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Lichtspieltheater der Jugend Frankfurt (Oder)


Martin Rowek
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Entschuldigt Leute, ich hatte den Saal gerade so in Erinnerung, als wäre er für Normalformat gebaut worden.

 

Stimmt natürlich nicht, sogesehen dürfte CS dort ganz passabel aussehen.

 

Der Saal wurde für NF gebaut, wobei eine Verbreiterung auf "Breitwand" durch das Architektenkollektiv eingeplant wurde.

 

Anders als heute üblich, wurden Kinos in der damaligen Zeit - und das auch bzw. gerade in der DDR - von Fachleuten gebaut. Das sowohl in (Kino)architektonischer, als auch in (Kino)technischer Hinsicht, wie Raumaufbau, Projektion, Optik und Akustik.
War es nicht das Cosmos, bei dem in der Planung der BWR vergessen wurde?

 

Das Kollektiv Jakob Kaiser hat fast alle wesentlichen, modernen Neubauten der DDR Hauptstadt durchgeführt:

 

Filmtheater Stalinallee 1 ("Kosmos)

Filmtheater Stalinalle 2 ("International")

Lunk Lichtspiele Pankow

Filmtheater Wilmhelmsruh (baugleich Lunik)

...

 

wobei die Qualität der Entwürfe hoch war. Ich glaube nicht an die Geschichte mit dem vergessenen BWR, dafür war das ein zu erfahrenes Büro (Kollektiv).

 

Martin: Asbest wird in einem Bau aus 1955 kaum eine Rolle gespielt haben, die Ausführung in FFO ist in durchaus klassischer Mauerwerksbauweise mit Stahl- und Spannbetonelementen durchgeführt. Spritzasbest und Asbestbrandschutz ist eher eine Sache der späten 1960er und 70er. Wobei nicht auszuschließen ist, daß z.B. in Bildwerfern und Abluftschläuchen Asbest enthalten war.

 

Stefan

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Entschuldigt Leute, ich hatte den Saal gerade so in Erinnerung, als wäre er für Normalformat gebaut worden.

 

Stimmt natürlich nicht, sogesehen dürfte CS dort ganz passabel aussehen.

 

Der Saal wurde für NF gebaut, wobei eine Verbreiterung auf "Breitwand" durch das Architektenkollektiv eingepla nt wurde.

 

St

 

Woher weißt Du das? Hast Du bestimmte Quellen?

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Die Fakten, von @VII B aufgezählt, stimmen, kann ich aus der Wessie-Sicht bestätigen.

Zudem wäre hinzuzufügen, wie man "alternative" Programmacher in West-Berlin (Zehlendorf) Anfang der 1970er Jahre als "schwule Kommunisten" ins "KZ" wünschte.

Die Prügelorgien der Brandt-Regierung wenige Jahre zuvor sind noch gut bekannt, die Diskriminierung und Kriminalisierung sozialen Protests zur Zeit der Hausbesetzerbewegung durch Richard von Weizsäcker und Heinrich Lummer mir gut präsent.

 

Auch die Diskriminierung an "sozialdemokratischen" Schulen von aufgeweckten und zeitkritischen Jugendlichen (noch in den 1970er Jahren) sorgte mit politischer Zensur (also einfach mal eine "6" in einem Schulaufsatz, der eher als herausragend hätte bewertet werden müssen) für Zerstörung von Existenzen und Laufbahnen.

 

Verwanzte Kinos haben ich zwar noch nicht gesehen, aber vielleicht meint @oceanic das von ihm gefürchtete Filmkorn, das er mit StaSi-Verwanzung verwechselte. :wink:

Falls wir mittlerweile gesamtdeutsch auf StaSi 2.0 zusteuern, verliert der repressiv-fürsorgliche Überwachungsstaat DDR zunehmend an Schrecken - obwohl es genug Schrecken gab.

 

Unter welchem politischen Vorzeichen auch immer: die Neubauwelle der Großfilmtheater in den 60's/70's war in der DDR vorbildlich wie von @VIIB beschrieben. Es gab sie auch noch im Westen durch die späten Bauten der Cinerama Inc. (aufgrund des Hypes der Panorama-Bildwände), aber der Niedergang der Branche war über all sonstwo spürbar.

 

Sehr vorbildlich auch das Rundkino in Dresden, das noch existiert, leider aber von Bank- und Versicherungsgebäuden "verstellt" ist, was ihm seine Imposanz und magnetischte Anziehung raubt

 

Weder von Rundkino, Kosmos oder International ist mir eine Verwanzung bisher zu Ohren gekommen. Wenn's das gäbe: wäre durchaus interessant zu hören.

 

Sehr zutreffend geschrieben.

Empfehle den Herren als Literatur das Buch von Ralph Hartmann über die Vereinigung: Liquidatoren- Der Reichskommissar und das wiedergewonnene Vaterland. Sehr interessant und gut zu lesen. Und bringt einen zum K-----.

Vortrag von Hartmann am 11.12.09 in Berlin.

 

St,

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Lunk Lichtspiele Pankow

Filmtheater Wilmhelmsruh (baugleich Lunik)

...

 

Die Baugleicheit ist so extrem, dass es sich im dasselbe Kino handelt.

Den von @E VII b beschriebenen Sachverhalt habe ich auch von Zeitzeugen gehört. Ich habe kein Veranlassung, dieses anzuzweifeln. Und "vergessene" BWRs gab es auch an anderer Stelle. Zumindest glaub' ich, auf allekinos.com derartiges gelesen zu haben.

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... Sehr vorbildlich auch das Rundkino in Dresden, das noch existiert, leider aber von Bank- und Versicherungsgebäuden "verstellt" ist, was ihm seine Imposanz und magnetischte Anziehung raubt ...
Schön, dass Du inzwischen das voll digitalisierte Rundkino als vorbildlich bezeichnest.

Ich denke, @cinerama bezog sich damit auf die Grundarchitektur des damaligen "Rundkino" am Ende der Prager Straße in Dresden.

Das war nur der übliche Beissreflex. ;-)

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Hallo Martin,

 

nur der Staat wäre zu einer Reaktivierung fähig, wie beim Erstbau Mitte der 1950er (1956?) der Staat gebaut hat.

Ich rechne mit etwa 2,5 Mio - 3 Mio Euro, für eine Rettung und Erstellung eines Kinos mit großem, klassischen Saal.

Mit Kinoabspiel ist das (schon gar nicht in FFO) zu verdienen, leider. Und daher wird sich auch kein kommerzieller Investor für die Ruine finden.

Wenn aber die Stadt wollte, dann würde das gehen, mit Landes-, Bundes- und Europamitteln, die sogar ausreichend zur Verfügung stehen, denn trotz aller gegenteiligen Bekundungen ist der Staat unendlich reich, und muß nicht wirtschaftlich denken, sondern nur etatgerecht.

Doch dafür brauchst Du eine politische Mehrheit, und die findet sich z.B. im bürgerlichen Lager der Systemparteien kaum, da bedarf es anderer politischer Konstellationen.

 

Vielleicht findet sich auch ein Mäzen (Ein Mäzen ist eine Person, die eine Institution, kommunale Einrichtung oder Person mit Geld oder geldwerten Mitteln bei der Umsetzung eines Vorhabens unterstützt, ohne eine direkte Gegenleistung zu verlangen.), obwohl ich das bezweifele. Das heute ach so moderne "Sponsoring" erwartet idR eine direkt monetär ablesbbare Gegenleistung, und die ist bei solch einem Projekt nicht zu finden.

 

Traurig, denn neben dem Filmtheater in Stalinstadt ist FdJ in Frankfurt einer der bedeutensten Kinoneubauten der DDR (Berlin als Hauptstadt ist hier gesondert zu betrachten) gewesen.

 

Stefan

 

Hallo Stefan,

 

wahre Worte! Stalinstadt heißt aber seit einigen Jahrzehnten Eisenhüttenstadt :wink: In der Tat gibt es dort ebenfalls ein schönes Kino, welche Theater und Oper zugleich beherbergt und sich in unmittelbarer Nähe des Multiplex-Kinos weiterhin behauptet.

 

In den Medien wird oft behauptet, dass es die dreckigste und ärmste Stadt Deutschlands ist, aber wer in den sogenannten Ruhrpott (Ruhrgebiet) fährt, merkt schnell, dass es auch dort ziemlich heruntergekommene Gegenden gibt.

 

Traurig, dass der Staat Geld verprasst, statt es sinnvoll einzusetzen!

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  • 4 months later...

@jensg,

 

Ja, richtig! Da gibt es immerhin die Innenaufnahmen.

 

Hallo,

 

was hat denn das Haus für eine Anlage gehabt??

 

@Lichtton, Deine Frage hab ich wohl übersehen. Früher wurden dort Meo 5 eingesetzt. Zumindest soweit ich mich erinnern kann.

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Für die Breitwand-Maniacs ein wenig beengend: seitliche Ränge und ein sich nach vorne verjüngernder Grundriss stehen den heutigen Sehkonventionen m.E. problematisch entgegen.

Als Sprech- und Singbühne stelle ich mir den Saal viel attraktiver vor.

 

Könnte aber ein Vorurteil sein, denn ich war leider nie dort. :oops:

Auf alle Fälle ein repräsentativer Zweckbau. Nicht sowas Austauschbares wie heute.

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  • 2 years later...

Ok, gehen wir mal davon aus, dass das Haus inzw. seit gut 10 Jahren ungenutzt ist und schon 2009 nicht grade in einem Topzustand war (schöne Formulierung in der Anzeige( "... bis zuletzt als Kino genutzt"....) dann dürften 45.000 wohl eher angemessen sein 8 hat sich der Verkäufer vielleicht vertippt????

 

Ich denke mal, das hier versucht wird den Dankmalsschutz auszutricksen. Irgendwann wird der Punkt überschritten sein an dem die aufrechterhaltung des Schutzes wirtschaftlich nicht mehr zu verantworten ist und man eine Aufhebung beantragen kann. Dann erfolgt Abriss und Verkauf des Grundstücks. auf diese Weise dürfte man einiges mehr erlösen, als durch den Verkauf der gesamten Immobilie.

 

Kein einigermaßen wirtschaftlich denkender Investor/Käufer würde ein Gebäude in diesem Zustand, das dazu noch mit Auflagen belastet ist, auch nur mit der Kneifzange anfassen. (Siehe Kaskade, Kassel u.ä.).

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Offenbar sitzen da Fledermäuse in den Gewölben. Das wird nicht einfach ...

http://www.joodi.de/ffo/bild09.htm

 

"Nach Information der Stadt, wäre eine Nutzung der Immobilie als Hotelanlage gern gesehen."

Ob das eine verlässliche Information ist? Und was macht man mit dem alten Kinosaal? Für einen Frühstücksraum ist er jedenfalls zu groß ...

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  • 3 weeks later...
  • 1 year later...

Immerhin hat jetzt auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das ehemalige Lichtspieltheater der Jugend im Fokus. In der Juni-Ausgabe von Monumente findet sich ein immerhin vierseitiger Beitrag. Leider nur scheint es so zu sein, dass es immer noch kein Konzept für die Gebäudenutzung gibt - aber ein ansteigendes öffentliches Interesse, mitbewegt durch ein Projekt des Karl-Liebknecht-Gymnasiums. - Leider enthält die Online-Version (anders als die Print-Fassung) nicht das Foto des großen Saales aus dem Jahre 1960, das jedenfalls bei mir doch etliche Zweifel aufkommen lässt, ob der Saal noch modernen Projektionsansprüchen zu genügen vermag (beidseitig breiter Balkon mit Stützen im Saal, entsprechend verengte Bildwandbreite). Von der Idee der Wiederbelebung einer Filmprojektion wird man sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten aber wohl ohnehin eher verabschieden müssen ... Immerhin, der Beitrag könnte signalisieren, dass eine denkmalgerechte Wiederherstellung des Gebäudes (unabhängig von der Nutzungsart) auch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz finanziell unterstützt werden könnte ...

 

http://www.monumente-online.de/14/03/sonderthema/Denkmal_aktiv_Lichtspielhaus_Frankfurt_Oder.php

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Interessanter Fund auf flickr: Ein Foto vom Saal im letzten Bauzustand. Damit wird klar: 1955 war das Lichtspieltheater der Jugend nur für Normalformat eingerichtet (der alte Bildwandrahmen im Hintergrund, die ehemalige Bildwand nunmehr vermauert). Das ist, was den Bildwandrahmen betrifft, auch der Zustand, den die Innenansicht des Großes Saales aus dem Jahre 1960 zeigt (in Monumente, Juni 2014, S. 18). Der Umbau auf CinemaScope erfolgte laut allekinos erst im Jahre 1966. Und man sieht nun recht deutlich, was sie bei dieser Gelegenheit getan haben: die Balkons wurden links und rechts durchtrennt, die Bühne entsprechend (um schätzungsweise sechs Meter - bis zur ersten Balkonsäule) vorgezogen. So einen richtig pfleglichen Eindruck im Umgang mit dem Haus macht diese Aktion aber irgendwie auch nicht ...

 

 

Bühne

http://allekinos.pytalhost.com/kinowiki/index.php?title=Frankfurt_%28Oder%29_Filmtheater_der_Jugend

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  • 1 month later...

Update (und sry für den unverzeihlichen triple-post ;-)). Die Redaktion der "Monumente" war so freundlich, den Kontakt zu dem Bildarchiv zu vermitteln, das die Aufnahme des großen Saales aus dem Jahre 1950 für die Juni-Ausgabe zur Verfügung gestellt hatte; und das Bildarchiv war seinerseits so großzügig, die Einstellung des Fotos in diesen Thread zu gestatten. Ganz herzlichen Dank an beide! Hier also nun das Foto, auf das ich mich bezog: mit dem rechteckigen Bühnenrahmen und - in der vorliegenden Auflösung weitaus deutlicher erkennbar als in der Druckfassung - der gegenüber dem Bühnenrahmen noch einmal zurückgesetzte Vorhang. Insgesamt also eine Bühne von beachtlicher Tiefe, die offenbar nicht nur für andere Zwecke geeignet war, sondern auch genutzt wurde; so würde ich jedenfalls mal die Anwesenheit von Flügel & Stuhl vor der Bühnenrampe deuten. Die Dimensionen der Bildwand, die dieses Foto erahnen lässt, waren wohl zeittypisch, aber nach heutigen Verhältnissen eher klein, und es war in dieser Größenordnung mit größter anzunehmender Sicherheit auch nur Normalformat. Dass man sich später für Breitwand und CinemaScope andere Größenordnungen nicht nur vorstellte, sondern - indem man die Bildwand um eine ganze Säulenreihe vorzog - dann auch baulich umsetzte, spricht für sich. Nur: Auf welchen Stand sollte man denn im Falle einer denkmalgerechten Wiederherstellung des Saales zurückkehren? Zum alten Bildwandrahmen und damit zur Normalformat-Bildwand? Eigentlich unumgänglich, aber ... angesichts der technischen Weiterentwicklung wirklich schwierig ...

 

Darf ich sicherheitshalber noch einmal auf die Selbstverständlichkeit hinweisen, dass alle Rechte aus dem nachfolgend eingestellten Foto bei dem Bildarchiv liegen, das die Einstellung ermöglicht hat? Vielen Dank!

 

post-79359-0-71054300-1404569612_thumb.jpg

Foto: Sammlung Jörg Kotterba

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  • 3 months later...

Oh, ich muss wohl übersehen haben, dass es hier neue Beiträge gibt ;-) Vielen Dank Sam! Es gibt mittlerweile sogar eine Facebook-Gruppe zum Thema Erhalt des Lichtspieltheaters: https://www.facebook...htspieltheater/

 

Ein Schüler aus der 10. Klasse des Karl-Liebknecht-Gymnasiums drehte sogar einen Doku-Film:

 

https://www.youtube....h?v=io34hoPu-N4

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