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cinerama

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  1. Problemchen auch wegen der Einlaufröllchen an FP 5/6/56: wer das nicht modifizierte oder perfekt justierte, konnte jahrelang seitliche Bildstandsschwankungen erleben. Auch die Schneckenräder-Scharfstellknöpfe sind ja recht mimosenhaft (und etwas unpräzise gegenüber der bombastischen Mikrometer-Einstellung bei Bauer), aber auch hier gab es Lösungsmöglichkeiten. Das wollte auch ich nicht verschweigen. Andererseits: fantastische Lebensdauer, leises, ruhiges Surren, sanfte Filmführung, tolle makroskopische Abtastung (ideal für geschrumpfte Altkopien mit Tonspurversatz, wo man schnell nachstellen konnte: der Brumm war weg) ... einfach genial. Hatte vor 20 Jahren meine letzte FP 5 an ein Berliner Programmkino in Kreuzberg verkauft; läuft dort fast rund um die Uhr mit Spulenturm, und der Bildstand ist noch immer wie ein Dia (ohne heutige Laptop-Nachstellungen!). Mich staunt das selbst, in anbetracht der einseitigen Beanspruchung. Die dortigen Bauer B-8-Geräte in den anderen Sälen hatten bereits einige Problemchen oder wurden ausgetauscht. Konstant läuft hier also die Philips FP-5, sozusagen "wie von Geisterhand bedient" und mit dem Dorian-Gray-Syndrom (der "ewige Jungbrunnen" also) gesegnet. :lol:
  2. Kenne auch Kollegen aus den 80ern, die später daran starben (Loch im Bein, Herzinfarkt oder geistige Umnachtung). Nicht witzig. Es zeigt die Tragik des Schaubudengewerbes. Man sollte damit gar nicht erst anfangen. (Dann lieber noch Porno-Heftchen in der Projektorkonsole!) :oops: Überblenden konnten die Säufer gut, aber Schärfe + Bildstriche waren fast immer "versifft".
  3. Ja, @Stefan, ich werde bis ans Ende meiner Tage Philips nehmen müssen! Die Getriebeprojektoren der 50er sind (für meine speziellen Bedürfnisse) das Optimum des Projektorenbaus. Aus Gründen der laufleisen, wartungsarmen Schneckengetriebe, einfachsten Filmführung (zugunsten meiner alten Filmchen konkurrenzlos überlegen!) und der einfachen Wartung. Darin stimmen mit mir auch nicht wenige (jahrzehntelang projektionstechnisch erfahrene) Ingenieure nüchtern überein, wenngleich nicht immer überall und immer Konsenz herrscht. Bei alten, gut erhaltenen Philips-Projektoren bleibt die Präzision in puncto Bildstand, Schärfe und Ton (makroskopische Optik) ebenfalls auf dem benötigten Optimum, vorausgesetzt die Getriebe sind nachwievor in gutem Zustand und werden ordentlich geölt. Mit anderen, zeitgleich (und auch später) gebauten Geräten div. anderer Firmen habe ich unter gleichen Bewertungskriterien negativere Erfahrungen gemacht - im direkten Vergleich: betreffs schlechterer Tonoptiken und Anlaßschütze, größerer Reibungswiderstände der Filmführung, unnötig komplizierter Filmführung, schlechterer Wärmeableitung, unnötig komplizierter Friktionsgetriebe mit Anfälligkeit für Filmschädigungen usw. usf. Ich denke oft darüber nach, wo Du Deine schlechten Philips-Erfahrungen gesammelt hattest, da ich Gegenteiliges (erfreulicherweise) erfahren durfte. Unter den 35mm-Geräten der Philips-Produktion stellen die heutigen, auf der FP-20-Entwicklung von 1959 beruhenden Nachfolger m.E. primär nur durch die Konstruktion einer gekrümmten Bildbahn einen signifikanten Fortschritt dar, dem gegenüber sämtliche Bauer-, Philips- und Ernemann-Projektoren der 50er Jahre einen Randabfall haben (ausgenommen DP 70 von 1955 sowie Bauer U2 von 1958, die beiden 35/70-Kombiprojektoren). Die "Fortschritte" der Automatisierung, Digitalisierung, der Laserabtastung und des Rangierbetriebs etc. der moderneren Philips-/Ernemann-Nachfolger von Kinothon/Anschütsz werden für spezielle Anwendungen gar nicht geleugnet. Aber für das kommerzielle und kommunale, perfekte Filmtheaterkino auf größten Leinwänden bei optimaler Schärfe, Bildstand und mit bestem analogem Frequenzgang stellt die alte FP-Serie nebst DP 70 für mich das Verlässlichste dar, was ich in 23 Jahren kennenlernen durfte. Tut mir leid: aber wenn ich in heutige Kinos mit überwiegend Ernemann-15 oder der FP-E-Serie gehe (und an diesen Geräten werktätig war!), sehe ich Bilder, die deutlich schlechter und verwackelter sind als auf meinen uralten Apparaturen. Und selbst die dortige Laserabtastung für Analogton ist nicht sehr beständig, zumindest nicht "besser", als auf Rotlicht umgebaute makroskopische Uralt-Tongeräte. Baust Du denn generell solche neuen, voll-elektronisierten Bildwerfer mit wirklich gutem Gewissen ein? (Ich könnte nachts nicht mehr schlafen, wenn ich einen solchen "Tausch" gegen die von mir favorisierten, vertrauten Geräte vornähme, die sich leichter reparieren lassen und gleiche Dienste & Funktionen verrichten.) Wenn Du Philips nicht gut beurteilst, dann nenne ruhig Alternativen, dann glaube ich Dir. Ich sehe sie einfach nicht und bin dann gerne unbedarft: vor allem lohnt m.E. der Kostenaufwand für Anschaffung und höhere Wartungskosten der allerneuesten Geräte der Leichtbauweise aus meiner Sicht kaum. Das erscheint mir wie Spielerei, denn das Pubikum hat davon keinen zusätzlichen, effizienten Genußgewinn in puncto Sound und Optik! Deine Philips-Werbebroschüren sind sehr schön: ich möchte sie mir gern ins Zimmer hängen. :)
  4. Aber 4 : 3 steht auf fast allen DVDs im Normalformat. Was spricht dagegen? 4 : 3 ist als Quotient der einfachste Ausdruck für 1.33333333333.... : 1. 12 : 9 ist mathematisch nicht genauer und könnte sogar mißverständlich sein, wo der Glaube entsteht, ein Bild der definierten "Auslösungshöhe" 9 würde sich im Fall a) auf 12 und im Fall b) auf 16 beziehen und bei vermeintlich differierendem Aufzeichnungspixeln steigern. Man könnte glauben, die DVD oder der Bildschirm besäßen bei bei 16 : 9 eine höhere Auflösung als die native PAL-Auflösung vorgibt. Dabei werden für die Breitwandfilme doch lediglich die ungenutzten Pixels, an denen sonst ein schwarzer Letterbox-Balken auf 4:3-Fernsehern erscheint, durch Vollformataufzeichung mitgenutzt, wobei die Bilder beim Transfer erst anamorphotisch komprimiert und bei der Wiedergabe dann anamorphotisch (elektrisch) gedehnt werden. Eine ziemlich schwierige Frage somit, wie man Formate spezifiziert. Nur für das ideale Kino würde ich, wenn überhaupt neue Formatnamen geschaffen werden müßten, u.U. 12 : 9, 16 : 9 oder 21 : 9 verwenden, als Ergänzung zu den oft nicht mehr geläufigen Begriffen "Breitwand", "Normalformat" oder "CinemaScope". Oder liege ich doch verkehrt? Zu @Theo: Ja, ich würde die FP-3 immer favorisieren. Bin halt glühender Philips-Fan.
  5. Gedruckt wurden Filme in früheren Zeiten: vgl. das Technicolor-Druckverfahren. (Lit.: Gert Koshofer: "Die Farben des Films") :)
  6. Ich habe dieses Kino nicht benannt. Allgemein war die Feststellung, daß in Berlin (sehr) vieles verbesserungsbedürftig ist. Das ist ein Gesetz des Lebens und konkret nachweisbar. Und über Berlin habe ich einen Horizont an Eigenerfahrungen von 30 Jahren ... nimm' es als gegeben hin. Thema ist hier der Film "Der große Diktator": freuen wir uns über die tolle Kopie! :)
  7. Alternativen? Kaum welche. Die Atmosphäre dieser Kinos ist ein großer Pluspunkt. :) Ansonsten gilt für alle Verbesserungsnörgler (mich eingeschlossen): "Mach's besser!" Das "ideale" Kino gibt es sowieso nicht. Die unterschiedlichen Kriterien hierfür sammmeln sich auch selten unter einem Dach an. Aber es ist sicher nicht verboten, darüber nachzudenken. 8)
  8. Warum fürchten sich hier alle vor dem bösen Mann? :lol: Sind das die Anlagen von Onkel Kieft, die er aus dem Ex-CineStar-UFA-Palast Aachen konfisziert hat? Mein Gott, der Ärmste, hoffentlich geht er nicht an den Ausbaukosten noch zugrunde, wenn dies am Ende keiner kauft? Wer ist denn nun der glückliche Anbieter, dessen Namen keiner auszusprechen wagt, als sei es der Leibhaftige? :shock: Aber nein, der Kieft war's nicht, ist ja woanders und soll vor Ort demontiert werden... Seltsam die Mixtur aus modernerer Multiplex-Ausstattung und älteren Projektoren wie Ernemann. Echt komisch, das Kino, wer da wohl Betreiber war...
  9. Wo die Qualität stimmt, da habe ich eine andere, spezielle Meinung, aber lieber zum Thema: Diese Fassung wurde bereits vor zwei Jahren auf der Berlinale vorgestellt, dort wieder einmal als voll digitalisierte Restaurierungsversion angekündigt (siehe auch "2001", für den Gleiches im Festivalkatalog kolportiert wurde), die aber fraglos deutliche optische und akustische Verbesserungen zeigt. Sowie dennoch Qualitätsfragen strittig sind, sollte man sie nicht am Schwarz-weiß-Printmaterial festmachen. Es bestehen keine fotografischen Probleme bei der Umkopierung mit Schwarzweiß-Materialien, die nicht durch halbwegs kompetente Kopierwerksarbeit lösbar wären (bei Farbe & Technicolor verhält es sich indessen umgekehrt). Der Cineteca Ritrovato darf durchaus eine Kompetenz zugebilligt werden, die in Deutschand m.E. auf dem Restaurierungssektor absent ist. "Der große Diktator" liegt jedoch seit anderthalb Jahren auch bereits auf DVD vor, zusammen mit "Casablanca" die beste DVD-Qualität, die ich bis dato auf diesem Medium sehen konnte. Daß der Kinostart nachgeschoben wurde und als "Anhänger" des Pabst-Plagiats von Eichinger ("Der Untergang") fungiert, zeigt leider auch die Verdrehtheit auf dem Distributionssektor. Besser wäre es umgekehrt gewesen, aber seien wir glücklich, dass PIFFL-Medien sich hierzu durchgerungen haben: http://www.hoehnepresse.de/german/dikta...ft_2MB.pdf http://www.cinetecadibologna.it/en/collections.htm
  10. Forts. „Cinemiracle“: R.M. Hayes vergleicht in „Widescreen Movies“ auf S. 40 das damals neue System mit Cinerama: […] it was a far superior presentation. […] and the ‘join lines’ where the three images came together on the screen were virtually nonexistent. An official announcement to press hailed the Cinemiracle process as a ‘seamless Cinerama!’. Eine derart positive Zeichnung hat mich schon erstaunt. In dem Kapitel springt er noch einmal zurück zu Cinerama, S. 41: Where the three panels overlapped, a double light intensity was created by the arc lamps. The oscillating sawteeth decreased the light at thus conjunction point to 50 percent, giving equal light on the screen from each projector and smoothly blending the dividing lines of the three separate images into one. Cinemiracle overcame the problem of join lines very simply: It used mirrors! Any magician would have been proud. Zur modifizierten Kamera äußert Hayes auf S. 44: The design and placement of the mirros reduced the problem of parallax to a minimum. Ebendort beschreibt Hayes noch die Projektorenkonstellation der beiden seitlichen Projektoren sowie Reaktionen der Cinerama Inc. auf das neue Patent “Cinemiracle”: When the image from these two machines met on the screen with the center projected panel, they became one combined elongated picture on a deeply curved screen. (Cinerama later adopted an almost identical arrangement in booths of its newer theatres.) Allerdings gibt Hayes auch zu (ebenso wie ich), “Windjammer” lediglich in einer Cinerama-Präsentation gesehen zu haben. Immerhin unterstreicht er dann auf S. 44, ebenso wie @TomCat in seinen Ausführungen, den hohen Aufwand und eine mangelnde Effizienz der Cinerama-Konfiguration wo [...] four machines in one booth also meant four projectionists confined to a single room. Theaters built expressly with this arrangement in mind were able to allow for needed work space in the initial design of the structure, but theaters that have been converted to show the process of Cinerama or Cinemiracle often had to „make-do“ with the physical limitations of the exisiting structure. Needless to say, some of these booths were very close quarters! Since the light source for the projectors in those pre-Xenon days was carbon arc lamps, these booths were also extremely warm. It was not unusual to find the operators working in undershirts, while outside it was the dead of winter. Die Frage wäre nun, was es eher gegeben hat: das Ei oder die Henne? Werden Filmtheater entweder um die Leinwand herum gebaut oder um den Projektionsraum herum konzipiert? Eine Interpretation von @TomCat besagt, die Anpassung des 3-Streifen-Verfahrens an existente Projektionsräume konventioneller Theater sei als evolutionärer (und wirtschaftlicher?) Fortschritt anzusehen. Aus dem Projektionswinkel der nunmehr in einer einzigen Kabine zusammengerückten 3 Bildwerfer resultiert somit eine gegenüber Cinerama flachere Leinwand, so @TomCat, deren weiterer Vorteil günstigere Sichtverhältnisse in Erweiterung des Sitzplatzsektors im Auditorium seien. @Expert Grouper indes sieht eine eindeutige technische Überlegenheit des Cinerama-Systems gegenüber Cinemiracle: der Primat seiner Wertung scheint das Optimum an Bildwirkung und sozusagen des Umschlingungswinkels der Leinwand gegenüber dem Betrachter zu sein. In dieser Aussage sehe ich eine Präferenz für den maximalen Aufwand (?) im technischen Apparat zur Erzielung von unverwechselbaren Eindrücken, die sich betont vom konventionellen Kino/Spielfilm exponiert abzusetzen haben, denn dies sei eine unverrückbare Aufgabe und Chance des Verfahrens. Hier habe Cinemiracle einen unvorteihafteren Eindruck hinterlassen und sei zudem, das wird von @Expert Groupers nicht marginalisiert, wirtschaftlichen Zwängen geschuldet. Ich frage mich, ob die beeinträchtigte oder nicht optimal ausgereizte Wiedergabe bei Cinemiracle-Vorführungen in Dtl. letzlich nicht doch auf Kompromisse bei der Anmietung traditioneller Theater beruhte, die sich selten 100%tig für Cinerama-Wiedergabe eigneten und daher von bei Cinemiracle-Installationen von vorneherein sich im Nachteil gegenüber den Cinerama-Einbauten und "Räumen" befanden. In der kinotechnischen Evolution, unabhängig von irgendeiner einer positiven und negativen Bewertung, führt seine geschichtliche Einordnung von @TomCat über Cinemiracle zu einer späteren Roadshow-Theater-Form, die sich in dieser Deutung idealiter in den 70mm-Kinos der ehemalen DDR verwirklicht haben dürfte (eine knappe Handvoll davon existieren wohl noch). In diesem Theatern findet sich eine zurückgenommene Bildkrümmung, die offenbar vom Radius zum Projektionsabstand abgeleitet ist (mir erzählte auf meine diesbezügliche Frage vor einem Jahr Kurt Enz, die filmtechnischen Gremien der DDR seinen darin übereingekommen, lieber keine 3-Streifensysteme zu implementieren. Ebenso habe man sich auf eine verzeichnungsfreie Bildwandtype für den 70mm-Film geeinigt – Hier bitte ich aber zu bedenken, dass bereits mit Aufkommen des Todd-AO-Verfahren verzeichungsfreie Optiken im Umlauf waren, etwasdie Philips-BF-Serie und das Cine-Apergon, die auf die Bildwandkrümmung hin korrigiert waren, d.h. den Bildstrich parallel zur Bildwandober- resp. Unterkante exakt mitführen konnten. Bei ISCO oder Schneider könnte man sich derartige Optiken, gerade im Zeitalter schneller Computer-Berechnungen und Produktionsweisen, heute jederzeit fertigen lassen. Nach meinem Dafürhalten gab und gibt es kein stichhaltiges Argument gegen stark gekrümmte Leinwände: sie eignen sich für Chaplin-Filme ebenso wie für Star-Wars-Abenteuer, denn das Prinzip ist zeitlos vernünftig erdacht.) @magentacine (dieser Wertung neige ich zu) erinnert an die Strategien der Cinerama Inc., diesen Roadshow-Anspruch durch Entwicklung von 1-Streifen-Cinerama-Systemen und der späteren Aufgabe sämtlicher Sonderverfahren „verwässert“ zu haben – dies analog zu Michael Todds Anweisung, „Around the World in 80 Days“ in Europa nicht in 70mm, sondern als optimierte Normalfilmkopie herauszubringen. Der Höhepunkt der Large-format-Entwicklerfreude zeige sich am Renault-Film, dessen Kontrollmanie beim Rohlfilmprozeß die MGM zur Produktion von „How the west was won“ im 3-Streifen-Verfahren überzeugt habe. Ob der Film unbedingt deswegen oder deswegen nicht produziert worden wäre, wüsste ich nicht zu sagen, allenfalls hinzuzufügen, dass auch die osteuropäischen und sowjetischen Breitfilmproduktionen unter einer eminenten Ausschussrate, hier im Entwicklungsprozeß etwas des 70mm-Positivs verhaftet, zu leiden hatten: ich schätze die Ausschußrate auf 9 : 1, was bei den Amerikanern hinsichtlich ihrer gedruckten 35mm-Technicolor-Weltpremieren-Kopien (z.B. „Gone with the Wind) kaum besser gewesen sein mag. Es ließe sich auch spekulieren, ob das Renault-Anliegen nicht sogar eine Reaktion auf Unzufriedenheit mit dem Cinerama-System oder gar eine Reaktion auf Cinemiracle gewesen war. nebenher noch meine Meinung zum von Dir empfohlene Buch "Widescreen Cinema" von Prof. John Belton: bei ihm findet sich nicht ein einziger Satz über das Cinemiracle-System, trotz seiner ansonsten (berufsmäßig bedingten) "Recherchegenanauigkeit". Das Buch eignet sich m.E. nochmals viel weniger als die "fehlerhafte" Publikation "Widescreen Movies" von John Hayes ein nachhaltiges Interesse an diesen Themen zu erwecken, das länger als die Spanne eines Hochschulsemesters währt. Hier zeigen sich selbst die Bilddokumentationen auf www.widescreenmuseum.com im Vorteil, trotz der Amerika-Zentriertheit des Autors. Daß nun Prof. Belton sich für die osteuropäischen Verfahren kaum interessiert, bleibt unverständlich. Das schiefständigste Beispiel für Populärpublikationen und unzulässige Verkürzungen stellt aber Wolfgang Jacobsens Berliner Kinematheks-Publikation "CinemaScope - Zur Geschichte der Breitwandfilme" dar. Alle diese Publikationen sind heute kaum noch das Papier wert, auf dem sie gedruckt und nachgedruckt werden. Nochmals zur Bildwandkrümmung bei Cinemiracle: Es finden sich historische Hinweise, dass bei Cinemiracle gern und bevorzugt die spezifisch gekrümmten Todd-AO-Leinwände der 70mm-Todd-AO-Theater für diese 3-Streifen-Projektion mizgenutzt wurden. Die spezifische Todd-AO-Krümmung wird übrigens in den Bauer- und Philips-Tabellen als abhängige Größe zur Entfernung zum Projektionsraum und der Breite des Saal definiert. Bauer ist hier „toleranter“, da sich Todd-AO angeblich auch für kleinere oder mittlere Theater eigne, aber die ersten Todd-AO-Vorführungen (in vorhandenen, umzubauenden Kinos) wie auch in Todd-AO-Zweckbau-Theatern (‚Savoy’ in Hamburg) zeigen ein gewaltig gekrümmte Bildwand, die mit schätzungsweise 120 Grad im Grunde auch mit der späteren Festdefinition von „Dimension 150-Multi-Purpose-Theatres“ in etwa konform geht, allerdings kein reines Segment eines Kreisbogens beschreibt, sondern vergleichbar den ersten Cinerama-Leinwänden eine wiederum eine Parabelform annimmt (die Flanken der Leinwand verlaufen also flacher als das Mittelteil). Ich habe nur wenige Hinweis dafür gefunden, daß Cinemiracle generell nur für flachere Leinwände konzipiert war. Allenfalls Mr. Hart äußert hierzu eine Meinung und gibt 120-Grad-Krümmungen an: http://www.widescreenmuseum.com/widescreen/wingcm1.htm Einen harten Hinweis auf Wünsche der Cinemiracle Corp. gibt die Theatergeschichte des Villa-Theatres in Utah, USA, wo annotiert wird, daß zur "Windjammer"-Premiere das Haus zwecks Umbau geschlossen wurde, um eine Cinemiracle-Bildwand einzubauen, welche flacher als der Cinerama-Typus war. Vorher muß dort eine Lamellen-Leinwand für Cinerama arretiert gewesen sein, von der ich nicht weiß, ob sie jemals wieder retabliert wurde: http://www.villatheatre.com/History/196...racle.html Dementsprechend würden bei abweichenden Krümmungsindizes auch die Verzerrungen und Verkantungen unkalkulierbarer werden, sofern die Cinemiracle Corp. die Leinwandkrümmung nie spezifiziert haben sollte und nach Zusammengehen mit der Cinerama Inc. auf deren Bildwände projiziert wurde? Diese Frage bezieht sich peripher einmal nicht auf projektionsstechnische Eigenheiten, sondern auf ein hypotethisiertes (Miß-?)Verhältnis von Aufnahmewinkel und Optiken der Cinemiracle-Kamera zum Rundhorizont eines gar beliebig gewählten Wiedergabeschirms (oder gar Flachbildfernsehers). Sollte die Annahme zutreffen, so sind die flacheren Leinwände lediglich als Kompromiß anzusehen, um gegen Cinerama sich einen Marktanteil dort zu verschaffen, wo Cinerama nicht sesshaft werden wollte. Die vielen Umbauten etwa des Berliner ‚Capitol’ zeigen mir immer deutlicher, dass offenbar die Produktionsgesellschaften gewaltigen Druck auf die Kinobetreiber ausgeübt hatten. So waren im ‚Capitol’ zwei voneinander abweichende Bildwandkonstruktionen für die 3-Streifen-Projektion innerhalb weniger Jahre gesichtet worden: die erste hing noch höher, die letztere tiefer und wurde später dann gleichzeitig auch für 70mm-Projektion mitgenutzt. Ob die Krümmungsindices dieser beiden Cinerama-Leinwände je divergierten, und wann die Lamellenbildwand entfernt wurde, weiß ich im Moment leider nicht.
  11. Fraglos waren das Zeiten, in denen sich die Innovationsfreude der amerikansichen und sowjetischen Film- und Kinotechniker förmlich überschlugen - währenddessen die Umwälzungen späterhin, seit Zeiten der "Armenhaus"-Kinos (nicht herabwürdigend gemeint, sondern eine Tatsache dieser Zeit) seit Ende der 60er Jahre nur durch den Wechsel der Tonsysteme (und in bescheidererem Maße als die Jahre zuvor) noch auffielen (Mono-LT zum Dolby-A-Ton zum Dolby-SR-Ton zum Digitalton ... begleitet von simultanen Abschaffungsversuchen des Magnettons). Am Bild änderte sich trotz neuester Objektive, Spiegel und Leinwände nichts Weltbewegendes mehr: eine Stagnation auf dem Niveau der zehner Jahre des 20. Jhds. möchte ich attestieren, wo alles schon einmal erfunden und verbaut worden war. Wichtig noch der o.g. Hinweis, daß Cinemiracle offenbar eine Billiglösung für konventionelle Filmtheater gewesen sein dürfte: die Cinemiracle Leinwände waren auch flacher (auch im 'Sportpalast'?), der Bezug hierzu wie zu einem durchgehenden Vorführraum taucht immer wieder in der Literatur auf. Das "Zusammenrücken" der vormals noch überkreuz projizierenden Bildwerfer und die Spiegelumlenkung fiel auch mir daher unangenehm auf: die Abbildungen etlicher Leinwände ('Atrium Stuttgart bswp.) erscheinen bedenklich flach. Den unkomprimierten Digitalton bei den HD-Vorführungen angehend war mein Eindruck natürlich subjektiv, das war mit Vorsicht angedeutet worden. Er war aber in einem mir sehr bekannten Haus (Zoo-Palast) ein spürbar besserer Ton, als ich ihn die letzten 25 Jahre (seit der 70mm-Vorführung von "Unheimliche Begegnung der 3. Art") dort vernommen hatte, was ich u.a. auch dem Tonsystem zuschreiben mag. Daß letzthin Orchestermusik unbedingt auf Magnetton produziert werden sollte, ist mir spätestens seit 1991 sonnenklar geworden (Einführung der dig. Kinotonsysteme). Selbstverständlich gilt das auch für den Filmton! Gerade dieser ist auf optimale Muskwiedergabe angewiesen, da herausragende Filme i.d.R. auch herausragende Filmmusikkomponisten haben/hatten. Hinzu kommen die Ansprüche der Mehrkanal-Wiedergabe, wohingegen mir im E-Musik-Bereich eine vollkommene 2-Kanal-Aufnahme und Wiedergabe zumeist genügt.
  12. Betreff der @Expert Grouper-Tabelle: Derart habe ich die Parameter auch in Erinnerung, sträflicherweise aber nie notiert oder aufgearbeitet oder griffbereit. Dank hierfür. Unverständlich waren mir stets die Vergleiche von einigen (zumeist noch sehr jungen) Befürwortern digitaler Systeme (die zumeist auch in verletzender Weise Hohn gegenüber dem analogen Sound Ausdruck verliehen - das ist in diesem Thread gottlob noch nicht der Fall eingetreten), wann immer die Frequenzgänge salopp miteinander verglichen wurden: womit man offensichtlich im Sinne allgemeiner Comsumer-Bedürfnisse versucht, TOTAL sich voneinander unterscheidende Technologien einander anzunähern. Wie kommt dies? Ist sowas legitim? Da der analoge Frequenzgang mit dem digitalen nicht allein tabellarisch vergleichbar und bewertbar ist, erklärt sich hieraus, daß die Frequenzkurve, wenn ich wohl nicht irre, jenseits der angegebenen Grenzfrequenzen bei Analog-Magnetton dennoch weiter verläuft, jedoch in durch db-Werte gefaßte Abstufungen absinkt. (Bei Dolby-Magnetton ist die Kurve am Terzanalyzer noch weit über 25 kHz nachzuverfolgen. Hier hat Dolby einmal zumindest dem Frequenzgang beim analogen Ton keine Verschlechterungen zugefügt). Beim Digitalton ist nun bei 20 kHz generell Schluß, darüberliegende Frequenzen leiden dann nicht etwa unter Pegelverlusten, sondern sie existieren schlichtweg nicht. Das und anderes macht den "Vergleich" der beiden Technologien zumindest für mich extrem kompliziert. Ich kann einem besseren Geräuschspannungsabstand, besserer Kanaltrennung und höherer Dynamik bei Digitalton daher nicht die Weihen des besseren resp. naturgetreueren physikaischen Aufzeichnungsverfahrens zusprechen. Auch vom Höreindruck ist mir dies noch nie gelungen, ausgenommen beim unkomprimierten Digitalton einiger HD-Master für die DLP-Projektion auf Filmfestspielen, die erstmals wieder an Charakteristika des 70mm-Magnettons erinnerten. Sehr intereressant der Hinweis, daß Cinemiracle weniger brillant als Cinerama ausgesehen hatte. Anhand der von mir erstmals gesehen, völlig gefadeten (deutschen!) 3-Streifen-"Windjammer"-Kopie in Bradford konnte ich dort 1997 keinerlei sinnvolle Vergleiche mehr anstellen. Vielleicht ist dieser Brillanzverlust ja auch auf die zusätzlichen Verluste weiterer optisch zwischengeschalteter Elemente wie Spiegel bei der Aufnahme und der Wiedergabe bedingt. Seltsamerweise nämlich kommt Cinemiracle in der Literatur immer als das "fortschrittlichere" System davon, ebenso Kinopanorama in der UdSSR. Das periodische Flackern an der Nahtstellen erkläre ich mir nunmehr damit, daß dies an den übereinanderlappenden Bildzonen durch Summenfehler der Bildfrequenz, asymmetrische Bewegungen der Kämme sowie Phasenverschiebungen aufgrund der Siebung der Restwelligkeit des Gleichrichters u.a. Faktoren verursacht ist. Interferenzfehler? Eine sehr wilde Hypothese, die ich leider nicht beweisen könnte. :roll:
  13. Ja, hab' hier auch noch eine, aber die neueren mit "Natural Motion"-Filter sind doch ziemliche Bildweichmacher. Die letzte allerbeste Röhrenglotze war vor ca. 5 Jahren noch der Panasonic Quintrix TX 36 (schwarzes Modell mit leicht gekrümmtem Schirm, ca. 82 cm Diagonale, NICHT die Nachfolgemodelle mit Flachbildschirm!): die konnte man einstellen, beinahe so exakt wie einen PC-Monitor oder Beamer. Nur leider hatte sie bei 4 : 3-Format einen leichten Overscan. Alle digitalen Kammfilter, 100 Hz-Spielereien etc. konnte man auf ihr auch wahlweise ausschalten; wenn man sie aber dennoch benutzte, waren sie hochwertiger als bei der Konkurrenz. Kostete anno 1998 ca. DM 7.500,- :wink:
  14. Sonulux gilt aber auch nicht als die Krone der Projektortechnik, resp. der Koffenprojektoren. Der Verriss aller Philips-VV wundert mich: ich hatte damals beste Meßergebnsisse mit dem Vorgängertyp von Oma-6, einem 19-Zoll-Röhren-VV mit grauem Kräusellack und EF 40- bzw. ECC 40-Röhren. War deutlich besser als Dominar-VV oder MPU von Dolby. Hast Du den mal durchgemessen? Wäre schon interessant, ob ich zu anspruchslos hier war?
  15. Das Trennlinien-Phänomen ist nicht als Mangel anzusehen, sondern dies war eine bewußte Entscheidung nach bald zehnjähriger Entwicklung, zumal auch andere panoramatische Verfahren seit den 20er Jahren sich angeboten hätten. Ähnlich der Viertelkugel-Projektion, die nach @Christian_Mueller nichts mit "realistischer Wahrnehmung zu tun" haben dürfte, rechtfertigt sich der Effekt aus sich selbst heraus: er stellt sich selbst aus, ist Sinn in sich selbst. Das macht den Thrill bei Cinerama-Systemen aus: sie machen ihren Apparat offensichtlich, fast "transparent" (digitale Animation "retuschiert" dementgegen die "Ursprünge" des Herstellungsprozesses) und protzen mit ihrem "Aufgebot an Artillerie", könnte man ironisch hinzufügen. Ja, gerade das kurose "Flimmern" an den Trennstellen (habe es nie untersucht, aber es flackert mit einer Frequenz, die ein Pulsieren hervorbringt - weiß einer was darüber?) macht den Thrill der Vorführung aus, denn jeder Zuschauer steht vor der Provokation, kein dreiäugiges Wesen zu sein. Sehr spannend, die Sache! Dies zu verdammen oder als Mangel abzutun wäre ebenso verkürzt, wie Split-Screen-Techniken, Diorama-Darbietungen, 3-D oder Digital Animations pauschal als "Abweichen vom Realismus" zu begreifen. Ich verstehe durchaus, was @Christian_Mueller sich von Filmtechnik erhofft. Aber auch das Abweichen von naturalistischem Ausdruck/Wiedergabe ist Teil der Bilder- und Tongeschichte. Wäre denn CinemaScope 2.35 : 1 (besser: 2.55) aufgrund seiner starken Annäherung an den menschlichen Blickwinkel das "beste Format", wäre die Film-, Kino- und Technikgeschichte aus meiner Sicht ein Trauerspiel. Insofern: Der von Dir zitierte "Gone with the Wind" (im Normalformat!) hat m.E. auch noch auf DVD mehr Raumwirkung, Plastizität und Farbideen als alle die meisten Imax-Technologien/Filme - auch wenn Dich diese Auffassung auf die Palme bringt... :?: "Gone with the Wind" - offenbar der zweitgrößte Filmerfolg der berliner Filmteatergeschichte; lief seit 1952 mehr als zwei Jahre in der 'Kurbel', auf eher kleiner Bildwand im Normalformat, und zahllose Kopien wurden zerschlissen. Wenn es das nur auf und mit Imax gäbe, das Kino hätte mehr Zukunft!
  16. Bauer-Verstärker und nicht wenige Tongeräte waren fast immer Siemens-Klangfilm und auch Philips unterlegen. Verwunderlich, bei soviel Kredit dieser Firma im Projektorenbau... :?
  17. Ich weiß genau, was ich schrieb. IMAX habe ich nicht vergessen, sondern wollte es als (sehr ungleichen) Cinerama-Nachfolger vorstellen. IMAX hat dann die höchste Auflösung, ist aber in der Fotografie, Schärfentiefe, Plastizität und in bezug auf die Kopiermaterialien weniger "brillant" als 60er Jahre-Filme. IMAX wirkt somit "flacher" (fotografisch betrachtet) und auch "flächiger", weniger skulpturenhaft. Vielleicht vergaß ich aber die 3-D-Systeme, denen man die größte Plastizität zusprechen könnte (?), welche aber anders zu definieren ist, da es sich um zwei versetzte Bildebenen handelt, die einen "realistischen Effekt" ebenfalls simulieren. Das bemühten sich auch Cinerama- oder Todd-A-O-Systeme auf Grundlage des 2-D-Films zu erzielen, sie standen aber stärker in der Tradition der Panoramen seit dem 19. Jahrhundert. Der überbreite "graduelle Bildausschnitt" der Breitwandverfahren bedient sich einer den späteren Imax-Systemen verwandten Überwältigungsstrategie, die seit jeher den Sonderverfahren zu eigen ist. Dabei werden konventionelle Sehgewohnheiten nachweislich überschritten und nicht unbedingt naturgegebene Wahrnehmungskoeffizienten bedient (das Zuschauer-Auge "wandert" umher - im Gegensatz zum Normalbild). Und das macht den Reiz dieser Systeme aus, wenngleich die Eigenwerbung, "realistisch" oder "zum Greifen nah" zu sein, eine geschickte Tarnung der Verfahren und Business-Strategien darstellt, die jenseits des menschlichen Wahrnehmungsvermögens Informationsaufzeichner sein wollen und stets "mehr" zu bieten behaupten, als Mensch sieht oder hört. Es wäre verfehlt zu argumentieren: "realistisch" = automatisch gut, "Verzerrung" = automatisch schlecht. Weiterhin ist zwischen Realismus im weitesten (auch künstlerischen) Sinne und dem Naturalismus der Abbildungseigenschaften in Bild und Ton (letzteres meinst Du eher) zu scheiden. OMNIMAX ist somit völlig "unrealistisch" nach der von Dir gewählten Begrifflichkeit: die Verzeichnungen sind exorbitant und die Bildwandkonstrukte mitunter abenteuerlich (im IMAX/OMNIMAX am Marlene-Dietrich-Platz in Berlin zeigt sich die aus vielen Nähten geschweißte Omnimax-Bildwand fast wie ein "Nudelsieb"). :lol: Ausdrücklich begrüße ich aber dieses Abweichen von einer naturalistischen Wahrnehmung, die es defacto gar nicht gibt, da jeder ander sieht, hört und interpretiert (ich spitze hier polemisch zu!). Aber auch das von Dir evtl. favorisierte IMAX-Flat-System war zu keiner Zeit naturalistisch: ich erwähnte bereits die Flachheit des fotografischen Ausdrucks, die der Bildgröße diametral entgegengesetzt zu sein scheint (auch wenn @magentacine aus der Berechnung von Aufnahmewinkel, Objektivkonstruktion und Brennweite, Ausleuchtungsaufwand und Abblendung in der Kamera positivere Potentiale der Large-Format-Systeme erkennen will, die lediglich ungenützt im Verborgenen lägen ... quod errat demonstrandum). Zur kurz greift mir auch Deine Fesstellung, die drei Teilbilder einer 3-Streifenproduktion seien zueinander verzogen. Jede Optik, jedes Format und jede Leinwand verzieht ab einer bestimmten Änderung seiner auf ein optimales Fixum ausgerichteten Parameter. Generell aber fällt dies bei den Cinerama-Systemen stärker auf, da es sich um das komplizierteste Verfahren handelt. Man achte darauf, daß das Sich-Entfernen und Nähern der Objekte zu den Triple-Kameras bereits zu einer raschen Zunahme der Verzerrung führte, gerade sehr auffällig, wenn horizontale Linien (Golden-Gate-bridge u.a.) durch's Bild wandern. Letzthin wäre noch zu berücksichtigen, daß die Überkreuz-Projektion auf eine gewölbte Leinwand andere und authentischere Abbildungseigenschaften des Verfahrens hervorbringt, als eine Umkopierung auf eine Cinema-Scope-Kopie nebst Ausstrahlung im Fernsehen - und etwas anderes dürftest Du m.E. (leider) nie gesehen haben, um fair zu urteilen. Dein Urteil, daß "das Ganze mit einer realisitschen Wiedergabeoptik jedoch nichts am Hut hatte", wird m.E. sowohl der Technologie, der Technik wie auch dem Phänomen nicht ganz gerecht. Historisch am wenigsten: Filme wie "Windjammer", "Da war der Wilde Westen", "Die Sieben Weltwunder", "Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm", "Südseezauber" u.a. hatten in Berlin und anderswo monatelange Laufzeiten, und noch nach Jahrzehnten erinnern sich Zeitzeugen hieran mit glühenden Augen. Die sich als realistischer gebenden Imax-Systeme haben leider nur wenige Titel aufzuweisen, die in Erinnerung blieben. Warum das so ist, wäre schon untersuchungswürdig. Wir hatten hier bereits mehrere Realismus- und Naturalimus-Diskussionen betreffs der Kino-Digitaltonsysteme. Auch hier hätte ich technisch wie ästhetisch Zweifel an der unbedingten "Wirklichkeitstreue" angemeldet. Das will ausdrücken, daß man nicht derart komplizierte Zusammenhänge in einem Zweizeiler "abhaken" kann. 8)
  18. Die weiter oben gezeigten Prinzipschaubilder von @Hauptling habe auch ich leider nicht hochauflösender. Das rechtseitig befindliche Schaubild ist ohnehin in den letzten Jahren kreiert worden, wie man erkennt. Zur mehrmals diskutierten Problematik der Überlappungsbereiche von Teilbildern bei Triple-Projektion ist meine pers. Einschätzung: diese wurden in der Literatur immer als störend empfunden, als Sinnbild der Unausgereiftheit und Hybridisierung des Verfahrens, das kurz danach erfolgreich durch das "geniale" CinemaScope ad acta gelegt werden konnte. Soweit Resumees einiger Techniker und m.E. unbedarfter Filmhistoriker (etwa solcher, die auf einer Berlinale Breitwandretrospektiven veranstalteten und sich ostentativ vor allem fürchteten, was jenseits von CinemaScope und Autorenfilm liegt). Nach meinem Empfinden zeigt sich hierin aber der Reiz und die Faszination einer 3-Streifen-Projektion, ein gewisses Verständnis und Interesse für den Mehraufwand des Apparats beim Zuschauer vorausgesetzt (und dieses Verständnis dürfte ein Zuschauer von 1952 eher gehabt haben als heute, zumal die Technik demonstrativ überall erklärt wurde, sowie wie heute dts und Dolby Digital beim Medium DVD). Betrachtet man das überragende Ergebnis einer solchen Projektion hinsichtlich der astronomischen Schärfentiefe, Plastizität, Bildproportion und Auflösung, so schlug das Verfahren alle anderen vorherigen und folgenden Verfahren (auch und gerade "70mm", ein im Grunde "abgespecktes" >Cinerama from out one hole<). Der Disput müßte jedoch auch theorieästhetisch entwickelt werden: es müßte zumindest zeitweise akzeptiert werden, daß "Cinerama" auch a) um seiner selbst willen kreiert wurde, nicht "nur", um a priori manifestierte autorenspezifische Ideen zu verkünden. Und es ist b) fraglos auch ein prononciertes System der Anmaßung, des Machtwahns und des totalitären Erfassens von Welt (aus einem überbreitem, "übernatürlichem" Blickwinkel). Cinerama, Kinopanorama, Cinemiracle u.a. Systeme waren Instrumente des Kalten Krieges und der Präpotenz auf beiden Seiten, wenn man so will: aber mit einem unvergleichlichen, gewaltigen Ausdruckspotential. Vor diesem Hintergrund läßt sich eventuell die Wirkung historisch und auch gefühlsmäßig erfassen, die "Trennnähte" vielleicht als Signum einer aus den Fugen geratenen Welt (oder als kuriose Metapher der atomaren Überrüstung und des Overkills?) zusammendenken (und "weiterspinnen"). Das hat durchaus atmosphärische Reize, hier akzentuiert zum globalpolitischen Fanal (filmtechnologische Reflexe auf Ideologismen der "Weltordnung" etc. pp.). Letzthin wurde obenstehend kurz die Symptomatik der Cinerama- vs. Cinemiracle-Überlappungstechnologie angesprochen. Der Amerikaner Daniel Sherlock, der eine umfängliche Korrektur von R. M. Hayes Buch "Wide Screen Movies" vorlegte (und selber gelegentliche Irrtümer nicht ausschließen konnte) beschreibt die Charakteristika in seinem Traktat folgendermaßen (bezugnehmend auf diesbezügliche Kapitel bei Hayes): <> Mention is made of Cinerama’s “gigolos” and that they were so-called “...because they jiggled the image.” Actually, they jiggled to create a vignette to match the intensities of the overlap areas used for Cinerama. The image itself did not jiggle (at least not intentionally). Incidentally, other spellings have been used for these devices including “giglo”, “jigolo” and “jiggolo”. All 35mm Cinerama projectors did use gigolos, but Cinemiracle projectors used the optically printed vignettes on the film instead, and Kinopanorama projectors initially just adjusted the images to abut side by side. Beginning about 1960, the Soviets used a stationary mask edge between the film and the projection lens. This edge was out of focus and created a vignette that permitted improved blending between panels. <> The authors claim that Cinemiracle overcame the problem of the join lines by using mirrors. In fact the brightness matching at the blend lines was primarily due to a vignette added to the edges of the images in the optical printer. The camera assembly had the side cameras pointing into mirrors to place the lens focal points at the same “virtual focal point” which minimized the parallax problems at the join lines. The mirrors on the projectors were primarily to give the widest spacing between the projection beams to allow the deepest curved screen possible, and to reintroduce the image flip created by the camera mirrors. An additional benefit was that it was easier to adjust the projector mirrors for alignment rather than the projectors themselves. The claim that mirrors created the vignette blend between panels can be seen to be false simply by noting that the center panel was not projected with a mirror and thus would not have had a vignette at the edges. There was another reason why the Cinemiracle blend area looked better than with Cinerama projection: When gigolos were used, they could not be in focus if the image on the film was in focus because the gigolos’ teeth were not in the same focal plane as the film image. Thus it was very difficult to achieve a perfect linear ramp vignette from light to dark. Typically the effect would be visible on light scenes as a slight lightening of the image at each side of the blend area with a darker center. The visibility of this effect was dependent on the scene content. Cinemiracle could achieve a near-perfect blend since the vignette was part of the film image.
  19. Und zur Jahreswende allen Breitwand-Cracks einen guten Rutsch!
  20. Der Film lief in einem berliner Kino wahrhaftig in 1.85 : 1. Ich hätte es fotografieren müssen. Der berlin TIP schreibt folgendes zum Film: Dazu merke ich an, daß ich bereits mit dem synästhetischen Verfahren Luhrmanns (seit "Romeo et Juliet") die gleichen Probleme hatte: in etwas neuerem Gewand eben doch uralte Inhalte und Musikideen, die zu Beginn des 20. Jhds. bereits als "überwunden" galten (alternierend sind bspw. Opern von Hindemith und Schönberg zu nennen, die die Musikwelt einst revolutionierten, während Hollywood in seinen Musicals an der "Operette des Abendlandes" festhielt).
  21. Stimmt wohl im allgemeinen. Die MOD ist in Dtl. generell ausschlaggebend für alle dt. Tonformate. Allerdings (erst recht bei den US-DVDs): Die früheren Universall DVDs hatten bei dts meiner Erinnerung nach höhere Datenratren, bei Superbit-Platten von Columbia ist dts ebenfalls deutlich besser. Nachwievor gibt es bei neueren Fox-Platten einen Unterschied zwischen dts und dem schlechteren AC-3, sonst fällt dieser nur noch merginal ins Gewicht. Auch wird die Handhabung der Datenrate selbst bei AC-3 individuell bestimmt (oder inzwischen nicht mehr?). Woher meine Erinnerung rührt, daß bisweilen auch DVD AC-3 höhere Bitströme und besseren Ton beinhaltete, habe ich schon wieder vergessen (oder verdrängt), da in letzter Zeit so viele schreckliche und überladene DVDs erscheinen ("Harry Potter" und "Herr der Ringe"-Trilogien), die bereits vom Bild her dunkle, grieselige Suppe sind, sodaß ich den Ton schon gar nicht mehr einschaltete ... sorry für die Ignoranz gegenüber der allerneuesten Consumer-Ware. :oops:
  22. Gegründet von Frau Stoll etwa in den frühen 50er Jahren, betrieb sie die Firma bis etwa Anfang der 80er Jahre. Sie hat nur Disney-Filme synchronisiert und auch bearbeitet, vom Magnettonmaster bis zum Lichtton (bei den MOSAIK-Studios, wonach zur Kontrolle der Schwärzung des Lichttonnegativs/-positivs diese Tonmaster nach Hollywood geschickt wurden und erst dort Disney die Kopien zog). Als keine Disney-Filme mehr als Aufträge hereinkamen, nahm sie nur noch Gelegenheitsaufträge wahr (z.B. Mono-Magnetton-Überspielung von "West Side Story" für das ZDF Anfang der 80er Jahre). "Die Frau mit der tiefen Stimme" wurde am Telefon oft mit Herr Stoll angesprochen.
  23. Muhaha...genau dieses ist der Grund, warum ich mich aus diesen Foren fernhalte...Leute, die denken ein Lautsprechergehäuse aus Marmor würde die klanglichen Eigenschaften positiv beeinflussen oder die Adepten, die Subwoofer als Baßreflexgehäuse aufbauen...JBL läßt grüßen... Tja, eine kranke Überflussgesellschaft :lol:
  24. Dann höflicher und möglichst kurz, denn die „Einwürfe“ von @Oscar fallen doch ins Auge. Ich war bemüht, seine Auffassung näher zu ergründen: Über DIPIT, das @Oscar offenbar vertreibt (?), schwärmt er auf http://forum.filmvorfuehrer.de/viewtopi...ght=#31877 Zu Fragen seiner Hilfsbereitschaft zeigt er Flagge: http://forum.filmvorfuehrer.de/viewtopi...ght=#31210 : Zu Beschwerden über eine offenbar doch nicht so scharfe Digitalprojektion („The Day after tomorrow“) heißt es bei @Oscar auf http://forum.filmvorfuehrer.de/viewtopi...ght=#24914 : Auf http://forum.filmvorfuehrer.de/viewtopi...ght=#24406 mußte er seitenlang seine Beiträge löschen … Und auf http://forum.filmvorfuehrer.de/viewtopi...ght=#17490 schreibt @Oscar seitenlang als einziger Marathon-Beiträge, als es um die Bewertung der schweizer Kinos geht, für die er vielleicht (mit Sanyo PLV-WF10 ?) etwas tun möchte? Was von @Oscars obigen Schuldzuweisungen für die Verantwortlichkeit des Kinosterbens zu halten ist, wird aus meiner Sicht somit hinreichend erhellt. :?:
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