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ruessel

Hat Kino das Technik-Wettrüsten verloren?

22 Beiträge in diesem Thema

https://film-freak.net/kolumnen/hat-das-kino-das-technik-wettruesten-verloren/

 

Zitat

Die Filmtechniker rühren verzweifelt im Technikarsenal. Höhere Bildrate (,mehr als 24 Bilder pro Sekunde) sollte die (Kino)Welt retten – und floppte. HDR (Hoher Helligkeitskontrast) wird vom durchschnittlichen Zuschauer (der gerade gelernt hat, die 3D Vorstellung zu meiden) kaum bemerkt. Völlig überraschend brachte Dolby mit „Atmos“ eine neue Sound-Revolution ins Rollen. Deckenlautsprecher sorgen für ein genial neues Klangerlebnis. Die Chance für Betreiber „abgesessener“ Kinos, jetzt die große Renovierung durchzuführen. Die Heimkinoelite folgt auf den Fersen – der ewige Wettlauf könnte mit einem klaren „Unentschieden“ enden

 

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vor 30 Minuten schrieb ruessel:

 

Du hast leider die falschen Sätze zitiert.

 

Die hier sind entscheidend:

 

"Der große Saal wird weiterleben, aber nicht wie früher. Die Zuschauer akzeptieren die alten engen Sitze nicht mehr. Abgenutzte muffelige Säle will keiner mit gut Zehn Euro pro Vorstellung subventionieren. Es geht nicht mehr alleine darum, den Film zu sehen. Das müssen alle begreifen. Die Gesamtperformance muss stimmen. Der angenehme Abend mit Freunden an einem netten Ort (am besten mit Gastronomie, die das Pommesbudenimage abgelegt hat) – das fordern die Kunden."

 

So ist das. Die Zeiten, in denen man nur die Tür aufschließen musste und volles Haus hatte, sind vorbei.

Die, denen es gelingt, in ihrem Kino ihr Publikum einen guten Abend verbringen zu lassen, müssen aber nicht um die Zukunft bangen.

Und das völlig unabhängig davon, ob sie Popcornkino, Off, Event oder Arthouse spielen.

 

Entscheidend ist daneben: In jedem dieser Segmente brauchen wir Filme, die das Publikum nicht enttäuschen - und müssen uns trauen, die Filme konsequent nicht zu spielen, die es enttäuschen würden.

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Zitat

Du hast leider die falschen Sätze zitiert.

 

Sehe ich nicht so. Alles konzentriert sich im Moment auf die Technik, HDR, 4K, Atmos, Laser etc. dabei gibt es für mich im Moment kaum Filme die ich mir überhaupt anschauen mag. Die Technik sollte zwar auch stimmen - ob nun 2K oder 4K mit HDR entscheidend ist, mag ich nicht zu beurteilen, aber meine Kinos haben einfache Probleme: zu helles Notlicht (muss mit der Hand die Blendung abschirmen), einen lachenden toten Pixel oder sogar dunkle Streifen auf der Leinwand. Das ist meine Praxis, von teilweise engen Reihen wollen wir gar nicht erst sprechen.

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Ihr habt beide Recht, die beste Technik wird nicht akzeptiert, wenn das Drumherum nicht stimmt. Ein verrameltes, dreckiges Haus, unfreundliches Personal kann noch so gute Bilder und Tonwiedergabe bieten, auf Dauer wird der Besuch ausbleiben. Auch kann es nicht angehen, dass es Kinos gibt, die keine kostenlosen Parkplätze bieten, obschon ich die Anreise mit der S/U-Bahn bevorzuge, aber Busse nutze ich z.B. nicht, weil sie keinen verbindlichen Fahrplan haben.

 

Aber Kinos, welche die heutigen Mindeststandards nicht erfüllen, muß ich auch nicht unterstützen.

4k, HDR, 7.1 Ton, all das sind Sachen, die nichts extra kosten, oderen Kosten marginal sind, wenn ein Haus auf einem gewissen Standard geführt war.

 

Mängel, wie sie @ruessel beschreibt, habe ich sehr oft gefunden, Ausgangsleuchten müssen aus der halben Saalentfernung erkennbar sein, bei Dunkelheit im Raum, und nicht im taghellen Raum eines Konsumtempels. Moderne Systeme sind steuerbar, bei Normalbetrieb gedimmt, im Gefahrenfall oder bei Energieausfall hell. Überall einrüstbar, meist fehlt nur die Aktivierung. Tote Pixel kann man zumindest mittels Edding auf der Scheibe blanken, ist aber wohl vielen zu schwierig.

pixel.jpg.8e4fc36b3627e1b27aaac936851060b5.jpg

In diesem Kino bleibt auch die Frage, warum es mir gelang, im dunklen Saal bei laufendem Bildwerfer mit geöffneter Lichtklappe so erhebliche Schatten zu werfen.

 

Dunkle Streifen, helle Streifen, Quietschbunte Schwarzweissbilder, all das hab ich zur Genüge gesehen. Das hier sollte eigentlich dunkelgrau sein,...(Im Mittel stimmts ja)

grey.jpg.68706afd0d8cc63217705369f07beca6.jpg

Meist ist dieses nur eine Vernachlässigung der Wartung, die eben regelmässig durchzuführen ist.

2 Wege Lautsprechersysteme hinter Miniperf, nicht fachgerechte Einstellung der Equalisation, mit viel zu großer Absenkung der Hochtonfrequenzen (teilweise wird alles oberhalb 7 kHz weggeschnitten), viel zu geringe Wooferleistung (in D 05-98% zu wenig installiert) sind der Tod jedes Actionstreifens. Wenn zerspringendes Glas nicht danach klingt, aursch. Wenn statt Krieg, Syävester mit D Krachern rüberkommt, und ein Wirbelwind nur Langweile hinterläßt, dann hat der Kinobetrieb verloren.

Eine Absenkung der Lautstärke um nur 5 dB beeinträchtigt die Sprachverständlichkeit erheblich. Ist aber in Berlin normal. Dort wird geflüstert...

Was nützt der schönste Kinobau, wenn die Kernkompetenz fehlt. Und auch das ist in Berlin leider real, man merkt es, wenn der gleiche Film noch einmal im eigenen Hause oder in guten Häusern gesehen wird. Und , eine Sprachverständlichkeit, die am Hauptbahnhof in den Ansagen besser ist, als im Luxustempel 200000W Soundsystem, dann ist etwas falsch.

 

Macplanert schreibt und zitiert etwas, wo ich uneingeschränkt zustimmen muß:

Quote

Entscheidend ist daneben: In jedem dieser Segmente brauchen wir Filme, die das Publikum nicht enttäuschen - und müssen uns trauen, die Filme konsequent nicht zu spielen, die es enttäuschen würden.

Warum dann jedes auch noch so halbherzig produzierte Fernsehspiel ins Kinoprogramm aufnehmen, wie es leider landauf und landab immer wieder geschieht. Das bedeutet nicht, jeden Faekalhumor Schrott der dt. Produktion zu spielen, aber ein gut kuratiertes Programm aus neuem und klassischem Kinofilm, wünsche ich mir.

 

-st

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Das schlimme ist ja, dass es anscheinend nur mich stört, wenn ein Pixel dauernd auf weiß steht und sich bei jeder dunklen Szene in den Vordergrund spielt. Bei dem Kino mit den Streifen im Bild, hat man mir zumindest Freikarten angeboten und versprochen die Leinwand neu zu justieren (das Gestell hinter der Leinwand drückte durch) - Nach 4 Monaten erneuten Besuch war nix passiert, schon in der Werbung Streifen im Bild. Man kommt sich dann verar... vor. Ich gehe da nicht mehr hin (lieber warte ich auf die BD), leider sehen andere Gäste das wohl nicht so.....

bearbeitet von ruessel (Änderungen anzeigen)

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17 hours ago, ruessel said:

Das schlimme ist ja, dass es anscheinend nur mich stört, wenn ein Pixel dauernd auf weiß steht und sich bei jeder dunklen Szene in den Vordergrund spielt. Bei dem Kino mit den Streifen im Bild, hat man mir zumindest Freikarten angeboten und versprochen die Leinwand neu zu justieren (das Gestell hinter der Leinwand drückte durch) - Nach 4 Monaten erneuten Besuch war nix passiert, schon in der Werbung Streifen im Bild. Man kommt sich dann verar... vor. Ich gehe da nicht mehr hin (lieber warte ich auf die BD), leider sehen andere Gäste das wohl nicht so.....

 

Das ist anscheinend bei Konzernbetrieben (und nicht nur dort) so üblich. Als ich noch aktiv Premierenbetreuung gemacht habe, gab es "Erste Häuser am Platz", wo diese abgehalten wurden. Wir haben vorher diverse Kopien auf Fehlerfreiheit geprüft, aber auch die Technik gemäß SMPTE Vorgaben unter die Lupe genommen. In einigen Häusern gab es natürlich diverse Abweichungen, Defekte Treiber z.B.. Meist hiess es "Kinoton (oder wer auch immer dort wirkte) ist schon informiert, und behebt umgehend." Bis zur Premiere passierte natürlich nichts, und beim nächsten Mal war es noch genauso, mit wieder den genannten Worten. Offensichtlich wußten die Betreiber und Theaterleiter sehr genau, daß uns aufgrund der Platzkapazität und Lage kaum eine Alternative blieb, schon gar nicht kurzfristig. Oder es kommt, wie beim Hauptstadt Filmfest schon erlebt, "Wenn Ihr bezahlt".

Später hat man sich dann auf ISO 9000, Total Quality Mgmt geeinigt, d.h. das Kino sichert die SMPTE Eigenschaften zu, und wir prüften nicht mehr. Obs jetzt besser war? Rate mal.

 

Warum soll es Dir als zahlender Gast Anders ergehen?

Konsequenzen merken die ja nicht, zu Viele Besucher kaufen kritiklos eine Karte.

 

Ärgerlich sind nicht nur weiße Fehler, Grün ist da noch unangenehmer, Blau und Rot fallen nicht so auf, durch die Augenempfindlichkeitskurve. Am besten sind schwarze Pixelfehler, die fallen nur geübten Betrachtern in hellen Szenen auf. Da es in der Regel dann ein opt. Block getausch werden muß, was 5 stellig, und damit recht teuer ist, versucht natürlich der Kinobetrieb möglichst lange mit dem Fehler durchzukommen. Die Edding Methode habe ich schon erlebt, weil mich der techn. Leiter harsch anging, als ich mich versehentlich gegen den Projektor lehnte. Damit war seine Maskierungsmethode in Gefahr.

 

Ich habe daher Sympathie mit dem Kauf der (UHD) BlueRay und dem Heimkino.

 

-St

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vor 20 Stunden schrieb stefan2:

Aber Kinos, welche die heutigen Mindeststandards nicht erfüllen, muß ich auch nicht unterstützen.

4k, HDR, 7.1 Ton, all das sind Sachen, die nichts extra kosten, oderen Kosten marginal sind, wenn ein Haus auf einem gewissen Standard geführt war.

 

Du hast mit vielem Recht - aber hier nicht.

Jeder von uns hat sich zu einem gewissen Zeitpunkt mit guten Gründen für einen Lieferanten und eine technische Ausstattung entschieden und viel Geld investiert. Manchmal auch mit schlechten Gründen, manchmal auch mit schlechter Beratung, mag schon sein. Jedenfalls kann niemand einfach so auf 4K, 7.1 etc. aufrüsten, wenn er einen fünf jahre alten Projektor da stehen hat. Einen echten Qualitätsgewinn bringt das in vielen Fällen auch nicht. Und bei Notbeleuchung & Co haben viele von uns sehr spezifische und komplizierte Gemengelagen mit Feuerwehr, Behörden etc. - ich kann jeden verstehen, der hier keine Angriffsflächen bieten will.

 

Das Publikum erwartet zu Recht einwandfreie Qualität. Einwandfrei heißt aber nicht "Referenzqualität".

 

Einwandfrei heißt aber in jedem Fall, und darauf können wir uns vermutlich einigen: Wer Mängel im eigenen Haus nicht bemerkt, ist betriebsblind. Das kommt manchmal vor. Wer auf behebbare Mängel hingewiesen wird und sie dann nicht abstellt, dem ist nicht zu helfen.

 

Ich hatte schon mal die Idee, dass es nett sein könnte, sich mit Kollegen in (oder auch außerhalb) einer Region zu gegenseitigen Besuchen zu verabreden und sich gegenseitig knallhartes Feedback zu geben. Ich glaube, das wäre sehr hilfreich - so betriebsblind wir im eigenen Haus sind, so genau fallen uns ja die Fehler der Anderen auf ;-)

 

 

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Zitat

Einwandfrei heißt aber nicht "Referenzqualität".

 

Naja, wenn ich schon 12 Euronen pro Karte an der Kasse abgebe, erwarte ich den Film besser als daheim mit 2K 50 Zoll Flat + 5.1 zu sehen/hören, ist damit meine Erwartung an einem Lichtspieltheater in einer Großstadt schon zu hoch?. Die ganzen schmatzenden Nachosfresser die alle 10 Minuten leuchtend ihren Facebookstatus kontrollieren habe ich zu Hause auch nicht.

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vor 4 Stunden schrieb ruessel:

 

Naja, wenn ich schon 12 Euronen pro Karte an der Kasse abgebe, erwarte ich den Film besser als daheim mit 2K 50 Zoll Flat + 5.1 zu sehen/hören, ist damit meine Erwartung an einem Lichtspieltheater in einer Großstadt schon zu hoch?

 

Nein. Aber ein Kinosaal ist ein Kinosaal. Du wirst in (fast) jedem Saal was zu meckern finden. Aber es geht darum, die Magie eines Kinoabends zu erleben. Das hängt nicht an 7.1 vs. 5.1. 

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das mit dem gegenseitigen Besuchen unter Kollegen hatten wir hier schon mal, ist zwar mitlerweile 15 Jahre her, hat mir aber in einem 8+1 Saal Kino ein Hausverbot eingebracht, die Mängelliste war einfach zuuuuu lang. (Zu 35mm Zeiten war da jede Kopie nach dem Startwochenende Schrott)

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Jep. Die ganze Geschichte kann man sogar hier nachlesen, allerdings ist der Thread uralt und ich weis nicht, ob man es ihn noch findet. Das war damals auch der Grund, warum ich mich hier angemeldet habe, das ist tatsächlich noch länger her als oben geschrieben...

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Ja gut, manche sind falsch beraten worden, oder haben das falsche ausgewählt.

Aber nicht um sonst gibt es die AfA Filmtheater seit Jahrzehnten, und da ist Projektionstechnik nach 5 /6, Tontechnik nach 3 Jahren abgeschrieben.

Warum fordere ich z.B. 7.1. Die Verkabelung der Effektlautsprecher erfolgte immer zu einer zentralen Verteilerdose, wo dann verschaltet wurde. Und das Auftrennen auf die 4 Kreise bei 7.1 Surround dauert keine halbe Stunde. Eine neue 2 Kanal Endstufe, ca. 400 Euro, und alles ist eingerichtet. Das kann und konnte sich jeder Betreiber leisten.

Mit Projektion ist das schon schwerer, aber seit 2006 gibt es 4k Projektoren zu kaufen, die einen Mindestkontrast geboten haben. Gut, die sund heute schon getauscht, aber 2013 war 4k und HDR fähig schon im unteren Preissegment zu finden.

Nur da sind wir schon bei der Kaufentscheidung, die ja meist emotional erfolgt, selten rational. Nur, bestimmte LoContrast Produkte waren beim genauen Literaturstudium ja zu erkennen, stand ja in der Broschüre drin, On/Off Kontrast 1800:1, Im Bild Kontrast <400:1. Und diese Bilder sehen dann einfach nur schlimm aus. 

Unser Wettbewerb ist nun mal die Wohnstube, wo wir die Menschen "herausnötigen müssen", wie es im Niederländischen heißt (herutnodigen). Freizeit ist knapp und wird bewußt verbracht. Um wieder zu kommen, muß ja letztendlich das gesamte Paket der Erfahrung stimmen. Das fängt, wie ich schon schrieb, beim Parken an, setzt sich über das Haus und das Personal fort, die Sauberkeit im Haus und den Toiletten, Saal und Ausgänge. Aber auch Wartungszustände, z.B. kaputte Leuchtmittel, Türgriffe, Toilettenspüler. DEfekte oder dreckige Sitze und Polster, all das geht mit ein. Wie auch die Kernkompetenz, die in Bild- und Ton liegt. Ein schlechter Film ist schnell vergessen, wenn der Rest des Abends stimmt. Stimmt das Drumherum nicht, ist der schlechte Film dann der Sargnagel.

Referenzqualität wäre schön, habe ich nicht eingefordert, nur das mindestmachbare. Bei den manchmal von mir vorgestellten Kinos gibt es die nicht, nur so mancher unbedeutende Landstandort hat durchaus sehr hohe Qualität, gepaart mit einem Ort, der historisch geprägt das gewisse Etwas bietet, dort gerne wiederzukommen. Komischerweise waren da viele der technischen Dinge machbar, auch wenn die Umsatzzahlen eigentlich eine andere Sprache sprechen.

 

In der Hauptstadt gibt es offensichtlich ein grosses Problem, hier ist man "Im richtigen Film, fast immer im falschen Kino". Zumindest im S-Bahn Ring sind Ausnahmen rar. Und das ist schade.

 

-St

 

 

 

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Das Kino hat sich selber das Beste genommen, es fing 1954 an. Der Siegeszug der Xenonlampe bedeutet, daß die Filmtheater seit 35 Jahren ein stumpfes, konstantes Projektionslicht verkaufen. Vorher lebte in den Lichtspieltheatern der feurige Kohlenbogen, genauer der Beck-Bogen. Die klassische Hochblüte des eleganten Kino, auch von Technicolor, hat viel mit dem Hochintensität-Kohlenbogenlicht zu tun. Noch weiter zurück kann man den Stummfilm und den Reinkohlenbogen in etwa zusammenlegen und noch weiter zurück das archaische, anarchische Kino mit dem Kalklicht. Nur so grob ausgelegt.

 

Die Wirkung von drei Mal dasselbe Einzelbild bei Tempo 16 ist eine andere als die von zwei Mal jedes Einzelbild bei Tonfilmgeschwindigkeit. Auch in dieser Hinsicht ist die Filmtechnik ärmer geworden, flacher. Tempo 60 und jedes Bild nur ein Mal projiziert hat es gegeben, Showscan. Gibt es noch.

 

Dann die optischen Komponenten. Man kann zu gut abbilden, zu scharf, zu kontrastreich. Moderne computergerechnete Objektive mit Mehrfachvergütung werden sicher dem Produktionsaufwand gerecht, doch nicht auch ohne weiteres dem Publikum. Je nach Inhalt und Gestaltung wird ein Film bei der Aufführung mit Tripletten oder Petzval-Vierlinsern passender dargestellt, ein anderer nicht. Während der eineinhalb Jahre, die ich historischen Kinonbetrieb mit Schwergewicht 1930er und 1940er Jahre machte, probierte ich herum. Interessant war die Wirkung der Idealformat-Dias, die mit einem Dreilinser der Brennweite 300 mm vor die Zuschauer kamen, Lichtquelle war ebenfalls eine Hi.-Kohlenbogenlampe. Diese milde Schärfe wollte ich auch beim Bewegtbild haben, aber da suchst du lange, bis du zwei 75-mm-Projektionstriplette findest. Also blieb es bei Kiptar, Alinar und Neocinar.

 

Nicht Film-, aber noch Kinotechnik ist die Bildwand. Was wird da gefrevelt! Warum kann man seinem Publikum nicht eine schneeweiße matte Vollfläche anbieten? Muß das ein gräulicher oder bräunlicher Plastik sein mit Löchern drin?! Haben es die Tontechniker immer noch nicht geschafft, an einer geschlossenen Wand vorbeizukommen? Zuerst kommt das Bild, dann der Ton, für mich kategorischer Imperativ. Besser eine etwas kleinere Bildfläche, dafür geschlossen, ohne Tonporen. Ein wenig höher, damit unter dem Bild Schall durchgehen kann. Wenn groß, breit, gewölbt und bis auf die Bühne herab, dann mit Mikroporen, wirklich weiß und viel Licht drauf. Das ist die Hauptbaustelle, nicht THX, nicht Sensurround, nicht Knallbumm von allen Seiten, nicht Atmos.

 

Pixelfehler sind Megasch  . . .

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Ob Pixel, Schatten, Kratzer, Ton von der Decke und weiss-ich-was-alles, liebe Technik-Freunde : Kino wird dann gewinnen, wenn es gute Geschichten verkauft. Oder will einer auf einem Mega-Sharp-8-Super-Nerd-Flat-Atombomben-Gerät die Waltons angucken ? Im Moment scheint das Kino zu verlieren, weil wir Endlosschlaufen verkaufen müssen.... Das wird schon wieder !

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Inhalt? Seit 40 Jahren gibt es nur noch infantiles Zeug. Sie ließen sich in die Filmgeschichte eintragen, die Vertreter des New Hollywood, R2D2 und so weiter, es ist alles total retarded, wie der Amerikaner sagt. Filme für Erwachsene gibt es kaum mehr. Wie sagte der berühmte japanische Filmkünstler Akihito Kaurismaki ‒ Luis Buñuel ist mein Oberhaupt. Einige Filme, die ich mir wieder ansehen würde, sind Der Garten des Sergiu Celibidache, Wolken ziehen vorüber, Night on Earth, The Women von Cukor und noch ein paar andere. Publikumsmagnete sind das nicht.

 

Geht’s den Leuten gut, geht’s dem Kino schlecht; geht’s den Leuten schlecht, geht’s dem Kino gut. Das ist die Grundlage.

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Filmtechniker

 

Du findest jeden Film toll, Hauptsache, er ist auf Nitratfilm kopiert und wird auf einem Schmuckstück aus der Sammlung Hoffmann manuell mit Kohlenbogen vorgeführt. Grüsse nach Basel...

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Muß schon auf Nitratfilm aufgenommen sein!

 

Tampopo ist noch gut, etwas Poetisches aus Japan.

Es gibt gute Inhalte aus den USA, Children of a lesser god von 1986 zum Beispiel, den ich seit damals nicht vergessen habe.

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@Filmtechniker, mir fällt dazu ein Buch ein, das ich vor ziemlich exakt einem Jahr gelesen habe, als ich selbst noch im Kino arbeitete...  Christian Kracht - Die Toten; also von wegen japanischer Film.  Vielleicht gefällt es dir.

bearbeitet von FP (Änderungen anzeigen)

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