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Empfohlene BeitrÀge

Geschrieben

aus spiegel.de vom 12.05.2005:

 

SPIEGEL ONLINE: Nach einem - weltweit - kommerziell schlechten Kino-FrĂŒhling hofft die Branche nun auf die Blockbuster des Sommers - und setzt damit einen Trend der letzten Jahre fort. Droht dem Kino nicht eine "Eventisierung", bei der einige wenige Filme das Gros des Jahreseinspiels verbuchen, aber zahllose kleine Filme in den Bugwellen dieser riesigen Tanker untergehen?

 

Wenders: Das war ja in der Filmgeschichte eigentlich nie anders. Im Gegenteil: Die kleineren oder unabhĂ€ngigen Film sind heute mehr denn je die Speerspitze der Innovation. Die Blockbuster allein wĂŒrden sich bald an ihren eigenen Rezepten totlaufen. Das Kino steht gerade vor seinem grĂ¶ĂŸten Umbruch. Der Einzug der digitalen Projektoren in die KinosĂ€le wird eine ganz andere Landschaft erzeugen. Das hat schon angefangen. Schauen Sie sich doch bloß die Tatsache an, dass Dokumentarfilme nun ĂŒberhaupt wieder im Kino laufen, was vor ein paar Jahren, in den Neunzigern, noch undenkbar war.

 

*** Zitat Ende; Unterstreichung von mir (Dieter) ***

 

WW steht doch wohl kaum im Verdacht, ein blinder Epigone von Herrn Lucas und Compagnie zu sein, oder?

 

Gruß

Geschrieben

Und wie hat die digitale Projektion es nun ermöglicht das Filme wie "Supersize Me", "Bowling for Columbine", "Buena Vista Sozial Club", "Höllentour" oder "Nomaden der LĂŒfte" oder "Deep Blue" in die Kinos kamen? Ich habe die nur in 35 Millimeter gesehen. Ich halte die Aussage in der Form schlicht fĂŒr Blödsinn.

 

Es ist eine verquere Abwandlung des "mit der digitalen Projektion können kleine Poduktionen (zb. Dokus) wieder in die Kinos kommen ohne das Unsummen fĂŒr Kopien ausgegeben werden muss" Arguments.

Geschrieben
Und wie hat die digitale Projektion es nun ermöglicht das Filme wie "Supersize Me", "Bowling for Columbine", "Buena Vista Sozial Club", "Höllentour" oder "Nomaden der LĂŒfte" oder "Deep Blue" in die Kinos kamen? Ich habe die nur in 35 Millimeter gesehen. Ich halte die Aussage in der Form schlicht fĂŒr Blödsinn.

Nunja - gedreht wurden sie digital. Ich denke, die ersten Screenings erfolgten auch digital - Testscreenings, Promotion (-> Verleihfirmen) etc. Dann fanden sich Geldgeber, die 35mm Kopien ermöglichten. Oder Àhnlich.

Geschrieben
WW steht doch wohl kaum im Verdacht, ein blinder Epigone von Herrn Lucas und Compagnie zu sein, oder?

 

WIE BITTE? :shock:

 

Wim Wenders, der jahrzehntelang als Werbemaskottchen von SONY Schau lief? :(

 

Wim Wenders, der mit seinem DV-FAZ BUENA VISTA usw. negativer Vorreiter der seither grassierenden DV-Dok-Pfuscherei war? :roll:

 

Wim Wenders, der seit Jahren verkĂŒndete, es gebe "keine Geschichten mehr", und er wolle nie wieder auf Filmmaterial drehen (es dann aber mit MILLION DOLLAR HOTEL umgehend wieder tat!)?

 

Wim Wenders, der von seiner eigenen Figur des Handycam-Regisseurs in LISBON STORY kaum mehr zu unterscheiden ist!

 

Wenn der nicht "verdÀchtig" ist, wer denn bitte dann? :shock:

 

Sollte man ĂŒbrigens nicht verwechseln mit dem 1970er-Jahre-Wenders, der damals ein paar schöne Filme gemacht hat, ich sach nur: ALICE IN DEN STÄDTEN!

:mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Geschrieben
Herr Wenders hat sich schon einmal geirrt (zum GlĂŒck), als er den Film "Im Lauf der Zeit" machte in der Annahme, das Kino sei bald tot.

Wie wahr, wie wahr!

Bis neulich.

Rolf

:roll2:

Geschrieben

Ein Fall von GrĂ¶ĂŸenwahn: Wenn einem selbst nichts mehr einfĂ€llt, als alte Filme zu zitieren, dann "gibt es keine Geschichten mehr"... :lol:

 

Immer wieder schön zu zitieren die Worte eines Kameramanns, der mit WW gearbeitet hatte: "Kino ist fĂŒr ihn, wenn zwei MĂ€nner an eine Mauer pinkeln, auf der ALABAMA geschrieben steht."

:wink:

 

Immerhin kann WW den Ruhm beanspruchen, den gleichzeitig lĂ€ngsten und langweiligsten deutschen SciFi-Film gedreht zu haben, der gleichzeitig noch der mißlungenste Beitrag zum Genre "Virtuelle RealitĂ€t" ist: BIS ANS ENDE DER WELT. :sleep:

Geschrieben
...der gleichzeitig noch der mißlungenste Beitrag zum Genre "Virtuelle RealitĂ€t" ist: BIS ANS ENDE DER WELT.

 

:mrgreen:

 

Nach meiner Meinung gehört er zu den Leuten, die wirklich prima Ideen haben, diese dann jedoch oft vollkommen "gegen die Wand fahren". :roll:

Geschrieben

Wenders ist eigentlich jemand, auf den die AttitĂŒde "Antiamerikanismus" bestens zutrifft: man schaue nur LAND OF PLENTY! Ein dröges, weinerliches und selbstreflexives Machwerk, das aus des Regisseurs enttĂ€uschter Haß-Liebe zum derzeitigen US-PrĂ€sidenten verpixelte Panasonic-Soße in verschandelte Bilder von großartigen amerikanischen Landschaften quĂ€lt.

2 Stunden Kopfschmerzen und schubhafter Suizidbedarf waren die Folgen solcher Kinobesuche, sodaß man hoffen kann, dass dieser Autorenregisseur endlich als das entlarvt wird, was er schon immer war: ein Volltrottel!

Immerhin kann WW den Ruhm beanspruchen, den gleichzeitig lĂ€ngsten und langweiligsten deutschen SciFi-Film gedreht zu haben, der gleichzeitig noch der mißlungenste Beitrag zum Genre "Virtuelle RealitĂ€t" ist: BIS ANS ENDE DER WELT. :sleep:

Der sollte erst mit der Arriflex 765 auf 65mm gedreht werden! Nach zwei Probetagen hatte der Meister entnervt das Handttuch geworfen!

Geschrieben

Ich glaube, daran war wohl nur ein "zu dummer" Kameraassi/mann zustÀndig, die 765 bedient sich auch nicht anders als eine 535... sie ist nur ein wenig schwerer... Das ist alles...

Geschrieben

Hallo

 

Man könnte auch sagen: Wenders hat recht, obwohl er es sagt.

 

Aber Spaß beiseite, es geht gar nicht um Einzelaussagen von fĂŒrchterlich langweiligen Regisseuren, sondern darum, das tatsĂ€chlich die Digitalisierung des Bildes nicht mehr aufzuhalten ist. Egal, ob es einem gefĂ€llt oder nicht. DafĂŒr muß man kein Hellseher sein, die technische Entwicklung schreitet unaufhaltsam voran.

 

Die (regulĂ€r genutzten) digitalen 2K Kisten von heute könnten in sieben oder acht Jahren 6K oder 8K haben. Auch was die ĂŒbrigen Bildparameter (Kontrast usw.) angeht, wird das digitale VorfĂŒhrbild unaufhaltsam aufholen. Und dann? Auch die ZuverlĂ€ssigkeit der digitalen Kisten wird irgendwann kein Kaufhinderungsgrund mehr sein. Egal ob in fĂŒnf oder zehn Jahren, irgendwann wird es definitiv kein ĂŒberzeugendes technisches Argument mehr fĂŒr das analoge Bild geben.

 

 

Im Übrigen hat das Kino nicht nur in Ă€sthetischer Hinsicht schon weit bedeutendere VerĂ€nderungen durchgemacht als bei der kommenden Digitalisierung des (VorfĂŒhr) Bildes.

 

Auch der Tonfilm Ende der 20er, Anfang der 30er hat die damals bekannte FilmĂ€sthetik radikal verĂ€ndert, ohne daß das Kino dadurch das Zeitliche gesegnet hĂ€tte. Und das erste Jahrzehnt des Tonfilms war vorfĂŒhrtontechnisch wirklich bescheiden. Oder glaubt ihr etwa, wenn ihr heutzutage "Der blaue Engel" in einem Kino auf 35mm seht, das das Publikum damals die gleiche TonqualitĂ€t wie ihr gehört hĂ€tte? Keine Rede davon, die Wiedergabeanlagen der ersten Generation waren die reinsten Blechtröten. Abgesehen davon, das es einige Jahre dauerte, bis die Filmindustrie sich auf passable Standards bei Kopienherstellung (Tonspurspezifikationen usw.) einigte. Die Leute haben es aber ĂŒberlebt, das Kino auch.

 

 

Es fĂ€llt mir ĂŒbrigens auf, das hier der gleiche völlig vergebliche Kampf gegen das digitale VorfĂŒhrbild gefĂŒhrt wird wie vor Zeiten der Kampf tausender Kinomusiker gegen den Tonfilm.

 

Klar verstehe ich, daß vielen das Thema Angst macht. DafĂŒr gibt es auch gute GrĂŒnde, aber der Zug hat sich bereits in Bewegung gesetzt und wird nie mehr anhalten. Von mir aus mĂŒĂŸte das nicht sein, ich könnte auch in 100 Jahren noch mit 35mm leben. Aber das ist Wunschdenken.

 

UnabhĂ€ngig von meinen WĂŒnschen bin ich ĂŒberzeugt davon, daß es in 10 Jahren kein ErstauffĂŒhrungskino mehr mit 35mm geben wird. Bei reinen Repertoirekinos (gibt es eh kaum noch), Filmmuseen oder einigen Kommunalen Kinos werden sicher noch ĂŒber 10 Jahre hinaus 35mm Repertoirekopien gespielt werden, aber auch das ist zeitlich begrenzt, denn niemand wird mehr neue Kopien ziehen, und wenn die alten Kopien erstmal geschrotet sind, ist Feierabend.

 

 

Ja, das klingt alles nicht erfreulich, aber so wird es kommen. Hatten wir doch alles lĂ€ngst auch bei der Digitalisierung des Musikbereiches. Außer Hobbyisten wĂŒnscht sich doch niemand mehr TonbĂ€nder oder gar Musikkassetten zurĂŒck.

 

Ja, und noch etwas wird sich völlig Ă€ndern: Die TĂ€tigkeit des FilmvorfĂŒhrers wird verschwinden. Solange analoge und digitale Projektion noch gemischt in einem Kino stattfindet, wie dies heutzutage schon gelegentlich praktiziert wird, braucht es natĂŒrlich auch einen VorfĂŒhrer.

Bei rein digitaler Projektion (vor allem der nĂ€chsten Generationen der Digitalprojektoren) wĂŒĂŸte ich aber nicht, was der VorfĂŒhrer noch tun sollte. Selbst in einem Multiplex nicht. Die Theaterleitungen wĂŒĂŸten es auch wohl nicht.

Um alle paar Monate den Kolben auszutauschen, braucht man keinen festangestellten VorfĂŒhrer. Bei Problemen ruft man einen Techniker, denn 99 von 100 VorfĂŒhrern könnten einen digitalen Projektor sowieso nicht reparieren. Die Wochenprogrammierung ĂŒbernimmt entweder die TL oder die wird ferngesteuert vom Verleih. Ist auch nicht schwieriger, als einen VHS Player zu programmieren.

 

Ich gehe davon aus, daß die Einsparung des VorfĂŒhrers ein Faktor (unter anderen) sein wird, auf digital umzurĂŒsten. Bei den heutigen Preisen fĂŒr Digitalprojektoren ist die Relation Personaleinsparung > Anschaffungskosten zwar noch unattraktiv, aber in einigen Jahren dĂŒrfte das anders aussehen, vor allem, wenn man die langjĂ€hrigen Abschreibungskosten fĂŒr Investitionen in Relation zu Einsparungen im Bereich Lohnkosten/Lohnnebenkosten setzt.

 

 

So sieht es aus. Ich sage nur, wie es meiner EinschÀtzung nach kommen wird. Ob ich das gut finde oder nicht, spielt keine Rolle.

 

Stator

  • 2 Wochen spĂ€ter...
Geschrieben

ich geb nicht viel auf das was dieser mensch "zum besten" gibt. ich glaube das es noch eine gute chance fĂŒr das echte 35 oder 70mm kino gibt. die muss man nutzen und darf diese keinesfalls verschlafen. daher sage ich: boykottiert diesen möchtegern filmemacher. jawohl. boykottiert ihn wie einen amateur!

 

sie können und sie dĂŒrfen nicht die fundamente die unser geschĂ€ft ausmachen und gross gemacht haben bedrohen!

 

Expert Grouper

Geschrieben
Egal, ob es einem gefĂ€llt oder nicht. DafĂŒr muß man kein Hellseher sein, die technische Entwicklung schreitet unaufhaltsam voran. (...)

Diesem Geschichtsdeterminusmus wage ich zum Teil zu widersprechen (er hört sich Ă€hnlich der Maxime von Karl Marx an, die Emanzipation des Menschen sei nur noch ĂŒber die Entwicklung der Produktionsmittel erreichbar, wobei er nicht vorhersah, wie kontra-produktiov und zerstörerisch fĂŒr das globale Gleichgewicht sich die ungezĂŒgelte Entfesselung des "technisch Machbaren" oder auch: "technisch-ideologisch Propagierten" auswirken sollte. Diese Frage mĂŒsste gelegentlich auf die Multi-Media-Schwemme, zwanghafte Digitalisierung, Multiplexwahn, Home-Cinema-Industrie u.a. Umweltverschmutzungen ĂŒbertragen werden.

Die (regulÀr genutzten) digitalen 2K Kisten von heute könnten in sieben oder acht Jahren 6K oder 8K haben. (...)

Dies dachte (und hoffte?) ich zunĂ€chst auch, alles wĂŒrde besser. Dann entdeckte ich Folgendes: seit Jahren (und Jahrzehnten) wird die Digitalisierung als Allheilmittel gepredigt, das Alte generell heruntergemacht und (sinnlos) verdrĂ€ngt. Dann erleben wir neuere Produktformen, die Vereinfachungen des Handlings, billigere Verwertungswege und vermeintlich einheitlichere Standards versprechen. Diesen Verheissungen jagen wir hoffnungsvoll - lange genug geplagt von der MĂŒhsal des Analogen - hinterher, um nun damit konfrontiert zu werden, dass uns Konsumenten/Theaterbetreibern/Distributoren in etlichen Parametern und Bewertungskriterien von der Industrie untragbare Zumutungen des Digitalen aufgeschwatzt werden, die der Nachhaltigkeit und WĂŒrde eines Kunstwerks (gelungenen Unerhaltungswerkes) zuwiderlaufen. Gerade dann, wenn hervorragend ausentwickelte Technologien der analogen Studio-Technik und des chemischen 35mm- und 65mm-Formats durch MP3-Player, aussetzende Dolby-Digital-TontrĂ€ger und minderwertige Pixel-Bilder „ersetzt“ werden. Wenn "grosse" Regisseure und KĂŒnstlerdas alles ohne Gewissenbisse mitmachen, dann darf ihnen unterstellt werden, dass sie von ihrem Publikum (oder per se von der menschlichen FĂ€higkeit zu „hören“ und zu „sehen“) nur wenig halten. Zuallermindest von einer Sache wenig verstanden haben: vom Kino als das, was einen Einzigartigkeitsstatus zu anderen Medien und FreizeitbeschĂ€ftigungen einnehmen sollte.

Im Übrigen hat das Kino nicht nur in Ă€sthetischer Hinsicht schon weit bedeutendere VerĂ€nderungen durchgemacht als bei der kommenden Digitalisierung des (VorfĂŒhr) Bildes.

Nun, dann ist die Digitalisierung des Kinos offenbar nicht das am dringendsten Benötigte? Denn den Kinos geht es, bedingt durch digitalisierte Multi-Media-Schwemme, schlecht. Und den Kinos wird es nach Digitalisierung (Gleichschaltung mit Multimedia) nicht unbedingt besser gehen, könnte man vermuten. (Ich sage nichts vorher, ich frage nur...)

Auch der Tonfilm Ende der 20er, Anfang der 30er hat die damals bekannte FilmĂ€sthetik radikal verĂ€ndert, ohne daß das Kino dadurch das Zeitliche gesegnet hĂ€tte.

Diese radikale VerĂ€nderung war auch damals zu keiner Zeit bestritten worden. BekĂ€mpft wurde jedoch (zurecht!) die VulgaritĂ€t der frĂŒhen Tonfilme, die allerschlimmste Kulturbarbarei befĂŒrchten ließ, zumal sie die Ausdrucksvielfalt und die elaborierte Bildsprache des Stummfilms mit grossenteils beseitigte.

Mit Emphase frage ich: Wie fortgeschritten wĂ€re unsere Bildsprache heute, ohne EinfĂŒhrung des Tons? WĂ€re sie fortgeschrittener? Ist es nicht bedauerlich, dass nach diesem „Kulturschock“ TonfilmeinfĂŒhrung das Genre des Stummfilms einem heutigem Publikum kaum mehr vermittelbar ist, sofern es nicht bereit ist, diese Sprache neu zu erlernen?

Dem (vermeintlichen oder wirklichen?) "Kultursnobismus" der damaligen Stummfilm-Protegisten widerspricht vehement der Filmtheoretiker AndrĂ© Bazin (vielleicht wĂ€re er ein Vorreiter der Digitalisierung gewesen?), denn dieser schreibt in in „Qu’est-ce que le cinĂ©ma?“ (Was ist Kino?) davon, dass der Tonfilm keine Schwundstufe [des Films] sei, sondern dessen Vollendung – sein Neues Testament. Denn wenn Film wesentlich realistisch ist, dann sei der höhere Realismus des Tonfilms ein Fortschritt, schlußfolgert Bazin.

 

Solchem „Realismusglauben“ bei Bazin mag man nur zu gerne mit David Bordwell widersprechen, denn der Fortschrittsglaube sei hegelianischer Idealismus, er werde zur Ideologie der dialektischen, vernĂŒnftigen Entfaltung einer Kunstform auf dem Weg zur Vollendung ihres Wesens. Wer aber gar glaube, dass es eine Vernunft in der Geschichte gĂ€be, der reduziere letztlich die heterogene Wirklichkeit gemĂ€ĂŸ eines abstrakten Gesetzes. Weit eher, erkennt Bordwell, ist doch ist die Filmgeschichte eine Abfolge pragmatischer Problemlösungen, entsprechend dem kognitivistischen Credo, demgemĂ€ĂŸ Filme und Filmrezeption als Prozesse eines „decision-making“ betrachtet werden mĂŒssten.

 

So weit zu dem in diesem Forum weit verbreiteten Fortschrittsglauben, der mich ein wenig an die Euphorie des ersten Titanic-Reise erinnert, von der wir wissen, wo sie endete.

Und das erste Jahrzehnt des Tonfilms war vorfĂŒhrtontechnisch wirklich bescheiden. Oder glaubt ihr etwa, wenn ihr heutzutage "Der blaue Engel" in einem Kino auf 35mm seht, das das Publikum damals die gleiche TonqualitĂ€t wie ihr gehört hĂ€tte? (...)

Entschuldige mal: die Kunstfertigkeit von Sternbergs Ausleuchtung (in herrlichsten Schwarzweiss-Bildern) anno 1929 – dies möge bitte mal ein heutiger Regisseur oder Kamera-Mensch so gekonnt und einprĂ€gsam auf die Leinwand bringen! Und auch in damaliger Zeit wurden bereits erste Klangfilm-Hornlautsprecher entwickelt, die manchmal besser klingen, als die Tröten in einigen heutigen mittelmĂ€ssigen Kinocenter-Schuchachtelkinos, ProgrammkinosĂ€len oder durchge-ixXten Studio-Kinos am Potsdamer Platz (Hauptstadt). Ja, man könnte mußmaßen, der Tod vieler grosser StummfilmpalĂ€ste (der Höhepunkt in der Geschichte der Kinoarchitektur) geht auf das Konto der TonfilmeinfĂŒhrung usw., usf. (ich weite diese Hypothese gelegentlich noch auf andere Formatwechsel aus)

Es fĂ€llt mir ĂŒbrigens auf, das hier der gleiche völlig vergebliche Kampf gegen das digitale VorfĂŒhrbild gefĂŒhrt wird wie vor Zeiten der Kampf tausender Kinomusiker gegen den Tonfilm. (...)

Hatten wir doch alles lĂ€ngst auch bei der Digitalisierung des Musikbereiches. Außer Hobbyisten wĂŒnscht sich doch niemand mehr TonbĂ€nder oder gar Musikkassetten zurĂŒck. (...)

Was fĂŒr ein Niveauabfall, in den Du Dich hineinbegibst - ich bedaure dies. Du weißt nur zu gut, dass es widerstreitende Lager im Bereich der Studio-Profis und Tonmeister gibt, die sehr wohl VorzĂŒge der Magnetbandtechnik zu wĂŒrdigen wissen. Sprich’ mit Ihnen!

Ebenso zynisch und kulturgechichtlich vergessen ist Dein Seitenhieb auf „den Kampf tausender Kinomusiker gegen den Tonfilm.“ Meine Wertung ist daher vollkommen gegenteilig: Ich habe einige Stummfilm-AuffĂŒhrungen mit Orchesterbegleitungen erlebt und wĂŒrde sie zu den bedeutendsten Ereignissen meines kurzen Filmlebens zĂ€hlen. (Bsp. „Panzerkreuzer Potemkin“ im letzten Februar zur Berlinale in der VolksbĂŒhne).

 

Jedenfalls haben uns weder Wim Wenders noch George Lucas bisher ĂŒberzeugend aufgezeigt, an welchem Punkt der Weg des digitalen Kinos mit einem Ă€sthetischen, technischen oder kĂŒnstlerischen Mehrwert verknĂŒpft ist. Wenn dies also so ist, dann gilt es, endlich wieder in professioneller Weise die Reichhaltigkeit des analogen Potentials auszuschöpfen, bevor man sich als selbsternannter Filmschöpfer auf die Flucht in die Pixelsosse begibt. (The Point of no return...)

Geschrieben

Auch der Tonfilm Ende der 20er, Anfang der 30er hat die damals bekannte FilmĂ€sthetik radikal verĂ€ndert, ohne daß das Kino dadurch das Zeitliche gesegnet hĂ€tte. Und das erste Jahrzehnt des Tonfilms war vorfĂŒhrtontechnisch wirklich bescheiden. Oder glaubt ihr etwa, wenn ihr heutzutage "Der blaue Engel" in einem Kino auf 35mm seht, das das Publikum damals die gleiche TonqualitĂ€t wie ihr gehört hĂ€tte? Keine Rede davon, die Wiedergabeanlagen der ersten Generation waren die reinsten Blechtröten. Abgesehen davon, das es einige Jahre dauerte, bis die Filmindustrie sich auf passable Standards bei Kopienherstellung (Tonspurspezifikationen usw.) einigte. Die Leute haben es aber ĂŒberlebt, das Kino auch.

 

kann ein digital vertriebener "film" irgendetwas besser als der analog vertriebene wenn die analoge kopie hochwertiger ist? wohl kaum. daher ist solch ein vergleich nicht zu ziehen.

 

das gleiche gilt fĂŒr vergleiche mit orchester und tonfilm.

 

auch sollte man sich nicht ĂŒber wiedergabeanlagen lustig machen die man selbst nicht gehört hat. immerhin hatten klangfilmanlagen generell eine erstklassige schallqualitĂ€t. die ergebnisse waren von der intensitĂ€t gesehen weitaus besser als das heute mit scheinraumtonanlagen möglich ist auch wenn der ton frĂŒher natĂŒrlich in mono war.

 

Expert Grouper

Geschrieben
Und auch in damaliger Zeit wurden bereits erste Klangfilm-Hornlautsprecher entwickelt, die manchmal besser klingen, als die Tröten in einigen heutigen mittelmÀssigen Kinocenter-Schuchachtelkinos, ProgrammkinosÀlen oder durchge-ixXten Studio-Kinos am Potsdamer Platz (Hauptstadt).

 

welche lautsprecher gibt es ĂŒberhaupt die es ohne weiteres mit einer euronor aufnehmen können? fallen mir beim besten willen keine ein. maximal eine a2 wobei altec ohnehin praktisch alles von klangfilm abgekupfert hat.

 

Expert Grouper

Geschrieben

Evtl. wĂŒrde ich das PlĂ€doyer von @stefan 2 fĂŒr die HPS 4000-Serie befĂŒrworten. Sie kostet aber so einiges und wird speziell angefertigt.

 

Allerdings hörten sich in den damit ausgestatteten, mittelgrossen SĂ€len mit ĂŒblicherweise gedĂ€mpfter Akustik und Schaumstoffsitzen die neuzeitlichen Tonformate auch nur wieder so an, wie sie wirklich sind: synthetisch und steril.

Geschrieben

wer grundsĂ€tzlich meint, alte Lautsprechersysteme seien Blechtröten, der irrt gewaltig. Zu Zeiten der RöhrenverstĂ€rker mit ca. 20 Watt bei 10% Klirr (2. Ordnung) musste man auf Wirkungsgrad achten. Da gabs keine Physikignoranz, wie bei manchen heutigen Lautsprecherbauern. CD-Hörner, Phasenkorrigierte Systeme, andere Kunstgriffe etc.. Oftmals grausamer Scheiss. Und zum Teil von allen sogenannten amtlichen Herstellern verkauft. In den 70er Jahren gings los. Da kamen die ersten HochleistungsverstĂ€rker bezahlbar auf den Markt. Man konnte nun endlich lĂ€rmen. Und das tat man auch (z.b. EV Eliminator Serie). Klangfilm machte sich in den 50er Jahren Gedanken, wie Reflexionen am Hornende einens Epitaxialhornes zu minimieren seien und entwickelte das Kugelwellenhorn. Die TonsĂ€ulen der 50er und 60er Jahre werden in perfektionierterer Form heutzutage als Line-Array Systeme verkauft. Nur halt mit einer Endstufe pro Box, was zu immensen VerstĂ€rkerleistungen fĂŒhrt.

Digitalton hat ja theoretisch eine nicht ĂŒble Dynamik, nur staucht man sie beim Mastermix fast immer zusammen, damits auf den vorhandenen Systemen funktioniert.

Warum das Gemaule?

Nun, ich denke, jede Anlage kann nicht besser sein wie der, der sie bedient, wartet und einstellt. Und da hab ich schon viel Mist gesehen.

Jens

Geschrieben

Nun, ich denke, jede Anlage kann nicht besser sein wie der, der sie bedient, wartet und einstellt. Und da hab ich schon viel Mist gesehen.

Jens

 

Ja genau, da nĂŒtzt auch die beste Anlage nichts... :wink: :D

 

MfG

Walt

Geschrieben

Hallo,

 

bin leider ziemlich beschÀftigt, doch heute klappt es mal.

 

 

Wie ich bereits sagte, könnte ich persönlich auch in 100 Jahren noch mit dem 35 mm Film leben. Ich ĂŒberlasse es aber lieber anderen, sich solche Hoffnungen zu machen. Das ist schlicht und einfach Selbstbetrug.

 

Die FilmvorfĂŒhrer von heute werden, wie ich bereits erwĂ€hnte, das gleiche Schicksal wie die Kinomusiker des Stummfilms teilen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann.

 

FilmvorfĂŒhrer werden binnen 10 Jahren schlicht und einfach nicht mehr gebraucht werden (mit den wenigen Ausnahmen, auf die ich in meinem ersten Beitrag eingegangen bin). Ein volldigital ausgestattetes Kino braucht keine VorfĂŒhrer mehr.

Ist auch ganz egal, ob das geglaubt wird oder nicht. Diese Entwicklung hat bekanntlich schon angefangen und kommt völlig ohne Glauben aus. Es gibt nichts und niemanden, der diese Entwicklung noch stoppen könnte.

 

 

Ist doch sinnlos, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, damit sie sich in Illusionen zu wiegen.

Was die Leute mit Recht interessiert, ist die Frage, ob sie als FilmvorfĂŒhrer heutzutage eine langfristige berufliche Perspektive haben. Die Antwort darauf ist: Nein.

 

Heute kann keiner mehr als FilmvorfĂŒhrer arbeiten und realistischerweise darauf hoffen, auch in 10 Jahren noch als FilmvorfĂŒhrer zu arbeiten. Ich selber bedauere das, aber helfen tut das naturgemĂ€ĂŸ nichts.

 

Mag ja alles jetzt noch weit weg sein, aber FilmvorfĂŒhrer mĂŒssen sich langsam mit dem Gedanken vertraut machen, daß sie irgendwann einen neuen Job brauchen.

 

 

Ich selber bin froh, daß ich nie in die Situation kommen mußte (und nie kommen werde), einen Digitalprojektor im BWR zu installieren. Das wĂ€re tatsĂ€chlich schmerzlich, denn das Ding spart frĂŒher oder spĂ€ter den ein, der es installiert. Nicht heute und nicht morgen, dafĂŒr ist die Digitaltechnik noch nicht weit und zuverlĂ€ssig genug, aber trotzdem unweigerlich eines nicht allzu fernen Tages.

 

 

Was die "Blechtröten" zu Anfang des Tonfilms betrifft: Ich muß die nicht gehört haben, um ungefĂ€hr zu wissen, wie die klangen. Dazu gibt es genĂŒgend O-Töne der damaligen Beteiligten. FĂŒr das Ausgangsthema dieses Threats (Digitalisierung) ist es allerdings absolut gleichgĂŒltig, ob die gut oder schlecht klangen.

 

Der VollstÀndigkeit halber horchen wir trotzdem mal, was Henny Porten, damals die beliebteste deutsche Filmschauspielerin, zum Anfang der TonfilmÀra zu bemerken hatte:

 

"Ich muß gestehen, daß ich zuerst auch ein absoluter Gegner des Tonfilms war, denn die ersten EindrĂŒcke, die ich von ihm empfangen hatte, waren fĂŒr mich niederschmetternd gewesen. (...) Ich konnte mit dem besten Willen nicht den Eindruck gewinnen, daß der Mensch, der da oben auf der Leinwand sprach, und der Ton eins waren. Die Stimmen hatten fĂŒr mich einen unmelodischen, blechernen Klang; es fehlte ihnen vollkommen der Schmelz und die WĂ€rme der menschlichen Stimme."

 

 

Dem ist nichts hinzuzufĂŒgen. Was meinen Vergleich mit den Kinomusikern des Stummfilms betrifft: Seht zu, das ihr eure KrĂ€fte nicht in Ă€hnlich aussichtslosem Kampf vergeudet. Dazu hĂ€nge ich ein Bild an, damit ihr seht, was ich meine.

 

 

 

Stator

 

 

 

antitonfilm7mj.jpg

Geschrieben
Das ist schlicht und einfach Selbstbetrug.

 

FilmvorfĂŒhrer werden binnen 10 Jahren schlicht und einfach nicht mehr gebraucht werden (mit den wenigen Ausnahmen, auf die ich in meinem ersten Beitrag eingegangen bin). Ein volldigital ausgestattetes Kino braucht keine VorfĂŒhrer mehr.

Ist auch ganz egal, ob das geglaubt wird oder nicht. Diese Entwicklung hat bekanntlich schon angefangen und kommt völlig ohne Glauben aus. Es gibt nichts und niemanden, der diese Entwicklung noch stoppen könnte.

 

Ist doch sinnlos, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, damit sie sich in Illusionen zu wiegen.

Was die Leute mit Recht interessiert, ist die Frage, ob sie als FilmvorfĂŒhrer heutzutage eine langfristige berufliche Perspektive haben. Die Antwort darauf ist: Nein.

 

bevor sie die frage der finanzierung und der qualitĂ€t nicht klĂ€ren brauchen sie nichts annehmen oder als bereits "entschieden" hinstellen. immerhin bleibt die frage welche kinoketten bereit sind einfach mal so millioninvestitionen zu tĂ€tigen ohne dabei einen direkten nutzen zu erhalten. dass sich die verleihe die offenbar lĂ€stig gewordenen kopierauftrĂ€ge sparen wollen und viele selbst ernannte regiesseure lieber auf video drehen anstatt auf film nutzt dem kinobetreiber ĂŒberhauptnichts. im gegenteil da die qualitĂ€t dabei wie ĂŒblich auf der strecke bleibt und der unterschied zum heim"kino" noch geringer wird sehe ich den 35mm noch lange nicht am ende. eher das gegenteil könnte sogar eintreten wenn man die heimkinos im bild angleicht könnte der ruf nach 70mm mit echtem mehrspur raumton wieder lauter werden. jedenfalls wĂ€re das die logische konsequenz aus einer kaputtsparpolitik der verleihe die ihren höhepunkt wohl beim aktuellen weltenraummachwerk erreicht hat. nichtmal zu aushangbildern fĂŒr den glaskasten hats bei den multimillionĂ€ren offenbar gereicht. von der miserablen bild und tonqualiĂ€t und dem rest beginne ich hier sicher nicht nochmal.

 

daher ist es ein trugschluss den sie hier ziehen und nicht mehr.

 

Was die "Blechtröten" zu Anfang des Tonfilms betrifft: Ich muß die nicht gehört haben, um ungefĂ€hr zu wissen, wie die klangen. Dazu gibt es genĂŒgend O-Töne der damaligen Beteiligten. FĂŒr das Ausgangsthema dieses Threats (Digitalisierung) ist es allerdings absolut gleichgĂŒltig, ob die gut oder schlecht klangen.

 

Der VollstÀndigkeit halber horchen wir trotzdem mal, was Henny Porten, damals die beliebteste deutsche Filmschauspielerin, zum Anfang der TonfilmÀra zu bemerken hatte:

 

"Ich muß gestehen, daß ich zuerst auch ein absoluter Gegner des Tonfilms war, denn die ersten EindrĂŒcke, die ich von ihm empfangen hatte, waren fĂŒr mich niederschmetternd gewesen. (...) Ich konnte mit dem besten Willen nicht den Eindruck gewinnen, daß der Mensch, der da oben auf der Leinwand sprach, und der Ton eins waren. Die Stimmen hatten fĂŒr mich einen unmelodischen, blechernen Klang; es fehlte ihnen vollkommen der Schmelz und die WĂ€rme der menschlichen Stimme."

Dem ist nichts hinzuzufĂŒgen.

 

was sind denn das schon wieder fĂŒr dummheiten. sehr wohl ist solch einem unsinn noch eine ganze menge entgegenzusetzen!

 

wer den fehler begeht und von einer begrenzten aufnahmetechnik und lichttonspur der 30er jahre auf die damalige lautsprechergĂŒte schliesst macht gleich eine ganze palette von denk und ausfĂŒhrungspatzern. selbstverstĂ€ndlich waren alte klangfilm schallanlagen ausgezeichnet in ihrer qualitĂ€t die sie allerdings erst jahre spĂ€ter in der ersten hĂ€lfte der 50er jahre wirklich ausspielen konnten. da wurde nĂ€mlich der magnetische stereoton eingefĂŒhrt und nicht wenige kinos fĂŒgten den schon vorhandenen schallsystemen weitere klangfilm bausteine hinzu. mit meist ĂŒberragendem ergebnis!

 

daher ist es schon sehr mutig um nicht zu sagen frech einfach aus dem bauch heraus mal eben so eine ferndiagnose in die vergangenheit zu wagen die nichts aber auch rein garnichts mit der realitÀt zu tun hat.

 

Was meinen Vergleich mit den Kinomusikern des Stummfilms betrifft: Seht zu, das ihr eure KrÀfte nicht in Àhnlich aussichtslosem Kampf vergeudet. Dazu hÀnge ich ein Bild an, damit ihr seht, was ich meine.

 

antitonfilm7mj.jpg

 

dieser vergleich ist doch wohl ein ganz schlechter scherz. was kann denn das neue videokino was der echte film nicht auch kann? beim schallfilm im vergleich zum stummfilm hingegen wurden ganz neue möglichkeiten geboten. eine verfehlung begeht derjenige der solch einen vergleich auch nur vom ansatz her in erwÀgung zieht.

Geschrieben
daher ist es schon sehr mutig um nicht zu sagen frech einfach aus dem bauch heraus mal eben so eine ferndiagnose in die vergangenheit zu wagen die nichts aber auch rein garnichts mit der realitÀt zu tun hat.

 

Jetzt weisst Du mal wie das ist,wenn jemand realitĂ€tsfremde und vor allem freche Antworten von sich gibt.Denk mal darĂŒber nach.

Geschrieben
wer grundsĂ€tzlich meint, alte Lautsprechersysteme seien Blechtröten, der irrt gewaltig. Zu Zeiten der RöhrenverstĂ€rker mit ca. 20 Watt bei 10% Klirr (2. Ordnung) musste man auf Wirkungsgrad achten. Da gabs keine Physikignoranz, wie bei manchen heutigen Lautsprecherbauern. CD-Hörner, Phasenkorrigierte Systeme, andere Kunstgriffe etc.. Oftmals grausamer Scheiss. Und zum Teil von allen sogenannten amtlichen Herstellern verkauft. In den 70er Jahren gings los. Da kamen die ersten HochleistungsverstĂ€rker bezahlbar auf den Markt. Man konnte nun endlich lĂ€rmen. Und das tat man auch (z.b. EV Eliminator Serie). Klangfilm machte sich in den 50er Jahren Gedanken, wie Reflexionen am Hornende einens Epitaxialhornes zu minimieren seien und entwickelte das Kugelwellenhorn. Die TonsĂ€ulen der 50er und 60er Jahre werden in perfektionierterer Form heutzutage als Line-Array Systeme verkauft. Nur halt mit einer Endstufe pro Box, was zu immensen VerstĂ€rkerleistungen fĂŒhrt.

Digitalton hat ja theoretisch eine nicht ĂŒble Dynamik, nur staucht man sie beim Mastermix fast immer zusammen, damits auf den vorhandenen Systemen funktioniert.

Warum das Gemaule?

Nun, ich denke, jede Anlage kann nicht besser sein wie der, der sie bedient, wartet und einstellt. Und da hab ich schon viel Mist gesehen.

Jens

Der Beitrag von @jensg war bereits eine Korrektur des Fortschrittsoptimismus, den @Stator an den Tag legt.

Das sich vieles und besonders schnell verĂ€ndert, betreitet niemand. Es fragt sich nur: welche Änderungen, um welchen Preis und ist dies die beste Lösung fĂŒr das Überleben und/oder Ansehen des Kinos?

@Stator kann noch so sehr die Stummfilmparable wiederholen (ich habe sie bereits kommentiert: mit dem damalinge technischen Fortschritt ging tatsĂ€chlich der Zusammenbruch einer universell erarbeiteten Bildsprache, die des Stummfilms verloren, dem zunĂ€chst nur vugĂ€re Tonfilme folgten. So ist uns diese Ästehtik und Sprache verlorengegangen, sind wurde - tlws. gegen den Willen der Filmememacher und KĂŒnstler - vom lĂ€rmigen und vulgĂ€remn Tonfilm verdrĂ€ngt, der erst spĂ€ter eine kĂŒnstlerische Balance fand (jedoch visuell bis heute den Bruch zur Ästhetik des Stummfilms nicht gut verkraftet hat. Stummfilme waren vielfach in ihren Bildcodes anspruchsvoller, eindringlicher als tönende Filme).

Es mir ist daher zu platt, die Digitalisierung mit dem Umbruch Stummfilm/Tonfilm gleichzusetzen. Zwar könnten wir uns einigen, dass Ă€hnliche einschneidende wirtschaftliche ZĂ€suren in der Theaterlandschaft stattfinden könnten, allerdings ist nochnicht geklĂ€rt, ob die digitalisierte Projektion und Produktion (so wie beim Umbruch Stummfilm/Tonfilm) zu einer neuen Ästhethik und Kunstform (oder Un-Kunst) fĂŒhrt. Auch fĂŒhrte die TonfilmeinfĂŒhrung zu Änderungen im Saalbau mit Blick auf die Akustik, was ich bei der EinfĂŒhrung des Digital Cinema nicht als Forderung der Industrie erkennen kann (vom Thema Breitbandverkabelung einmal abgesehen).

Auch die Ästhetik unserer heutigen Mega-Event-Fantasy-Movies ist nicht neu durch die Digitalisierung hervorgetreten: diese Ästhetik (und VerdrĂ€ngung des sich mit gesellschaftlichen oder historischen Fragen beschĂ€ftigenden amerikanischen Kinos) setzte ein mit dem Gross-Erfolg der (analogen) Produktion "Star Wars" (1977).

Das ist schlicht und einfach Selbstbetrug.

 

FilmvorfĂŒhrer werden binnen 10 Jahren schlicht und einfach nicht mehr gebraucht werden (mit den wenigen Ausnahmen, auf die ich in meinem ersten Beitrag eingegangen bin). Ein volldigital ausgestattetes Kino braucht keine VorfĂŒhrer mehr.

Ist auch ganz egal, ob das geglaubt wird oder nicht. Diese Entwicklung hat bekanntlich schon angefangen und kommt völlig ohne Glauben aus. Es gibt nichts und niemanden, der diese Entwicklung noch stoppen könnte.

 

Ist doch sinnlos, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, damit sie sich in Illusionen zu wiegen.

Was die Leute mit Recht interessiert, ist die Frage, ob sie als FilmvorfĂŒhrer heutzutage eine langfristige berufliche Perspektive haben. Die Antwort darauf ist: Nein.

 

bevor sie die frage der finanzierung und der qualitĂ€t nicht klĂ€ren brauchen sie nichts annehmen oder als bereits "entschieden" hinstellen. immerhin bleibt die frage welche kinoketten bereit sind einfach mal so millioninvestitionen zu tĂ€tigen ohne dabei einen direkten nutzen zu erhalten. (...). eher das gegenteil könnte sogar eintreten wenn man die heimkinos im bild angleicht könnte der ruf nach 70mm mit echtem mehrspur raumton wieder lauter werden. jedenfalls wĂ€re das die logische konsequenz aus einer kaputtsparpolitik der verleihe die ihren höhepunkt wohl beim aktuellen weltenraummachwerk erreicht hat. nichtmal zu aushangbildern fĂŒr den glaskasten hats bei den multimillionĂ€ren offenbar gereicht. von der miserablen bild und tonqualiĂ€t und dem rest beginne ich hier sicher nicht nochmal.

(...)

wer den fehler begeht und von einer begrenzten aufnahmetechnik und lichttonspur der 30er jahre auf die damalige lautsprechergĂŒte schliesst macht gleich eine ganze palette von denk und ausfĂŒhrungspatzern. selbstverstĂ€ndlich waren alte klangfilm schallanlagen ausgezeichnet in ihrer qualitĂ€t die sie allerdings erst jahre spĂ€ter in der ersten hĂ€lfte der 50er jahre wirklich ausspielen konnten. da wurde nĂ€mlich der magnetische stereoton eingefĂŒhrt und nicht wenige kinos fĂŒgten den schon vorhandenen schallsystemen weitere klangfilm bausteine hinzu. mit meist ĂŒberragendem ergebnis!

Was meinen Vergleich mit den Kinomusikern des Stummfilms betrifft: Seht zu, das ihr eure KrÀfte nicht in Àhnlich aussichtslosem Kampf vergeudet. Dazu hÀnge ich ein Bild an, damit ihr seht, was ich meine.

 

Den AusfĂŒhrungen von @Expert Grouper kann man noch hinzufĂŒgen, wie gut mitunter der analoge Lichtton der 50er und 60er Jahre (im Vergleich zum frequnzbeschnittenen US-Lichtton) war! Dank der seinerzeit in Westdeutschland gĂŒltigen Klangfilmkurve hatte der Lichtton bei guten Kopien eine analoge Transparenz, die sich bereits dem Magnetton annĂ€herte. Einige dieser Aufnahmen haben daher punktuell Hör-Vorteile gegenĂŒber den heutigen Stereo-Billig-Verfahren wie Dolby Digital usw.

Heute liesse sich der analoge Lichttton (egal ob Mono oder Stereo) versuchweise sogar ohne die Frequenzbegrenzung bei 3000 Hz (US-Monoton) oder 14,5 kHz (US-Dolby-Ton) fahren, also die Frequenzkurve bis zu 20 kHz hochsetzen, je nach Eigenschaft des Tonnegativs/Tonpositivs.

Und in der Tat ist es ein Alptraum, dass seit 30 Jahren ĂŒber Schmalfilm, Video, Heimkino und jetzt Digital(Home)Cinema in geradezu filmtheaterverĂ€chtlicher Weise gejubelt wird, als sei das Ende des Kinos nicht mehr aufzuhalten. Video also hat ess nun nicht geschafft, möglicherweise aber 2007 die DVD (und auch HD-DVD) und das Digital Cinema auf HDTV-Niveau.

Somit hĂ€tte man, anstatt 30 Jahre lang ĂŒber Low- Budget-Medien zu reden, die das "Kino der Zukunft" einlĂ€uten und das alte ablösen, dei Zeit sinnvoller verbringen können und Filme in 70mm produzieren sollen, um die Magie des Kinos unschlagbar unter Beweis zu stellen.

Das gilt auch fĂŒr 2005 und 2006 in Anbetracht der Kaputtsparpolitik der Verleiher und Kinobetreiber, auf solche Besonderheiten zu setzen, da Digital Cinema nur immer zufĂ€llig und event-bezogen neue Standorte erobern kann, nicht aber flĂ€chendeckend eingefĂŒhrt wird. Es gibt keinen "Roll-out", der uns seit 1999 anegblich bevorsteht (ausgenommen 2006 vielleicht in Irland).

 

Anstelle des Kaputtsparens sei auch darauf verwiesen, daß IMAX zusammen mit der AMC-Gruppe in deren neu entstehenden Mega-Plexen in USA an je 50 neuen Standorten ein Giant-Screen-System einfĂŒhrt (obwohl digital in diesem Falle), um die Besonderheit des Kinoerlebnisses gegenĂŒber den Heimmedien abzugrenzen. Ebenso ist die Digital Cinema Initiatives (DCI) in Panik geraten, dass der ĂŒberall als Hype derzeit von der Presse hochgejubelte Digital Cinema HDTV-Standard kompatibel zu den Heimmedien sein wird. Man arbeitet daher an 6 k und 8 k-Lösungen, die aber noch wengier Kinos bezahlen können oder wollen.

Andererseits sei daran erinnert, dass allein in Deutschland ĂŒber 100 VorfĂŒhrrĂ€ume mit 70mm-Magnetton-Technik ausgestattet sind. Auch dieses Potential liesse sich nutzen, denn es lĂ€uft verlĂ€sslich und basiert auf einer seit 50 Jahren funktionierenden Infrastruktur in der Industrie. Auch fĂ€llt es selten aus, wĂ€hrenddessen die STAR WARS - RACHE DER SITH-PressvorfĂŒhrung/Premiere im berliner ZOO PALAST fast ins Wasser fiel, da anderthalb Wochen lang das digitale Kinosystem ausfiel und niemand es reparieren konnte (oder mochte). Die Folge diesermTechnologieglĂ€ubigkeit war der Einsatz einer desaströsen 35mm-Aussschusskopie des Video-Kunstwerks von George Lucas in einer BildqualitĂ€t, wie sie in einer Zoo-Palast-Premiere in 49 Jahren noch nie zu sehen war.

Genau dies sind die derzeitigen Folgen, wenn ein durchgeknallter Filmemacher von der Skywalker Ranch dermasssen von seinen Bits und Bytes vernebelt ist, dass es ihn die Bohne schert, ob zig-tausende an mit seriöser 35mm-Technik ausgestatteter Kinos sein Kunstwerk ĂŒberhaupt noch in einer ansehnlichen QualitĂ€t auf die Leinwand bringen oder nicht. Zu dieser Sorte gehört auch Wim Wenders mit seinen weinerlichen, angeblich gesellschaftskritischen Inhalten, die nur eine digitale Bauchnabelschau darstellen.

  • 2 Wochen spĂ€ter...
Geschrieben

Hallo,

 

mal was neues von Wim Wenders.

 

Gestern auf der Trade Show der UIP in Berlin wurde der neue Wenders Film "Dont come knocking" vorgestellt (in Ausschnitten).

 

Und hier kam als Aussage von Herrn Wenders das man am ĂŒberlegen sei seinen neuen Film als Event in 70mm :shock: herrauszubringen, da die Technik in Deutschland ja noch vielerorts verfĂŒgbar ist.

Nach einigen hier rufen der anwesenden Theaterbetreiber wurde die Aussage durch Herrn Steinschulte (UIP) wieder relativiert (mal abwarten...) Aber das von jemanden zu hören, der vor Jahren nur noch digital arbeiten wollte ist schon ĂŒberraschend.

 

Gruß

HAPAHE

Geschrieben

Ach, dazu brauchts nur einen relativ nervigen jungen Mann, der Herrn Wenders nur mal so richtig "Todreden" kann, und die VorzĂŒge des analogen Filmmediums preist. :)

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