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Erster Breitbildfilm


Kinohistorie

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Guten Tag zusammen, 

ich bin auf der Suche nach dem Titel des ersten Breitbildfilms (1,67:1 bzw. 1,85:1) der in Deutschland vorgeführt wurde. Gehe stark davon aus, dass dies zu Beginn der 1950er-Jahre geschehen ist. Ist jemand in Kenntnis darüber oder kann mir sagen, an welcher Stelle ich weiter forschen kann? Besten Dank!

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Aus dem Ärmel schütteln kann ich das leider nicht. Aber es ist gut denkbar, daß es einer der Hollywoodfilme war, deren Umstellung auf breitere Formate im ersten Halbjahr 1953 erfolgte. Näheres über diesen Umstellungsprozeß findest Du auf dieser Seite:

 

http://www.3dfilmarchive.com/the-first-year-of-widescreen

 

Natürlich gilt das auch nur, falls nicht schon zuvor irgendein Film breiter als 1 : 1,37 gezeigt wurde. Und wie das so ist in der Geschichte, oft wenn man glaubt den Beginn einer Entwicklung zu kennen, stellt man bei genauer Untersuchung fest, daß es sie schon sehr viel länger gab.

 

Würde mich also nicht wundern, wenn der erste Breitbildfilm in Deutschland schon in den 20ern oder 30ern gezeigt worden wäre.

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vor 35 Minuten schrieb Kinohistorie:

Ist jemand in Kenntnis darüber oder kann mir sagen, an welcher Stelle ich weiter forschen kann?

 

Ich würde empfehlen, die Jahrgänge 1952-1955 der Zeitschrift "Film-Echo" zu durchsuchen, außerdem die Fachzeitschrift "Kino-Technik".

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Ob und in welchem Ausmaß die frühen Breitwandprojekte in Deutschland zur Aufführung gekommen sind, ist nicht leicht zu sagen. Wenn man CINERAMA als erstes Breit- und Großwandverfahren nimmt, dann fällt die Frage etwas in Abseits, denn die Bildseitenverhältnisse 1:1,66 und 1:1,85 stellen Billiglösungen mit Caches dar, d. h. abmaskierte Bildfläche bei sonst unveränderter gewöhnlicher Technik.

 

CinemaScope, VistaVision, Todd-AO, Superscope, Technirama und weitere Verfahren bieten ein Bild vom Seitenverhältnis 1:2 und darüber. Drei zu Fünf oder 1:1,66 nahm einen kommerziellen Anfang mit Shane, 1953. 1:1.85 war in Amerika früher verbreitet als in Europa, es scheint schwierig festzulegen, wann es in Deutschland erstmals verwendet wurde.

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  • 2 weeks later...

Seit mehreren Jahrzehnten besitze ich ein Buch mit dem Titel " FOUR ASPECTS OF THE FILM" von James L. Limbacher, erschienen 1978 im Arno Press Verlag.

 

Darin steht:

"In the middle of the 1920`s the Germans introducted a 42mm film which gave a widescreen image ans named it Tri-Ergon. They previewed the system in America at the Cameo Theatre in New York City and featured an outdoor feature film. The TRI-Ergon film, however, aroused no more enthusiansm than Widescope or the curved screen had prevously aroused ant it, too, soon disappeared."

 

Übersetzt:

"Mitte der 1920er Jahre führten die Deutschen einen 42-mm-Film ein, der ein breites Bild lieferte, und nannten ihn Tri-Ergon. Sie zeigten das System in Amerika im Cameo Theatre in New York City und zeigten einen Outdoor-Spielfilm. Der TRI-Ergon-Film erregte jedoch nicht mehr Begeisterung als zuvor Widescope oder die gekrümmte Leinwand, und auch er verschwand bald."

 

Gruß

Maximum

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Der Tri-Ergon 42mm-Film hatte mit Breitbild nichts zu tun. Die Lichttonaufzeichnung wurde außerhalb der normalen Perforationen untergebracht, das Filmbild innen entsprach dem Stummfilmformat. Nur dazu diente die zusätzliche Filmbreite.

Hier ist (auf Seite 5) der 42mm-Streifen zu sehen.

Fairerweise muß man sagen, daß James Limbacher, als er über ein so komplexes Gebiet schrieb, nicht die heutigen Recherchemöglichkeiten hatte.

 

PS: Simon zog schneller. Gut daß wir keine Cowboys sind.  🙂

Edited by magentacine (see edit history)
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vor 14 Minuten schrieb magentacine:

Der Tri-Ergon 42mm-Film hatte mit Breitbild nichts zu tun. Die Lichttonaufzeichnung wurde außerhalb der normalen Perforationen untergebracht

🙂

 

Sie war höchst anormal.

Die Pannen vorprogrammiert.

 

 

 

 

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vor 3 Stunden schrieb Maximum:

Der TRI-Ergon-Film erregte jedoch nicht mehr Begeisterung als zuvor Widescope oder die gekrümmte Leinwand, und auch er verschwand bald."

 

Gruß

Maximum

 

Chretien hatte 1937 am Lichtpalast auf der Pariser Weltausstellung noch einmal sein frühes 35mm-Scope ("Hypergonar") auf einen schwach gekrümmten Torbogen projiziert - zur Steigerung sogar zwei Scope-Bilder nebeneinander auf 600qm projiziert: diese Krümmung war aber keine Absicht, (von Flugsimulatoren einmal abgesehen), sondern ergab sich aus dem Torbogen. Krümmung bei Filmdarbietung erst ab 1952 üblich.

 

Oder in Ausnahmen wie der 360°-Projektion "Cinéorama" 1900 am Eifelturm mit zehn 70mm-Projektoren.

 

Wenn Limbacher mehr von Curved Screen wusste, die irgendwann wieder "verschwand", weiß ich davon nichts.

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Wären wir Cowboys, wär's eine Schießerei zu dritt.

 

Ich habe nämlich auch noch etwas zu diesen Thema gefunden:

 

https://www.filmvorfuehrer.de/topic/14106-megascope/#comment-165554

 

Zufällig bin ich über dieses alte Gespräch von 2012 gestolpert, in dem es um eine Breitbildversion von "Verdammt in alle Ewigkeit" ging. Es wird keine Aussage gemacht, daß dies nun der definitiv erste Breitbildfilm in Deutschland gewesen wäre, aber man spekulieren.

 

Gemäß des Gespräches hinge es wohl davon ab, wann nach der Oscarverleihung 1954 dieser Film zum ersten mal erneut aufgeführt wurde, in einer Breitbildversion namens "Megascope".

 

Falls nicht in bereits vorherigen Jahrzehnten irgendein Breitbildfilm zu sehen gewesen wäre.

  • Like 1
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Verbreiterte Bilder gab es schon im Deutschland der 30er Jahre in den modernen Großkinos. So gehören Magnascope Einrichtungen zur E VIIb.

Das Raumbildverfahren Sterikon K der Zeiß Ikon AG 1937 teilt das Normalbild vertical, dreht die Bilder mit Prismen um 90°, und erzielt ein breiteres Bild. Ferner sind Breitfilmversuche im Ufa Hamburg mit E II Maschinen für Breitfilm überliefert.

In den 50ern kommen halt all jene Versuche, die der Krieg verhindert hatte in Serienreife zu Gehen, zurück.

 

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Das habe ich ja von Anfang an zu bedenken gegeben, bzw. geahnt... daß das erste Breitbild in Deutschland schon sehr viel älter ist.

 

Das wird die gestellte Aufgabe aber nur erschweren.  Wer ging nun wirklich als erstes über 1,37 (1,33 ist ja auch nicht wirklich "schmäler") hinaus ?

 

Und wie definiert man das eigentlich ? Massenauswertung für jedermann ? Begrenzte Vorstellung für Branchenvertreter ? Auch Vorstellungen außerhalb der Kinos (Ausstellungen, Volksfeste, Messen ?),  Breitbild nur des Breitbildes wegen oder auch Breitbild eines anderen Zieles wegen (z.B. 3-D), Breitbild nur im Labor ? Irgendein Film, oder nur ein abendfüllender Spielfilm ?

 

Je nach Definition und Ergebnis kann sich sogar die Frage stellen, ob es überhaupt noch sinnvoll ist eine Antwort speziell nur für Deutschland zu finden, oder ob die Aussagekraft nicht eine höhere ist, wenn man die Antwort auf die ganze Welt bezieht.

Edited by Lichtspieler
Schreibfehler und Ergänzung (see edit history)
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vor 50 Minuten schrieb stefan2:

Verbreiterte Bilder gab es schon im Deutschland der 30er Jahre in den modernen Großkinos. So gehören Magnascope Einrichtungen zur E VIIb.

Das Raumbildverfahren Sterikon K der Zeiß Ikon AG 1937 teilt das Normalbild vertical, dreht die Bilder mit Prismen um 90°, und erzielt ein breiteres Bild. Ferner sind Breitfilmversuche im Ufa Hamburg mit E II Maschinen für Breitfilm überliefert.

In den 50ern kommen halt all jene Versuche, die der Krieg verhindert hatte in Serienreife zu Gehen, zurück.

 

Sterikon ist auch meines Erachtens der Treffer.

 

Magnascope wäre aber wiederum Normal-Format, lediglich für Effekt-Szenen eingesetzt und dann kurzzeitig mit der halben Brennweite stark vergrössert projiziert, wohingegen der Rest des Films in üblicher Bildgröße vorgeführt wurde.

 

65 mm Magnifilm in USA wäre erwähnenswert. Auch die Herstellung von "Ernemann II-Breitfilm"-Projektoren für USA und die Frage, ob sie wirklich im Ufa-Palast Valentinskamp aufgestellt wurden oder die Bühnenproportion nur zufällig eine Breitbildwiedergabe suggeriert, oder ein eventuell doch ein breiterer Bildwandrahmen vorauseilend eingebaut wurde, aber niemals ein breites Bild erlebte. Aber wir verlassen den Sektor von 35 mm- Film...

 

Der 25. Februar 1954 erlebte die dt. 35mm-Kaschbreitwand-Premiere von "Eine Liebesgeschichte" (A.R.: 1.85:1, 4-Kanal Magnetton), vermarktet in "Plastorama".

Edited by cinerama (see edit history)
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Abb. Filmstreifen TRI-Ergon (mit fraglicher Perforation) und Lichttonabtastung.

Die Premiere im Alhambra am Kurfürstendamm lief noch einwandfrei, später aber häuften sich Pannen am Nollendorfplatz, wonach sich die Ufa von diesem Verfahren zurückzog.

 

-> TRI-Ergon: Guter Ton, relativ rausch- und klirrarm von  50 bis 10 000 Herz.

triergon-21 (2).jpg

triergon-20.jpg

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Der Thread passt ja perfekt zu einer Frage, die ich gerade stellen wollte:
Im Film "Geierwalli" von 1940 ab etwa 57:38 sind viele Wolkenaufnahmen zu sehen, die in der Breite gestaucht sind (siehe Link zum Film auf Youtube unten). Der Film ist natürlich nicht in Breitbild aufgenommen worden, sondern die Stauchung wurde hier wohl als Effekt gemacht - warum auch immer. Mit einem Anamorphoten wär sowas am einfachsten zu machen. Hat´s sowas damals schon gegeben? 
 

 

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Man sieht bei den gestauchten Szenen rechts immer eine Vignettierung, weil das Objektiv wohl nicht ganz gepasst hat.
Daß das versehentlich passiert ist, glaub ich nicht. Wär schon ziemliche Schlamperei gewesen.
Bei 1:34:25 sieht man auch, daß der Anamorphot bewußt eingesetzt wurde.

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