten Einlaufkanal vor der ersten Vorwickelzahnrolle).

Wichtig ist noch einmal der deutlichere Hinweis, dass dieser BWR der des CITY IM EUROPACENTER ist. Wie im ROYAL PALAST IM EUROPACENTER war er von Anfang an mit zwei DP70 ausgerüstet. Wobei der CITY fast zeitgleich mit dem Europacenter 1965 eröffnete, aber ROYAL PALAST erst einige Wochen später (mit der Berlinale) eröffnet wurde.

@BauerU2, unser Forumkollege, ist fachkundig für die 60er-Jahre in diesem Hause und könnte präzise antworten.

 

Das Foto stammt aus der "Kinotechnik", 1965.

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2. April 2015:

Festakt "50 Jahre Europacenter Berlin"..

 

Trotz ganzseitiger Annoncen in den Gazetten ein gähnend leer wirkender Innenhof des Centers.

Erst der enervierende Moderator animierte die Laufkundschaft zum "Stehenbleiben", und so wurden

Passanten mal schnell zu Jubiläumsgästen.

Unpünktlich begann gegen 11.55 Uhr die Ansprache von Centerbetreiber Christian Pepper

(fast kahlgeschoren), der von Vater Karl-Heinz 2003 ein m.E. schweres Erbe übernahm.

Und in seinem stockenden Vortrag pathetisierte: das Center sei noch so wie 1965 sich treu

geblieben "bis auf den Abriss des Kinos und den Neubau von Saturn". Das schwer vermietbare

Kino hatte er 2004 aufgegeben und SATURN an den Tautenzien geholt: "Es ist, wie

wenn wir auf einen maroden Zahn eine goldene Krone gesetzt hätten" (Pepper 2006).

Zu den Jubilierern gehörte 2005 auch die Standortjournalistin Brigitte Schwiemann

("Berliner Morgenpost"), die glückstaumelnd jetzt auch das Buch zum Jubiläum mit

herausgebracht hat: "Der Weg zu den Wolken" (Auf dem Cover ist ähnlich einem

Raumschiffstart die Fassade des fast 100 m hohen Bürotowers und die Aussen-

schale von Saturn dynamisch im Weitwinkel vereint. Bezugnehmend wohl zu den

spöttischen Anmerkungen der Berliner von 1965 zu "Manhattan an der Spree"?)

 

Feiern kann man den neuesten Schrei.

Würdigen könnte man auch die monumentale Vergangenheit.

Es ist ja nichts so weltbewegend in diesen Tagen, was am Tauentzien passiert

(Textil- und Elektronik-Freuden in

kleinen Häppchen?).

 

Da lohnt eher eine Zeitreise!

 

Die "Stadt in der Stadt", das sogenannte "Haus der Nationen", kurz:

Europacenter, war einmal für die "Frontstadtbewohner" die Oase des Glücks

(ein "Westberlin-Paradies"): zwar konnte Bauherr Karl-Heinz Pepper kein

weiteres Theater mehr aufgrund der Konkurrenz zu "Theater und Komödie" am

Kurfürstendamm integrieren - und das "Palace Hotel" fungierte wohl nur als

schneller Ersatz. Aber seinem Projekt "Kleines Rockefeller Center", dem künftigen

Europacenter, wurde seitens der Filmproduzenten MCS KG München und der

amerikanischen Cinerama Incorporation seit 1963 ein alle Rahmen

sprengendes Doppelkino hinzugefügt - ja, ganz demonstrativ ein Gegenpol

zur Gediegenheit des "Zoo Palast"-Komplexes von 1957. In ihrer Art der

bezwingenden "Sehmaschine" wären die beider Großkinos im Europacenter an

Modernität noch heute unübertroffen: im "Royal Palast" befand sich laut

Guiness-Buch der Rekorde die größte Panorama-Bildwand der Erde - ein

tiefer Leinwandbogen wölbte sich wie ein Horizont dem Gaste entgegen. Und

im "City im Europacenter" sorgte eine kubistische Akustikdecke für höchste

Konzertsaal-Ansprüche.

Neben den Filmfestspielen folgten Premieren kolossaler Schauspektakel auf

70mm-Filmmaterial: DOKTOR SCHIWAGO (166 Wochen Laufzeit), 2001: ODYSSEE IM

WELTRAUM (der Jahrestag der Weltpremiere, Washington D.C., fällt ebenfalls auf den heutigen 2. April),

DIE TOLLKÜHNEN MÄNNER IN IHREN FLIEGENDEN KISTEN, THE SOUND OF MUSIC, KRIEG DER STERNE,

ALIEN, BLADE RUNNER oder INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES.

Für SCHIWAGO reisten westdeutsche Besuchergruppen per Bus an.

Im Center-Inneren residierte dagegen eine 1000 qm grosse Eisbahn für ganz

Berlin. Auf dem I-Punkt thronte das Europa-Planetarium und eine begehbare

Aussichtsplattform. Im Anbau de Multivisions-Schau zur Geschichte

Berlins. Und im Hochhaus befanden sich Büros der Filmfestspiele und der

Berliner Festspiele GmbH.

 

Zum 50. Jahrestag ist der (teils unvermietete?) Flachbau des Europacenter

durch ein Banner des japanischen Elektronikriesen Samsung verhüllt: ein 50

Meter breites Smartphone entführt uns zu anderen Wahrzeichen der Moderne.

Am Fundament des gewaltigen Royal Palast- und City-Kinos spottbillig nun

zu haben: 10 000 Breitfilmkonserven auf DVD, dazu Waschmaschinen,

iPhones und USB-Sticks in einem Saturn-Markt. Und an Stelle der Eisbahn

bestaunt man eine Art Tümpel.

Solche Ware, scheint einem, gibt es selbst in der Provinz besser und auch

reichhaltiger. Mit menschlicher Kultur hat es wenig gemein! Eher noch mit

dem Einfall der Barbaren ins altehrwürdige Rom.

 

Am heutigen Abend wird auch die Berliner Abendschau des Jubiläums gedenken.

Jede Redaktion kann freilich, ähnlich wie in der Politik, feiern oder auch

ein wenig kontrastieren: einfach nach Belieben Alt und Neu

gegenüberstellen und sich die Frage stellen, welchen Nutzen etwas hat.

Abwägend sich und andere fragen: war einst nicht doch viel mehr los am Tautentzien?

Ja. In einer Kinometropole der 20er und 60er Jahre - aber in einer

Textilmeile des wiedervereinten Berlin auf dem größten Kinofriedhof der Welt?

 

Wir versuchen im Kinomuseum Berlin viele Gerättypen, die Art der Bogenleinwand und auch die Filmklassiker

aus ROYAL PALAST und des CITY IM EUROPACENTER reaktivieren und jenen in den 60er und 70er Jahren

unvergleichlichen Erlebnissen nachspüren. Jeder ist herzlich eingeladen, mitzumachen oder das Projekt

zu fördern.

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bearbeitet von cinerama (Änderungen anzeigen)

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Manchmal frage ich mich, was währe, wenn die Kinos heute noch in Betrieb währen? Digital Projektion auf so eine Riesen gekrümte Leinwand? Vielleicht währe Interstellar dort auch gezeigt worden, aber im Grunde fehlen die Filmproduktionen für solch ein Kino schon seit vielen Jahren.

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Ich trauere heute noch dem Kino nach, habe dort lange Zeit als Filmvorführer gearbeitet, und kann es immer noch nicht fassen das solch ein tolles Kino einfach abgerissen wurde.

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Ja, zu besten Zeiten der "Nabel zur Welt" - bedenkt man eventuell, dass man vielen Filmen in anderen Kinos und Dimensionen später wiederbegegnete, was jedes Mal einem "Kulturschock" ähnelte. Sie waren später nicht mehr allesamt Meisterwerke, aber in einer Panorama-Projektion im ROYAL PALAST war alles Event. Mehr Event und "bodenloser Horizont" als jemals ein Imax-Kino zustande brachte.

 

Zu schlechten Zeiten, und diese waren andauernder, hat man die Potentiale ausdürren lassen. Darum erleben wir heute einen retrograden Zoo-Palast-Hype, während ein bedeutender Versuch der Postmoderne, die Kinos Royal Palast und City, mit Popcorn- und Krawallfilmen in Erinnerung gebracht werden.

 

In welchen Jahren war Deine Tätigkeit dort? Falls man sich einmal begegnet sein sollte?

 

*

Im Kinoverein in Berlin-Lichtenberg traf vor einigen Tagen der ehemalige 35mm/70mm-Filmteller-Anlage aus dem ROYAL PALAST (Kino 1) ein. Seit 2004 von einem freundlichen Menschen aufbewahrt, von dem ich dachte, er gibt sie sonstwohin - aber nun haben die Techniker und Jungenies sie in Lichtenberg wieder restauriert und zum Leben erweckt. Zwar führe man Filme generell per Spule vor, aber die Telleranlage hat zumindest hohen Erinnerungswert: auf ihr liefen die deutschen Premieren von tausenden von Filmen. Bei den 70mm-Streifen u.a. das 70mm-Sommerfestival 1977, KRIEG DER STERNE, DAS SCHWARZE LOCH, die WA von 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM, DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK, GREYSTOKE, DAS FLIEGENDE AUGE, COCOON, ALIENS - DIE RÜCKKEHR, ALIEN 3, INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES, THE BIG BLUE - IM RAUSCH DER TIEFE, DER BLADE RUNNER, angekündigt die WA von APOCALYPSE NOW, die WA von UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART, THE ABYSS, IN EINEM FERNEN LAND, STAR TREK II - DER ZORN DES KHAN, STAR TREK III - AUF DER SUCHE NACH MISTER SPOCK, BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA, eine IFB-WA von SPARTACUS, ein Matinee-Nachspiel von TITANIC u.a.

 

Im Hintergrund auf dem Foto zwei Philips-DP70-Projektoren, pärchenweise verliebt ineinander wie einst in ROYAL PALAST und CITY IM EUROPACENTER.

Es ist zwar eigentlich nicht möglich, aber man nähert sich damit ansatzweise dem Technik-Arrangement der Europacenter-Kinos.

Ein Vorhaben für 2015 ist der Einbau einer weniger grossen, aber mindest so stark gebogenen Panorama-Bildwand wie die einstige 70mm-Cinerama-Bildwand im Europacenter. Die Biegung stelle ich mir sogar noch stärker vor. Wenn nicht hier installierbar, dann an einem anderen Ort. Auch verfügt man heute eher über Optiken, die die starke Bildwandkurve ansatzweise gegenzuverzerren. Optiken, die zu Zeiten des Betriebs der beiden legendären Kinos nicht immer zufriedenstellend zur Verfügung standen.

 

Das Thema ROYAL PALAST und CITY ist also keinesfalls "erledigt", sondern hinterlässt bei einigen Spuren und Eingrabungen. Andere machen gerne einen Schlußstrich, und auch das muß man akzeptieren. Gäbe es anderswo einen überzeugenderen Kinobau, so könnte man gerne auch loslassen. Oder man versucht das Gegenteil: wieder aufbauen.

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bearbeitet von cinerama (Änderungen anzeigen)

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Off-topic, aber selbst Saturn geht es wie erwartet Stück für Stück an den Kragen. Der Immobilienspekulant Timm/Pepper, hauptverantwortlich bereits für den Kinoabriss Royal Palast und City, lässt dem ihm folgenden kostbaren Elektronikkaufhaus 1500 Quadratmeter für einen exklusiven Fashion store abschneiden, gefolgt visioniert vom Turmbau zu Babel, der in Leserbriefen des Tagesspiegels auf Skepsis stößt: http://m.tagesspiegel.de/berlin/wolkenkratzer-in-berlin-charlottenburg-europa-center-soll-bis-zu-240-meter-hohen-turm-bekommen/20583496.html?utm_referrer=android-app%3A%2F%2Fcom.google.android.apps.genie.geniewidget

bearbeitet von cinerama (Änderungen anzeigen)

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Ich muss zugeben, ich konnte den Hype um den Royal Palast nie nachvollziehen.

Einige Jahre vor Abriss war ich dort, habe die Säle mal besichtigen dürfen. Die Abmaße sind beeindruckend, zweifelsohne. Aber das Kino an sich? Die Rolltreppe am Eingang erinnerte weniger an ein Kino, mehr an ein heruntergekommenes Kaufhaus: nichts vom feierlichen Ambiente, vom Erhabenen, vom Gefühl des Großen, das man sonst aus Kinos gewohnt ist. Das Foyer wenig einladend. Die Säle kühl (auch was die Farbgestaltung angeht, großer Saal) bis fragmentarisch-dekonstruktivistisch (kleiner Saal). Groß, ja. Optisch ansprechend, keineswegs.

Da finde ich Lichtburg (Essen) und Schauburg (Karlsruhe) wesentlich ansprechender.

Die Erinnerung und die (gedankliche) Idealisierung glätten so manche Hässlichkeit weg. Seid ehrlich zu euch selbst. Der Royalpalast war nie ein Schmuckstück. Bei allem Wohlwollen gegenüber großen Leinwänden: es war eine neumodische Bausünde, innen wie aussen.

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Es handelt sich hier in erster Linie um ein FILMVORFÜHRER Forum. Daher steht natürlich eine architektonische Beurteilung an zweiter Stelle, zumal dies auch etwas eine Geschmacksfrage bleibt.

Aber das, was passiert wenn das Licht ausgeht, ist objektiv bewertbar. Wenn hier jemand die Projektion der Lichtburg mit der Anlage des Royal vergleicht und dabei die Lichtburg besser findet, der hinterläßt bei mir starken Zweifel an seiner Kompetenz.

Die Lichtburg war auf Grund des krassen Mißverhältnisses zwischen Saal- und Bildgröße nie ein wirkliches Breitbildtheater. Zudem gibt's noch zwei entscheidende NoGo's : Extreme Steilprojektion und, noch schlimmer, sehr helle, krontrastvernichtende Saalgestaltung.

Nach dem heutigen Stand der Dinge ist die SCHAUBURG die Nummer 1. Weit vor dem ZOO PALAST (auch zu kleines Bild gegenüber dem sehr langgestreckten Auditorium.

bearbeitet von Klaus Peter Weber
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