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schmalfilm-Kanal mit neuem Film von Patrick Müller


Jürgen Lossau
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Da das Gedicht ja aus Frödings Perspektive eines Mittdreißigers geschrieben wurde, der sich rückblickend an seine Jugend erinnert, musste man hier mit Assoziationen arbeiten, ohne das Gedicht allzu sehr zu illustrieren. Klar hätte man hier auch Menschen einbauen können, ich hatte auch dazu wunderbare Szenen gefilmt (im Boot, liegend, usw.). Aber mir ist aufgefallen, dass das in diesem Kontext diese Intimität der Erinnerung zerstört hätte, er spricht ja hauptsächlich von Geräuschen, Düften, Vögeln, weichem Moos, Wind und Wasser. Beim Schnitt ist uns aufgefallen, dass Personen ein Störfaktor darstellen würden. Somit habe ich bei der Szene, wo man einen Menschen erwarten würde, „Wie ein Muttersohn lieg ich…“, einen interessanten, verschlungenen Baum im Gras gefilmt. Wenn er „im Schoss seiner Mutter träumt“, dann zeige ich das wunderbare schwedische Moos, auf das ich dort selbst stundenlang mit meiner Freundin gelegen und geträumt habe, ohne explizit eine Person zu zeigen. Und am Schluss, wo ich ein Mädchen zeigen wollte, nur ein Stück Hemd, beiläufig hingehangen von irgendjemand, ohne das zu konkretisieren. Ein Glücksfund des Zufalls. Ich versuche meine Filme trotz Strenge immer so offen wie möglich zu gestalten, und sobald man Menschen zeigt, nimmt man ein Stück der eigenen Identifikationsmöglichkeit und nagelt die Fantasie fest. Da muss man hochsensibel vorgehen. Zumindest bei einem Filmgedicht. Aber klar, wenn es passt und die Idee stimmt, werde ich definitiv auch wieder mal Menschen in meine bewegten Bilder einbauen. In meinen ersten Filmen sind ja nahezu in jeder Einstellung welche zu finden. ;-) Mit Sprechern ist das ja auch so ein Problem. Hier hatte ich großes Glück, dass Klaus-Rüdiger Utschick, der Fröding-Übersetzer schlechthin, es mir in München bereitwillig und mit großem Elan eingesprochen hat. Ein Glücksfall.

Edited by Patrick Müller (see edit history)
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Hast Du eigentlich einen Filter verwendet? Eterna 250T ist ja vermutlich kunstlichtoptimiert (T=Tungsten?).

Nein, es ist komplett ohne Filter gefilmt. Der hervorragende Scan von Ochoypico war grau und Rohdaten, darin waren aber alle Informationen enthalten, um mit einer einfachen Farbkorrektur im Final Cut Pro X einiges zu richten. Das habe ich auch bei den Vorgängerfilmen Vanitas und Betrachtung der Zeit so gemacht.

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Somit habe ich bei der Szene, wo man einen Menschen erwarten würde, „Wie ein Muttersohn lieg ich…“, einen interessanten, verschlungenen Baum im Gras gefilmt.

Ja - an der Stelle ergänzen sich Bild und Ton am besten - weil das über die bloße "Illustierung" hinausgeht.

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Ein wunderschöner Film. Bei allem was hier kommentiert wurde, dürfen wir nicht vergessen, dass ein Film ein eigenes Werk ist. Auch als Gedichtverfilmung ist es eigene Emotion.

Mir gefällt besonders, dass neben den vielen technischen Diskussionen imForum (die auch spannend und wichtig sind) auch mal über Gestaltung und Inhalt gesprochen wird.

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  • 8 months later...
  • 2 weeks later...

Wieder mal was Neues von mir: ein paar impressionistische Filmbilder aus Wittnerchrome 200D und der Logmar. Nach dem provenzalischen Sprichwort: „Wenn die Zikade singt, arbeitet man nicht“. Viel Spaß!

https://vimeo.com/145065932

Handentwickelt, ein paar Szenen mit Pull-Entwicklung, weil es einfach zu hell war.

post-83199-0-31331300-1447170808_thumb.jpg

Edited by Patrick Müller (see edit history)
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Es müsste heißen "Il ne faut pas travailler..." ;-)

Prima, allerdings würde ich für so einen Film einen guten Teil der Szenen per Überblendung verknüpfen.

Es heißt tatsächlich "il ne fait pas …", das Sprichwort ist in feststehend, weshalb ich es auch so verwendet habe. Siehe u.a. hier: http://www.1001-cita...citation-24088/

 

Ja, Überblendungen gehen natürlich auch, aber die mag ich im klassischen Film nicht unbedingt. Das ist aber eine persönliche Entscheidung, ich mag ja eine gewisse Sperrigkeit, gerade bei einem Film wie diesem, der leicht kitschig werden kann. Und da ich den Film auch projizieren will und kann, ist das nachträglich auch nur schwer möglich. Übrigens wirkt der Wittnerchrome projiziert ganz wunderbar, ein schöner Film. Die Abtastung gibt das aber auch ganz gut wieder.

 

@Harald: Ja, die Farben sind viel subtiler als beim Ektachrome. Da wären die Lavendelfelder richtig knallig geworden. Uns schwebten hier tatsächlich pointillistische Gemälde vor. Das schafft der Film natürlich mit 25 Bildern pro Sekunde nur bedingt, eine besondere Atmosphäre gibt es aber allemal. Leider ist das Pentax Cosmicar nicht das schärfste, aber bildet das volle Bildfeld der Logmar ab, während das Optivaron 6-66 leider in den Ecken stark vignettiert bzw. maskiert. Und nicht unwichtig, wenn man mit einer so großen Kamera durch den Wald zieht: Mit dem Cosmicar passt die Logmar in die Beaulieu-Tasche, während das Optivaron die Kamera so lang macht, dass sie in keine Tasche mehr passt. Ich habe kürzlich mal das Schneider-Optivaron aus der Siemens F2-Kamera an die Logmar geschraubt, mit Top-Ergebnissen: Enorm scharf, super klein und mit 25mm perfekt für fast alles. Traumhaft. Das kleine Fujinon ist aber auch schön. Man muss eben viel experimentieren. Ich habe auch einen anderen Film in der Provence mit dem 50D gedreht, der aber im Vergleich zum Wittnerchrome fast schon langweilig feinkörnig aussieht.

post-83199-0-84493400-1447188081_thumb.jpg

Edited by Patrick Müller (see edit history)
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Tatsächlich, Du hast Recht!

Dann ergibt sich in der Übersetzung aber ein leicht geänderter Sinn.

"Il ne fait pas bon travailler quand..." würde ich dann eher übersetzen mit "Es ist nicht schön zu arbeiten, wenn ..."

So wie man "Es ist nicht schön(es Wetter)" übersetzt mit "Il ne fait pas beau".

 

"Man muss nicht arbeiten, wenn..." bzw. "Man arbeitet nicht, wenn..." übersetzt man normalerweise mit "Il ne faut pas travailler quand..."

 

Aber ich lasse mich gerne belehren.

Auf jeden Fall schon wieder was im Forum gelernt ... :-)

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Ja, meine Übersetzung ist auch etwas holprig. Danke für den Vorschlag. Ich bin auf diese nette Redewendung, die die Idee zum Film gab, durch meine Freundin gestoßen, als sie mir aus einem Reisebericht vorgelesen hat. Darin hieß es auf deutsch: "Wenn die Zikade singt, arbeitet man nicht". Deshalb habe ich es so übernommen, auch wenn es nicht ganz korrekt ist. Die offizielle englische Übersetzung mit "When the cicadas sing, it is too hot for working" ist ja noch skurriler. :-)

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Schöner Film!

Als ich ihn gesehen habe dachte ich mir: "Es gibt doch noch ein Stück heile Welt"... ich meine bei den ganzen Weltuntergängen in den täglichen Nachrichten...

Ich wußte gar nicht daß Farbfilm körniger wird wenn man ihn pullt, dachte der würde dann auch feinkörniger wie S/W-Film (?).

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Schöner Film!

Als ich ihn gesehen habe dachte ich mir: "Es gibt doch noch ein Stück heile Welt"... ich meine bei den ganzen Weltuntergängen in den täglichen Nachrichten...

Ich wußte gar nicht daß Farbfilm körniger wird wenn man ihn pullt, dachte der würde dann auch feinkörniger wie S/W-Film (?).

Freut mich, dass du das so siehst. In der Tat war mir dort in Renoirs Olivengärten in Cagnes-sur-mer wieder sein Satz in Erinnerung gekommen: "Es gibt schon soviel Übel in dieser Welt, also will ich etwas Schönes dazu beitragen." Und in dieser Landschaft fällt das nicht schwer, sogar de Sade fühlte sich dort pudelwohl. Dass es heute so ist wie es ist, liegt zu einem großen Teil daran, dass seit den 90ern einige Staaten gemäß ihren geopolitischen Interessen handeln können und auf die militärische Karte setzen, ohne sich an geltende völkerrechtliche Gesetze zu halten und man rettende diplomatische Instrumente zur Verständigung wie z.B. die OSZE in die Ecke geworfen hat. Aber das ist ein anderes Thema. Mein nächster Film wird übrigens ein romantischer Horrorfilm auf Fuji Eterna ASA 500.

 

Bezüglich des Pushen und Pullens: Das weiß ich auch nicht genau, ich habe es nur vermutet, dass es so ist, weil das Korn an diesen Stellen stärker ist. Ich kann mich aber auch irren. Die meisten Szenen habe ich übrigens mit 48 Bildern/Sekunde gefilmt, weil es so enorm hell war und ich für den ASA200-Film noch keinen Filter hatte. Einzig die Katze ist mit 25 Bildern/Sek. gefilmt, weil sie sonst recht behäbig ausgesehen hätte.

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Auch Schwarzweißfilm wird nicht feiner körnig bei verkürzter Entwicklungszeit.

 

Aber das Korn wird bei verkürzter EW-Zeit nicht so groß und somit wirkt der Film dann feinkörniger (?).

Zumindest bei meinen S/W-Negativen (Ilford Delta 400 + Perceptol) wurde die Entwicklung mit 200ASA "feinkörniger" als mit 320ASA.

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liegt zu einem großen Teil daran, dass seit den 90ern einige Staaten gemäß ihren geopolitischen Interessen handeln können und auf die militärische Karte setzen, ohne sich an geltende völkerrechtliche Gesetze zu halten und man rettende diplomatische Instrumente zur Verständigung wie z.B. die OSZE in die Ecke geworfen hat

 

...genau sowas meinte ich mit "Weltuntergängen". Jetzt da ich weiß daß ihnen dieser Satz durch den Kopf ging würde ich sogar sagen daß man das im Film sehen/spüren kann...

 

ein romantischer Horrorfilm

 

Klingt irgendwie witzig. So als wäre der Film so romantisch daß er schon wieder ein Horror ist - oder als bräche der Horror aus weil keine Streichhölzer für die romantischen Kerzen da wären... ;-)

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Freut mich einen neuen Film von dir zu sehen. Ich hatte das schon an anderer Stelle erwähnt, dass ich mich immer sehr freue die Filme anderer zu sehen. Es geht hier ja fast nur um technische Fragen, was das alles kostet und so weiter. Aber viele wollen wohl auch nur projezieren?

Der Wittnerchrome ist schon sehr speziell. Ich wollte ihn eigentlich immer unbedingt probieren, aber wenn ich deinen Film sehe dann muss ich sagen, dass mir die Farben nicht sonderlich gefallen. Er ist mir zu körnig - das funktioniert nicht so gut mit dem Iscorama denke ich. Und schärfer könnnte es auch sein. Dein Film ist gewohnt ruhig und ich warte währendessen, dass nach den schönen Stimmungs- und Schnittbildern die Kamera ein junges Paar zeigt, das sich über die Liebe unterhält (die Atmosphäre erinnert an Eric Romer). Aber du bleibst deiner ruhigen Linie treu.

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Dein Film ist gewohnt ruhig und ich warte währendessen, dass nach den schönen Stimmungs- und Schnittbildern die Kamera ein junges Paar zeigt, das sich über die Liebe unterhält (die Atmosphäre erinnert an Eric Romer). Aber du bleibst deiner ruhigen Linie treu.

Schön, dass du Rohmer erwähnst. Sein CONTE D'ÉTÉ war damals für mich die Initialzündung, was Kino kann. Er steht für ein Kino, das heute schmerzlich fehlt. In der Tat, man könnte meinen, hier kämen Astrée und Celadon vorbei oder die Hirten musizieren. Alles ist möglich, im Kopf. Deshalb geht das Zirpen am Ende weiter, und man kann eigene Bilder im Kopf kreieren. Schärfe war hier nie mein Ziel, da es ja bewusst körnig und verrauscht sein sollte, wie ein impressionistisches Gemälde. Manchmal lassen Unschärfen und Körnung auch Raum zum Träumen. Aber in der Tat, die Projektion sieht noch schärfer aus, weil es das Auge anders wahrnimmt.

Edited by Patrick Müller (see edit history)
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Aber das Korn wird bei verkürzter EW-Zeit nicht so groß und somit wirkt der Film dann feinkörniger (?).

 

Korrekt

 

Der Körnigkeitseindruck hängt von mehreren Faktoren ab. Da sind zunächst das Filmmaterial und die Entwicklung, dann aber auch die Projektions- und Beleuchtungsoptik. Ohne Projektion, also beispielsweise nach Abtastung, besteht ein anderer Eindruck. Ganz wichtig: Je feiner das Korn, umso deutlicher der Kontrastumfang. Wenn wir uns im Extremen jeweils ein großes geschwärztes und ein nicht geschwärztes Korn auf einem Einzelbild denken, haben wir den vollen Kontrast, jedoch keine Halbtöne. Damit hat das Auge keine Vergleichsmöglichkeit. Bei Farben verhält es sich etwas anders.

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Das Farbkorn des Avichrome ist leider so, daß wirklich rote, blaue und gelbe Punkte über die Leinwand tanzen und diese Kornstruktur das Bild für meinen Geschmack sehr störend überlagern. Bei Aufnahmen weiter entfernt als "Halbnah" werden Gesichter dadurch so unscharf, daß man sie nicht mehr erkennt.

Auch schafft es der Film nicht einen natürlichen Hautton abzubilden. Man sieht immer deutlich die drei Grundfarben durchs Bild tanzen.

Das geht nach meinem Geschmack gar nicht.

Edited by k.schreier (see edit history)
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Zeit, daß endlich ein neues additives Dreifarbenverfahren für Kinefilm auf die Welt kommt. Bildträger kann dabei feinkörniger Schwarzweißfilm sein, die Farben werden jedes Mal gleich in der Projektion erzeugt. Chronochrome von Gaumont, vor über 100 Jahren, war ein Versuch, technisch unvollkommen wegen mangelnder Panchromasie der Aufnahmefilme und zu wenig Licht in der Projektion. Heute steht LASER zur Verfügung mit exaktem Rot, Grün und Blau. Farbfilter entfallen.

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und Beleuchtungsoptik

 

Ich vermute mal daß gerichtetes Lichts besser ist als ungerichtetes, weil bei zweitem jedes Korn noch eine Art "Heiligenschein" bekommen kann.

 

Wäre es möglich die Zweitentwicklung im E6-Prozess zu "strecken", also höher verdünnen und länger entwicklen, um ein feineres Korn (und höhere Kantenschärfe) zu erlangen wie bei S/W?

 

Zeit, daß endlich ein neues additives Dreifarbenverfahren für Kinefilm auf die Welt kommt.

 

Könnte man vielleicht einen "Strahlenteiler" vor das Objektiv einer Super-16-Kamera anbringen, damit auf das Filmbild drei kleine Bilder projeziert werden? Vor den Strahlenteiler drei entsprechende Filter, die Kamera um 90° drehen, so daß das S-16-Filmbild in (ungefähr) 3x 7,42mmx4,11mm aufgeteilt wird - dann müßte man keine neue Kamera/Filmformat bauen und hätte eine etwas größere Bildfläche als bei S8 (und ein ziemliches Breitbild, aber heutzutage geht ja nix mehr unter 16:9 ;-) ). Man hätte zwar den Verbauch von 16mm-Film, aber eben in S/W was bezügl. der Materialkosten in etwa so viel kostet wie die selbe Lauflänge in S8-Kassetten. S/W-Entwicklung ist immerhin günstiger als Farbentwicklung - und man hätte gegenüber "echtem" Farbfilm ein paar Vorteile: Keine Alterung der Farben, einfache Selbstentwicklung, leichtes Pushen + Pullen, spezielle Feinkornentwickler.

Könnten die Laser im Projektor nicht dem Film gefährlich werden?

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