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Belieferung von Filmkopien vor, während und kurz nach dem 2.Weltkrieg


DC
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Hallo perforierte Leserschaft,

 

weiß jemand, wie seinerzeit die Distribution und Logistik der Kopien an die Lichtspielhäuser oder an das "Frontkino" organisiert und umgesetzt wurde?

 

Zustellung binnen 24h gab es da wohl noch nicht...und es wurden sicherlich keine Massenkopien (>1000) hergestellt.

 

Welche Kopierwerke waren seinerzeit überhaupt im Einsatz?

 

freue mich auf einen Informationsaustausch!

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Afifa in Berlin, Geyer Berlin, Bavaria, Arri und RiVa in München.

Ich glaub, es gab noch mehrere, diese hier fallen mir gerade ein.

 

In besetzten Gebieten kam es durchaus vor, dass eine Kopie per Fallschirm abgeworfen wurde oder mit den nachrückenden Truppen "geliefert" wurde - wenn sie denn ankam.

 

Im übrigen Landesgebiet waren I.d.R wenige Kopien im Einsatz, es dürften vielleicht 40 Stück gewesen sein, die dann "rotierten" - so gings ja in der DDR auch noch bis weit in die 80er.

Richtige Massenkopierung kam erst gegen Ende der 50er auf, als die Kinos ihre Blütezeiten hatten, jedoch hatte eine Stadt 9 Kinos, wurden auch 9 verschiedene Filme gezeigt, es gab praktisch keine zwei Spielstätten, die den selben Film in der Stadt spielten - Großstädte jetzt mal ausgenommen.

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Hallo Chris,

 

gab es denn in der Vorkriegszeit auch Filmspedies? Oder wie verlief die Verteilung?

 

Und bist Du dir sicher, das man mit 40 Kopien an den Start ging? Ende des Krieges waren es sicher wohl nur eine handvoll. Aber in den 30er Jahren doch sicherlich mehr?

 

Wofür stand denn RiVa? Ist das der Vorgänger des gleichen Hauses in Hamburg? Oder "Rainer" Zufall?

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Ich habe bei uns noch alte Buchhaltungsakten gesehen, darin regelmäßig Belege für 'Pralinen für Bahnmitarbeiter bei Kopienabholung'...

:roll:

 

Ich glaube, für's Heben der Kartons ins Auto. Der Abholer war körperlich nicht mehr so belastbar.

 

- Carsten

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Dann gab es noch für die Nachspieler den "Bahnexpress mit Zugbindung". Der Film ging am Donnerstag so gegen 10 Uhr früh vom Lager mit einem bestimmten D-Zug los, wurde dann in einen Regionalzug umgeladen und war dann z.B. um 13.00 Uhr garantiert bei uns vor Ort. Laufzeit natürlich entfernungsabhängig. Später, nach Einstellung des Bahnexpress, gab es dann die Spedi-Sonderfahrten,

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Eine Massenkopierung im heutigen Sinn gab es durchaus: für Wochenschauen.

 

Noch gegen Kriegsende wurden von der Deutschen Wochenschau über 30 verschiedene Auslands- und Sprachfassungen in gewaltigen Auflagen kopiert, genauer kann man's im Kopierwerksbuch der Weltwunder der Kinematographie nachlesen.

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Bis 1994 war der vorgeschriebene Lieferweg "Bahnexpress" (zu Sonderkonditionen). Nur die dt. Post hatte das Recht, Pakete und Fracht zu liefern, wobei die Bahn hier als Unterorganisation über 20kg die Lizenz hatte.

Ausgenommen davon waren Werk Direktlieferverkehre und Rollgutspedition im Umkreis von 60 km um den Güterverkehrsmittelpunkt eines Ortes, meist der Hauptbahnhof oder Hauptgüterbahnhof.

Der spediteur, wenn es diese Filmfahrer dann gab, waren daher auf Ballungsräume beschränkt, durch die 60 km Regel.

Wir haben in den 80ern Filme per Bahnexpress bekommen, und mußten so weiterversenden. Das ging bis z.T. 1994, und dann war mit der Bahnprivatisierung Schluß damit.

So war die Verteilung auch während des Krieges, wie schon beschrieben, z.T. Express mit ZUgbindung. Da gab es ja noch Güterzüge (auch mit Personenwagen) an jeden Ort mit Bahnanschluß. 1943 brennen wöhrend der Bombardierungen im Juli große Teile des Hamburger Hbf aus. Ursache: Am Filmwechseltag (Di) trifft eine Bombe die Güterhalle voller Nitrofilme...

 

St.

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Also in meiner Heimatstadt Marl wurde durchaus in den 50ern nicht nur derselbe Film, sondern sogar dieselbe Filmkopie in mehreren Kinos gespielt. Diese Informationen kommen vom letzten Klassentreffen meiner Mutter. Eine Klassenkameradin meiner Mutter hat hier erzählt, wie sie als Kind Nachmittags die abgespielten Akte immer von einem Kino ins nächste mit dem Fahrrad fahren mußte. Die Vorstellungen waren dann hierbei eine Stunde oder so zeitversetzt. Ihre Eltern betrieben mehrere Kinos in der Stadt.

 

Gruß

Martin

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In den 50ern wurden gelegentlich zwei Häuser mit einer Kopie bespielt. Bei diesem "Pendeln" behielt man die Anfangszeiten in beiden Häusern bei. Es wurde nur das Vorprogramm getauscht, d.h. Kultur, Woche und Trailer liefen in einem Haus vor und in dem anderen nach dem Hauptfilm. Tägliche Praxis war dagegen das Pendeln der Woche, wenn beide Häuser fußläufig waren. (Hinweis für Berliner: In Zeli und Primus wurde nur eine Wochenschaukopie eingesetzt.)

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Ja klar, wenn Akt eins im einen Kino grad durch die Maschine war, hat das Mädel die Filmspule geschnappt, rauf aufs Fahrrad zum nächsten Kino und da dem Vorführer übergeben. Der hat den Akt umgerollt und eingelegt, wärenddessen fuhr das Mädel wieder zurück und nahm den zweiten Akt in Empfang. Bei der nächsten Rückfahrt konnte sie ggf. den nun im zweiten Kino abgespielten ersten Akt wieder zum ersten Kino mit zurücknehmen.

 

Gruß

Martin

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Kam - vielleicht eher in Ausnahmefällen - auch noch in den sechziger Jahren vor. Meine Antezessoren berichteten, wie in einem Friedenauer Kino mal ein Akt von Polanski's "Das Messer im Wasser" in Grund und Boden gefahren wurde (mittig geslittet - nach allen Regeln der Kunst). Weil es keinen Ersatz-Akt gab, war Teilen mit dem nächstgelegenen Friedenauer Kino angesagt (von denen es seinerzeit allerdings viele gab). - In den fünfziger Jahren hat man sich unter den Kinos ja nicht nur Kopien, sondern auch Anamorphote geteilt (es war keineswegs selbstverständlich, dass jedes Kino seinen eigenen Satz Anamorphote hatte). Allerdings wurden die nicht aktweise getauscht ... ;-)

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Das Pendeln kenne ich noch aus meiner aktiven Kinozeit zu DDR-Zeiten.

Von "Otto, der Film" und "Crokodile Dundee" hatten wir je auch nur eine Kopie für 3 Filmtheater in benachbarten Orten.

Die Vorstellungen starteten jeweils mit 30 bzw.45 Minuten Versatz und 3 Fahrer sorgen für den reibungslosen Transport der einzelnen Akte. Das war eine spannende Geschichte, ich glaube ca. Mitte der 80-er.

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Bis zu meiner Digitalisierung war das von euch beschriebene "pendeln" mein täglich Brot, daher auch der Forumsname. In meinen beiden nur 8 km entfernten Standorten habe ich wöchentlich, manchmal täglich zu unterschiedlichen Anfangszeiten einunddieselbe Kopie gespielt. Nicht Aktweise, sondern auf 4-5000 m Spulen, aber spannend war´s schon öfter mal. Da musste nur mal das Vorprogramm zu lang ausgefallen sein eine andere Kleinigkeit (zu viele Leute im Kino, die nicht schnell genug raus gingenoder sich womöglich den Abspann angeschaut haben!) und schon wurde es eng. Da stand selbst ich manchmal mit laufendem Motor vorm Kino mit offenem Kofferraum. Spule rein, Klappe zu, abfahrt.Das waren noch Zeiten.

Madagscar 1, in der 3 Woche immernoch keine Kopie für´s 2. Kino, dann hab ich beide Kinos mit einer Kopie bespielt. O-Ton meiner Disponentin: "Das kannst Du nicht machen, die schmeissen mich raus!" Nachdem ich an einem Montag 1000 Besucher mit beiden Plätzen gemacht habe, war das alle egal und alle waren froh. Fluch der Karibik, Donnerstags zum Deutschlandstart auf beiden Orten, Freitags Open Air im Dorf zwischen den beiden Spielorten ohne dritte Kopie. Die Dispo damals: "Du kannst spielen, aber wir haben kein Kopie für dich." Und ich sag euch, ich hab gespielt. Am festen Standort gabs nach 4 Akten eine Pause und schwupdiewupp, um 21.45 startete der Fluch auf der Wiese.

 

Und jetzt, alles Digital, Festplatte draufgespielt so oft du willst und Knopfdruck. Gähn, Langweilig.

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gependelt wurde auch bei uns!! gronau walhalla kino "james bond - goldfinger " anfang um 20.00 hauptfilm-- ochtrup ca. 15 km weiter anfang 20.15 mit kulturfilm (war damals ein muss) danach wochenschau danach werbung -- und schon war der erste akt vom "bond" aus gronau da . waren gute und spannende zeiten.kulturfilm - wochenschau und werbung -- in gronau nach dem hauptfilm -- oder auch nicht -- keine zuschauer mehr da. und feierabend. :bounce:

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  • 2 weeks later...

@stefan2

 

bist Du Dir sicher, das das mit dem Filmdistributionstag zusammenhing?

 

Klingt zwar plausible, aber gibt es dafür auch Belege?

 

Cineastische Grüße

 

Nachzulesen beim "Oberfeuerwehrmann" Brunswig, der in der Berliner Tor Wache beheimatet war. Brunswig verdanken wir sehr viele Erkenntnisse über Feuerausbreitung, Feuerstürme und verbesserte Bauvorgaben nach dem Krieg.

 

Stefan

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  • 3 months later...

Oberfeuerwehrmann ist ein Mannschaftsdienstgrad aus dem mittleren Dienst. Brunswig war Diplom-Ingenieur - also höherer Dienst. Den Brandassessor hatte er damals bestimmt auch schon lange hinter sich. Also dürfte er ehr Brandamtsrat oder sogar noch mehr gewesen sein

 

Nichts für ungut ;-)

Edited by Volker Leiste (see edit history)
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