Jump to content

cinerama

Mitglieder
  • Content Count

    9541
  • Joined

  • Last visited

  • Days Won

    30

Everything posted by cinerama

  1. Offenbar hier ein Trugschluß, von einer anderen Mischung bei SR-Optical-Kopien versus allgemeine Digitaltonformate auszugehen. SR Optical war klasse bis zur Einführung von Dolby Digital 1993, da analoge Signale ohne Datenreduktion vorlagen - schmalbandig war nur der Surround gegenüber heutigen Digitialformaten. Seit 1993 wird (bei synchronisierten Filmen) SR Optical ebenso wie DD von der gleichen MOD überspielt, ebenso SDDS/DTS (Berliner Synchron / Kopierwerke ARRI und GEYER). Daher die Degradierung von SR. Zudem wurde die Spaltbreite/Breite der analogen Lichttonspur zuungunsten von SR und zugunsten des DTS-Timecodes "verschmälert". Kein Wunder, daß alle hier SR jetzt verachten, wenn das System durch besagte Faktoren von Dolby selbst quasi verstümmelt wurde.
  2. cinerama

    Frage Philips FP56

    Philips empfiehlt zur Beseitigung des lästigen Unschärfespiels die Feinstellvorrichtung VE 2066 für den Objektivrevolver ab 1957, und der neue Objektivhalter ab 1960 für FP 7 und FP 56 verbessert dies um ein weiteres, explizit die Beibehaltung der Fokuslage. Überdies wurden in letzter Konstruktion die beiden achsenparallelen Führungsstangen nunmehr nicht mehr diagonal, sondern nebeneinander positioniert. Recht gut funktioniert das noch heute im Berliner Broadway-Kino. Der Kräusellack ist sicher anfälliger für Verschmutzung, das ist richtig beobachtet. Aber dieser Lack platzt nicht so schnell ab wie der Eisblumenlack bei Ernemann oder der Hammerschlaglack bei Philips FP 20 und noch heutigen Kinoton-Geräten. Ich habe ihn immer recht gut mit flüssigem Ajax sauber bekommen, mit Alkohol und Benzin natürlich nicht. Das genügt doch eigentlich auch?
  3. cinerama

    Frage Philips FP56

    Etwas verspätet komme ich zum Antworten: Also, es ist durchaus anzunehmen, daß auch die Trommelblende bei Einführung eines beschleunigten Kreuzgetriebes im Dunkelsektor reduziert wurde. Wozu sonst triebe man den Aufwand mit dem Kreuzgetriebe? Ansonsten wäre dieses - wie Du sagt - völlig unnötig. So dumm aber war Jan Kotte von Philips nicht gewesen. Vergleichsstuden zw. einzelnen Fabrikaten von Projektorenherstellern im Normalfilmbereich kenne ich nur äußerst selten, da hat sich wohl kaum einer getraut, es sich mit den Firmen anzulegen (weshalb die meisten Vorführer von sich selbst glauben, sie arbeiteten am jeweils besten Projektor überhaupt). Konkret müßte ja das Schaltverhältnis des Kreuzgetriebes in Relation zur Umlaufblende gesetzt werden, wollte man den lichttechnischen Wirkungsgrad beurteilen. Somit gibt es nur allgemeine Berechnungen zu Umlaufblenden: aus der Frequenz der Dunkelteile/Hellteile, der Intensität des Lichtstroms und dem Schaltverhältnis ergibt sich der Wirkungsgrad des Lichts, d.h. Lichtwirkungsgrad= (360° - Summe der Dunkelteile) : 360°. Das ist äquivalent zur Berechnung der Summe der Hellteile : 360°= 1 - Anzahl der Verschlußflügel x Schaltverhältnis. Differenzierter werden die Berechnungen bei Beurteilung der Verschlußarten, wo zusätzlich die Bewegungswinkel der Verschlußflügel analog zur Form der Blende unterschiedliche Auswirkungen auf den Wirkungsgrad des Lichts haben. Der Bewegungswinkel wird durch die trigonometrische Funktion tangens Bewegungswinkel = Höhe des Bildfensters : 2 x Radius des Blendendurchmessers. Ein Gleichung die für Scheibenblenden und Kegelblenden gleichermaßen gilt. Bei der Trommelblende gilt der Wirkungsgrad des Lichts ausgerückt durch: 1 - [[Verschlußwinkel + (Bewegungswinkel 1 + Bewegungswinkel 2) : 2] : 180°] entspricht 1 - [(2 x Verschlußwinkel + Bewegungswinkel 1 + Bewegungswinkel 2) : 360°]. Sicherlich sind Kegelblenden günstiger für den Wirkungsgrad des Lichts, jedoch frage ich mich, ob die Blendenlager an Kegelblenden nicht frühzeitiger verschleißen als bei Trommelblenden. So wird die vom Wirkungsgrad her gelungenste Kegelblende, die sehr große Einflügelblende beim Philips DP 70, nach einigen Jahren zum Problem, wenn die Blende aufgrund ausgeschlagener Lager beginnt zu "flackern". Aber hier gab es ja auch die Impulslampe, die praktisch nicht immer perfekt funktionerte, aber anderenfalls eine definitive Lösung zur Reduzierung des Laufgeräuschs der Blende geworden wäre.
  4. cinerama

    Frage Philips FP56

    Spannende Frage! Eigentlich stiege ja der Beschleunigungswinkel nur bei Wechsel vom vierflügligem zum dreiflügligen Malteserkreuz an. Der FP 56 hat das aber m.E. anders gelöst (ich habe nur FP 5 hier und kann das nicht auf die Schnelle eruieren - veilleicht andere auf diesem Forum?). Mir sind zwei Arten von Kreuzgetrieben mit kürzerer Schaltzeit gegenüber der konventionellen Schaltzeit von 1/96 Sek. bekannt: Das Prinzip des sog. "Kurvenschleifengetriebe" beruht auf Einsatz einer modifizierten Kurvenscheibe, die bei einem vierflügligen Kreuz erst nach dreimaliger Umdrehung - und zwar über den Drift der "Kulissenverschiebung" - den Eingriff des Stiftes in den Kreuzschlitz bewirkt ("Kulissenverfahren" = Schaltzeitverkürzung um eine Viertel bei größerer Filmbeanspruchung). Das Prinzip der "Kurbelschleife" indessen (auch "Schnellschaltgetriebe" genannt) bedient sich des Zusatzes eines Vorschaltgetriebes, das mittels des Exzenterantriebes die Stiftscheibe diskontinuierlich antreibt, hervorgerufen durch einen ganz bestimmten Punkt auf der Rotationsachse dieses Vorschaltgetriebes, der im Moment höchster Drehgeschwindigkeit mit dem Stifteingriff zusammenfällt. Beim Kurbelschleifensystem besagen die trigonometrisch errechneten Zeit-Weg-Ableitungen, daß im Verhältnis zum Drehwinkel die Beschleunigungskurve des Kreuzes anfänglich ebenso "schonend" wie bei einem "normal" angetriebenem vierflügligem Kreuz verläuft, um dann steil ansteigend einen zusätzliche beachtliche Beschleunigung zu erfahren, an deren Ende sich erneut eine ebenso "schonendes" negative Beschleunigung zur Ruhephase des Kreuzes anschließt. Diese Getriebe wurden oft in Universalprojektoren 35/70mm verwendet, m.E. auch im FP 56-Projektor - und dies ohne merkliche zusätzliche Belastung des Perforation. Aber das mag Stefan2 einmal ausführlicher erklären, der Ing. ist und Philips-Maschinen nach meinen Erfahrungen generell nicht mag - und somit auch gleich begründen, warum auf seinen geschätzten Bauer-Projektoren das alles soviel besser gelöst ist? Damit könnte ich ja noch was anfängen, mit Schlagwörtern wie "Kisten" indessen weniger. Nicht ganz unerheblich: FP 56 stellte auch neuartige Objektivhalter vor, bei denen der Wechsel simpler vonstatten ging und die Fokuslage zur Bildbahn gleich blieb. All' diese schönen Verbesserungen sind indessen im Zeitalter der Objektivrevolver und des Polyesterfilms sicherlich obsolet geworden, ich wollte sie aber zur "Ehrenrettung" der so oft verlachten "Kisten" nicht ganz unerwähnt lassen... :smokin:
  5. cinerama

    Frage Philips FP56

    Na gut, dann sei die Schmähung verziehen. Nur oder gerade weil Philips-Geräte extrem "einfach" konstruiert sind, sollte man sie nicht verdammen, da sie laufleise, materialschonend und zuverlässig über Jahrzehnte Ihren Dienst ohne große Wartungen taten, was man sich von den allerjüngsten Fabrikaten und deren "Getriebe" doch in gleichem Maße wünschen würde? :roll:
  6. cinerama

    Frage Philips FP56

    Find' ich ja wieder etwas polemisch. Die Anti-Philips- und Anti-Dolby-Attitüde ist Dir wohl nicht mehr abzugewöhnen. Dabei weißt Du bestens, daß beim Abspiel alter Sammler- und Archivkopien kaum ein Projektor empfehlenswerter ist als Philips FP 5/56, dort wo leider bereits Bauer etwas ruppiger läuft und gerade Ernemann splice-freudig ist ohne Ende. Auch neuere Kinoton-Maschinen sind in diesem Punkt etwas im Nachteil gegenüber den Jan-Kotte-Entwürfen der Vierziger und Fünfziger. Aber gut: Wer museal/global sammelt und seltenere Fabrikate sucht, mag die Ernon sich holen. Ich würde so etwas aber nie betreiben. Philips FP 5/56 lief aus gutem Grund zwei Jahrzehnte in den Walther-Kirchner-"Lupe"-Kinos, wo fast nur alte, spröde und rissige Acetat-Kopien immer wieder eingesetzt wurden. Kirchner präferierte diese Geräte wohlüberlegt, um Ruhe um seine Kopien zu haben. :sleep: Traurig, daß diese nun zu "Kisten" niedergemacht werden...
  7. Da würde ich - zumal die Frage bewußt einfach und allgemein aufgeworfen wurde - auch global und zeitlos antworten wollen, in der Erwartung, daß sich sowohl Diskussion wie Vergleiche sukzessive in diesem topic weiter entwickeln würden. Was also "liebt" man über alles oder - naiv empfunden -: wofür steht man noch nachts auf und geht ins Kino? Soundsysteme/Tonformate/Gerätehersteller werden hier einmal kombinatorisch evaluiert: An erster Stelle: optimierte Magnettonvorführung (35 mm, 70 mm) mit folgendem Equipment: "Klangfilm Stereodyn"-Siemens-Röhrenendverstärker, "Panastereo"-Magnetton-Vorverstärker, Klangfilm-Eurodyn-Lautsprecher auf adäquaten Schallwänden (deren Baßtöner und Frequenzweichen für heutigen Digitalton ausgetauscht werden könnten). Geeignete ältere und (wieder neu zu ziehende!) Magnettonkopien mit verbesserter Magnetitpaste in Wieder- und Uraufführung vorausgesetzt, bleibt diese Kombination für meinen Höreindruck resp. musikalischen Geschmack "unschlagbar". An zweiter Stelle: analoger Lichtton des Sytems "Dolby Spectral Recording": Dezidiert auf die Zeit von 1987 bis 1993 bezogen, wo ausschließlich mit analogen Zwischen- und Endmischungen gearbeitet wurde, ergaben sich für mich hervorragende transparente Klangeindrücke - zumindest auf Frontlautsprechern. Hierfür ein Dolby "SR-A 5"- Adapter mit "280 T"-Karten, eingeschleift über einen Sony "DFP 3000"-Prozessor mit oben erwähnten Endstufen und Lautsprechern. Alternierend hierfür bereits neuere prozessorgesteuerte "Deltamax"-Lautsprecher von Electro Voice oder bei geeigneter Bühnentiefe eine "HPS 4000"-Lautsprecheranlage bei Wechsel der Röhrenendstufen zu heute gängigen Endstufen von Harmann & Kardon. An dritter Stelle: DTS-ES-Vorrichtungen für die Fabrikationsweisen und Bedürfnisse des digitalen Zeitalters: aufgrund verschleißresistenterer Tonmodulation (aufwendige Dichtmessungen für die Lichttonnegative in Kopierwerken für die anderen Tonformate des 35-mm-Streifens waren bekanntlich realiter nicht immer verläßlich, daher die Ausfallraten bei Dolby Digital und SDDS). Weiterhin verbilligen sich die Kosten bei 70-mm-Kopien, die über DTS vorgeführt werden, wenngleich mit Qualitätsabstrichen gegenüber einer Magnettonbespurung behaftet. Verstärker- und Lautsprecherpräferenzen wie bereits oben erwähnt. Einschränkung bei DTS: leider durch Datenkompression und Sampling Rate auch hier nur ein leidiger Kompromiss: unkomprimierter Digitalton (wie bei der DLP- oder Imax-Projektion) wäre demgegenüber der unverfälschtere Weg, der für digitale Systeme einzufordern wäre. Soweit in verkürzter Aufstellung meine "Lieblingstonsysteme", gegenteilige Eindrücke interessieren mich sehr!
  8. Wie schon erwähnt, bei der KOFIBA in Weiterstadt anfragen, falls man dort überhaupt noch das Equipment für Regenerierung aufbewahrt hat! Ansonsten gibt es noch die Filmpräparieranstalt in Berlin, Ing. Pohlmann. Vom Wässern in Color-Positiv-Maschinen des ECP-II-Prozesses ("Heißprozeß") bei 36 Grad (Entwickler) und 30 Grad (Wässerungen) rate ich aus meiner Kopierwerkspraxis ab. Die TC-Kopie würde magentastichig. Evtl. ist die Schwarzweiß-Entwicklungsmaschine hierfür geeignet, die bei nur 20,5 Grad entwickelt und bei 20 Grad wässert. Die Kopie muß jedoch peinlichst genau vorher gereinigt werden, sonst entstehen Fleckenbildungen! Da aber weiße Risse in der Schicht sind, sind dies m.E. Schäden, die nicht mehr regenerierbar sind. Allenfalls kann der Zersetzungsprozeß gestoppt werden. :(
  9. cinerama

    HDR3

    Daß man die aufwendigen CGI-Shots so niedrig in 2 k renderte und damit um ein weiteres das Aufnahmepotential eines photochemischen, hochempfindlichen 35-mm-Negativs im Zusammenspiel mit dem Super 35-Format noch weiter senkte, ist nicht neu. Jedoch ziehen sich die Unausgeglichenheiten quer durch alle Produktionswege, die in sich alle nicht stimmig zu sein scheinen: weder in der Wahl der Negativemulsionen, der "Komposition" der Bildausschnitte, dem Einsatz der Super-35-Brennweiten - die im Kontext mit unterschiedlichen Emulsionen und veränderter Schärfentiefe durchaus derartig "schwammige" Eindrücke gebieren können, sowie im Einsatz der CGI-Techniken und variierender Rendering-Bearbeitung. Das ist zwar ohne weiterführende Lektüre zu dieser Produktion hier nur Spekulation, aber es könnte erklären, warum innerhalb jeweils ein und der selben Technologie solche Qualitätssprünge ins Auge fielen. Vielleicht hat ja auch die gläubig gehandhabte Digitalisierung zu handwerklichem Pfusch verführt? So daß manche Resultate ebenso peinlich auffallen, wie so manche verpönte analoge Tricktechnik der vorigen Jahrzehnte. Allerdings stört das nicht Jeden, denn der "videoartige " Look einiger Einstellungen, wie Du schreibst, dient sich durchaus den Monitor-Präferenzen des heutigen Konsumenten an und wird nicht keineswegs mehr als "irreal" empfunden. Eventuell hat man sich auch zu intensiv mit dem Graphik-Design allgemein sowie mit der Animation des Golom beschäftigt, sodaß die Aspekte der Post-Produktkion als nebensächlich eingestuft wurden. (In diesem Punkt war bei Monstre-Produktionen "früher" - und schon vor vierzig Jahren - "einiges gelungener", wo dem naturalistischen Eindruck die Priorität zukam. Schlecht ist anno 2003 halt immer nur, wenn man zuviel will und zu wenig kann...). Post Scriptum: Ansonsten fanden einige den Film viel abwechslungsreicher und amüsanter als die vielen Sternenkriege, Terminatoren und Batmen s.
  10. Letzterem ist zuzustimmen. Ein rein private Vorführung nur im Familienkreis ohne öffentliche Bekanntmachung, oder eine Handlung, die nicht der Hehlerei Vorschub leistet, ist juridisch völlig unbedenklich, sofern es sich nicht um indiziertes Material handelt oder solches, daß aufgrund einer (Diebstahls-)anzeige aktuell gesucht wird. Die Sammel-Angelegenheit bewegt sich seit Jahrzehnten im Bereich der Grauzone, da selten nachweisbar ist, wie und auf welchem Wege Filmmaterial in private Sammlerhände kam. Ohnehin wären selbst fragwürdige Vorgänge nach zehn Jahren verjährt, sofern man als ängstlicher Sammler Befürchtungen wegen des einen oder anderen ungeklärten Titels hat. Anders ist es mit den Urheberrechten, die erst nach 70 Jahren erlischen. I.d.R. gibt es immer Produzentenerben oder Filmgesellschaften, die nachwievor Rechte am Werk haben. Eine öffentliche Aufführung ist daher nur mit Genehmigung derselben bei entsprechender Lizenzgebühr anzuberaumen. Allerdings wurde vor einigen Jahren selbst der "harmlose" Besitz von Trailern, ich nenne den damals neuen Titel "Jurassic Park", als Delikt verfolgt, der Sammler wurde "hochgenommen". Die konkreten Folgen sind mir nicht bekannt. Anfang der 80er Jahre gab es außerordentlich viele Razzien bei Privatsammlern, insbesondere wegen des Besitzes von James-Bond-Kopien, die seinerezit exklusiv nur im Kino ausgewertet werden durften. Dabei ging auch das Filmlager Traut in Düsseldorf hoch: der Lagerbetreiber soll sich erhängt haben. Heute wird i.d.R. nur bei Videodelikten und Internetpiraterie unerbittlich verfolgt, die der Branche wirklich ernsthaft schaden. (Zurecht, wie ich meine. Aber hier geht es um die allgemeine Rechtslage und nicht eine "Meinung"!) In Deutschland verkaufen führende Filmverleiher i.d.R. nicht ihre Kopien. Wenn ausnahmsweise doch, kann man froh sein und sollte es hier nicht an die große Glocke hängen - im eigenen Interesse, gelle?? Die amerikanischen Muttergesellschaften wünschen dies nicht, obwohl dort auf bestimmten Märkten von Händlern offiziell Filmmaterial "nur für private Zwecke" verkauft wird. Also auch dort gibt es kein legalisiertes Sammeln! Selbstverständlich besteht ein Widerspruch zwischen den immer kürzer werdenden "Halbwertzeiten" der Distributionsphasen, der immer größer werdenden Angebotsmonotonie und immer kleiner werdenden Repertoirestöcken in den Archiven und Kinos. Natürlich wäre es vernünftig, Filme als Weltkulturerbe zu betrachten, das allen gehört und nützen sollte! Aber Vorsicht: sammlerische, ethische und kulturelle Ziele stehen oft im Gegensatz zu geschäftlichen. Wenn ein Rechteinhaber befürchten muß, daß seine Altkopien zu Vorführungen oder Raubkopien führen, die ihm Einnahmen entziehen, die er sonst über den offiziellen Verleih oder den Vertrieb von DVDs erzielt hätte, dann sollte das hier bitte nicht lächerlich gemacht, sondern unbedingt ernst genommen werden. Daran wird sich auch - das muß man realistisch sehen - nichts ändern, was hoffentlich einem jeden verständlich ist?! Selbst wenn also eine Lizenz abgelaufen ist, so haben der vormalige Lizenzinhaber oder die Produzenten nachwievor ein hohes Interesse daran, daß der Film nicht zum gewerblichen Einsatz kommt. Auch wenn keine Anstrengungen der Rechteinhaber unternommen werden, den Film selbst in neuen Kopien erneut herauszubringen, so gibt es dennoch jene (aus Sammler- und Kinobetreibersicht angeblich "bösartige") Ader des Verbietens, Untersagens und Abstrafens von Verstößen. Frage: was würdet Ihr denn sagen, wenn Ihr ein Buch schreibt, dieses längst resignativ als "unverkäuflich" in die Kiste geworfen habt und jemand Fremder kommt, der danach greift und es gewinnbringend ohne Mitteilung herausbringt? Es geht somit ausschließlich um das Urheberrecht, nicht um ethsche und sammlerische Vorlieben! Dennoch ist das Sammeln etwas Ehrenvolles, wenn der Film das entsprechende Alter und einen Seltenheitswert erreicht hat und nur privat genutzt wird und auch keine Beschaffungs-Delikte damit einhergehen. Es wird meiner Schätzung nach etwa 20- 30 Tsd. Sammlerkopien in Dtl. geben. Diese sollten pfleglich behandelt werden und ggf. inteessierten Veranstaltern, die einige der Titel gerne spielen würden, bei entsprechendem Vertrauen zumindest zur Kenntnis gebracht werden. Im weiteren liegt es dann in der besonderen Verantwortung des Veranstalters, die Rechte hierfür einzuholen und die Kopie ggf. vom Sammler zu entleihen und ihn hierüber zu unterrichten. Was jedoch nicht davor bewahrt, daß im Falle eines (wissentlich oder unwissentlich) schwebenden Delikts, der vom Verband der Filmverleiher oder vom Verleih oder Filmlager zur Anzeige gebracht wurde, die Kopie ohne Entschädigung beschlagnahmt werden könnte. Sammeln ist also eine sehr schöne und nützliche Angelegenheit, es sollte nur - auch in diesem Forum - tunlichst vermieden werden, zu erzählen, welchen Film man hat, wo man ihn herbekommen hat, wer ihn "ganz locker" angeboten hätte usw. usf., weil hiermit ein nicht legalisierter Marktwert kreiert wird, den es nicht geben darf. Obwohl der Branche durch das ehrliche und selbstlose Sammeln per se kein Schaden zugefügt wird, kann es bei all zu viel Plauderei dennoch zu Mißverständnissen kommen. Man sollte lernen, den Mund zu halten und sich nicht in Imponiergehabe über das angeblich böse Verhalten der Verleiher beschweren, die ihre Einstellung gewiß nicht ändern werden: nicht heute, nicht morgen und nicht gestern. Sinnlos also, darüber sich aufzuregen, es weckt am Ende "schlafende Hunde", die dort zubeißen, wo nichts zu beißen ist. Auf Ebay ist - außer Trailern - ist der Verkauf von 35-mm-Komplettfilmen seit geraumer Zeit verboten. Etwaige Annoncen werden aufgespäht und anulliert. Von Folgen weiß ich leider nichts. Liegt aber eine Anzeige des Filmverleihers oder Rechteinhabers vor, muß selbstverständlich auch Ebay die Daten der Hehler (die, die etwas ankaufen oder verkaufen) herausgeben, das dürfte doch hoffentlich allen klar sein? Zuguterletzt: Aufbewahren, Handtieren und Anbieten von Zellhornfilm/Nitromaterial ist verboten. Das Material darf niemals bei Temperaturen oberhalb von gewissen Zimmertempreaturen gelagert werden, weil selbstentzündlich. Es darf UNTER KEINEN UMSTÄNDEN mit Wasser gelöscht werden, sonst fliegt der Wohnblock (je nach Umfang des entbrannten Materials) in die Luft! Man sollte denjenigen, der über solches Material verfügt, auf die Gefahren und Verstöße aufmerksam machen und zum Handeln drängen. Gelagert werden darf es jedoch im Bundesarchiv-Filmarchiv Koblenz/Berlin. Im Verlegenheitsfalle ist mit diesem konstruktiv zu Einlagerungszwecken Kontakt aufzunehmen oder anderenfalls die Feuerwehr zu Rate zu ziehen, wenn entsorgt werden soll, da man dieses nicht selber besorgen kann und darf (in Berlin gibt's hierfür den Sprengplatz Grunewald, wo einst die Allierten sich austobten). Ich hoffe, niemandem auf die Füße getreten zu haben... und daß man lernt, sich in buddhistisches Schweigen zu hüllen, anstatt mit seinen Schätzen zu prahlen.
  11. Dann war ja der im April geschlossene 'Royal-Palast' für verschiedene Genre- und Formatanwendungen noch das beste Haus gewesen? Schleife rückwärts: Gäbe es nicht so viele neue Kinos der Leichtbauweise, die aufgrund ihrer neuen Eindrücke und Farben die Besucher massiv anziehen und durch Interlock-Kraftproben den Umsatz auf "Wharpgeschwindigkeit" beschleunigten (oft Wander-Konsumenten, die alle Kinos mal ausprobieren, neugierig in die Säle gucken, beglückt/verwirrt oder enttäuscht sind und schließlich sich für eines dieser Mainstream-Kinos entscheiden/ resp. ganz die Lust verlieren), so gäb es es noch heute "Paläste" wie das Frankfurter 'Royal'. Sollte man unter Denkmalschutz stellen - für die Zeit, wenn einige andere Spielstätten schließen und wieder etwas "Luft" für eine Reaktivierung ist. :?:
  12. Da möchte ich gerne nachfragen, was konkret die reale Auswahl bezeichnet: wirklich eine große Auswahl an Kinos, oder eher doch eine große und so noch nie gehabte (m.E. zunehmend programmatisch "gleichgeschaltete") Anzahl von Sälen in Frankfurt am Main? Momentan habe ich nicht alle Spielstätten dort vor Augen. Die genannten älteren Kinos, die ja aus den 50er-Jahren stammen und bis 2004 überlebt haben ("als noch alles besser war" - oder auch nicht) - sind diese verbliebenen Häuser (seit den 70ern: Kinocenter) wirklich vergleichbar mit den einstigen Großraumtheatern 'Filmpalast', 'Metro im Schwan' oder 'Grand Palast', die ja schon Mitte der 60er Jahre in Frankfurt schlossen? Aus meiner Erinnerung (von 1997) eher nicht, auch schienen mir diese Umbauten den Flair der Fiftees nicht ausreichend zu berücksichtigen oder ernst zu nehmen. Ist der Flair aber dort einmal abhanden gekommen, wo ohnehin schon die Bildgrößen trotz 50er-Jahre-Architektur nie sonderlich groß waren, lohnt in den etablierten älteren Kinos der Besuch eines Blockbuster-Films kaum, zumal demgegenüber inzwischen einige Säle im Kinopolis, im Cineplex oder im Metropolis Bildbreiten zwischen 19 und 22 Metern aufweisen. Wird dort auch noch Interlockbetrieb gefahren, ist natürlich ein harter Verdrängungswettbewerb in der ersten Nacht des Blockbuster-Starts im Gange. Nun weine ich zwar nicht um längst verbaute und wenig sinnlich mehr wirkende ehemalige 50er Jahre-Kinos, die von @preston sturges noch als Alternative aufgrund von Originalfassungen u.a. genannt wurden - aber insgesamt fehlt der Stadt Frankfurt doch ein Großkino, das imstande ist, Tradition, Anspruch, Programm-Events, Großbildtechnik und Architektur von gestern, heute und morgen miteinander zu verbinden oder geeignete Elemente dieser Errungenschaften zu "absorbieren". Somit kann ich die Verärgerung von @magentacine ja gut nachvollziehen, denn das geschlossene Kino 'Royal-Palast' in Frankfurt hatte ja summa summarum noch etwas vom Palast-Touch an sich, wenn auch nicht in der Größenordnung wie andere Roadshow-Theater in München, Hamburg oder Berlin es darboten. Nur hatte dieses Haus aufgrund seiner isolierten Lage (an der wenig Charme-"anfälligen" Schäfergasse) und als Einzelhaus keine Chance mehr (mit einem einzigen Film in drei Wochen Laufzeit ist das auch eine Art "Monokultur"), und ein Interlockbetrieb hätte sich wohl dort nicht mehr gelohnt, zumal rechtzeitige Anbauten/Umbau zum Multiplex verschlafen wurden, die den Komplex hätten retten können. Somit sind die kulturellen und firmellen Nivellierungen soweit fortgeschritten, daß man sich ernstlich fragen kann, was als Nächstes in Sachen Monokultur und Gleichschaltung der Säle kommt (digitales Kino anstelle interlockverkoppelter 35-mm-Projektoren? Etwa: "Alles aus einer Hand"?), und ob das immer etwas Gutes und Zukunftsfähiges ist, oder ob dies nicht bereits den Keim der Überzüchtung in sich trägt? Langweiliger wären solche "Fortschritte" allemal, sodaß man - im Umkehrschluß - auch (teilweise schäbige) Zeiten des 70er/80er-Jahre Kinos zurücksehnt, in denen in einer westdeutschen Stadt Karate-, Monumental-, Kriminal-, Comedy-, Fantasy- und Prügelstreifen gezeigt wurden, die in unterschiedlichsten Kinos eine kuriose Artenvielfalt erzeugten, was großstädtisches Schmuddel- wie Kommerz- ebenso wie Kunstkino beinhaltete, und wo alle Säle mit individuellen Genres bespielt wurden, man darüber höhnte oder staunte, es aber nie langweilig wurde und so etwas wie "Interlockbetrieb" keineswegs den kulturellen oder ökonomischen Maßstäben einer Metropole entsprach. Wird Kino aber erst einmal "langweilig", so trifft dies irgendwann nicht nur das jeweils einfallsloseste Haus am Platz alleine (in Berlin wäre etwa UCI Vorreiter der Langeweile und Monotonie), sondern es trifft alsbald alle Häuser wie in einer Kollektivverantwortung, sobald alle frustriert den HDR III spielen - ob in Interlock oder einzelaktig ist hier "gleich langweilig". Das wäre zwar an sich nicht noch nicht allzu schlimm, wenn wenigstens die anderen Säle im Hause "regelmäßig" (!) Repertoire und Kunst- und Nischenprogramme böten. So aber ergibt sich ein Bild einer Kinolandschaft, in der alles gleich aussieht. Und das geht zwar bei Kaufhäusern und Parkplätzen noch gut, nicht aber bei Unterhaltungsstätten einer gehobenen Konsumware wie "Film", deren historisch bedingte Differenziertheit stets kompliziertere Kinoformen verlangt, glaube ich. Sonst fühlen sich alsbald die Filminteressierten für dumm verkauft, und so fühlen sich leider viele derzeit, die nun zur DVD abwanderten, weil dort mehr Differenzierung, akzeptabler technischer Standard und thematische "Auswahl" vermarktet wird. Bedenklich und eine ernste Herausforderung, finde ich.
  13. Verstand ich so, daß die Unsitte konfuser, abgeschnittener und lose rumgewickelter Start- und Endbänder von Vorspielern (wir diskutieren im Thread Vor- und Nachteile des Koppelns) zu Fehlern führten. Und es wurden von den Vorrednern seiten- und kopfverkehrte Bilder erwähnt, die eigentlich eher indirekt was mit dem "Koppeln" zu tun haben, im konkreten Fall hier aber auf Mangel an festgeklebten Startbändern zurückzuführen waren. Den Faden habe ich etwas weitergesponnen, dabei sowohl die Kopplungsfragen wie auch die des Automatismus in gewissen Fabrikkinos berührt. Ausdrückliches Lob: Überall dort, wo in wenigen der neuen Großkinos der 90-er Jahre, die über Special Features verfügen wie u.a. Ihr, man auch Stummfilme zeigt, ist das ein Weg weg vom Automatismus und technischer wie programmatischer Monotonie. Wenn das in Eurem Multiplex klappt (und von Programmkinos leider zunehmend vernachlässigt wird), wechsle ich sofort die Seiten, egal ob da gekoppelt wird oder nicht. Anonsten: immer schön am Thema bleiben! Guten Rutsch!
  14. Beim Stummfilm kämen auf gewisse "Fabrikkinos", die lediglich mit zwei Formaten (1.85 und 2.35) spielen und generell nur koppeln können, wenn nur ein Projektor im Raum steht, Probleme zu. Selbst wenn - gegen die Auflagen der meisten Archivstifter - gekoppelt würde, verfügen ja m.W. nicht alle Kinoton-Projektoren über Frequenzwandler und Dreiflügelblende, und Ernemann nur in Sonderausfertigung (Berlins kommunales Kino 'Arsenal' der 80'er Jahre: Ernemann 12-S). Peinliches Beispiel war die Vorführung im Frankfurter 'Cine-Star Metropolis' vor einiger Zeit, als Fritz Langs "Metropolis" (D 1927) auf Breitwand gezeigt wurde, was anderswo selten besser sein dürfte. Dann ergibt sich auch durch die "Monokultur" der Fabrikkinobetriebe, in denen bekanntlich etliche technisch sehr versierte Fachkräfte in der Vorführung arbeiten, aufgrund der "Koppelkultur mit Automatikbetrieb" ein Handling-Problem, wenn - sofern tatsächlich zwei Projektoren zur Verfügung stünden - Überblendungen, die nie ausprobiert wurden, für solche "Event"-Vorstellungen mangels Routine nicht sonderlich gut klappen. Allein der häufigere "Taktwechsel" macht einige Alteingesessene wie Neulinge nervös, gerade dann, wenn 200-Meter-Akte überblendet werden müssen. Ich hatte einige russische Stummfilme, zudem in Zweibandvorführung, und die richtige Seitenlage erforderte bei russischen Startbändern (ebenso bei den asiatischen) einer mehrmaligen Vorkontrolle. Im Falle eines Fehlers hätte aber abgestoppt und neu eingelegt werden können. Wäre der Film auf Teller gekoppelt gewesen, kann sich jeder vorstellen, was die Folgen wären, nachdem eine verkehrte Seitenlage ohnehin immer erst relativ spät auffällt, und dann der Film kaum zurückgespult werden könnte. Das gleiche Problem der verkehrten Seitenlage auch bei 70mm-Projektion von Magnetton und/oder DTS-Kopien: habe unzählige seitenverkehrte Einzelaktvorvührungen erlebt (um 1986 im Berliner 'Delphi' von "2001 - Odyssee im Weltraum", wo nach einer halben Stunde erst etwas geschah, aber immerhin zurückgespult wurde) oder 2002 im Berliner 'Arsenal' mit "Playtime" in DTS, mit vier Pannen (aufgrund des vorherigen Tellerbetriebs in anderen Kinos traf die Kopie mit losen Start- und Endbändern ein: folglich falsch projizierte Abfolge der Akte durch nervöse Vorführer), wo aber nach Unterbrechungen zumindest die Seitenlage korrigiert und zurückgespult wurde, die Aktverwechslungen aber bestehen blieben. Bei Tellerbetrieb wäre es in erwähnten Fällen wohl zur Auszahlung gekommen. Dennoch bleibt der Tellerbetrieb und das Koppeln der Akte bei mehrmaligen Einsätzen die filmschonendste Praxis.
  15. Das sind wieder tausend Gegenargumente, für die man den halben Vormittag braucht, um darauf einzugehen. Ich antworte hierauf noch einmal, merke aber, daß man sich im Kreise dreht, da Ablehnung in die Einsicht der wesentlich tiefergreifenden Widerpüche in Branchenpraxen vorherrscht, Arbeits- und Betreiberweisen, die viele "verinnerlicht" haben. Dennoch letztmals meine Gegenargumente, denn gegen einen Dutzend Protegisten von Multiplexbetrieben möchte ich hier nicht ankämpfen: >...ich sehe das mal als gute lösung! Ob man jetzt mit einer Maschine spielt oder Interlock-Betrieb, die Vorführqualität bleibt ist die gleiche!< M.E. nicht "gleich", da es - wie alle wissen - mechanische, elektrische, bedienungstechnische, kopienmäßige, servicetechnische, "monokulturelle" u.a. Vorzüge/ Risiken/ökonomische Folgen etc. gibt, die sich addieren, aufheben, sich verschärfen oder egalisieren usw. Ich gehöre zu den Skeptikern, andere dieses Forums ebenfalls. Daher regte ich eingangs eine Branchenstudie an, die die Betriebsweisen untersucht, auch einen Vergleich von ingenieurwissenschaftlichen Parametern unternimmt (Reibungswiderstände, IC-Ausfallquoten, Art der Sicherheitsvorkehrungen), und eine Analyse wagt, die auch seitens des HDF die Auswirkungen auf die Vielfalt der Branchenkultur aufzeigt. > ich glaub nicht dass Du weißt wovon Du redest - wenn Dir der Bote den nächsten Akt erst 30 sec. vor der Überblendung gibt ...< 30 Sekunden sind ja auch nur eine polemische Spitze in unserem Disput. Es kann auch beim Interlock-Betrieb passieren, daß man 30 Sek. vor (oder "nach"!) Vorstellungsbeginn alles absagen muß. Eine verpatzte Überblendung ist weniger Horror als ausgezahlte Vorstellungen - aber all das müsste in einer Branchstudie einmal verglichen werden, denn wir werden hier uns nicht hundertprozentig einig werden. > also ganz ehrlich: wenn ein Backup Projektor im Sinne von Interlock verkoppelt ist dann hast Du was falsch gemacht - Synchronstart ist was anderes! Der Slave würde ja sonst mit stoppen wenn am Master der Film reisst und genau das will man ja nicht - das ist dort 100 pro nicht so!< Auch hierzu hatte ich mich eingangs mal geäußert, leider liest kaum jemand den Thread von Anfang bis Ende. Synchronstart ist Interlockstart! Der Begriff stammt aus den Fünfzigern, als Bild- und Soundgeräte über die "elektrische" oder "mechanische Welle" (Haltemotoren, phasenstarr hochlaufende Synchronmotoren u.a.) "interlockverkoppelt" wurden. (Vgl. hierzu auch "Bild und Ton", Kiel.) Der Begriff hat sich allerdings gewandelt. Ich benutze sowohl den historischen wie den gegenwärtigen. > Beim Spielen über Interlock blockiert man naturgemäß gleich einen anderen Saal, womit die Möglichkeit ausfällt dort einen anderen Film zu zeigen. Weiterhin frage ich mich eh was übrigbeibt wenn man 3 Filme für 14 Euros zeigt, wenn der 3 Film allein schon gut und gerne mit nem 10er zu buche schlägt... Wo nun Interlock diesen Cash Flow erzeugen soll ist mir schleierhaft...< Dem ersten Satz stimme ich zu (Monokultur), dem zweiten weniger. Cash-Flow bleibt genügend übrig, da die Wiederaufführung der beiden Vorgängerfilme (zudem im Interlockbetrieb!) auf der Basis des One-Dollar-Kinos oder noch darunter abzurechnen ist. Zum Valenti-Vorschlag der "synchronen" Premiere Kino/Internetvertrieb, die ich mit "Interlock" in Verbindung brachte, kam hier im Thread Widerspruch: >Was zum Geier hat dieses mit dem Interlock Betrieb zu tun???< Das ist gemeint, was andere im Thread bereits schrieben, die über immer kürzere Verwertungsphasen, Internetpiraterie u.a. klagen, weshalb das Gros der Einnahmen von einigen Kinos "um jeden Preis" schon in den ersten Starttagen oder durch eine Interlock-Premiere einzufahren sei. >Übrigens: Man kann sich noch so sehr ärgern, dieser Tag wird auch kommen! Spätestens an dem Tag wo der Vorführer nur noch ein paar Knöpfchen drückt um den Film vom Server zu holen wird auch der Kunde nur ein paar Mausklicks brauchen. Ja dieses ist eben Kundenwunsch. Ich behaupte aber das Kino sich dagegen durchsetzen kann. Zum einen durch bessere Technik und dadurch das es billiger wird da schließlich die Verleiher nicht die volle heutige Miete kassieren können für ein nicht exclusives Produkt... < Aha, endlich! Es regt sich Widerspruch und alternatives Denken. Nichts anderes versuche ich gerne tun, so schwer es auch mir fällt, nach Auswegen zu suchen, einfach um die interessante Artenvielfalt aus verschiendensten Gründen zu erhalten. Es gibt eben verschiedene Betriebsformen weltweit, die leider momentan gefährdet sind, sogar dann, wenn sie außerordentlich engagiert sind, nur eben halt kein 12-Säle Haus mit Interlock betreiben (wollen). >Der Kunde ist König.< Soll er auch sein. Ist er aber in Multiplexen nicht unbedingt oder nur in der Schnellversorgung von "Hamburgern". Außerdem lassen sich Kundenbedürfnisse durch etwas Neues und Originelles stimulieren, sodaß etwas verrohte Bedürfnisse eingedämmt werden können, was auch filmgeschichtlich sich so ereignet hat (geht aber in die Kunstheorie, daher Schluß damit) >Könntest du mit den paar Leuten überleben?< Also Programmkinos oder große Kinos mit Mischprogramm, eigentlich der Mittelstand, machen immer noch so ungefähr 50% der Branche aus, glaube ich, viele konnten tlws. überleben und die Überlebenden wirtschaften stabil, und das ganz ohne Interlock und die Internet-Paranoia. (Vgl. dazu bitte die FFA-Studie über die Betriebsformen - PDF-Dateien -, die Kundenverhalten und Betreiberstrategien thematisieren.) >Was ist das nur immer mit dem Interlock??? Auch eine Vorführung in einem Kino ist nicht rückspulbar!< Das war ja meine These, daß bei Interlock-Ausfall in einem Saal kaum angehalten werden kann, da die anderen Säle weiterlaufen müssen. Somit versäumt der Saal, in dem was "passierte" (Blendenklappe öffnet sich nicht oder sonst was passierte da schon wieder etc. pp.) längere Handlungsabschnitte. Dem steht der Spulenbetrieb gegenüber (rückspulbar) und auch der Betrieb mit Spulenturm (rückspulbar). Beim Teller gibt es durchaus gewisse Rückspulmöglichkeiten, wenn nur ein Saal betroffen ist. Entweder von einer Ebene zur anderen (wenn viel Zeit ist) oder den bereits bespielten Ring einfach abheben und auf den noch nicht abgespielten Wickel aufsetzen; dabei extrem Acht geben, daß der Film ohne Schrammen durch die Einsteckeinheit läuft. Natürlich in diesem Punkt nicht optimal empfehleneswert und 1000%-tig filmschonend, eine bei einigen Anwendern eben rohe Methode. Aber beim Interlock addieren sich (theoretisch und irgendwann auch praktisch) weitere Risikofaktoren (weil überhaupt nicht rückspulbar, schon aus programmatischen Gründen des Ablaufs, also nicht nur aus technischen). Das bitte ich wirklich mal nicht so rigoros abzustreiten, wie es in diesem Forum ständig passiert, und zu erzählen, "bei mir klappte alles immer perfekt - bin der Größte - andere sind Deppen". Es müssen alle Faktoren berücksichtigt werden, personelle, technische, wirtschaftliche und ein sehr differenzierter Vergleich angestellt werden. >du brauchst den Untergang nicht fürchten, denn deine Kinokultur ist schon untergegangen! [?] aber deshalb eine Branche künstlich am Leben zu halten, nein Danke. Das wird der Markt regeln und wenn die Zeit der Plexe abgelaufen ist wird etwas neues kommen um den Kunden zufriedenzustellen. Eine geringe Steuerung durch den Staat ok, aber nur eine geringe.< Natürlich gehen die Kulturen ständig unter. Anderseits gibt es reflexive Schleifen und Ellipsen in der Geschichte: die Wiederkehr des Vertrauten mit variiertem Inhalt, Konitinuität und Disparates, Untergänge und Wiedergeburten. Wir könnten jetzt mit Benjamin oder Lacan weitermachen oder die historischen Materialisten heraufbeschwören, aber Gott bewahre das Forum vor meinen Anfällen. Nur kurz: Als Flebbe in USA Mulitplexe entdeckte, begann er zunächst verrottete Einzelhäuser, die aufgrund der damals "erfolgreichen" Kinocenter daniederlagen, zu reaktivieren ("Passage" und"Holi" Hamburg, "Filmpalast Berlin" u.a.). Seine 50er-Jahre-Vorlieben konnte er auch tlws. in marginalen Interieurs seiner Multiplexe verpflanzen - und die Kinocenter starben also aus (ohne seine früheren "Prinzipien" konsequent zuende geführt zu haben, sattelte Flebbe auf einseitig Multiplexe um, weshalb es jetzt scheitert, da fast alles verspielt wurde, wenn ich das richtig sehe). Multiplexe sind mittlerweile die "erwachsenen Kinder" der Kinocenter zu nennen, haben etliche Einzelhäuser und Roadshow-Theater geschliffen und stecken nun ebenfalls in einer nicht nur ökonomischen, sondern auch in einer Identitätskrise. Nicht nur angeblich "meine" Kultur ist somit untergegangen, daher verteidige ich nur die Kulturtheoretiker und deren Prognose: Wiederholung und Variation. Oder den Kunden verteidige ich, der König sei: und dieser fühlt sich zunehmend von Multiplexen angeödet, spürt den Fließbandcharakter dieser Etablissements, abgesehen von der programmatischen und technischen Einsilbigkeit (zwei Bildformate, im Ton oft nur Billig-Digital und Einheitslautsprecher - aber unbedingt doch Interlock!). Zudem gibt es in der EU überall Förderprogramme für Programmkinos und Kommunale Kinos, hier hat der Staat minimale Obhuts- und Bildungsverpflichtungen. Man reißt ja auch nicht die Museen ab (auch nicht bei Saddam, passierte erst bei Invasion der Amerikaner - schlechter Scherz am Rande). In Norwegen sind übrigens alle Kinos staatlich, hat der Infrastruktur und Vielfalt übrigens nicht geschadet! Das andere Extrem ist also nicht unbedingt etwas Böses, der Kunde ist nachwievor König. So - nun muß ich wieder meine Brötchen verdienen. Bin ganz heiser geworden: unfairer Kampf gegen fünf Gladiatoren in diesem Forum, da verdrücke ich mich eingeschüchtert.
  16. cinerama

    HDR3

    Kenne nur 4 K-Scanner, von anderen lediglich gehört. 18-20 K für 15 Perf 65mm sollten's schon sein, sonst kein adäquates Large-Format-Scanning möglich. Und 8 K sind für "VistaVision" zu wenig, sagten Facheute", die das versuchten. Ist mir schon bekannt, daß man Large Formats seit einigen Jahren einscannen kann, Frage ist nur, ob in identischer Auflösung und gleichem Kontrastumfang möglich? Eindeutige Antwort derzeit: leider nein! :cry:
  17. Witzig nicht, sondern ein unumgänglicher Vergleich miteinander konkurrierender Betriebsformen. Interlock ist eben ganz klar eine "Spezialität" der Multiplexe, deshalb kommt dort (zurzeit) der höchste Cash-Flow in die Kassen und nicht in anderen Betriebsformen. Nicht alle Kinofreunde sind Internetmuffel, und die Industrie will ja Sicherheitsvorkehrungen gegen die Internetpiraterie treffen. Eine dieser Methoden ist natürlich fatal: der Vorschlag Jack Valentis (Motion Picture Association of America; Verband der Produzenten, Verleiher und Kinobetreiber), der vorschlägt, Filme bereits am Premierentag legal über das Internet auch für die Privathaushalte zu vetreiben. Also eine Art "Multi-Media"-Interlocking? Und die These "Der Kunde will das, man muß ihm nur alle Wünsche erfüllen", mutet mir bereits wie die Kapitulation einer Branche an und tödlich für die Gattung Filmtheater, tödlicher als die derzeitige Piraterie. Wer fatalistisch also ausruft, Hollywood sei nur Fließband und der Kunde wolle nichts anderes, vergißt m.E. historische Prozesse, die immer auch Gegenbewegungen und Umwäzungen mit sich brachten. Auch der "Mammon" Hollywood war durchaus imstande, sich hier und da zu erneuern (fähige Autoren und Regisseure). Auch das Publikumsbedürfnis ist ja nicht in die Wiege gelegt, sondern Prozessen und Einflüssen unterworfen. Bedürfnisse können auch neu geschaffen werden: durch unternehmerischen Mut von Filmemachern, die Avantgarde der Autoren und Kinomacher, Experimente, oder einfach auch durch gesellschaftliche Änderungen und Bewußtseinswandel. Gab's zu allen Zeiten, kommt immer wieder, überrascht stets auf's Neue und wird auch Multiplexe und/oder Interlockbetrieb "veraltet" und "öd" aussehen lassen. Interlock-Vorführung alleine wird der Branche jedenfalls keine Zukunft sichern, schon gar nicht, wenn Hunderte Gäste nachts nach Hause geschickt werden müssen, wenn die einzige Kopie nicht mehr weiterspielbar (oder zurückspulbar ist) und man auch sonst den Gästen wenig anderes als HDR III anbieten kann. Das nennt man "Monokultur" um den eventuellen Preis des Untergangs, fürchte ich. Sollte man drüber nachdenken, wo das noch hinführt, net wahr? (Flurbereinigung, Overscreening, Blitzauswertungen und lange Sommmerlochs, 1-Film-Events und Verdrängung der Mittelware, technische Risiken im Abspielbetrieb, verprellte Zuschauer im Falle eines "Gaus", Einsparung weiterer Kopien seitens des Verleihers ohne Verpflichtung desselben die Qualitätslevel seiner Kopien im Gegenzug zu optimieren, überforderte Vorführer, die die Elektronik nicht warten können und im Ernstfall den Interlockbetrieb in mehreren Sälen abblasen müssen). Ist das nun völlig übertrieben und aus der Luft gegriffen, oder (im Selbsterhaltungssinne der Branche) ernstlicher Abwägungen wert? Daß es der Branche nicht gut geht, ist bekannt. Ob Interlock-Vorführungen die Medizin sind, ist sehr fraglich. Vielleicht belehrt man mich, da ich etwas dumm bin?
  18. Das sollst du und der Kunde auch gar nicht. Wir feiern ja die Premiere und nicht das Interloc spielen. [...] Die Premiere war etwas besonderes und tolles weil der Film in allen Sälen lief und weil die Besucher in der Pause von einer Vielzahl von Gnomen Trollen Morks und Orks erschlagen wurden. Eben die Masse macht die Stimmung. Eine Premiere in einem Architektonisch supertollen und wertvollen Saal die ich einmal miterleben durfte war bei weiten nicht so toll. Ich glaube das du auch nicht versuchen solltest den Geschmack der Allgemeinheit zu vertreten, das kannst du nämlich nicht. Das das interloc Spielen an diesem Abend für den Vorführer etwas besonderes war ist jedoch verständlich. Das macht man nicht alle Tage, interloc durch alle Säle. Genauso besonders wäre für mich die Vorführung einer von mir vorgeführten 70mm Kopie mit Magnetton in Einzelaktüberblendung! Das wäre für mich mit Sicherheit eines der Highlights meiner "Karriere". Dem Zuschauer würde das sicherlich kalt lassen. Gruß Guido Das mit dem Interlock ist wie die Weihnachtsansprache des Schuldirektors, der durch alle Klassenräume einzeln hetzen muß, um dann auf einer Bananenschale auszurutschen: grotesk. Wie schön wäre es doch, wenn sich alle Schüler in der großen, festlich geschmückten Aula versammeln würden und gegenseitig besser kennenlernen würden? Da kommt schon eher "Stimmung" auf. Aber das hat viel mit "Theaterkultur" zu tun, und davon verstehen Multiplex-Kinos nur bedingt etwas. Trifft auch nicht jedermanns Geschmack: bürgerliche Kultur, Alternativszene, Yuppies, Senioren, Cinéasten, Techniker, Künstler, Arbeiter, Literaten, Seelsorger oder Computer-Freaks und Randalierer neigen unterschiedlichen Vorführkulturen zu. Die letztgenannten Gruppen (Randalierer und PC-Freaks) fühlen sich vielleicht in einem Multiplex wohler, denn der Interlockbetrieb besorgt ihnen schon den schnellstmöglichen (nicht unbedingt qualitativ besten) "Anschluß" ... an was auch immer. Wie die Matrix so der Film - wie die Kundschaft so das Kino (pflegeleicht, billig zusammengeschustert, flexiblen "Anstürmen" folgend, hoch versichert, schnelles Fast-Food, überkapazitiv angebotene Supermarkt-Ware, keine Nischen und Repertoire-Programme oder Sonderformate). Zum Interlock über Teller oder Fahrradboten: Die alte Praxis des "Kinoboten", der die Akte einzelweise zum Freiluftkino und wieder zurück radelt, läßt doch zumindest dem Vorführer alle Ruhe, seine Anlagen perfekt zu warten und zu inspizieren, anstatt zwischen fünf Stockwerken hin- und herzuhetzen (CinemaxX Berlin, Potsd. Pl.) und immer denselben Film einzulegen (oder "umzulenken", wie die FR so spaßig schrieb). Wozu sowas,wenn man Filme liebt? Es gibt doch einmalig tolle Roadshow-Kinos wie 'Grand Rex' in Paris oder 'Radio City Music Hall' in New York, kennt man doch eigentlich? Die machten auch schon Interlock-Betrieb, wie folgt: auf zwei interlockverkoppelten DP 75 liefen zu einigen Disney-Premieren der 90er Jahre jeweils zwei 70mm-Kopien, simultan (die zweite zur Back-up-Funktion) und vom Teller für den Fall, daß eine der Anlagen ausfallen sollte - und dies für ein einziges Auditorium! Klasse Saal, gigantische Stimmung, tolle Architektur, spitzenmäßig scharfe und lichtbestimmte Kopie, einmaliges Ambiente, gepflegtes Gebahren des Publikums, das angesichts solcher Events, State-of-the Art-Kopien und Großraumsäle endlich wieder RESPEKT vor dem Kino und dem Film gewinnt, was auch bitter nötig ist, meine ich. Wenn Du Dich nach so einer Vorführung sehnst (70mm-Kopie, auch noch mit Überblendung), dann ist aber der Massenstart von 35-mm-Dup-Kopien - zudem im Interlockverfahren in mittelgroßen Sälen - mit Sicherheit der Weg, der teure Spezialkopien in ihrer Auswertungsfähigkeit verunmöglicht und längerfriste Entwicklungen in größeren Auditorien behindert. Falls Du unbedingt so eine Kopie vorführen willst, weil es Dich (meinetwegen "genauso" wie ein Interlock-Betrieb) reizt, dann frag' doch mal Deine Multiplex-Betriebsleitung, was die davon hält. Eins husten werden sie Dir, da können wir schon jetzt eine traurige Wette abschließen. (Bin gespannt, wie Du das "durchboxen" würdest und warte immer geduldig auf frohe Kunde) Da geht nur die eine oder andere Seite, für die man sich (auch als Werktätiger) zu entscheiden hat. Da bin ich halt wählerischer und meide Fabrikkinos, in denen stehenbleibende Fließbänder zur Massenhysterie und Randale führen (wurde alles in diesem Thread schon von anderen besser geschildert als ich es könnte). In diesem Sinne: für das Besondere in der Kinodarbietung und gegen jegliche Art von Nivellierung (frei exzerpiert aus: Frankfurter Schule ... äh, nicht die der Vorführer, sondern der Philosophen - Adorno und Co). Fröhlichst, :wink:
  19. cinerama

    HDR3

    Ja. Wesentlich kommt es auch auf die Nachbearbeitung an. Wird beim Intermediate-Prozeß nicht sorgfältig genug gearbeitet, treten bei Super-35/Scope-Kopien eklatante Unschärfen und Körnigkeit hervor. Der Dup-Prozeß ist mitentscheidend. Da bei HDR III ein digitales Intermediate erzeugt wurde, kommen weitere Vor- und Nachteile hinzu. Eine 2k-Ausbelichtung ist zwar der gebräuchlichste Standard, mit dem etliche Filmemacher bei Vergleichsvorführungen "zufrieden" waren (vor drei Jahren bei Testvorführungen im ARRI-Kino in München), aber entschieden zu wenig. Das sieht man i.d.R. auch, zuletzt fiel mir das bei den CGI-Effekten von "Spiderman" gegenüber den Realszenen auf, wie deutlich der Bruch ist. Die SMPTE empfiehlt als neuen Minimalstandard seit längerem 4 k, hervorragend belichtete Negative sollten sogar mit 6 k gescannt werden, 65-mm-Produktionen eigentlich erst ab 12 k (wo bleiben die geeigneten Scanner für Large Formats?!). Obwohl Super 35, projiziert über die dann anamorphotische Kinokopie, die A.R. von 2.35 : 1 besitzt, und schon bei der Aufnahme Markierungen (Sucherlinien) im Bildsucher der Kamera aufweist, verführt das "Full Aperture"/"Open Gate" bei der Aufnahme zu Kompositionen, die zudem bei Wahl mittlerer und längerer Brennweiten deutlichst hinter die Möglichkeiten des anamorphotischen Aufnahmeverfahrens zurückfallen. Dabei kann sich auch die Bewegungsunschärfe unangenehmer als bei "echtem" Scope bemerkbar machen. Seit geraumer Zeit findet eine Produktionskontrolle immer weniger durch adäquate Mustervorführungen in Filmprojektion statt, sondern an einschlägigen Avid-Schnittplätzen auf Videobildschirmen des 4 : 3-Formats. Ein 4 : 3-Verhältnis des Full Aperture-"Super 35"-Negativs läßt sich überdies bildschirmgerechter beurteilen als etwa ein anamophotisch gestauchtes Monitorbild. Gleichwohl dominiert hier in der Post-Produktion überall der 4 : 3-Charakter des Aufnahmemediums, was kaum adäquate Rückschlüsse auf die "Endwirkungen" beim Zuschauer, der auf einer Riesenleinwand die dann anamorphotische Breitbildkopie betrachtet, zuläßt. Ursprünglich ist Super 35 dafür gedacht gewesen, bei Video- und TV-Auswertung die Möglichkeiten des Full Apertures zu nützen, in dem der Bereich ober- und unterhalb der 2.35:1-Sucherlinie, der ja im Negativ mitbelichtet wird und im anamorphotischen Interpositiv/Dupnegativ/Kinokopie "abgeschnitten" ist, wieder voll aufzufahren. Typisch für viele Super 35-Filme ist die "fernsehtypische" Komposition: Brustanschnitte und schlechter ausgeleuchtete Sets gegenüber anamorphotischem Scope. Gründe: Bei Super 35 wird die höhere Lichtstärke der sphärischen Objektive ausgelobt gegenüber den anamorphotischen. Praktisch verführt dies zur Einsparung/Verkürzung von Lichtsetzung und Mangel an Schärfentiefe und kompositorischer Brillanz. Regisseure/Kameraleute, die dieses Manko kennen, belichten ihre Filme um ein oder zwei Blenden mehr, um das Negativ anschließend im Kopierwerk zu deforcieren (James Cameron: "Terminator 2", "Titanic"). Weiterhin wird propagiert, die Auswahl der Brennweiten sei für Super 35 größer als bei den Scope-Verfahren. Dem ist zu widersprechen: Ventage-Film bietet mit neueren Hawk-Anamorphoten die umfangreichste Palette an Brennweiten hochkorrigierter anamorphotischer Aufnahmeobjektive überhaupt an. Zudem gibt es anamorphotische Variobjektive seit den 1960er Jahren. Dieser Faktor also ist irrelevant. Allenfalls sind moderne Kameras mit ihren zentrischen Fassungen weltweit für alle möglichen sphärisch Festbrennweiten und Zoom-Objektive geeignet, weswegen "global" eine beliebige Anzahl sphärischer Objektiv-"Fabrikate" für den Super 35-Dreh vorliegt, was nicht zu verwechseln ist mit dem verfügbaren Bereich der Brennweiten bei Super 35 oder anamorphotischem Scope, der wie erwähnt ohne Belang bleibt. Zum Bildwinkel: Defacto erleben wir in frühen Scope-Filmen der "klassischen" Hollywood-Ära schärfentiefere und weitwinkligere Aufnahmen, besser ausgeleuchtet und "plastischer" als ich sie je im Super 35-System u.a. Filmen der letzten Jahre beobachtet habe, eine umfassendere Darstellung der Raumkoordinaten ist daher seit jeher mit anamorphotischem Scope vortrefflicher als mit sphärischer 35-mm-Aufnahme (ausgenommen die Large Formats "VistaVision" und "Todd-A-O") zu bewerkstelligen. @TK-Christ würde ich beipflichten, daß dieses Format ebenso wie die derzeitigen digitalen Formate den photographischen Charakter des Filmkinos tendentiell verschlechtert haben und der falsche Weg ist. Ansonsten verdiene ich Prügel: HDR III konnte ich noch nicht sehen (die Vorgängerfilme sahen optisch nicht gut aus). Da aber die Fortschritte des digitalen Internegativs (vor anderthalb Jahren noch grauenerregend schlecht!) jetzt so ausgelobt werden, muß man das wohl sehen. Vielleicht konnten ja auch über eine subjektiv erscheindende gute Schärfe von Digital-Negativ/Kinokopie einige "Unsitten" und Schwächen von Super 35 etwas kompensiert werden? Die angeführten "Grundübel" bei Super 35 jedoch bestehen fort, daran wird auch ein neues Aufnahmematerial wenig ändern, da hiermit im Grunde "das Pferd von hinten" aufgezäumt wird.
  20. Da ist viel dran, wenn auch in Programmkinos die Lässigkeit bei Einstellung von jungen Anlernlingen manchmal etwas salopp gehandhabt wird. Grundsätzlich aber sollte es eine "Kompetenz-Nische" geben: für die Repertoire-Kopie, aktweises Überblenden und längere Kopienvorbereitung etc. das angestammte Programm- oder Einzelkino, für die Blockbuster-Erstaufführung das Multiplex, das ja mit digitalen Substandards wie DLP ausreichend bestückt wäre. Problematisch wurde es aber, als plötzlich Ende der 80er Jahre Programm- und Off-Kinos US-Mainstream-Kracher zeigten, ihr immerhin bescheidenes Stammpublikum verloren und die Mainstreamversuche mit Aufgabe ihrer Existenz bezahlten, sobald anderswo das Overscreening einsetzte. Umgekehrt gab es einige Multiplexe, die einen Saal für eine mehr oder weniger avanciertere Programm- und Kunstkinoschiene umstrukturierten, sehr zum Nachteil der angestammten Akteure in der Region, die seltenen Repertoire- oder Kleinverleiherkopien aber über die Teller katapultierten wie die Müllabfuhr. Gekoppelt wurde da nach Fleischermeistermanier, "sicherheitshalber" wurden "unsauberere Stellen" weggeschnitten, um angeblich "perfekte neue" Klebestellen zu fabrizieren, die so toll "halten" sollten. In diesem Punkt verfügt man in einem Programm- oder Einzelkinos doch über etwas mehr Erfahrung und Gewissenhaftigkeit, da man die Problematik des Nachspiels täglich am eigenen Leibe erfahren konnte und sich verantwortungsvoller verhält und sich auf die erforderlichen Arbeiten besser konzentrieren kann.
  21. Nabend, @magentacine: aufschlußreich, daß zumindest der Wahrheitsgehalt des FR-Reports in diesem Thread von niemandem bestritten wurde, allenfalls verkürzte Darstellungen und fehlende Fachtermini. Nun - was vorher in dieser durchaus verdienten Tageszeitung nicht interessierte, kann ja noch kommen, und aller Anfang ist schwer. Im übrigen kenne ich niemanden im Raum Hessen außer Dir, der seit 1987 vehementer filmgenußschädigende Praxen einiger "frevelnder" Betreiber aufrichtig kritisiert hat. Somit war der Kardinal-Punkt Deines Threads mit Sicherheit nicht der zu oberflächliche FR-Report, sondern Erneuerung der Kritik an dauerhaft wiederkehrenden Projektionsproblemen im Frankfurter Raum, wobei einige Kinos öfter als andere aufgefallen sind, wie anderswo in Dtl. auch. Wir kennen uns ja viel zu lange, als daß m.E. das von Dir offenbar zu recht kritisierte Kino Dir mehr am Herzen gelegen haben könnte, als die Problematik der filmgenußschädigenden Pannen, zumal besagte Panne halt passiert ist und - wie im Thread auch herauskam - strukturelle Probleme hierfür die Ursache waren. Insofern bist Du kein Parteigänger des besagten Kinos, das Versäumnisse sich zuzuschreiben hat, und dessen tränenreibende Notlage doch die FR bitte zu berücksichtigen habe. Es geht Dir, denke ich, nicht allein um das journalistische Handwerk der FR, sondern primär um das kinohandwerkliche. Ich hoffe, dieses Mißverständnis wird hier nicht weiter vertieft werden? Vielerorts außerhalb Berlins waren die ersten Multiplexe nach Jahren der Verwahrlosung (programmatisch, technisch, servicebezogen) einiger Traditionshäuser eine Erlösung, wenngleich deren Fundamente billiger und wackliger waren und gerade den Mindeststandards ensprachen. Und was neu ist, hat (zunächst) in vielen Aspekten nur Vorteile und Vorzüge. Einige Ortschaften hatten nun sogar die bis dato größte Bildwand in ihrer Geschichte (Breiten deutlich oberhalb der Zwanzig-Meter-Marke), den unverzerrtesten Stereoton und die größte Beinfreiheit anzubieten. Alte Kinos, die keine Programmambitionen o.a. zeigten, waren somit nur aus nostalgischen und architektonischen Gründen noch interessant: die Vorführpannen dort dürften noch häufiger als die des hier angeprangerten Interlockbetriebes gewesen sein, der Totalabbruch einer Vorstellung war dort aber wohl eher die Ausnahme (da stimme ich der FR wage zu). Das alles gilt es objektiver in Relation zusetzen, obwohl ich nachwievor sehr klar gegen Interlock und den "Endsieg" der Multiplexe votiere. Berlin nun besitzt nicht ein einziges Multiplex, das Innovationen in die Stadt gebracht hätte (obwohl einige Häuser anfangs brummten). Die Säle sehen zu 98% hier konform aus: am Potsdamer Platz rosa und schwarz bei CinemaxX und ohne Interlock-Betrieb, pechschwarz bei Cine-Star mit roten Tube-Lights an den Wänden sowie Interlock-Betrieb und ausschließlich flachen Leinwänden, überall völlig sterile Säle der mittleren Größe bei UCI - m.W. ohne Interlock, dann kommunale Kinos am Potsdamer Platz - Filmmuseum Berlin - Deutsche Film- und Fernsehakademie, die sich in Betriebsweise, Personalführung, Technik, Design und Ambiente fast chamäleonartig an das benachbarte Multiplex angeglichen haben, "nahtlos" baulich sogar darin übergehen ("Interlockarchitektur?"). Die Bildgrößen der Websites der Betreiber geben leider durchgängig kaum korrekte Maßzahlen der realen Bildgrößen an, bei zwei Multiplexen habe ich noch schriftl. Unterlagen von Objektivberechnungen, die das ausweisen. Obwohl die "alten" Bildwände der City-West im Schnitt größer sind (mit einer 20-Meter- und einer 33-Meter-Bildwand), reklamieren die durchschnittlichen Multiplexsäle dieser Stadt die jeweils größte Leinwand stets für sich - defacto aber überragt in keiner der neuen Spielstätten eine einzige Bildwand die Zwanzig-Meter-Marke, in den Websites aber sind sie natürlich schon 22 Meter und größer. Die Säle liegen auch allesamt (mit Ausnahme von CxX Kino 7 Potsd. Pl mit etwas über 700 Pl.) stets deutlich unter der 700-Platz-Marke. Auch hier also bietet sich der Interlockbetrieb gelegentlich an oder die Kopienzahl steigt wieder einmal (5 stinknormale Dup-Kopien HDR III alleine in einem einzigen CinemaxX!). Das nenne ich Overscreenung und Mittelmäßigkeit. Zur digitalen Normierung und Einführung wage ich keine Prognose. In England sind da eher die Programmkinos engagiert, und in Dtl. lehnen alle Multiplex-Betriebe ein derzeitiges Engagement strikt ab, weil fast alle kurz vor der Insolvenz stehen. Die Parallele zum Interlock-Betrieb zog ich aufgrund der in diesem Thread immer wieder geltend gemachten Sachzwänge. Die hierbei immer höher werdenden Kopienzahl bei tlws. immer weniger gecheckter Qualitätsgüte (zudem bei sinkender Wareneinsatzquote), die Popularität des Interlockbetriebs andererseits mit gelegentlichen Pannen, lassen m.E. hochwertige, auf das jeweilige Haus mit seinen differenten Farbtemperaturen und Leuchtdichten abgestimmte Filmkopien als nicht primäres Ziel erscheinen oder gar zuzulassen. Der Einbau der digitalen Projektion könnte somit (derzeit auf einem Substandard verharrend) insgesamt homogenere Resultate zeitigen: konstante Bildschärfe, keine am Kasch herausragenden Bildstriche, zum Aufnahmemedium endlich ein äquivalenter Bildstand, Schrammenfreiheit, Sicherheit vor vertauschten Akten - obgleich auch die DVDs vertauscht werden könnten -, geringere Anfälligkeit vor Bedienfehlern durch das Vorführpersonal oder Ausschußkopierung seitens der Kopierwerke. Das alles zwar mit momentan geringerem Kontrastumfang und begrenzter Auflösung und Lichtstärke, aber man arbeitet daran. Der nächste Schritt ist die HDTV-Home-Cinema-Initiative für die Privathaushalte. In Dtll. stehen ja schon ab Januar erste Beamer für etwa 20 Tsd. Euro im Angebot, die mit "echtem" HDTV (1080 x 1920 i) der Panelauflösung einer derzeitigen DLP-Kino-Dijektion gleichziehen. Die PC-Monitore haben ähnliche Kapazitäten. Somit löst sich das Kinos selbst auf, würde ich als mögliche Prognose in die Debatte werfen. In Frankreich ergaben jüngste Umragen, daß 25 % der DVD-Player-Besitzer (720 i) kaum noch ins Kino mehr gehen wollen. Betrachte ich aber die traurigen Berliner Filmdarbietungen in den neuen Kinos, so muß ich abwägen: eine störungsfreiere, wenngleich in den Parametern eingeschränkte Dijektion oder weiterhin eine Projektion und eine Kopie, die das gesamte Erbe der letzten hundert Jahre in Mißkredit bringt. Persönlich würde ich die Kapazitäten und Potentiale des chemischen Films und der Präzision von Projektionsmechanik bis zuletzt verteidigen, allerdings rennt man damit in den Berliner Kinos (den neuen wie den alten) und branchenweit (selbst Mitarbeiter bei ARRI München, die ich kurz sprach, geben den chemischen Film innerlich längst auf) gegen die Wand. Das wird Dir @magentacine für Frankfurt zum großen Teil bestätigen und ebenfalls der - verglichen mit mir mehr mit neuzeitlichen Technologien erfahrene - Kollege, der öfter in der Forumsrubrik "Technik" Tips gibt und die Substandards beklagt. Man wird überwiegend branchenweit feststellen, daß die Mißstände derzeit eher zementiert und abgestritten werden, als gewinnhemmend oder unnötig betrachtet werden und die normale Geschäftskultur stören. Umso eifriger ist man aber dabei, sich für die "Turnübungen" (ironische Anm. von mir) des Interlockbetriebes auf die Schulter zu klopfen, hat man doch was "geleistet": alle Besucher in seinen Hallen irgendwie zahlend untergebracht zu haben. Das verärgerte mich etwas, daher meine Einmischung in diesem Thread.
  22. Na bitte, da kommen wir dem Problem langsam näher. Zurückspulen" geht beim Interlock-Betrieb nicht, da die anderen Säle, die unterbrechungsfrei weiterspielten, ein dort sinnloses Abstoppen der Vorstellung und eine sinnlose Wiederholung zu erleiden hätten. Ergo fährt man in dem von der Panne betroffenen Saal einfach weiter, bis der Defekt behoben ist. Und wenn er nicht in Sekundenschnelle behoben werden kann, wird eben ausgezahlt. Soweit eines meiner Argumente gegen den Interlock-Betrieb. Aber hatte ich das nicht schon ausgeführt? Zum nächsten Kritikpunkt: Multiplexe auf der Grünen Wiese saugen ja auch Besucher von älteren, oftmals technisch und renovierungsmäßig zurückliegenden Dorf- und Kleinstadtkinos ab. Aber auch diese etwas staubigen Dorfkinos haben Charme und verdienten Bestandsschutz. Das Multiplex ist auch hier ein Killer, der einen Alleinvertretungsanspruch durchboxt und nach kurzer Zeit ebenso dunkle, unscharfe Bilder und topfige Töne fabriziert, wie man sie zuvor im Dorfkino erlebte. Hinzu kommt dann Interlock, der die mir als Zuschauer wichtigen Qualitätsfaktoren in Bild und Ton des vorfgeführten Films nicht positiv ergänzt, eher im Gegenteil. Konkret erlebte ich zwei "Super-Gaus" mit Interlock: in meiner alten Firma und als Zuschauer jüngst nochmals. Das wirft Fragen auf. Zu meiner Stadtsituation (Haifischbecken Nr. 1 im Lande, daher mein gereizter Ton in diesem Forum): Einzelhäuser und Traditionskinos am Kurfürstedamm-Boulevard schlossen jetzt reihenweise, da Megaplexe am Potsdamer Platz und anderswo wie ein Schwamm die Jugend anlocken. Dort aber ist die Bild- und Tongüte eher schlechter als in den älteren Traditonshäusern. Ich rede von unserer Stadt, anderswo könnte es auch umgekehrt sein. Wir haben ein volkswirtschaftlich kriminelles Overscreening (die Investitionsruinen irgendwann schließender Multiplexe - und sie werden teilweise schließen und abgerissen werden - müßten volkswirtschaftlich belastend aufgefangen werden), und dem Mittelstand, der in den letzten Jahren viel investiert hatte und auch Qualität ablieferte, wird derzeit durch künstlich forciertes Overscreening die Luft abgedreht. Aber auch ältere Kinoketten-Häuser wie Zoo- und Royal-Palast sind vom Abriß bedroht, sollen durch kleinere Multiplexsäle ersetzt werden oder sind insolvent - obwohl hier die schönsten und größten Kinosäle, in einem sogar die größte Bildwand weltweit, noch existent sind. Gehe ich also zum Potsdamer Platz und seinen Megaplexen, sehe dort kleine und flache Leinwände, Trapez- und Schrägprojektionen, verwackelte Bildstände und ständig durchknallende Hochtontreiber und wie unkritisch Publikum und Festspielleitung das Fast-food-Niveau tolerieren, packt mich doch die Wut, wenn ich da noch von Interlock-Projektion höre, als wenn nicht alles schon schlimm genug wäre! Ob das die Realität ist oder nur Lamentieren, wie Du, lieber @sewi, herunterspielst, ist eine Frage der Position. Mir durchaus bewußt, daß als Nächstes hier Argumente für die Vielfalt, die Synergieeffekte und die Freizeit- und Arbeitsplatzangebote der Multiplexe zu hören sind. Ich weiß, was ich davon halte, und zumindest einige Hundertausende in dieser Stadt lehnen diese Spielstätten ebenfalls vehement ab! Es könnten ruhig noch mehr werden, sofern Tradtionshäuser und Porgrammkinos endlich ein aggressiveres Marketing betrieben ... Ich rufe immer gerne (zumindest die Kleinverleiher und andererseits die cinéastisch sensibilisierten Kunden) dazu auf: Keinen Meter Film an Multiplexe, keinen Cent in deren Kassen. Deutlicher brauche ich wohl nicht zu werden. Sorry, wenn Ihr Euch in Eurer Berufsehre, da Ihr in solchen Kinos offenbar überwiegend arbeitet, diskreditiert fühlt. Man sollte aber auch etwas Distanz zur eigenen Tätigkeit finden, was natürlich außerordentlich viel verlangt. Im Grunde sind da einig selbstkritische Äußerungen von @Stand-By durchaus erhellend, obgleich es unsinnig ist, diejenigen zu verdammen, die in vielem glauben: "früher war alles besser". Ich fand früher tatsächlich vieles besser und das Meiste heute technisch schlecht. Sonst würde ich es nicht so direkt sagen. Also: "back to the roots"! Und das wird kommen, wenn die Branche an allen Ecken und Kanten kracht, weil nicht alle überleben können und die Angebotsmonotonie (z.B. Interlock-Betrieb u.a.) ihre Karten ausgereizt hat (Steilvorlage für die digitale Projekiton, die die Fehlerchen zu beseitigen behauptet). Da bin ich total optimistisch, daß Multiplexe großenteils verschwinden, da die Distribution sich ändern wird, wie wir alle wissen. Das schafft Platz für "Marktnischen".
  23. Ist doch gar nicht der Fall. Bitte mal genauer lesen, hier nochmals im Zitat @Stand-By: " Das Multiplexe (auch nicht die von Kieft) nicht mit Kinos der tradionellen Art vergleichbar sind, dürfte bekannt sein. Die ewige Debatte , das "früher" alles besser war, kann ich persönlich nicht mehr hören. "Früher" gab es auch keinen so hohen Auschuss an frischen, trotzdem defekten Filmkopien, [...] Und wie so üblich ist das genannte Haus einzigartig, trotz Baujahr 2001 ist das Gebäude eher als Ansammlung von Räumen und Türen anzusehen, und ist mit Sicherheit nicht ein nach modernen Masstäben geplantes Multiplex mit entsprechender Ausstattung (u.a. 12 Kinos mit 11 Vorführräumen auf 4 Ebenen und Interlockrollen in luftiger Höhe). [...] Das die wahrscheinlich in der letzen Nacht reingezimmerte Technik ab und zu ein Eigenleben entwickelt und bei Fehlern aufgrund fehlender Überwachungsmöglichkeiten"nichts von sich hören lässt" ist nicht nur kostenintensiv, sondern für Besucher wie Mitarbeiter recht nervig. Definitiv kann "menschliches" Versagen am Tag X ausgeschlossen werden." Zitat-ENDE. Somit geht's nicht um einen Vorführer-Fehler, sondern um strukturelle Probleme in deutschen Multiplexen. Da zudem ein sehr harter Verdrängungswettbewerb herrscht, wo Multiplexe als Kinos der Zukunft ausgelobt wurden und alles "Alte" herunter gemacht wurde (und alsbald schloß, oder andererseits Renovierungen dort zu spät kamen), schien mir der Einwand gegen die Betriebsform Multiplex und Interlock-Betrieb berechtigt, nachdem man dort sieht, wie toll das ist. Zudem fragte @magentacine, der den Thread einrichtete, Folgendes: "Mich würde rein technisch viel mehr interessieren, was eigentlich bei der Interlock-Geschichte schiefging". Diese Frage wurde von @Stand-By bislang noch nicht beantwortet. Warum sollte man dann froh sein, daß überhaupt eine Antwort kam?
  24. Wer sich wendet, möge dies tun. Apropos "Speicherplatz": wird in diesem Forum eher durch dumpfe Witze und Privatnachrichten verbraucht. Zum Thema: Natürlich kann ein Kolben während des Betriebs ausfallen, alles selbst erlebt. Nur trifft meine Annahme inofern nicht ins Schwarze, als daß laut FR ja zwei Säle gleichzeitig ausgefallen sein sollen. Da bereits die Möglichkeit des "Zurückspulens" (Umrollvorgang, der im Falle einer Unterbrechung gegenüber dem Zuschauer den Zweck hat, nach Neustart die Handlung dennoch vollständig nachzuholen) seit Aufkommen des Filmtellers (der gewiß andere Verdienste hat) leider entfällt und im Interlockbetrieb unmöglich würde, zeigt sich eben, wie fragwürdig gewisse Betriebsweisen sind. Somit wende ich mich von einigen dieser "Systeme" ab und ebenso von deren Apologeten, da offenbar ihre gewerbliche Existenz damit zusammmenhängt. Wie gut, daß es bei so viel "coolness" noch die Frankfurter Rundschau gibt! @Haueptling-Zitat: "Der Vorteil bei einer Kopie beim Interlock in einem Saal Englisch und im anderen Deutsch zu spielen find ich nähmlich auch sehr nützlich! Klar ist das Risiko bei 4 fach Interlock größer... Aber bei neuen Kopien seh ich da eigentlich kein problem! [...] Der Zuschauer merkt doch da gar nichts, ob mit oder ohne gespielt wird. Die Besucher haben ja auch die möglichkeit zum beispiel - bei der ersten Startwoche - einen guten Platz zu bekommen. Und muß sich das nicht immer anhören: Tut mir leid Ausverkauft oder es sind nur mehr die ersten Plätzen frei usw. Zitat Ende. Das läßt sich nicht ganz abstreiten. Ob das aber die enttäuschten Frankfurter in der ausgefallenen Nachtvorstellung überzeugt hat, wage ich zu bezweifeln. Das ist offenbar nicht ernst genug genommen worden, habe ich den Eindruck. Auch möche ich nochmals daran erinnern, daß in unzähligen Nicht-Multiplexen oder solchen, die über keine Interlock-Möglichkeit verfügen, in einem einzigen Haus mehrere HDR III-Kopien zum Einsatz kamen und der Verleih auch vorbehaltlos lieferte (liefern mußte). Dies als Hinweis für den Fall, daß die Interlock-Technologie in manchen Häusern nicht in den Griff zu bekommen war/ist. Dabei liefen diese zeitversetzt hier in sehr schönen Traditions-Sälen an, die jeweils 1056 und 438 sowie 905 und 609 Plätze aufweisen und der bezeichneten Anoymität von Multiplexen und dem zeitgleichen Massenstart durch den Interlockbetrieb m.E: vorzuziehen sind, da die Laufkundschaft u.a. Interessenten hierdurch geschickter abgefangen werden. Da ich aber bereits den Event-Charakter einer Kinodarbietung ansprach, die in den von mir geschätzten traditionelleren Filmpalästen - sofern es solche noch gibt - besser zu Geltung kämen, sei hinzugefügt, daß man beim Interlockeinsatz - wenn der Verleih schon auf diese Weise Geld an der Kopie spart - durchaus eine besondere Showprint wieder erwarten dürfte. Leider aber ist es ja doch nur wieder die Massen-Dupkopie, sodaß alles eben billiger und lukrativer, aber nicht besser wird. Habe aber den Eindruck, daß dieser Punkt in diesem Thread keinen Anklang findet. Ebenso der gleichfalls von der Geschichte überrollte Anspruch, daß besonders große Säle einiger klassischer Paläste mit einer Showprint (früher Originalkopie) und bestens gewarteter Anlage mit perfektem Bildstand weit eher das erfüllen, was ich von einer Premiere erwarte. Gehe ich indessen in eine "Interlock"-Premiere, jedenfalls in meiner Stadt (und offenbar auch anderswo), so wird diese einzige mittelmäßige Dupkopie mit zahllosen Schalt- und Kopierfehlern und schlechtem Bildstand unreklamiert von den Kinobtreibern und auch uns Vorführern zum Einsatz gebracht, interlock-verschaltet und auf mehreren Projektoren, deren Bildstand und Ausleuchtungsgüte von Saal zu Saal unterschiedlich ist, nochmals degradiert. Das führt in eine Richtung, von der ich mir als anspruchsvoller Zuschauer keinen Genuß und keinen Gewinn verspreche. Und dieser Zuschauer merkt zwar nicht, daß es Interlockbetrieb ist, aber er bemerkt das verwackelte Bild, wohingegen eine Zweit- und Drittkopie (oder ein Showprint) die Chance eines besseren Bildstandes vielleicht geliefert hätte. Deshalb sehe ich für den Zuschauer nur bedingt Vorteile durch den Interlock-Betrieb (freie Platzwahl, weil halbleere Säle, die aber, weil sie nicht voll sind, entspechend weniger Atmoshäre haben; mehrsprachige Versionen, die aber auch durch Zusatzkopien zur Verfügung stünden). Da wie von mir erhofft das Wort "Zurückspulen" soviel Gelächter evoziert hat, fühle ich die Annahme bestätigt, daß dieser in Programm- und kommunalen Kinos noch gepfelgte Service so sehr ein Fremdwort geworden ist, daß man darüber heute höhnt und halt irgendwie weiterspielt oder die Gäste auszahlt, als sich zu überlegen, wie man den Spielbetrieb zu umbaut, daß solches wieder möglich würde (Spulenturm etc.). Die fortschreitende Automatisierung hat also zu Risiken geführt, die in uralten Betriebsweisen noch nicht erahnbar waren. Ich werde immer Bekannten abraten, ein Multiplex zu besuchen und sie auf Traditionshäuser verweisen.
  25. Gute und prägnante Ergänzung! Aber auch Gründe der Filmschonung bei längerfristigem Einsatz (evt. auch bei Archivkopien) würde ich ja anhand meiner obenstehenden längeren Ausführungen gerne weiterdiskutieren. Ebenso mechanische Risiken, die en detail zugunsten oder zuungunsten Überblendbetrieb/Koppeln sprächen. Schonender Einzelaktbetrieb mit Überblendung ist wohl nur mit Gleichstromläufern (Vierquadrantenreglung) am Ab- und Aufwicklungsarm zu empfehlen, sonst Verregnung und zusätzliche Verstaubung vorprogrammiert. Dafür muß bei gekoppelten Filmen (1800 Mtr.-Spule bis hin zum Teller) ausnahmslos so professionell eingelegt werden, daß eine Einlegefehler nicht zur durchgehenden Beschädigung aller Akte führt, denn das wäre der m.E. einzige gravierende Einwand gegen das Koppeln.
×
×
  • Create New...