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Film- und Ton-Gewohnheiten


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Hallo,

 

um den Marketwatch-Thread nicht so zu verwässern, hier ein neuer.

Ich bin ja leidenschaftlicher Stummfilmer, höchstens mache ich bei einer Vorführung mal ein bisschen (idealerweise passende) Hintergrundmusik an. Ansonsten lasse ich die Zuschauer reden, sich erinnern und "die Bilder sprechen".

 

(Ich habe nichts gegen Tonfilm, kann aber besser in Stummfilm "erzählen". Und scheue den ständigen Rostabrieb der Tonpisten.)

 

Neulich habe ich das Wohnzimmer mal etwas umfänglicher umgebaut und den Projektor aus dem Nebenraum durch eine Scheibe projizieren lassen. Im "Kinoraum" war es dadurch ganz still, was dem gezeigten 16mm-Spielfilm sehr gut tat, das war richtig Kino, man sah ein riesiges Bild und hörte nur den schönen Lichtton. Als ich später dann aber noch ein paar Stummfilme des letzten Jahres zeigte, wurde es ganz komisch: Ein Stummfilm ohne jedes Projektorgeräusch kam mir total nackt vor!

Ähnlich geht es mir, wenn ich Stummfilme auf Vimeo oder ähnlich sehe, wo einfach keinerlei Ton vorhanden ist.

 

Ich hätte nie gedacht, dass mir das leise Projektorrattern für die Gesamtwahrnehmung so wichtig ist. Geht Euch das auch so?

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ja klar! ich hab mal im kino nosferatu gesehen - da gab es keinerlei ton. keine musik, nichts! war kaum auszuhalten. hätte es wenigstens gerattert. ich denke das rattern unterstreicht akkustisch das sich ständig ändernde kornbild. deswegen muss eben auch synchronton knistern, wenn der film nicht 100% verschleissfrei ist. die staubkörnchen und kratzer müssen im ton mitknacken, sonst hebt der ton vom bild ab und der raum zwischen bild und ton zieht den betrachter aus dem film raus.

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Ich hätte nie gedacht, dass mir das leise Projektorrattern für die Gesamtwahrnehmung so wichtig ist. Geht Euch das auch so?

 

Ja. Seit ich Schmalfilm kenne, habe ich das Rattern im Ohr, angefangen damals mit Vaters Sonomat.

Ohne das wäre es gefühlt Video ...

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Wir sind nicht anders als die Höhlenbewohner, die nicht allein das Licht- und Schattenspiel an der Felswand hatten, sondern auch das Prasseln und Knistern vom Feuer, Stimmen, Wind- und vielleicht Wassergeräusche. Das Erzählen mit technischem Apparat ändern nichts am Zuschauer und -hörer.

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Daher haben die zu Stummfilmzeiten wahrscheinlich auch immer mit dem Klavier dazugeklimpert. War mir nie ganz sicher, ob mir da nicht die Ruhe lieber gewesen wäre aber die werden schon gewußt haben. :-)

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Bei mir ist es noch schlimmer. Ich mag das Rattern sogar beim Tonfilm. Vertone ja via "2-Band" Audisync und der Ton kommt aus dem Mac / iPad über die Anlage in Stereo/CD-Qualität. Aber den Projektor muss ich auch noch rattern hören, sonst fehlt irgendetwas. Aber der ELMO ist ja nicht ganz so leise.

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Habe gerade erst gelesen, daß Ihr ja über einen meiner Filmchen diskutiert. Da möchte ich mich auch mal zu Wort melden.

 

http://www.filmvorfu...840#entry233358

 

Das ganze ist mit der Bauer 715 XL gefilmt, von Mario Gärtner abgetastet und via ProRes 422 in Final Cut (25 fps) übernommen. Die Nutzton (WAVE 24 BIT) vom Tascam Fieldrecorder habe ich einmal in Audition überarbeitet (Funktion: Normalisieren und gut ist). In Final Cut dann auf beide Stereospuren und an die entsprechenden Stellen gezogen. Durch die Pedrobox, habe ich auf der linken Audiospur die Syncsignale zum genauen anlegen.

 

Deshake ist nicht drauf. Abtastung so wie sie von MG gekommen ist. kann aber sein, daß er da was optimiert. Aber für Vimeo bzw. die DVD-Weiterverwendung finde ich das überhaupt nicht störend.

 

Wenn es jemand praktisch interessiert, bringe ich nach Berlin im September gerne mein MacBook mit und zeige das live. Ist wirklich nicht sonderlich schwierig.

 

Gruß Thorsten

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Übrigens ist ein Deshake der H.264 Codec-Effizienz sehr dienlich, das heisst die Kompressionsartefakte verringern sich deutlich bzw. man kann mit geringerer Bitrate kodieren (bei gleichbleibender Qualität). Das gleiche gilt für einen Beschnitt, H.264 "stolpert" leider über schwarze Bildränder, da es erkannte, aber dann hinter den Balken verschwindende Muster schlechter recyclen kann. Dies nur am Rande erwähnt -- beides hat aber ja erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung Video vs. Film.

 

Ich mag sowohl den unkadreirten, soften Rand des S8-Projektionsbildes als auch ein paar kleine (!) Schwankungen im Bildstand.

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Ich habe da keine festen Regeln ...

 

Ich mache meistens was mir gefällt und das wechselt ;-)

Darüber zu diskutieren was stimmig oder richtig ist und was nicht,

halte "ich" für überflüssig, es sei denn ich will andere beeindrucken ...

Das ist alles dermaßen subjektiv und von persönlichen Stimmungen sowie

Vorlieben abhängig - die ja schon hier im sehr kleinen Kreis zu sehen sind !

 

Das ganze Problem, welches hier einmal mehr zu Tage tritt, kann nicht gelöst werden.

Der Grund: jeder hat seine eigene, ganz individuell geprägte Vorstellung von dem,

was 8 mm sein soll ... Also: Leben und leben lassen ... Zitat von F.C.

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Ein unbedingtes Ja!

Auch meiner Meinung nach gehört zur Stummfilmprojektion das Projektoren-Rattern.

Gern denke ich da an unsere hiesige legendäre Stummfilm-Woche open-air in einem Innenhof eines Altstadt-Palais zurück.

Da war der Projektor auch immer "gut hörbar" positioniert.

 

(und es gab auch ganz traditionell Aktwechsel und keinen Überblend-Betrieb -die Aktlängen der alten Stummfilme waren ja dafür ausgelegt, ideal um sich ein neues Getränk zu holen...aber das ist jetzt schon wieder ein anderes Thema)

 

Auch beim Tonfilm stört mich der Projektor nicht unbedingt - es sei denn, es gibt ganz leise "akustisch sensible" Stellen im Film.

 

Grundsätzlich bei Tonfilm zu empfehlen ist aber der Anschluss des Projektors an einen Stereoanlagen-Verstärker...Da kann man noch einiges an Klang aus der schmalen Piste rausholen.

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Ich gehöre auch zur Projektor-Ratter- Gemeinde!

Irgendwie aufregend sind dann für mich auch die Klangunterschiede bei Klebestellen und Perfoschäden:

Hält er jetzt oder reißt da was?

Wo hat man sonst eine technisch bedingte Extra-Spannung?

Und dann das erlösende Gefühl nach der Vorstellung alles über die Bühne bekommen zu haben.

Was ist da schon Vimeo oder youtube?

 

Grüsse aus HH

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@Olaf:

Ich finde es geht hier ja auch nicht darum, irgendwas festzulegen, sondern um Gedankenaustausch. Vielleicht entdeckt man ja noch eine andere akustische Gestaltungsmöglichkeit.

 

 

OT:

(Meiner Meinung nach stehen Youtube oder Vimeo jetzt eigentlich auch am Ende der Liste, wenn es um absolut zuverlässige und störungsfreie Videowiedergabe geht...)

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Ich hatte gestern die Gelegenheit und das ganz große Vergnügen, die Schlager pfiff ich heuten den ganzen Tag vor mich hin, Die Frau meiner Träume zu sehen.

 

Super 8 komplett.

 

Vorgeführt wurde mit Bauer Projektoren und Überblendung, also ohne Pause. Und das alles aus einer Vorführkabine heraus.

 

 

Ich stehe den Dingen fast exakt so gegenüber, wie der Klaus das einige Zeilen weiter ober geschildert hat. Aber - das gestern hatte schon auch was. Super 8 Kino vom allerfeinsten.

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Ich finde es geht hier ja auch nicht darum, irgendwas festzulegen, sondern um Gedankenaustausch.

Vielleicht entdeckt man ja noch eine andere akustische Gestaltungsmöglichkeit ... Kein Problem ;-)

 

Wie wäre es mit einer spontanen Jam Session ...

 

Ich liebe Saxophon einen Flügel und Tabla plus Querflöte

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Nun, da ich weder eine Projektorkabine habe, noch so etwas bei uns einbauen kann, bleibt nur den Filmgenuss mit Projektorgeräusch.

 

Das hat für mich allerdings auch etwas beruhigendes, schließlich kann ich sofort eingreifen, wenn der Film mal "neben der Spur" laufen sollte.

 

Es kommt zwar sehr selten vor, aber ich konnte dadurch schon größere Schäden verhindern.

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...sondern auch das Prasseln und Knistern vom Feuer, Stimmen, Wind- und vielleicht Wassergeräusche....

 

Gute Idee! Statt die Videoversion mit einem Projektorenrattern zu hinterlegen, nehme ich das nächste Mal einfach https://www.freesound.org/people/samararaine/sounds/187079/ und https://www.freesound.org/people/Leandros.Ntounis/sounds/163607/ :-)

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Guest Cineasta

also ich mag das projektorrattern nur ganz leise. bei mir steht der projektor in der küche und die leinwand im wohnzimmer. ich habe mir mal vom "bilderrahmer" ein spezielles Fenster bauen lassen - mehrfach entspiegelt etc. - und dann in die wand ein kleines fenster geschnitten und den rahmen mit dem glas da eingepasst. komischerweise wollte das der glaser um die ecke nicht machen, vielleicht zu kleines auftragsvolumen. hier zwei bilder

 

die küchenseite:

 

 

und die wohnzimmerseite:

 

 

 

auf der seite steht auch ein regal mit türen und so kann man das fenster gut verstecken..

wer das moviemento in berlin-kreuzberg vor 20 jahren besuchen konnte, der konnte auch bei ganz leisen phasen des film den projektor rattern hören. ob das jetzt so ist weiss ich nicht, seit langem gehe ich fast ausschliesslich ins cinema paris oder ins arsenal, eher selten delphi, astor und neuerdings wieder zoo-palast. liegt mir "näher" ;-)

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  • 2 weeks later...

Ich habe da keine festen Regeln ...

 

Ich mache meistens was mir gefällt und das wechselt ;-)

Darüber zu diskutieren was stimmig oder richtig ist und was nicht,

halte "ich" für überflüssig, es sei denn ich will andere beeindrucken ...

Das ist alles dermaßen subjektiv und von persönlichen Stimmungen sowie

Vorlieben abhängig - die ja schon hier im sehr kleinen Kreis zu sehen sind !

 

 

 

 

Ich denke wirklich, hier gibt es keine Regel. Wer unter seine Videofilme ein Rattern legen möchte, macht das. Wer einen Film für Publikum machen möchte, mit Ton, wird natürlich auf jegliche Störgeräusche verzichten, und eine Vorführkabine benutzen.

 

Bei mir daheim gibt es keine Vorführkabine. Anschauen von Tonfilmkopien ist nicht optimal möglich, Nach 240 Metern haben wir da meinestens keine Lust mehr.

 

Eigenfilme vertragen schon mal 5 Minuten lang den Ton und das Rattern. Wenn ich könnte, würde ich das Rattern aber vermeiden.

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