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albertk

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Alle erstellten Inhalte von albertk

  1. Ich habe den Film schon schlimmer gesehen. Erste Sichtung Mitte der 80er Jahre in einer Reihe namens "Ufa-Sommerkino". Schauplatz der Hinrichtung: ein verbautes Riech-Schuhschachtel-Kino. Maximal 3-4 Zuschauer, Leinwand max. 8m. Zustand der 35mm-Kopie: rotbraun, verkratzt, unscharf, ohne Ouvertüre. Ton krächzte lärmend aus Billig-Boxen. Endlich mal gesehen und abgehakt. Das war eine Art Spar-Spartacus. Mir war damals unbegreiflich, was Leute an diesem Film finden konnten. Brillant wurde es erst mit 70mm-Kopien, die ich in Bradford, Karlsruhe und in Frankfurt sah. Da kam auch die ungewöhnliche Musik von Alex North angenehm zur Geltung. Mein bleibender Eindruck: Vom Drehbuch wie fotografisch einer der besten Sandalenfilme. Gar nicht zu reden von Jean Simmons! Selbst die war mir bei meiner ersten Sichtung nicht aufgefallen. Das beste ist vermutlich die restaurierte 70mm-Kopie, die schwer zu kriegen ist. Bei dieser neuen (?) DCP hatte ich nicht viel erwartet. Vermutlich auch für Blueray konzipiert, da es Zwischentitel gab für Ouvertüre und Entracte (Zwischenmusik). Das ist bei DCPs sonst nicht üblich. Ein Bonuspunkt: Farblich fand ich sie in Ordnung. Von der Schärfe sah das nicht aus, wie von einem Technirama-Negativ gezogen. Bisweilen schwankte die Schärfe, was nicht an der Kameraarbeit lag. Ich glaube nicht, dass diese DCP-Fassung auf einer größeren Leinwand den Film in seiner Originalität und Monumentalität zur Geltung bringt. Außerdem klang es nicht im Mindesten so volltönend wie ich den Film in Erinnerung habe. Andere DCPs boten völlig unterschiedliche Seherlebnisse.
  2. "Amerikanische Gangsterkomödie, reich an humorvollen und ironischen Einfällen, für europäische Augen und Ohren jedoch eher befremdlich." Angestaubtes Zitat des Katholischen Filmdienstes von ~1955. Leicht zu erraten, was denen damals nicht gefiel: Die 3 amüsanten frechen Einbrecher und auch noch eine Hausschlange mit dem Vornamen eines deutschen Politikers... Mittlerweile ein Klassiker! VistaVision und Farbdruckkopie: Das ist fast so brillant wie 70mm und macht süchtig. Unbedingt zu empfehlen!
  3. Resnais war einer der ganz großen französischen Regisseure. Im Zusammenhang mit der Nouvelle Vague oft erwähnt, aber immer unterschätzt. Kein Meister pseudointellektueller Maschen. Einer, der bei jedem Film wieder etwas ganz neues versuchte. Meine Favoriten: Nacht und Nebel, Letztes Jahr in Marienbad, Das Leben ist ein Roman, Smoking/No Smoking. Empfehlenswerte Nachrufe: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/der-franzoesische-regisseur-alain-resnais-ist-tot-12827933.html http://www.taz.de/Nachruf-auf-Alain-Resnais/!134083/ http://www.zeit.de/kultur/2014-03/alain-resnais-nachruf http://www.theguardian.com/film/2014/mar/02/alain-resnais
  4. Das ist genau dieser Saturn-Laden in Berlin, wo sich früher der Royal-Palast mit der größten Leinwand der Welt befand. Die schmücken sich jetzt mit einer inaktiven DP-70. Erst wird ein Filmpalast plattgemacht, sowohl Filmgeschichte als auch Denkmalschutz missachtet und dann schmückt sich ein Elektrokramladen mit einem Projektor als Trophäe. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen!
  5. Gerade in der FAZ entdeckt: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/retrokino-der-berliner-zoo-palast-ist-wieder-offen-12682097.html
  6. albertk

    Wandrin`Star

    Jürgen von Manger stand wie kein anderer für den Ruhrpott, obwohl er in Koblenz geboren wurde. In den späten 60er Jahren entstand wohl dieser Sketch über Gammler im Stadtpark, den ich auch von einer Single her kenne. Ist mal wieder voll off topic, passt aber zum Zeitgeist und zu Zeiten, in denen auch PAINT YOUR WAGON gedreht wurde: "DAT UNWESEN"
  7. BERICHT VOM 70mm-FESTIVAL II. Teil Samstag früh lief: Eine Braut für sieben Brüder/Seven Brides for Seven Brothers (USA 1954, Stanley Donen) Gedreht in CinemaScope (1:2,55), umkopiert als 70mm-Blowup, gefadete Verleihkopie von 1972. Ich hatte SEVEN BRIDES FOR SEVEN BROTHERS vor Jahrzehnten im Fernsehen gesehen, in der ZDF-Reihe "Des Broadways liebstes Kind". Damals zeigten sie eine 50er-Jahre-Synchronisation mit schlecht eingedeutschen Liedern. Nun kam eine deutschsprachige Kopie mit englischsprachigen Liedern auf die Leinwand. Was für ein Unterschied! Das Drehbuch war rasant und voller Gags. Verantwortlich dafür war u.a. das Drehbuchteam Frances Goodrich und Albert Hackett, das Drehbücher für IT'S A WONDERFUL LIFE, EASTER PARADE und THE PIRATE verfasste. Fast alle Songs und Tänze trieben die Handlung voran und hätten nicht herausgeschnitten werden können. Ein Musterbeispiel für ein Buch-Musical, wie es sich seit 1928 mit SHOW BOAT, aber vor allem in den 1940er Jahren entwickelte. Ein Film mit dem Arbeitstitel "Sobbin' Women" (=Schluchzende Frauen) läßt stutzen. Die Handlung folgt Plutarchs Raub der Sabinerinnen, was nicht gerade ein kritisches Frauenbild verspricht. Aber genau dagegen ist der Film gebaut. Jede Szene zeigt männlichen Chauvinismus, der kräftig auf die Schippe genommen wird! Betrachten wir nur den Anfang: Bariton Howard Keel spielt einen Super-Macho, der seinem Hof in den Bergen verläßt und im Dorfladen Säcke mit Mehl und Melasse verlant und nebenbei auch noch nach einer Frau fragt. Danach geht er im Dorf mit einem Lied auf Brauschau. Natürlich kriegt er allerhand komische Abfuhren. Schließlich sieht er eine junge Frau beim Holzhacken. Das ist genau, was er für seinen Hof in den Bergen mit seinen 6 Brüdern braucht: Ein Arbeitstier, jung und kräftig. Während die junge Frau, gespielt von Jane Powell, eine Kuh melkt, macht er ihr einen Heiratsantrag. Schließlich hat er keine Zeit zu verlieren. Die junge Frau sagt nur: "Darf ich wenigstens zuende melken?" In diesem Tempo geht der Film 102 Minuten! Roh geht es bei den 7 Brüdern in den Bergen zu, aber das wird nie heroisiert - wie in manchen Western. Die junge Braut bringt den 7 Rohlingen Benehmen bei, zeigt ihnen, wie man einfühlsam mit Frauen flirtet. Natürlich mit einem Lied (Goin' courtin'). Die Reaktion ihres Ehemanns: "Wozu Manieren? Ich hab doch schon 'ne Frau!" Die Tänze in diesem Musical langweilen nie. Beim Bau einer Scheune beweisen die 7 Brüder den Dorfbewohnern ihre artistischen Fähigkeiten. Natürlich kommt es zu Rivalitäten. Wo in anderen Filmen Saalschlachten ermüden, kämpfen hier Dorfbewohner und Hinterwäldler slapstickartig gegeneinander, dass es eine Lust ist. Da störten auch die gemalten Hintergründe und der künstliche Studioset nicht im Geringsten. Auffallend fand ich die guten Gesangsstimmen und den vollen Studio-Orchester-Klang. Die ohrwurmartigen Melodien von Gene de Paul haben oft amüsante Songtexte. Kein Wunder, waren sie doch von Johnny Mercer, einem Spezialisten für Lyrics mit Jargon, Dialekt und Witz. Wenn die 7 einsamen Hinterwäldler in einem bluesartigen Lied ihre Einsamkeit beklagen singen sie "Lonesome Polecat" und klagen: "A man can't sleep/when he sleeps with sheep" Da schritt die Zensur ein und es durfte kein Schaf im Bild sein! Du bist min - ein deutsches Tagebuch (DDR 1969, Annelie und Andrew Thorndike) Gedreht in DEFA 70, farblich wie neu, Orwo und Sovcolor faden nicht. Eine Schwerpunkt dieses Festivals waren die selten zu sehenden DEFA-70-Filme. Zu allen hielt Ralf Schenk von der DEFA-Stiftung kurze Einführungen. Ausgesprochen kenntnisreich und folgte Befragung von Zeitzeugen und Studium von Akten. Erfreulich, dass Herr Schenk ein Buch zum Thema 70mm in der DDR plant! Der Dokumentarfilme Andrew Thorndike engagierte sich 1959 für Todd-AO in der DDR. Eine konsequente Entscheidung für 70mm - auch gegen das 3-Streifen-Kinopanorama der Sowjetunion. Es brauchte 8 Jahre. Das Ergebnis war das DEFA-70-Verfahren, eigene Kameras und Objektive. Zwischen 1967 entstanden in der DDR zehn 70mm-Filme, davon zwei Kurzfilme, sieben Spielfilme und Thorndikes abendfüllender Dokumentarfilm DU BIST MIN. Vor DU BIST MIN sah sich das Team um Thorndike neuere Produkte aus dem Westen an: u.a. WEST SIDE STORY, FLYING CLIPPER, THE BEST YEARS OF OURS LIVES. Der Letztere ist kein 70mm-Film, sondern 1946 gedreht und bekannt für die Tiefenschärfe-Ästhetik des Kameramanns Gregg Toland. Kurz: ein Plädoyer für eine Fotografie, wie sie auch Thorndike schätzte, frei nach dem Motto: Eine große Leinwand braucht auch große Bilder! Das große Projekt von Thorndike sollte ein Dokumentarfilm über beide deutsche Staaten werden, zunächst mit den Arbeitstitel DIE DEUTSCHEN. Gedreht sollte in beiden deutschen Staaten, ein Projekt das nach und nach aus politischen Gründen reduziert wurde. Heraus kam ein Plädoyer für die DDR, natürlich parteiisch, aber hochinteressant. Herausragend ist die Fotografie, vor allem die Flugaufnahmen. Mit erhöhter Geschwindigkeit (32 B/S) gedreht, gelingen gemächlich wirkende Flüge u.a. über Ostsee, Rügen, Usedom und die Wartburg. Auf der anderen Ebene folgt der Film Kommentaren von Annelie Thorndike und immer wieder hören wir Zitate deutscher Schriftsteller. Daher auch der Titel "Du bist min" nach einem Gedicht von Walter von der Vogelweide. Aber an vielen Stellen war mir Annelie Thorndikes Kommentar zu persönlich, zu pathetisch und zu aufdringlich. Nur ein Beispiel: Man sieht das KZ-Buchenwald. Was man aber sieht, ist das Denkmal des KZs und junge Soldaten. Über Buchenwald und Nazizeit erfährt man wenig. Im Gegenzug geht der Film in die BRD, nach Hameln. Eine schöne Stadt, Luftaufnahmen, viel Fachwerk. Man sieht ein Glockenspiel mit dem Rattenfänger. Plakate kündigen Vertriebenentreffen an, eine Straße hängt voller NPD-Plakate. Zwischen 1966 und 1968 war die NPD in der BRD in 7 von 10 Landtagen, in Baden-Württemberg hatte sie ihr bestes Ergebnis mit 9,8%. Wir sehen eine Wahlveranstaltung der NPD mit dem damaligen Vorsitzenden Adolf von Thadden. Altnazis rufen "Adolf", applaudieren, eine Altherrenriege, die an Karikaturen wie von Georg Grosz erinnert. Aufnahmen, die ich so noch nie sah. Die Folgerungen sind Warnungen vor einem drohenden Aufstieg des Faschismus wie 1933. Drohte in der BRD eine neue Nazi-Diktatur? Die NPD drohte in den Bundestag einzuziehen, aber weite Kreise von Gesellschaft und Wirschaft unterstützten sie nicht. Allerdings saßen frühere ranghohe NSDAP-Mitglieder damals in hohen Positionen, man denke nur an Kiesinger, Strauß, Filbinger und Lübke. Das thematisiert der Film nicht. Auch die 68er-Proteste kommen nicht vor, obwohl ein deutliches Zeichen für wachsendes Selbstbewusstein und Demokratisierung einer Gesellschaft. Der beim Festival anwesende westdeutsche Kameramann Gerhard Fromm berichtete, er sei über UIP angeheuert worden. Er berichtete von Dreharbeiten u.a. in Hamburg. Die im Film enthaltenen Stadtansichten von Hameln sind von ihm, aber nicht die von NPD-Plakaten, NPD-Versammlung und Vertriebenentreffen. Das politische Material wurde von einem DDR-Team gedreht, das sich undercover im Westen aufhielt. Konnte der Film ein Erfolg werden? Ich denke an vergleichbare dokumentarische Breitwandproduktionen für ein Land: SKY OVER HOLLAND und der im Ausland verliehene sowjetische Kinopanoramafilm WEIT IST MEIN LAND/GREAT IS MY COUNTRY. Politik ist wird bei beiden völlig ausgespart. In der DDR waren Errungenschaften wie Vollbeschäftigung stets mit Gängelung durch den Staat und Partei gekoppelt. Das galt auch für Parteimitgliedschaft, Versammlungen und vermeintlich freiwillige Arbeitseinsätze (Subbotnik). Viele wollten keinen Film sehen, von dem sie das gleiche befürchten mussten. Im nachhinein halte ich DU BIST MIN für ein hochinteressantes Zeitzeugnis, das Gegenstück zum westdeutschen FLYING CLIPPER. PAUSE! IM RAUSCH DER TIEFE/LE GRAND BLEU ließ ich aus, machte ich Pause, zumal ich ihn schon zweimal gesehen hatte, ohne dass er origineller wurde. Man braucht bei solchen Festivals ausgiebige Pausen. Auch das ist in Karlsruhe gelungen. Wo ein Film den nächsten jagt, leidet die Aufnahmefährigkeit. Deswegen fahre ich auch nicht mehr nach Bradford. Das ging einigen Festivalgästen, sogar Briten, ähnlich. Freitag abend lief dann das Highlight: Spartacus (USA 1959/1960, Stanley Kubrick) Gedreht in Super Technirama 70, alte deutsche Kopie, gefadet. Ich habe SPARTACUS schon oft gesehen, nach meiner Meinung einer der besten Monumentalfilme. Zwar hatte Kubrick keine freie Hand und hat den Film nachher eher abschätzig beurteilt. Da ist vor allem die solide Kamera, das gut funktionierende Buch und die exzellenten Darsteller. Unvergessen die Zeile: "Ich bin Spartacus!" Oft geschmäht werden die Szenen von Ustinov und Laughton, dabei passen beide wunderbar und sprengen auf ihre Weise das Genre des Sandalenfilms. Genial wirkt der verhaltene Abgang von Laughton. Beiläufig nimmt er zwei Dolche und entscheidet sich für den schöneren - um ganz beiläufig aus dem Leben zu scheiden! Im Gegensatz zu Herrn Rübenacker möchte ich bemerken: Die Musik von Alex North klingt nach meiner Meinung aber nicht durchgängig wie Strawinsky, man denke nur an das wehmütige Varinia-Motiv. Sonntag früh lief Orpheus in der Unterwelt (DDR 1974, Horst Bonnet) In DFEA 70 gedreht. Diesen Film fand ich wenig gelungen und schwer durchzusitzen. Auch wenn der Regisseur für den Prager Frühling 1968 Flugblätter verteilte und dafür ins Gefängnis kam, mir fehlte hier der subversive Charakter der Offenbachschen Vorlage. Einige Sidekicks fallen auf, aber ansonsten war so etwas in der DDR auch kaum möglich. Vielleicht ist mir als Westdeutscher auch vieles entgangen. Auffallend fand ich vor allem den Satz: "Das hast du jetzt von deiner laschen Innnenpolitik!" Das hätte sicher auch auf Schily, Schäuble oder Friedrich gepasst! Im Übrigen fehlte der oben von mir genannte 70mm-Look. Die Geschichte des DP-70-Projektors/Kurzfilmprogramm Sehr Kenntnisreich und amüsant war der Vortrag von Thomas Hauerslev zum Thema DP-70-Projektor. Weniger gelungen waren die dann folgenden Kurzfilme. Endlich einmal sah ich fürs BMW-Museum gedrehte 70mm-Film AUTO-E-MOTION, der allerdings reichlich belanglos 70mm-Aufnahmen aneinanderreiht. Gelungener fand ich den Kurzfilm DEFA 70 von Werner Bergmann. Kein großer Film, sondern ein ein Testfilm eines Kameramanns, der die Möglichkeiten des 70mm-Films auslotet. Keine große Handlung, sondern spielerischer Umgang mit verschiedenen Techniken. Also realistische Aufnahmen, Aufnahmen im Freien, Landschaft, Stadt, Rummelplatz, die im Breitfilm obligatorische Achterbahn (diesmal eher eine 7er-Bahn), Nachtaufnahmen, Studioaufnahmen, Tricks, Tricktischbearbeitungen, Tanzaufnahmen, Dunkel und Nachtszenen, ein Schlagersänger und vollklingende Orchesteraufnahmen. Damals sicher ein schöner Vorgeschmack auf die kommenden 70mm-Produktionen! Hier muss ich erst einmal eine Pause einlegen, die Arbeit ruft! Es wird noch einen 3. Teil geben.
  8. BERICHT VOM 70mm-FESTIVAL Das 70mm-Festival in Karlsruhe war wieder einmal gelungen. Für Daheimgebliebene sei gesagt: Nicht nach Karlsruhe fahren ist auch keine Lösung! Statt eines fälligen Urlaubs machte ich Kurzurlaub in Karlsruhe in der Schauburg. Via Kino geriet ich in 3 Tagen auf eine Reise nach Österreich, Spanien, Ägypten, USA, DDR, das römische Reich, Frankreich, die Unterwelt, England und Vulgaria. Mittlerweile habe ich den Jetlag überstanden. Freitag früh nahm ich den ICE, der eigentlich nur eine Stunde brauchen sollte und am Ende mit 30 Minuten Verspätung ankam. Gerade packte ich es noch rechtzeitig zum ersten Film: DER GROSSE WALZER/THE GREAT WALTZ (USA 1972, Andrew L. Stone) Ein 70mm-Blowup, in Panavision gedreht, zu sehen war eine gefadete deutsche Sammlerkopie. Das war der letzte Film von Andrew L. Stone, der oft bei Musicals Regie führte. Sein STORMY WEATHER von 1943 ist ein empfehlenswerter Klassiker mit afroamerikanischer Besetzung (u.a. Lena Horne, Cab Calloway und den Nicholas Brothers. Von Stone sahen wir auch in vergangenen Jahren in Karlsruhe den weniger gelungenen Todd-AO-Film SONG OF NORWAY. Wer den gesehen hatte wusste, es kann nur besser werden! Horst Buchholz spielt Johann Strauss Sohn (auch "Schani" genannt). Er geigt sich durchs Leben, leidet unter dem autoritären Vater, steht in seinem Schatten, ist den Frauen untreu wie der Senior und schafft es schließlich auch zum anerkannten Komponisten. Natürlich spielt die Musik von Strauss Vater und Sohn die Hauptrolle. Warum wird so etwas 1972 verfilmt? Meine Schulkameraden hörten damals T-Rex. Meine Eltern hätten sich solch einen Strauss-Film vielleicht angesehen, hatten aber seit 1966 einen Fernseher und mieden seitdem Kinos. Beeindruckend war der volle Orchesterklang, vor allem bei den Konzertwalzern. Gelungen fand ich auch die österreichisch klingenden Synchronisationsstimmen. Musicals haben ihre eigene Logik. Da kommt schon mal Johann Strauss Sohn aus seinem Musikpavillion und geigt im Freien weiter. Geigen im Regen? Wenn Musicals gelungen sind, erzählen Lieder und Tänze einen Teil der Geschichte. Oder sie entführen einen auf eine andere Ebene. Zwei andere Musicals auf dem 70mm-Festival würden das später erfolgreich und unterhaltsam beweisen. Die Choreographie von Onna White in THE GREAT WALTZ geht anders vor. Immer wieder hüpften da aus heiterem Himmel Männer in Lederhosen lustig durchs Bild. Wir sahen zwar eine deutsche Synchronisation, aber gesungen wurde englisch. THE GREAT WALTZ hat mehrere Vorlagen, darunter Filme und Broadway-Bühnen-Fassungen. Deswegen gibt es außer den bekannten Strauss-Walzern auch Lieder, die es seinerzeit gar nicht gab. Die Erklärung: Auch an diesem Film war das erfolgreiche Musical-Team von Robert Wright und George Forrest beteiligt. Forrest und Wright adapierten häufig Musik anderer Komponisten für ihre Musicals und schrieben dazu eigene Liedtexte. Erfolgreich waren sie am Broadway mit "Song of Norway" (mit Melodien nach Grieg) und "Kismet" (nach Musik von Borodin). Gelungen fand ich die Drehorte: Gedreht wurde in Österreich, in Schlössern, Parks und für die Altstadtszenen entstanden in Salzburg. Das ist nicht selbstverständlich. Jahrzehntelang wurden solche Musikfilme grunsätzlich nur im Studio gedreht. Man ging nie an Originalschauplätze, schon gar nicht ins Ausland. THE GREAT WALTZ zeigt opulente Ball- und Konzertsäle, die nicht nach Studio aussehen! Goya - oder der arge Weg der Erkenntnis (DDR/UdSSR 1970/1971, Konrad Wolf) Gedreht in 70mm, Sovscope 70 und Defa-70 und Farbe. Sicher ein sehr aufwändiger Film. Ursprünglich 161 Minuten lang, kam er nur in einer gekürzten Fassung von 134 Minuten in die Kinos. Regisseur und Kameramann klangen vielversprechend. Konrad Wolf hatte mit seinem langjährigen Kameramann Werner Bergmann auch DER GETEILTE HIMMEL gedreht. Ein Film mit gestochen scharfer Schwarzweißfotografie in Totalvision (das war das CinemaScope der DDR). Eine mosaikartig gestaltete Geschichte voller interessanter Einstellungen. Von Wolf kenne ich mehr, was ich schätze: STERNE, LISSY, SOLO SUNNY. Leider hatte GOYA davon gar nichts. Drehbuch und Handlung schleppten sich dahin. Gelungen fand ich lediglich die Szene, wo Goya die Königsfamilie malen soll und durch die Räume dirigiert. Ein komischer Moment, wo er Rache für deren herablassendes Verhalten nimmt, indem er sie sich immer neu aufstellen läßt. Dann kam endlich die Pause, ich kippte schnell einen Kaffee, aber es wurde nicht besser. Irgendwie quälte ich mich durch diesen überlangen Film und überlegte, warum mir das so überhaupt nicht gefiel. Ich überlegte, was eigentlich den 70mm-Look ausmacht. Wir haben das hier wiederholt im Filmvorführerforum diskutiert. Neuere Filme haben oft überhaupt nichts davon, speziell THE MASTER oder HAMLET. Was macht einen 70mm-Look aus? 70mm macht Arbeit! Jede Szene braucht exakte Planung, Kameraplanung, exakte Ausleuchtung, mehr Proben für die Schauspieler. Die große breite Leinwand fordert mehr als ein Fernsehmonitor. Bild und Musik haben Vorrang. Schärfentiefe, opulente Sets, von denen der Zuschauer auch etwas haben soll. Keine redenden Köpfe im Breitformat! Keine TV-Ästhetik, auch kein früher Tonfilm. Exakte Kadragen, originelle Bildgestaltung, Plansequenzen, Storyboards... Was gar nicht geht: Mehrere Kameras und das Ganze zusammenschneiden. Herumgezoome und Wackelkamera (ein Merkmal derzeitiger Filme) haben da gar nichts verloren. Des weiteren braucht man für 3-Stunden-Filme ein funktionierendes, spannendes Drehbuch. Bei Genres sollte man nicht übertrieben damit verhaftet bleiben, sondern dieses sprengen. Dialoge sollen nicht endlos laufen, sondern dem Zuschauer auch unterhalten. Merkbare Sätze, die im Gedächtnis haften bleiben, gehören genauso dazu wie Pointen, auch bei ernsten Filmen. GOYA hat von diesen 70mm-Qualitäts-Kriterien fast nichts. Trotz zwei Jahren Vorbereitungszeit wirkt er schnell heruntergedreht. Ärgerlicherweise wirken herausragende Momente wie die Inquisitionsszene in der Kirche theaterhaft. Gelungen fand ich höchstens einige Schauplätze. Die Prozessionen, die vermutlich in Bulgarien gedreht wurden, wirken wie bei der spanischen Semana Santa. Der Einsatz von 120 Goyabildern in diesem Film überzeugte auch wenig. Das Abfilmen von Originalbildern fand ich bei Minnellis Van-Gogh-Film LUST FOR LIFE weitaus gelungener - obwohl der nur CinemaScope zur Verfügung hatte. Khartoum (GB 1966, Basil Dearden) In 70mm gedreht, im super breitenUltra Panavision-Verfahren (1:2,76). Das war die Entdeckung des Tages. Vor allem eine Kopie, die aussah wie neu gezogen! Auch keine störende Kompression. Eine Kolonialgeschichte, aber solide Konfektion, lang und trotzdem unterhaltsam. So völlig das Gegenteil von GOYA! Über die Filme am Samstag und Sonntag "Demnächst in diesem Theater!"
  9. Vielen Dank für die Mitarbeiter der Schauburg für das gelungene 70mm-Festival. Im Gegensatz zur Wahl war es wieder einmal berechenbar gut. Ich lobe hier mal ausdrücklich auch den angenehmen und freundlichen Service. So ein Festival bedeutet mehr Stress als sonst. Das Essen war übrigens auch besser und vielfältiger. Vor allem aber Dank an die Leute im Vorführraum, Theaterleiter und Kopiengeber! Über Kopien und Filme demnächst mehr.
  10. Zurück zum Topic: @Sorahl brachte es oben auf den Punkt. Sein Link ist lesenswert! Freilich ist Graumann's Chinese Theatre Kino öfter umgerüstet worden. Manches war sicher notwendig und der Zeit gemäß: von 35mm auf CinemaScope, auf 70mm, zur Cinemiracle-Installation und immer wieder neue Bestuhlung. Einst gab es Walnussparkett, später Betonboden. Bezeichnend, dass LieMAX (weil nur digital) gar nicht viel größer ist als die Cinemiracle-Leinwand von 1958. Was aber aufmerken läßt: Die neuen Betreiber zeigen auf ihrer Webseite keine neuen Fotos des neuen Saals sondern alte! Außerdem keinerlei Verweis auf Renovierung oder Umbau oder gar ein Vergleich! Dafür bietet man aber Touristenführungen und zeigt ausgiebig die Fußabdrücke. Das ist wohl das einzige, was sich die ganzen Jahre über nicht geändert hat. Was aus den Wänden des atmosphärischen Kinos wurde, sieht man auf dem youtubevideo auch nicht. Wurde hier restauriert oder einfach beliebig umgebaut? Zahllose Bilder findet man übrigens woanders, nämlich bei Cinema Treasures.
  11. Der deutsche Titel übernimmt einen der ursprünglichen Arbeitstitel des Films. "The film was originally going to be titled "The Sobbin' Women", but MGM executives thought that audiences would not be interested in seeing a film with this title. It was first retitled "A Bride for Seven Brothers", but the censors thought it sounded too risqué, so it was altered to "Seven Brides for Seven Brothers"." (Zitat nach: http://www.imdb.com/title/tt0047472/trivia?ref_=tt_ql_2
  12. albertk

    Feuchtgebiete

    Überall heißt es, der Film sei besser als das Buch. Kein Kunststück bei einem so schlechten Roman. Der verkaufte sich zwar gut. Erfolg hatte der nur aus 2 Gründen: 1. der Titel. 2. der Bruch einiger Tabu-chen. Tabu-chen, weil nichts Sensationelles. Nur einige drastische Späße über Hygiene und Hygienefimmel. Also keine große Satire. Was auf den ersten Blick so keck daherkam, hielt nicht, was es versprach. Auf gerade 200 Seiten schleppte sich eine spannungslose Handlung dahin. Der Witz verlor sich nach wenigen Kapiteln. Aus Mangel an Einfällen kommt dann auch noch eine triefig-triviale Familiengeschichte. Sehr zu empfehlen, wenn man gerade kein Schlafmittel zur Hand hat. Ansonsten viel Glück und volle Kassen mit dem Film!
  13. Sonst kenne ich das so, wie es meine Vorgänger es beschrieben: CITY LIGHTS wurde wie viele abendfüllende Chaplinfilme mit einer von Chaplin autorisierten Musik- und Tonfassung (es gibt auch Toneffekte) herausgebracht. Dies ist wohl sein erster Film, wo er komponierte. Obwohl er Cello spielte, brauchte er immer Arrangeure zur Niederschrift. Chaplin Chaplin sang ihnen vor, summte Melodien, benutzte nachts bei Einfällen eine Art Diktiergerät (Walze?). Bei CITY LIGHTS schrieb Arthur Johnston schrieb die Noten nieder, für das Arrangement am Ende sorgte Alfred Newman. (Bei Monsieur Verdoux waren sogar Georg Kreisler, Hans Eissler und Newman als Notierer und Arrangeure beschäftigt.) CITY LIGHTS als Film zwischen Stumm- und Tonfilmzeit hat trotzdem Zwischentitel. Wenige und schlicht, passend zu dem ganzen genialen Film! Über die Formate kann ich nichts sagen. 1,17:1 klingt wie eine frühe Tonfilmfassung und wäre möglich, aber rar.
  14. Ein Kameramann mit beeindruckenden Filmen. Nur eine Auswahl von denen, die ich auf einer Leinwand sah: WOMAN IN A DRESSING GOWN ist eine nüchterne sozialkritische Studie und hat genau diesen Look. THE GOOD COMPANIONS eine unterhaltsame bunte Schauspieler-Truppen-Komödie nach Priestley. DR. STRANGELOVE ein Highlight, nicht nur von Darstellungen und Set. REPULSION hat die optischen Qualitäten von Horror, Ekel und Surrealismus; dafür lehnte Taylor einen Bond ab. FRENZY ist ein später Hitchcock, aber wie fast alles von ihm, mehrfach ansehbar. Filmreihen über Kameramänner müsste es geben!
  15. Bedingt durch die politische Teilung Deutschlands und die isolierte Lage Berlins wurden in den 50er Jahren Filme auch in Hamburg, Göttingen und Wiesbaden gedreht. Auch Kassel war häufiger Drehort, beispielsweise bei Wolfgang Staudtes "Rosen für den Staatsanwalt" und "Natürlich, die Autofahrer!" mit Heinz Erhardt. Sehenswerte Dokumentation über die Filmstadt Kassel in 3 Teilen:
  16. Übrigens sind DEFA-70-Filme nicht rotstichig, da in Orwocolor gedreht. Da gibt es kein Farbfading! In der UdSSR wurde schon in den 50er Jahren analog zu Cinerama das 3-Streifen-Verfahren Kinopanorama und auch 70mm entwickelt. Im sozialistischen Bruderstaat DDR entschied man sich für 70mm. Treibende Kraft für 70mm war der Dokumentarfilmer Andrew Thorndike. Zwischen 1967 und 1974 entstanden 2 Kurzfilme, 7 Spielfilme und 1 Dokumentarfilm. Hier ist eine Filmographie von einem Kenner der Materie: http://www.in70mm.co...rocess/defa_70/ Und hier auch ein Essay auf Englisch: http://www.in70mm.co...fa_70/index.htm Da ich entgegen anderer Zeitgenossen keine Ferndiagnosen liebe, schreibe ich kurz über jene Filme, die ich in Bradford und Karlsruhe sah: "DEFA 70" (1967): Ein Demonstrationsfilm, der die Vorzüge von 70mm und Stereoton erläutert (u.a. mit Orchester und DDR-Schlagerstars). Wäre ein schöner Auftakt. "HAUPTMANN FLORIAN VON DER MÜHLE" (1968): Historienkomödie und Ausstattungsfilm, etwas krachledern aber amüsant. Lief schon auf dem Todd-AO Festival in Karlsruhe 2008. "WLADIMIR ILJITSCH ULJANOW LENIN" (1970): Avantgardistischer Kurzfilm, Propaganda, aber originell und beeindruckend gemacht. Unbedingt empfehlenswert! Mein Wunschfilm Nr. 1! "SIGNALE - EIN WELTRAUMABENTEUER" (1970): Versuch eines DDR-Science-Fiction-Films auf 70mm. Die anderen DEfA-70 Filme kenne ich nicht und würde sie alle gern sehen. Vielleicht ist ja im Programm Platz wenigstens für 2-3 lange Spielfilme. Hat sich je ein ein westdeutsches Kino an "DU BIST MIN - EIN DEUTSCHES TAGEBUCH" von den Thorndikes herangetraut? Bisher immer verpasst habe ich GOYA - ODER DER ARGE WEG DER ERKENNTNIS. = Mein Wunschfilm Nr. 2. "Ein Haufen Blowups und ein einziger großformatig gedrehter Film mit mäßiger Cinematographie - das wäre mal ein Festival wo ich nicht hinfahren würde." Geht mir ähnlich, obwohl schon Urlaub genommen!
  17. Weiter oben werde ich als Beweis für Ferndiagnosen bei "Berliner Festivals" und "Berliner Zuständen" angeführt. Ich war nie auf einem Berliner Festival und schrieb konsequenterweise auch nicht darüber. "Berliner Zustände" kenne ich nicht. Wenn ich über Berliner Kinos schrieb, ging es um Säle, die ich mir als Interessierter an Kino- und Theaterarchitektur, ansah. "Diagnosen in absentio" halte ich zutiefst für intellektuell unredlich. Apropos intellektuell unredlich: Wer diesen Thread hier einigermaßen aufmerksam verfolgt, muss erfahren, dass @cinerama vor DCPs von LAWRENCE OF ARABIA und BEN-HUR warnt, die er nicht ein einziges mal gesehen hat. Was ist das für ein Niveau?
  18. William Friese-Greenes Grab entdeckte ich in London auf dem Highgate Cemetery (East), wo auch Karl Marx liegt. Der Friedhof war oft abgeschlossen, die Führungen rar und teuer - aber man konnte Friese-Greenes Grab durch den Zaun von der Straße hindurch deutlich sehen. Soweit ich mich recht erinnere rechts vom Eingangstor. http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=3213 Außerdem erinnert im Seebad Brighton in der Middle Street das Haus Nr. 20 durch eine Plakette an diesen Filmpionier. http://www.brightonfilm.com/friese_greene_house.htm (Übrigens eine interessante Webseite über Film und Kinos in Brighton und Hove)
  19. Ein älterer Kollege erzählte mir öfter aus seinen Zeiten in den 60er Jahren in West-Berlin, als er er viel ins Kino ging. Am Sonn- und Feiertagen waren manche Kinoprogramme anders, weil viele der Filme "nicht feiertagsfrei" waren. Stattdessen mussten Kulturfilme und ernste Kost laufen. Gälte das heute noch, dürften wir am Wochenende keine Komödien und Musicals sehen. Von erotischen Filmen gar nicht zu reden!
  20. Die beste Art, einen Filmkünstler zu würdigen: Eine Filmreihe! Das macht das Hamburger Programmkino Metropolis im Juli http://www.metropoliskino.de/
  21. Ray Harryhausen war ein großer Trickfilmpionier und begnadeter Handwerker! http://www.youtube.com/watch?v=eXli_Nyeex8 Jeder dieser Ausschnitte macht Lust auf seine Filme. Sein Nachlass ist übrigens seit 2010 im National Media Museum im Bradford.
  22. Das Niveau erkennt man daran, dass die nicht einmal Cinecittà richtig schreiben können.
  23. "Dann 1966 - was war da eigentlich los?" Meine subjektive Einschätzung aus BRD-Perspektive: 1960 gab es in Deutschland 3,5 Millionen Fernseher, 1964 schon 7 Millionen. 1963 startete das ZDF, 1964 kamen 3. Programme, 1967 das Farbfernsehen. Gleichzeitig veränderte sich das Angebot in den Kinos. Immer mehr Filme waren nur für bestimmte Zielgruppen: Kinder (Disney-Animation- und Real), Jugendliche (Winnetou, Paukerfilme), junge Erwachsene (Wallace, Italo-Western, Godzilla & SF). Ende der 60er kam die Sexwelle, von der es heißt, dass sie die deutschen Kinos gerettet hätte. Der "Neue Deutsche Film" produzierte im Gegensatz zur Nouvelle Vague keine Kassenknüller. Und bemerkenswert ist auch: die ältere Generation blieb weg. Die kauften sich Fernseher, sahen dort alte Filme oder Fernsehkost ähnlicher Machart. Oder man ging in Dr. Schiwago, der in Berlin 166 Monate lief.
  24. Bei meinem Text oben hat sich ein Tippfehler eingeschlichen. Bei den Maßen der Leinwand zu CinemaScope sollte es natürlich heißen "19,19m x 8,19m"!
  25. Vielen Dank für die Fotos, Bestuhlungspläne und die Leinwandmaße! Soviel Informatives vermisst man in vielen Kinobüchern. Dies gilt insbesondere auch für Farbfotos und Grundrisse verschiedener Geschosse wie Parkett und Rang! Danke auch für die Informationen zur Schwerhörigenanlage. Fotos der Außenfront des MGM-Theaters haben mich schon vor Jahrzehnten beeindruckt. Unübersehbar ein Kinopalast - im Gegensatz zu Multiplexen, die anmuten wie Lagerschuppen. Der Grundriss zeigt die anglo-amerikanische Bestuhlung, wie sie in mehreren MGM-Filmtheatern (HH, Ffm.) praktiziert wurde. Also keine übertrieben breiten Reihen - sondern Gliederung in drei Sitzblöcke. Gelungen wirkt auch der große Rang (hier Hochparkett genannt), der sich über das ganze Foyer erstreckt (wie im MGM-Theater Frankfurt). Die mittleren Parkett-Zugänge von Foyer führen um die Ecke, handelt es sich hier um eine Art Lichtschleuse? Das war früher baupolizeilich schwer durchzusetzen, obwohl sehr praktisch, weil dadurch später kommende Zuschauer kein Licht in den Saal werfen. (Einzig die Deckenlampen im Saal scheinen mir weniger gelungen.) Hier stellen sich mir einige Fragen: Was an der pfd-Datei irritiert sind die Angaben zu den Leinwandmaßen. Zu CinemaScope gibt es zwei Angaben. Die größeren Angaben nennen als Leinwandmaße 9,19m x 8,19m. Bei Todd-AO (70mm) nennt die Datei aber 16,2m x 7,33m. Folgt man diesen Angaben, wurde nur Ultra Panavision in voller Breite und Höhe (27m x 9,90m vorgeführt). Führte man Todd-AO tatsächlich kleiner vor als CinemaScope? Die Leinwand auf dem Bestuhlungsplan sieht übrigens leicht gekrümmt aus und umfasst nicht die volle Bühnenbreite. Hat man später eine breitere Leinwand installiert?
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