Filmvorführerforum: 35mm-Vorführtermine - Filmvorführerforum

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35mm-Vorführtermine Thema bewerten: -----

#481 Mitglied ist offline   albertk 

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Geschrieben 14 May 2012 - 22:11

Der erste westdeutsche Farbfilm (Agfacolor) "Schwarzwaldmädel" lief ab 4.2.1955 auch in der DDR. Ob das Plakat dort auch braune Stellen hatte, entzieht sich meiner Kenntnis. Hier ist übrigens das Heft der Progress-Filmillustrierten (das ist übrigens Sepia"braun"):
http://www.google.de...aUzcmHBA&zoom=1
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#482 Mitglied ist offline   cinerama 

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Geschrieben 15 May 2012 - 01:51

Und Artur Brauner - aus einer Opferfamilie der NS-Zeit stammend - produzierte Heimatfilme für den frühen westdeutschen Staat. Die vielleicht nicht zu seinen besten Produktionen gehören.

Und die DDR als konsequentes System im Bruch mit dem alten Deutschland? Nicht so umfassend, wie auch ich einst dachte.
Um hier nicht von Fans gerichtet zu werden, sage ich vorerst weiter nichts und lasse Zitate Revue passieren:

Zweitens war die Errichtung der DDR (wie des gesamten Ostblocks) Teil der Etablierung einer reaktionären Nachkriegsordnung, die neben der territorialen Ausdehnung bürokratischer Planung v.a. die konterrevolutionäre Aufteilung zwischen Ost und West, unter unbedingter Anerkennung der Herrschaft des Kapitals in den imperialistischen Sphären implizierte. [...] Die DDR-Staatsmaschinerie war vom Typus her bürgerlich, ein abgehobener allmächtiger Apparat, ein Heer an Repressionskräften und Staatsdienern. Es ist keine Wunder, dass dieser Apparat später keinerlei Widerstand gegen die Restauration des Kapitalismus leistete, sondern im Gegenteil die meisten Bürokraten versuchten, im neuen, größeren imperialistischen Deutschland unterzukommen.
http://arbeiterinnen...lt/rm29ddr.html


Nicht nationalsozialistisch, aber eskapistisch?

In Westdeutschland gibt das "Schwarzwaldmädel" 1950 den Startschuss zu einer langen kreativen Durststrecke, während der der deutsche Film von wenigen Ausnahmen abgesehen in fröhlichem Eskapismus und anspruchsloser Genreware verharrt, die das triste Nachkriegsdasein erhellen soll.
Der Heimatfilm feiert in der ersten Hälfte der 1950er seine Blütezeit, ebenso der historische Liebesfilm (die "Sissi"-Trilogie, ab 1955), der Abenteuerfilm und Western (besonders populär sind Karl May-Verfilmungen wie die "Winnetou"-Reihe). Der Kriminalfilm wird in einer schier endlosen Reihe formelhafter Edgar Wallace-Filme als populäres Genre wieder belebt. Bis auf den Heimatfilm, der simple, triviale Romanzen vor unberührter heimischer Natur-Kulisse, spielen alle diese Filme im Ausland, meist an exotischen Orten, um der Biedermann-Unterhaltung internationalen Anstrich zu geben.
http://www.filmszene...deutschen-kinos


Biedermann und die Brandstifter?

Dabei präsentiert Harro Segeberg in dem von ihm herausgegebenen Band drei Thesen bereits in der Überschrift. Mit dem Haupttitel „Mediale Mobilmachung III“ behauptet er erstens eine Sonderstellung für den Film (und hier wiederum den fiktionalen Film) im Zusammenspiel mehrerer relevanter Medien der Mobilmachung und zweitens eine Kontinuität zwischen dem in zwei vorangegangenen Sammelbänden behandelten Kino des Dritten Reichs und der Kriegs- und frühen Nachkriegsjahre in Deutschland und Hollywood
http://hsozkult.gesc...onen/2010-2-166


„Bloß nicht wieder Ruinen“ stöhnte das Publikum schon beim zweiten Nachkriegsfilm, denn es will Illusionen, es will die Wahrheit und die Folgen einer Entwicklung nicht länger sehen, als es dazu gezwungen ist [IFW 22 (1949) S. 250].
Viele deutsche Cineasten flüchteten sich deshalb lieber zu den Überläufern oder sie begeisterten sich an einem neu aufkommenden Trivialfilmgenre. Der Heimatfilm Schwarzwaldmädel (1950) mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack, dem Traumpaar der Fuffziger, brach 1950 alle Zuschauerrekorde und zeigte damit den deutschen Filmemachern den Weg zum Erfolg. Der Trümmerfilm, den man insgesamt gesehen künstlerische und inhaltliche Wagnisse nicht völlig absprechen kann, war nicht mehr gefragt. [Zum Film in der Trümmerzeit vgl. Pleyer, Nachkriegsfilm S. 51ff.; Kahlenberg, Film S. 467ff.; Glaser, Kulturgeschichte S. 119ff; Kreimeier, Westdeutscher Film S. 290ff.; Seidl, Lüge S. 71fE; Wilharm, Lizenzfilme S. 193ff]. Zum deutschen Filmangebot in den Theatern der französischen Zone gab ein versierter Kinobesucher den folgenden treffenden Vers [IFW 1 (1949) S. 3] zum besten:
"Er kann nur prahlen oder wimmern,
Er lebt in Schlössern und in Trümmern,
Doch nie in deinen oder meinen Zimmern
Er sollte sich ums Leben kümmern!"

Aus: "Zwischen Gestern und Morgen. Film und Kino im Nachkriegsjahrzehnt"; http://www.mediaculture-online.de



Hat das industrielle System eine Kontinuität?

Die deutsche Filmbranche, ein Schoßkind des Nazi-Regimes und also technisch gut ausgerüstet, begann sich nach der Stunde null unter der Vormundschaft der Besatzungsmächte erstaunlich rasch wieder zu regen. [...]
Die Nachkriegsfilmemacher der ersten Stunde waren jüngere Profis, die bei der Ufa ihr Metier gelernt und sich noch vor Kriegsende mit "unpolitisch" gefälligen Werken bewährt hatten: Harald Braun, Helmut Käutner, Kurt Hoffmann, Josef von Baky, Wolfgang Staudte - sie gehörten zum Teil bis in die sechziger Jahre hinein zu den maßgeblichen Regisseuren des deutschen Kinos. Auch auf der Leinwand waren Publikumslieblinge, die nicht als kompromittiert galten, etwa Hans Albers und Heinz Rühmann, bald wieder zurück. Den ersten "Bambi" als beliebteste Schauspielerin des Jahres gewann 1948 nicht etwa die junge Hildegard Knef, sondern die unverwüstliche Stehauffrau Marika Rökk. [...]
Zur Uraufführung des ersten deutschen Nachkriegsfarbfilms in Stuttgart gab sich der baden-württembergische Kultusminister die Ehre, und die Bundespost brachte einen Premieren-Sonderstempel heraus. Das Folklore-Rührstück "Schwarzwaldmädel" wurde mit etwa 14 Millionen Zuschauern zum Sensationserfolg und zum Prototypen des auffälligsten und "deutschesten" Phänomens im Fünfziger-Jahre-Kino, dem Heimatfilm. Der Regisseur Hans Deppe (einst ein Berliner Komiker, der schon vor 1945 bei etwa 30 volkstümlichen Filmen Regie geführt hatte) und sein Starpaar Sonja Ziemann und Rudolf Prack behaupteten ein Jahrzehnt lang in wechselnder Volkstracht ihren Spitzenplatz in der Heimatszene. Die Branche war stolz auf das identitätsstiftende Genre, dem kein ausländischer Film Konkurrenz machen konnte, und die Meinungsforscher erkannten, dass das Publikum nun also eindeutig dem "Illusionsfilm" gegenüber dem "Wirklichkeitsfilm" den Vorzug gebe.

Aus: http://www.spiegel.d...d-45964840.html

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#483 Mitglied ist offline   preston sturges 

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Geschrieben 15 May 2012 - 06:01

Beitrag anzeigenalbertk sagte am 14 May 2012 - 22:11:

Der erste westdeutsche Farbfilm (Agfacolor) "Schwarzwaldmädel" lief ab 4.2.1955 auch in der DDR.


Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass "Schwarzwaldmädel" im Frühjahr 1950 noch auf Farbfilmmaterial
geliefert von der Farbenfabrik Wolfen gedreht worden ist, da die im gleichen Jahr neu errichtete Agfa-Filmfabrik
in Leverkusen noch nicht lieferfähig war.

Deshalb vielleicht auch keine Nennung "Agfacolor" auf dem Plakat, stattdessen die Schlagzeile "Der erste neue deutsche Farbfilm".

Oder in @cineramas Idiom gesagt: Der restaurative Illusionsfilm der Adenauer-Ära kauft Negativ-Material beim Klassenfeind DDR.
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#484 Mitglied ist offline   preston sturges 

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Geschrieben 15 May 2012 - 12:14

Weitere interessante 35mm Vorführungen ... Schauburg-CINERAMA, Karlsruhe

im Rahmen der "Karlsruher Filmwochen 2012"

Mittwoch, 6. Juni um 19.00 Uhr

"Spion in Spitzenhöschen"
THE GLASS BOTTOM BOAT
USA 1966
Regie: Frank Tashlin (The Girl can't Help it, Artists and Models, Hollywood or Bust u.a.)
Buch: Everett Freeman
Kamera: Leon Shamroy (Cleopatra, Porgy and Bess, The Agony and the Ecstasy u.a.)
Musik: Frank de Vol (Cat Ballou, The Dirty Dozen, Ulzanas Raid u.a.)
Mit Doris Day, Rod Taylor, Arthur Godfrey, John McGiver, Paul Lynde, Edward Andrews, Eric Fleming, Dom DeLuise, Dick Martin

mit Einführung von Wolfgang Petroll und anschließendem Filmgespräch

"Doris Day wird zum Opfer der hysterischen Furcht der "Kalten Krieger" vor der „Roten Gefahr“ in der Raumfahrtindustrie –
doch die moderne berufstätige Mittelstandshausfrau vom Dienst singt „Que sera, sera“ und schlägt zurück.
Das unvermeidliche Happy End dieser romantischen Liebeskomödie mit Rod Taylor (bekannt aus The Birds und Inglourious Basterds)
wird von Regisseur Frank Tashlin (erprobt in Comic, Animation und Jerry-Lewis-Filmen) immer wieder lustvoll
mit einem temporeichen Gagfeuerwerk herausgezögert." (Festivalprospekt)

35mm CinemaScope EA Technicolor Druckkopie der deutschen Synchronfassung in quietschbuntem Technicolor und Rasiermesser-Schärfe


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#485 Mitglied ist offline   cinerama 

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Geschrieben 15 May 2012 - 13:35

Beitrag anzeigenpreston sturges sagte am 15 May 2012 - 06:01:


[...] Der restaurative Illusionsfilm der Adenauer-Ära kauft Negativ-Material beim Klassenfeind DDR.

Damit kommt man in der Sache schon näher.

*

Die Vermittlung eines neuen Heimatgefühls für all jene, die ihre eigentliche Heimat erst verloren hatten, war ein wesentlicher Bestandteil [des bundesdeutsche Heimatfilms]. Vergleicht man dazu die Handlungsplätze, an denen jene Filme gedreht wurden, so lässt sich eine Mischung zwischen Alpenpanorama, mitteldeutschen Landschaften und norddeutschen Heide- und Moorlandschaften feststellen. Auch wenn heute oftmals nur noch die zugegebenermaßen beeindruckenden Alpenaufnahmen in unserem Bewusstsein vorhanden sind, so reduzierte sich dies damals nicht nur auf diesen Schauplatz. Vielmehr lässt sich feststellen, dass alle Landschaften, in denen Vertreibung stattfand, ihren Gegenpol im bundesdeutschen Heimatfilm fanden. So sind beispielsweise die ostpreußischen Gebiete auf die norddeutschen Heidelandschaften, Schlesien und das Sudetenland auf die deutschen Mittelgebirgslandschaften übertragbar. Aber nicht nur das Wiederfinden der alten Heimat im Film, sondern auch das Finden einer neuen Heimat in der Realität konnte auf diese Weise ermöglicht werden. [...]
So steht er [der bundesdeutsche Heimatfilm] teilweise in einer Entwicklungslinie zu den Berg- und Skifilmen der 20er Jahre und frühen 30er Jahre und deren Nachfolger, der „Blut und Boden“ Propaganda während der Zeit des Nationalsozialismus.

Aus: Jürgen Bader, "Der bundesdeutsche Heimatfilm der 1950er Jahre". http://www.hausarbei...chau/29801.html

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#486 Mitglied ist offline   preston sturges 

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Geschrieben 15 May 2012 - 14:05

Danke @cinerama für die vielen langen und bunten Zitate. Ist ja erstaunlich ... zuerst verteufelst Du die Filme und
jetzt scheinst Du Dich pausenlos mit dem Heimatfilm der 50er Jahre zu beschäftigen. Wohl Feuer gefangen? :-)

Wie dem auch sei ... ich empfehle ebenfalls die Sichtung der Filme und das möglichst in einem Kino mit Publikum, wenn man mitreden will.

In dem Zusammenhang sei mir auch ein (sehr kurzes) Zitat erlaubt:

"Viel interessanter, als ihnen (den Heimatfilmen der 50er Jahre) die Lügen nachzuweisen, ist es, ihnen die Wahrheit zu entreißen."
(Georg Seeßlen - "Durch die Heimat und so weiter" in 'Zwischen Gestern und Morgen Westdeutscher Nachkriegsfilm 1946-1962', Schriftenreihe des Deutschen Filmmuseums, 1989)
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#487 Mitglied ist offline   cinerama 

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Geschrieben 15 May 2012 - 14:31

Beitrag anzeigenpreston sturges sagte am 15 May 2012 - 14:05:


"Viel interessanter, als ihnen (den Heimatfilmen der 50er Jahre) die Lügen nachzuweisen, ist es, ihnen die Wahrheit zu entreißen."
(Georg Seeßlen - "Durch die Heimat und so weiter" in 'Zwischen Gestern und Morgen Westdeutscher Nachkriegsfilm 1946-1962', Schriftenreihe des Deutschen Filmmuseums, 1989)

Das gilt eben so für die Blut- und Bodenfilme der NS-Zeit: auch sie enthalten Wahrheiten, Wahrheiten über die Psyche einer Volksgemeinschaft usw., auch wenn dieser Zustand durch Lüge zustandekam. ;-)
Widescreen & Cinema Society Berlin
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