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Rettet das Kino


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Kinosterben – Zuschauerschwund – Videothekensterben – Raubkopien im Internet etc., etc. : ich kann das Gejammer nicht mehr hören ! Viel „Ohweh“ & „Auweja“, alle schreien „Pfui“ & „Haltet den Dieb“ – aber jeder sagt : was kann ich schon dagegen tun ? Gegen „die“ hat man sowieso keine Chance !

 

Wer konkret sind „die“ ? Ich stelle mal die Behauptung auf : die Feinde des Kino´s sind nicht die illegalen Internet-Film-Gucker etc. Die Feinde des Kino´s sind wir alle, die Film-Produzenten (Siehe neu in Amerika, wo einige Majors das Video-Sperrfenster auf 6 Wochen runtersetzen), Filmverleiher, Fachverbände, die Kino´s selbst, die Kinobesucher und das Fernsehen. Der ganze Schlamassel ist doch hausgemacht !

 

Da hatte ich neulich einen Traum :

 

Einleitung : die 7. Kunst als Kulturgut findet weder in der Erziehung noch im Alltag statt. Film wird allenfalls elitär an Festivals und in subventionierten Arthouse-Tempeln wahrgenommen. Der Film als eine Kunstform der Freude, der Ablenkung oder Entspannung wird heute als reine Handelsware vermittelt : ein Film kostet in der Herstellung 200 Mio. Dollar – wow ! Der Film hat über 1 Milliarde eingespielt – wow ! Und : der Film hat an der Kasse versagt - Scheissfilm ! Wie soll unter diesen Umständen Deutschland zum Film finden ? Machen wir uns also ketzerisch mit einer Bestandsaufnahme auf die Suche nach den möglichen Ursachen der „Kino-Krise“ :

 

- Deutschland gehört weltweit zu den schlechtesten Kinoländern dieser Welt. Wir gehen durchschnittlich 1,4 Mal/Jahr ins Kino – der Neuseeländer zum Beispiel geht über 7 Mal ! Gut, wie soll der Michel auch mehr gehen können – ihm fehlt´s an der Kohle. In einem Land, dessen Regierung (ob links oder rechts) seine Rentner, Billiglöhner und sozial Schwachen im Namen der Globalisierung verhungern lässt, darf man wohl nicht mehr erwarten. Trotzdem :

 

- Wann hast Du zum letzten Mal in den Medien etwas Positives über das Kino erfahren ? Ist schon lange her, oder ? Meistens hauen sie Dir Schlagzeilen wie „Kinosterben“, „Raubkopierer“, „Kino zu teuer“, „Dramatische Zuschauer-Rückgänge im Kino“ um die Ohren. Es findet keine Gegenrede der Fachverbände statt. Fordern wir von den Fachverbänden einheitliche Antworten, gemeinsames Marketing, abgestimmte Presseerklärungen. Verlangen wir den grossen Wurf, eine Stimme, die gehört wird. Überweisen wir notfalls unsere Beiträge so lange auf ein Sperrkonto, bis unsere Verbände endlich etwas sinnvolles unternehmen.

 

- Kino´s mit perfektem Seh-Vergnügen (Bild, Ton, Komfort) sind Raritäten. Dafür findest Du lausige Qualität zu Spitzenpreisen an jeder Ecke ! Freundliches & kompetentes Personal, angenehmes Klima, digitale Projektion oder bei 35-mm Bildstrich OK, Film scharf, Bild nicht zerkratzt, Lautstärke i.O., Werbung und Vorprogramm moderat : vergiss es ! Fast jeder wurstelt unkontrolliert vor sich hin.

Es finden keine Fach-Kontrollen statt, niemand siebt die schwarzen Schafe aus. Keine einheitlichen Fachausweise für Kinobetreiber, keine Gütesiegel für gut geführte Kino´s (ich rede nicht von den ungezählten Programm-Preisen).

Fordern wir deutschlandweit wie bei Speiselokalen oder Hotel´s ein verbindliches Qualitäts-Siegel. Regelmässige Kontrollen durch Fachleute, Support und Förderung für finanziell schwache Kandidaten und Abmahnungen an Säumige. Verbands-Auschluss und Kinoschliessung müssen möglich sein. Fordern wir von den Verleihern, dass lausige Mono-Kaschemmen keine Startkopien mehr kriegen (nur weil sie mit dem Disponenten befreundet sind) und stellt Abtrünnige (Kino´s wie Verleiher) an den Pranger. Fordern wir nach dem „Guide Michelin“ den „Guide Cinema“ ! Überweist Eure Beiträge auf ein Sperrkonto, bis ihr mit Euren Verbänden zufrieden seid.

Wie wär`s mit einer TV-Sendung „Die Kinoprofis“ o.ä., wo ausgewiesene Fachleute unbedarften Vertretern unserer Zunft aus der Klemme helfen. Oder wie wär`s mit einem „Kino-TV“, das ausschliesslich in den Kino`s und Videotheken zu empfangen ist ? Oder einer Bundesweiten Kino-Zeitung mit regionalen Programm- und Redaktions-Ablegern, die jeden Donnerstag in den Briefkästen landet ?

 

- Erzieht endlich den Kinogänger : verbannt die telefonierenden, randalierenden, plappernden, fressenden, saufenden, kichernden, Fressalien schmeissenden und ständig hin- und herlaufender Idioten aus dem Kino. Kino ist Theater und kein Flohmarkt, verdammich...

Fordern wir die Kinobesitzer zum Handeln auf : Lasst keine Besoffenen rein, führt den minimalen Dress-Code ein. Macht für schwache Blasen, starke Raucher und Hungrige wie Durstige in Filmen mit mehr als 2 Stunden Laufzeit endlich eine (ausgewählte) Pause. Verriegelt für alle, die vor oder nach der Pause das Kino verlassen, die Tür und erschwert den Wieder-Eintritt durch ein geschultes und strenges Personal (natürlich nicht in Kinderprogrammen, wir wollen`s nicht übertreiben). Erzieht Eure Kundschaft mit Hausregeln, Hausverboten und allenfalls mit Anzeigen wegen Randale oder Sachbeschädigung etc. Boykottiert mit Ansage und Protest Euer Kino, bis der Betreiber Besserung und Abhilfe gelobt. Blockiert allenfalls diesen Tempel der Schande. Oder greift ihm unter die Arme, wenn er sich offensichtlich nicht zu helfen weiss.

 

- Es werden viel zu viele Filme auf den Markt geworfen. Das mag für einen betuchten Grosstädter Filmfreund toll sein, jede Woche bis zu 10 Filme zur Auswahl zu haben. Wohn aber in der Provinz, da gibt´s allenfalls Kinobunker der übleren Sorte, die zeigen jeden Blockbuster in x Sälen gleichzeitig. Perlen, die ungeteilte Aufmerksamkeit verdienen, kannst Du lange suchen.

Fordern wir von den Verleihern flächendeckende Bundesstarts für jeden Film. Legt Monate vorher Bestelllisten auf, verlangt entsprechend genügend digitale Kopien und lasst jedes Kino an Eure Filme ran. Im beginnenden digitalen Zeitalter sollte das wohl kein Problem sein.

Folgt dem Beispiel eines Dr. Uwe Boll und verbannt diese subventionierten Selbstbefriedigungs-Experimente aus unsern Kino`s, die keine Sau sehen will, aber wertvolle Leinwand-Kapazitäten für Sinnvolles blockieren.

 

- Wir fordern folgendes einheitliches Vorgehen : Tag X = Kinostart – 4 Monate später Verleih-Start für DVD´s – 4 Monate später gemeinsamer Start für Pay-TV, VoD und Verkaufs-DVD in autorisierten Verkaufstellen (Kino´s, Videotheken, Theater, Bibliotheken, Buchhandlungen etc., aber sicher nicht bei Schlecker) – 4 Monate später Free-TV (siehe unten !) – 4 Monate später offener Verkauf. Fordern wir ein Verbot für Filmproduzenten und Verleiher, eigene Kino´s, Videotheken und VoD-Plattformen zu betreiben. Ruft Tag und Nacht Eure MdB´s an und bekniet sie ohne Ende, mehr für den Schutz der Filme und des Kino´s zu unternehmen. Startet Volksbegehren, wenn´s Euch gefällt, sammelt Unterschriften für´s Kino und für den Film. Schickt diese Unterschriften tonnenweise ins Kanzerlamt oder schmeisst die Bögen im Bundestag von der Tribüne ! Egal was, tut irgendwas !

 

- Verbietet dem privaten Free-TV das Senden von Spielfilmen zu den jetzigen Bedingungen : fordert die Stationen auf, Filme nur noch im Original-Format ungekürzt ohne Werbeeinblendungen am Rand mit nur einer Werbepause an ausgewählter Stelle sowie dem gesamten Abspann zu zeigen. Setzt allenfalls die Werbekunden massiv unter Druck und droht mit Boykott ihrer Produkte, wenn sie weiterhin die Spielfilme mit Ihrer Werbung unterbrechen. Auch hier, ruft Tag und Nacht Eure MdB´s an und bekniet sie ohne Ende, die fehlbaren Sender zu schliessen.

 

- Macht den Produzenten und Verleihern klar, dass sie eigentlich aus Eigennutz ihre Filme sorgfältig pflegen müssen und dass wir Kino´s und Videotheken Partner und nicht Feinde sind. Nur gemeinsam können wir über Jahre ordentlich Geld verdienen. Fordert sie mit der Androhung von Boykott ihrer Filme oder Kürzung der Verleihabgaben auf, im Internet rigoros gegen Raubkopierer vorzugehen. Dass im Internet eine resolute Verfolgung illegaler Aktivitäten möglich ist, ist kein Geheimnis.

 

- Was tun, wenn Kinofilme zu früh im Internet als Streaming oder Download auftauchen ? Die Kinobesitzer zum Beispiel können den Verleiher unter Druck setzen und den Film nur zu reduzierten Konditionen (z.Bsp. 30 % Verleihanteil statt den üblichen Konditionen) ins Programm aufnehmen. Sagt der Verleih „Nein“, dann wird dieser Film aus dem Programm genommen. Videotheken und DVD-Verkäufer haben die gleichen Möglichkeiten. Die Verbände überwachen die Solidarität und schreiten bei Bedarf mit Strafmassnahmen (bis zum Verbands-Ausschluss) gegen Fehlbare ein. Nochmal : ruft Tag und Nacht Eure MdB´s an und bekniet sie ohne Ende, mehr für den Schutz der Filme und des Kino´s zu unternehmen. Überweist Eure Beiträge auf ein Sperrkonto, bis ihr mit Euren Verbänden zufrieden seid. Boykottiert z.Bsp. Filme mit Gerd Bastian, der sich erblödete, in einem dämlichen Anti-Videotheken-Spot für VoD`s zu lobbyieren.

 

Fordern wir die Verbände, die Kino´s, die Videotheken und die Videohändler zur Solidarität auf. Schützt endlich des Menschen liebstes Hobby : der gute Film im guten Kino ! Und wir alle profitieren davon wie wir bisher profitiert haben : seit 1896 bis sagen wir bis vorerst 2096, dann feiern wir gemeinsam 200 Jahre Kino ! Und wenn wir Glück haben, machen Cinemaxx, Cinestar, Cineplex, UCI und Kinopolis etc. auch mit. Das wär doch was...

 

Aber leider ist es vermutlich nur ein Traum…

 

Euer Rabust (Träumer und Idealist von Berufs wegen)

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@Stefan2

Na, Na, Na nicht gleich die dicke Keule rausholen...

 

@Rabust

Deine Gedanken sind, jeder für sich genommen, nicht verkehrt. In der Quintessenz aber überzogen.

Ich möchte zunächst einmal anmerken, dass es m.M.n DAS Kino schon lange nicht mehr gibt. Die glorreichen Zeiten der "Lichtspieltheater" endeten spätestens mit dem Eindringen des TV in die private Lebensgestaltung und das geschah bereits Ende der 60er Jahre. Seit Mitte der 70er ist zudem eine zunehmende Individualisierung in den westlichen Gesellschaften zu beobachten, die sich wiederum in der Art und Weise der Freizeitgestaltung niederschlägt. Dazu kommt ein steigendes Angebot an Freizeitangeboten ( nicht nur Video und TV).

Ein weiterer Faktor, der den vermeindlichen Niedergang des Kinos beschleunigte ist allerdings hausgemacht. Die Spirale steigender Produktionskosten, damit einhergender Preissteigerungen der Eintrittskarten ( nicht zuletzt durch die immer astronomischeren Gagenforderungen sog. Stars), sinkender Besucherzahlen und dem untauglichen Versuch, Klasse durch Masse zu ersetzen verprellte auch noch die die letzten Kinofans ( ein Bekannter sagte mir Mitte der 80er mal den Satz " Schlechte Filme kann ich Zuhause billiger sehen).

 

Somit muss ich festhalten, dass das Kino bereits seit mindestens 25 Jahren "Tot" ist.

 

Es kann sich also im besten Falle um eine Wiederbelebung oder beser gesagt um eine Wiedergeburt des Kinos handeln. Und das ist seit Frankenstein niemand mehr gelungen.

 

Was bleibt also übrig? Richtig, Kino 2.0!

Die ersten Ansätze sind bereits zu sehen. Weg von den nicht ausgelasteten Riesensälen, hin zur Wohnzimmeratmosphäre.

Ich maße mir nicht an, zu prognostizieren ob dieses Konzept erfolgreich sein wird, aber es zumindest ein Anfang. Ob sich diese Konzeption schlußendlich als erfolgreich erweist oder ebenso endete wie die Schuhschachtelkinos des Herrn. R. und dann dem klassischen Filmbetrieb endgültig den Gar aus macht oder Kinos das Schicksal von Museen und Theatern teilen ( exotische Stätten der Kultur, die nur wiederwillig aufgesucht werden, weil man das halt mal so macht) ist derzeit nicht absehbar.

Eines jedoch ist sicher, Kino ist immmer auch Geschäft und Kommerz und wenn kein Geld mehr in die Kasen fließt dann geht das Geschäft pleite. Und das Selbstverständniss der Industrie weg vom kommerziellen Gedanken hin zum Selbstverständniss als Kulturgut zu drehen, ist schlechterdings unmöglich. Hier jetzt mit staatlichen Sanktionen oder Subventionen ( die es ja in einigen Bereichen schon reichlich, wenn auch nicht immer ersichtlich sinnvoll eingesetzt, gibt) halte ich für sinnlos, ja sogar kontraproduktiv.

 

Stell dir mal vor, wie man es Otto Normalbürger vermitteln soll, dass "seine Steuergelder" für Kinos ausgegeben werden, die er ja sowieso nicht besucht. Ich war vor Kurzem bei einer Sitzung des Haushaltsausschusses meines Wohnortes anwesend bei der es u.a. auch um den Zuschuss für die Theater ging. Der Tenor der Wortmeldungen der anwesenden Bürger: Sollen die doch zusehen wo sie die Kohle herkriegen, wir brauchen das Geld für andere Dinge.... und dabei ging es um einen relativ geringen Betrag für ein alteingesessenes und renomiertes Schauspielhaus..... den Aufschrei möchte ich nicht hören wenn Kinos direkte Subventionen erhalten sollten.

 

Ich setze hier eher auf die Selbstheilungs- und Selbsterhaltungskräfte der Branche. Wir werden in den kommenden Jahren, so glaube ich, eine grundlegende Veränderung erleben. Bedauerlicherweise werden diese Evolution nicht alle Überleben, vorallem jene die sich der Entwicklung zugunsten nostalgischer Gefühle verschließen.

Nicht falsch verstehen, ich ziehe den Hut und gehe vor jedem auf die Knie der heute noch sein Einzelkino in der sauerländischen Provinz ( gibt´s da überhaupt noch welche?) am Leben erhält, aber man muss auch erkennen das sich vieles verändert hat und auch noch verändern wird. Idealismus ist eine grundsätzliche lobenswerte Eigenschaft, die sich aber sehr schnell in Fanatismus und somit eingeengtes Denken verkehren kann.

 

Zum Schluß noch eine Bemerkung zum Thema: Kino als Kulturgut

Alles gut und schön, aber Kunst/Kultur ist immer auch einem dynamischen Prozess der Veränderung unterworfen. Das Kino hat hier den großen Vorteil, sich dieser Dynamik wesentlich besser und schneller anpassen zu können, eben weil es unreguliert ist ( im Gegensatz zu Theatern, die seit den Zeiten der alten Griechen immer mehr oder weniger in staatlicher Obhut waren).

Sicherlich hat der ilm einige äußerst beachtenswerte Werke hervorgebracht, aber in erster Linie ist es ein Medium der Kurzweil und der Unterhaltung und wie "das Volk" unterhalten werden will ist so ziemlich das Unvorhersehbarste und Unplanbarste das es gibt.

 

Ich würde mich deinem Aufruf unter folgender Überschrift anschließen :

 

Erfindet das Kino neu und hört auf euer Publikum

 

 

Gruß

Ingo

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Macht ... in Filmen mit mehr als 2 Stunden Laufzeit endlich eine (ausgewählte) Pause.

Alles andere bloß DAS nicht!!! Ich erinnere mich noch gut an eine Vorstellung in der Schweiz, als mitten im Film Werbung gezeigt und eine Pause mit Verkauf von Fresssachen anberaumt wurde. Grauenhaft! Der ganze Zauber des Films war dahin. Mit Sicherheit würde ich ein solches Kino nicht noch einmal besuchen. Wenn eine Pause sinnvoll ist, soll allein der Regisseur darüber befinden!

 

Mit einigen anderen deiner Punkte bin ich einverstanden. Genauso, wie ich mit der Forderung "Endlich weniger Arbeit und mehr Geld" einverstanden bin...

 

Vieles davon gab es schon mal.- Im III. Reich.

Ich verbitte mir diese Diffamierung, Du Heini...

Hallo Rabust, stefan2 wollte dich ganz sicher nicht in die Nähe nationalsozialistischer Gesinnung rücken. Sachlich hat er freilich recht. Viele deiner Forderungen könnten nur unter autokratischen Regimes umgesetzt werden.

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Hallo Rabust, stefan2 wollte dich ganz sicher nicht in die Nähe nationalsozialistischer Gesinnung rücken. Sachlich hat er freilich recht. Viele deiner Forderungen könnten nur unter autokratischen Regimes umgesetzt werden.

 

Nein, in die Nähe des totalitären wollte ich die Forderungen beileibe nicht schicken, sie entsprechen im Großteil meinen persönlichen Vorstellungen und Wünschen.

 

Nur da gab es tatsächlich einmal so etwas wie die Reichsfilmkammer, die mit Macht ausgestattet war, und tatsächlich eine Art Wiedergabe TÜV durchführte. Und da gab es aus nachvollziehbaren Begründungen die beschränkte Zahl an Neustarts, die einem Film die Chance zum Dauerläufer gaben. Und Gremien, "Freiwillige Selbstkontrolle" zeigt das heute noch im Namen, mit "Schere im Kopf" zu übersetzen, die tatsächlich nur ausgesuchte In- und Ausländische Filme ins Kino zuließen, Subventionierte "Selbstbefriedigung" hätte keine Chance gehabt.

 

Und halt die gezielte Vorgabe wo und wieviele Theater zu bauen waren, findet sich in den Bauordnungsvorgaben des Ministeriums Speer. Wer einmal Architekturzeitungen der 1930er ansieht, und dort die Beispiele "modernen Filmtheaterbaues", der übrigens nur beschränkt vorkam, sieht, ist irgendwie fasziniert von der Funktionalität und Gesamtästhetik dieser Bauten.

K+rzlich fand ich Aufnahmen des Kölner "UFA Palastes" aus 1938, war schon wahnsinnig, welche Formensprache die Tag und Nachtarchitektur gesprochen hatte, und die Wertigkeit, die das ganze ausstrahlte.

Durch den verheerenden Krieg war dann in den 1950ern nicht mehr der Aufwand finanzierbar, der bis 1939 getrieben werden konnte. Dennoch versuchte auch die Nachkriegs Kinoarchitektur strikt den Vorgaben der Speer Baulehren entsprechend immer noch Individualität mit Funktionalität zu verbinden, aufbauend auf den vorgegebenen Standardentwürfen. Alle Fth hatten seit den 30ern mehr oder weniger ca 13,5 m Saalbreite, ca 8m Deckenhöhe und ca 21 m Raumlänge, bei 4m Bildhöhe (11 m CS Bildbreite, ca 6m Normalbild). Achte mal gezielt auf diese Maße in Neubauten der 50er...

 

Auch in der DDR wurde das System noch viele Jahre beibehalten, auch die Überprüfung der Wiedergabegüte.

 

Klingt jetzt wie eine Werbeveranstaltung, soll es aber nicht sein.

Wie auch bei Vorgaben zur Sicherheit in Gebäuden bewirken architektonische und künstlerische Vorgaben immer Mindeststandards, die eingehalten werden, zum Schutze und Nutzen aller.

In einem rein auf kapitalistischen System geht es hingegen nur darum, wie wenig geboten werden muß, um nicht aufzufallen, bzw Kunden zu verprellen. Hauptziel ist, den Shareholder Value zu maximieren.

Versuche einer Art "Kino Überwachungsverein" wie Golden Cinema (von der Zeitung ausgehend) oder Kodak Screen Check und der Substandard THX, alle diese Programme waren freiwillig und wurden nie konsequent akzeptiert. Es ist wie mit Brötchen. Wenn Stiftung Warentest die Knusperbrötchen zum Aufbacken mit "Gut" bewertet steht es drauf, auf der Packung. Sind hingegen Hxxxxs "Meisterkrüstchen" mit mangelhaft bewertet ziert halt der aus 2007 stammende "Bronzene DLG Preis" die Packung.

Und nur wenige Betreiber würden einen mangelhaften "Projection System Analize Report" aushängen, wenn das keine Pflicht ist.

 

Vieles geht halt nur durch Lenkung, und nicht durch Marktkräfte.

 

 

Stefan

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"Kino´s mit perfektem Seh-Vergnügen (Bild, Ton, Komfort) sind Raritäten. Dafür findest Du lausige Qualität zu Spitzenpreisen an jeder Ecke ! Freundliches & kompetentes Personal, angenehmes Klima, digitale Projektion oder bei 35-mm Bildstrich OK, Film scharf, Bild nicht zerkratzt, Lautstärke i.O., Werbung und Vorprogramm moderat : vergiss es ! Fast jeder wurstelt unkontrolliert vor sich hin.

Es finden keine Fach-Kontrollen statt, niemand siebt die schwarzen Schafe aus. Keine einheitlichen Fachausweise für Kinobetreiber, keine Gütesiegel für gut geführte Kino´s (ich rede nicht von den ungezählten Programm-Preisen).

Fordern wir deutschlandweit wie bei Speiselokalen oder Hotel´s ein verbindliches Qualitäts-Siegel. Regelmässige Kontrollen durch Fachleute, Support und Förderung für finanziell schwache Kandidaten und Abmahnungen an Säumige. Verbands-Auschluss und Kinoschliessung müssen möglich sein. Fordern wir von den Verleihern, dass lausige Mono-Kaschemmen keine Startkopien mehr kriegen (nur weil sie mit dem Disponenten befreundet sind) und stellt Abtrünnige (Kino´s wie Verleiher) an den Pranger. Fordern wir nach dem „Guide Michelin“ den „Guide Cinema“ !"

 

 

Was willst Du eigentlich gibt´s doch schon lange, nennt sich THX Zertifikat. Aber solange das von den 20.1geschädigten nur als Tonformat definiert wird, wird sich wohl nichts groß ändern.War ein guter Ansatz,wurde aber leider von den Kinobetreibern nicht unterstützt. war ja mit Kosten verbunden. Heute reicht´s ja oft nicht mal für einen Vorhang vor der Leinwand.....

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Durch den verheerenden Krieg war dann in den 1950ern nicht mehr der Aufwand finanzierbar, der bis 1939 getrieben werden konnte. Dennoch versuchte auch die Nachkriegs Kinoarchitektur strikt den Vorgaben der Speer Baulehren entsprechend immer noch Individualität mit Funktionalität zu verbinden, aufbauend auf den vorgegebenen Standardentwürfen. Alle Fth hatten seit den 30ern mehr oder weniger ca 13,5 m Saalbreite, ca 8m Deckenhöhe und ca 21 m Raumlänge, bei 4m Bildhöhe (11 m CS Bildbreite, ca 6m Normalbild). Achte mal gezielt auf diese Maße in Neubauten der 50er...

 

Passt bei uns genau, allerdings hat man die 13m Saalbreite nur zu knapp 10m mit der CS Leindwand ausgenutzt. Mehr wäre auch unschön geworden, 1m links und rechts reicht nicht mehr für den Vorhang.

 

 

- Carsten

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Hallo Ingo

 

Richtig, indem ich das Radikale andenke, wirkt das Anliegen an sich überzogen. Keine Angst, auch Du, Stefan, ich bin kein militanter Nostalgiker, wenn auch mein Jahrgang (54) das durchaus vermuten lässt. Mich nervt das Gejammer und mich nervt, dass ich als Kleinkino-Betreiber trotz Engagement, Liebe zum Beruf, finanzieller Aufwand etc. mit jeder Neuerung in der Branche ein wenig mehr aus dem Markt gedrängt werde und sich meine BerufskollegInnen in kollektivem Selbstmitleid ins Jammertal verdrücken, wo lautstarkes, solidarisches Kriegsgeschrei angebracht wäre. Es geht um nichts Geringeres als Arbeitsplätze, grosses Kino und um Existenzen.

 

Jeder soll das Kino betreiben dürfen, das er es für sich und sein Publikum für angemessen hält. Es gibt unzählige Beispiele kreativer Idealisten mit kaufmännischem Denken, die letztendlich nicht am Eindringen des TV, an der Individualisierung oder am reichhaltigen Freizeitangebot scheitern. Jeder für sich hat da – sicher auch Du – seine ureigene und erprobte Antwort. Das Problem ist, man lässt uns nicht !

 

Als KMU kommst du doch immer weniger an Startkopien ran, und wenn, dann diktieren sie Dir mittlerweile schon das Beiprogramm, jeder kennt Spielzeiten-Repression, Kinderfilme müssen in Spätvorstellungen gespielt werden, Konkurrenzverbot für ähnliche Filme anderer Verleiher etc., etc.. Geile Events wie Konzert-Übertragungen oder Vorpremieren vor Bundesstart spielen die Grossen, als 2-4-Saal-Kino stehst Du Aussen vor. Und Deine eigene Events werden Dir untersagt (Midnight-Vorpremieren am Mittwoch, Filmnächte bei Sequels etc, nicht mal die Sneak darfst Du selber auswählen).

 

Das hat nichts mit Nostalgie zu tun oder mit der Neu-Erfindung des Kinos. Es findet eine Verdrängung statt und es trifft nicht nur die Investitionsfaulen Nieten. Das Kino war nie tot, es wird nur dauernd für tot erklärt, und nirgends finde ich energische Gegen-Reden. Der Punkt ist : jeder, der ein gepflegtes Haus führt (Technik, Komfort), muss unterstützt werden. Wird er aber nicht.

 

Kino 2.0, ich weiss nicht, was Du damit meinst, aber wenn das bedeutet, dass jeder User für ein paar Cent alles frei Haus geliefert bekommt, während Kino`s und Videotheken Unsummen an Abgaben leisten müssen, dann hat das Kino, wie wir es kennen, wahrlich ausgedient.

 

Und da setze ich meinen radikalen Hebel an, indem ich solidarisch Gegenruder einfordere. Nur so kann ich Deinen Bekannten, der „Schlechte Filme lieber zuhause anguckt“ dazu bewegen, nein, zwingen, ins Kino zu gehen. Denn wenn er Monate auf seinen Lieblingsfilm warten muss, riskiert er vielleicht den Gang ins Kino – und wenn er dort in perfekter Atmosphäre ein Highlight erlebt, bleibt er uns erhalten.

 

Im Moment werden ganze Berufsgruppen und traditionelle Familien-Unternehmen im Namen der Profit-Maximierung vernichtet (Klein-Kinos, Videotheken). Und warum ? Weil Heuschrecken und Sumo-Ringer ihre Studios auf Teufel komm raus auf Profit trimmen. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen.

 

Kino`s in Amerika machen`s uns vor, sie bestrafen jene Studios, die ihre Filme bereits 6 Wochen nach Bundesstart im VoD verramschen wollen, mit einem Trailer-Boykott. Sind wir ansatzweise zu einer ähnlichen solidarischen Reaktion fähig in Deutschland ? Meine Erfahrung sagt nein : also setze ich auf die Politik, auf Repression und auf unsere Kreativität.

 

Wir haben 80 Mio. potentielle Kinobesucher auf unsrer Seite, wenn`s wir richtig anstellen. Ich möchte mal den Erbsenzähler sehen, der gegen diesen Strom anschwimmt.

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Sorry für das harte Wort, aber das ist Sozialutopismus.

 

Der Kapitalismus ist in seinen Grundlagen auf eine Monpolisierung ausgelegt ( Kapitalmonopol). Die Entwicklung, die ja nicht nur in "unserem" Sektor zu beobachten ist, wäre somit nur durch einen Systemwechsel zu verhindern. Da es aber keine Alternative zum Kapitalismus gibt ( eigentlich nie gegeben hat, denn auch Sozialismus/Kommunismus gingen bei genauer Betrachtung durch Anhäufungen und Konzentration von Macht/Kapital zugrunde) stehen die Chancen auf eine Veränderung bei ungefähr 0.00000000....

 

Und in noch einem Punkt muss ich dir wiedersprechen, grade Amerikas Kinolandschaft ist von dieser Konzentrationsbewegung am stärksten betroffen, besser gesagt von dort kommt sie. In den Bundesstaaten des mittleren Westens ist dies besonderes stark zu beobachten. Dort sind über 90% der Leinwände in Mega/Multiplexketten installiert. Die Zahl der Spielstätten ( nicht Leinwände) hat in den vergangene 10 Jahren um mehr als 60% abgenommen, dies in Beziehung zu der ohnehin ausgedünnten und uniformierten Kinolandschaft der USA gesetzt bedeutet, dass es nur noch eine handvoll von Einzelbetreibern gibt. somit ist es ziemlich irrelevant ( in den Augen der Majors) ob ein paar kleine Betreiber nun die Trailer einsetzen oder nicht. Es gibt genügend andere FastFood-Ketten. Dazu kommt, dass die mediale Infrastruktur in den USA grundlegend anders ist, als in Europa/Deutschland. Die Verquickung zw. Produktion und Distribution ist dort viel enger ( siehe FOX), Die Produktionsfirmen haben schon vor 20 und mehr Jahren begonnen die "unzuverlässigen" Vertriebswege ( Kino) durch reichweitenstärkere und lukrativere zu ersetzen. Studios denen dies nicht gelang sind inzw. entweder aufgekauft oder pleite.

 

Das sich die Entwicklung umkehrt ist m.M.n ,so bedauerlich das sein mag, für ausgeschlossen. Das von dir propagierte Kino alten Stils wird innerhalb der nächsten 10 Jahre ( großzügige Schätzung) der Vergangenheit angehören Genauso wie de Mega/Multiplexe. Letztere haben inzw. auch ihren Zenit überschritten ( was die erst kürlich erfolgten Schließungen zeigen).

Aber! ich glaube nicht das Kino ( im Sinne von öffentlichen Vorführungen gegen Entgeld) tot ist.

Die Erscheinungsform wird ( und muß) sich verändern bzw. den veränderten Bedingungen anpassen. Ich sehe hier eine Entwicklung hin zum exklusiven, mehr privatem Rahmen. Das dies keine Utopie ist, zeigt sich z.B in Dubai oder ( nicht lachen) Bangkok. Dort befinden sich zwei Multiplexe die über 20 bzw 25 Leinwände aber nur über insgesamt knapp 1000 Plätze verfügen. Der Trick liegt in den Lounges.Kleine Säle mit max 30 Plätzen aber trotzdem üppigem ( im Verhältnis) Raumangebot erstklassiger Technik und einem nahezu privaten Service. Diese Säle werden häufig für private Vorstellungen benutzt, bei denen der Gast sogar (im Rahmen des machbaren) das Programm bestimmt. Alles in allem eine Symbiose aus heimischem Wohnzimmer, Kino und dem gewissen Extra ( Das Bier bringt der "Butler"..... ok nicht in Dubai..da gibt´s alkoholfreien Dattelchampagner).

Und die Auslastung ( und die damit verbundenen Umsätze) sind traumhaft. Die private Vorstellungstermine sind auf Monate ausgebucht.

 

Wer jetzt sagt " Das hat aber nichts mehr mit Kino zu tun", nein das hat es nicht. Nicht mit Kino im herkömlichen Sinne, denn das ist, wie schon gesagt, in meinen Augen wirklich tot bzw. liegt im Sterben.

Die beschrieben Alternativen ( bitte keine Diskussion ob gut oder schlecht) sind das, was ich mit Kino 2.0 bezeichnet habe. Die jetzt in Deutschland und anderswo aufkommenden Event- oder Luxuskinos sind ein erster Schritt in diese Richtung.

 

Neu ist das Ganze übrigens nicht, sog. Servicekinos ( nein nicht die mit der roten Dauerbeleuchtung) gab es schon vor 30 Jahren. Damals konnte sich das Konzept aber aus versch. Gründen nicht durchsetzen und ging im allgemeinen Strudel des Kinosterbens unter.

 

 

Gruß

Ingo

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Ist das hier ein Kinoforum oder ein Gemeinschaftskundeforum (mit Schwerpunkt Politik). Ist ja schon interessant, was manche für Gedankengänge haben.

 

Kino gehört zu unserer Kultur - aber es ist eben nur ein Teil unserer Kultur. Einzig das TV dafür verantwortlich zu machen, erscheint mir etwas einfach. Wer sich mal alte Programmhefte ansieht, wird feststellen, dass es zur "Prime-Time" am Samstagabend nicht nur Peter Frankenfeld und Co. gab - sondern manches mal auch richtig gepflegte Langeweile. Heute haben wir Freizeitparks oder 100-Euro-Musicals, viele Angebote - und das Kino ist eben nur eins davon.

 

Was auch stimmt, ist die teilweise miese Vorführung - aber das laste ich nicht dem Vorführer an. Wenn in einem Plexx nur ein Vorführer für x-Säle zuständig ist, kann das auf Dauer nicht gutgehen. und wenn dieser Vorführer noch ein schlecht ausgebildeter Hiwi ist, ist alles zu spät. Es kann doch nicht sein, dass ich als Besucher aus dem Saal zur Kasse gehen muss, um zu sagen, dass der Bildstrich zu sehen ist (geschehen in einem Bremer Kino).

 

Kino bekommt eine große Konkurrenz: Beamer mit guter Bildqualität sind heute schon für jeden erschwinglich. Deshalb muss Kino etwas besonderes sein...einfach nur Filme abzuspulen, ist doch zu einfach. Events müssen sein, und das kann das kleine Ein-Saal-Dorfkino genauso machen wie das große Plexx. In Bremerhaven hat das hiesige Plexx in Zusammenarbeit mit dem Kommmunalen Kino einen Stummfilm mit live Klaviermusik gezeigt...es war ein voller Erfolg! Nur jammern allein reicht nicht, die Konkurrenz schläft nicht.

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Und halt die gezielte Vorgabe wo und wieviele Theater zu bauen waren, findet sich in den Bauordnungsvorgaben des Ministeriums Speer. Wer einmal Architekturzeitungen der 1930er ansieht, und dort die Beispiele "modernen Filmtheaterbaues", der übrigens nur beschränkt vorkam, sieht, ist irgendwie fasziniert von der Funktionalität und Gesamtästhetik dieser Bauten.

K+rzlich fand ich Aufnahmen des Kölner "UFA Palastes" aus 1938, war schon wahnsinnig, welche Formensprache die Tag und Nachtarchitektur gesprochen hatte, und die Wertigkeit, die das ganze ausstrahlte.

Da bist du m.E. auf dem falschen Pfad unterwegs. Der UFA Palast wurde nach meinen spärlichen Informationen 1931 von Riphahn gebaut und ist damit frei vom Verdacht Nazi-Architektur zu sein. Riphahn steht in der Tradition der Moderne und Bauhausarchitektur. Ich habe leider noch kein Foto von dem Vorkriegs-UFA Palast gesehen. Wenn es da was frei zum Anschauen gibt, wäre ich sehr daran interessiert.

 

Unabhängig davon, wenn wir hier schon bei baulichen Bedingungen sind: die baulichen Standards sind doch bereits mit den Multiplexen neu definiert worden. Leinwand als vierte Wand des Saales etc. Nur sind viele Plexe mittlerweile 20 Jahre alt und sehen auch so aus, und die theoretisch guten Projektionsbedingungen sind in einem kommerziellen Umfeld eingebettet, dem sich viele verweigern.

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Ich verbitte mir diese Diffamierung, Du Heini...

Na ja, ganz Unrecht hat Stefan nicht. Das was du schreibst klingt teilweise ziemlich diktatorisch. Erziehen der Zuschauer: Hatten wir das nicht gerade erst hier im Forum??? Und der Erfolg ist, das Kino ist dicht... Weil kaum Zuschauer... Falls du es nicht weißt, der Zuschauer ist dein Kunde. Und der sollte eigentlich König sein. Zumal ihr an Popcorn & Co gut verdient. Was du da forderst klingt nach fünfziger Jahre voriges Jahrhundert... Oder doch noch früher...

<Es werden zu viele Filme auf den Markt geworfen.> Ich finde es gut eine Auswahl zu haben. Den glücklicherweise hat nicht jeder den gleichen Geschmack. Ok, ich wohne in einer Großstadt...

Verbiete doch am besten gleich DVDs und die Ausstrahlung im Free-TV.

 

<Schützt endlich des Menschen liebstes Hobby : der gute Film im guten Kino !> Kino ist für mich nur eines meiner Hobbys!!! Ich könnte nicht sagen das es mein liebstes Hobby ist.

 

PS: Bin glaube im Beitragsbaum verrutscht.

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Unabhängig davon, wenn wir hier schon bei baulichen Bedingungen sind: die baulichen Standards sind doch bereits mit den Multiplexen neu definiert worden.
Da wurde häufig nichts definiert, sondern einfach, ohne Rücksicht auf die einfachsten Standards, drauflos gebaut.
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Die baulichen Bedingungen vieler Multiplexe sind (ausgenommen die weiträumigen Foyers mit teils grossen Glaswänden nach aussen als Novum) bisweilen auch sehr uniform. Es sind Minimalstandards für Bild- und Tonwiedergabe seit 1953, die somit schwierige Sicht- und Hörverhältnisse einiger älterer Säle vor den grossen Technikrevolutionen überwinden wollen, aber dafür Atmosphäre, Charme und Individualität einbüssten. Oft wurden auch diese Maßstäbe schliesslich zugunsten ergonomischer Ausreizung vorhandener Flächen wieder aufgegeben. Auch reichen sie nicht an bahnbrechende Standards wie die der Imax- oder Cinerama-Kinos oder der frühen Dekor-Paläste und selbst der funktionalistischen Konzeptionen des Bauhauses heran, sondern folgen dem Verwertungsprinzip flächendeckender Normierung und "Gleichschaltung" des Blockbusterfilms. Ähnlich im Arthouse-Sektor bei entsprechenden Neubauten.

Ähnliches vollzeiht sich mit der momentanen "Digitalisierung", die sich einige Fortschritte (angeblich flächendeckend gleicherechtigte Filmbelieferung auf gleichem technischen Niverau) mit Rückschritt erkauft (Kinosterben, Zerstörung angestammter Filmberufe und Institutionen, Übernahme von TV-Kultur, von der sich Kino stets distanzierte, um seinen Sonderstatus zu behaupten. Investitionsspiralen usw.).

Die grösseren Freiheiten in der digitalen Programmgestaltung haben eine zweiseitige Schneide: sie nutzen der kulturellen Bereicherung und Expansion auch kleiner Initiativen, kleinerer Kinos und kinoartiger Clubstätten jenseits des Mainstreams jenseits des DCI-Standards, sie erschweren aber dem ortsfesten kommerziellen Betreiber unter dem Druck einer Immobilie seinen Broterwerb, zumal dieses Brot immer häufiger geteilt werden muss. Anscheinend sind die Epochen übergrosser Säle und Bildwände abgeschlossen: ganz eindeutig aufgrund der Aufgabe des Vertrieb exklusiver Kinovents und des Wechsels in der Vertriebspolitik hin zu digitalem Content: ein Content, der auf da Kino weniger angewiesen ist als je ein Content zuvor in der Geschichte.

 

Die staatliche Kontrolle, Förderung und Subvention kann durchaus lebensrettend sein und war sie auch in vielen Ländern und Epochen. Sie bewahrt einige Mindeststandards, erschwert aber individuelles unternehmerisches Vorgehen und andererseits auch die Gründung von Kleinstkinos (die, obwohl kulturell am vielfältigsten, paradoxerweise keine DCI-Förderung erhalten).

 

 

Auch in der DDR wurde das System noch viele Jahre beibehalten, auch die Überprüfung der Wiedergabegüte.

 

Natürlich eine im Ansatz rationale und im Sinne der Gerechtigkeit der Kulturzuführung für "breite Schichten" sinnvolle Einrichtung. Da aber die Anreize und ein (meinetwegen auch sozialistischer) Wettbewerb nicht durchgreifend genug vorangetrieben wurden - ausgenommen die Bauphase des Kulturhäuser und Todd-AO-Stätten -, führte letzlich der Material- und Devisen-Mangel zur Erstarrung dieses Systems. Von dem es dennoch heute zu lernen gilt.

 

@Pinbot könnte recht behalten, dass auf längere Zeit keine Reformierungen und Revolutionen in Gesellschaft und Kultur zu erwarten sind, sondern der vorgezeichnete Weg der Marktbereinigung (überdies auch die der digitalisierten oder multiplexalen Stätten, würde ich hinzufügen) unaufhaltsam ist. Wenn @EIX die Verschmelzung von Computer/Internet/HD mit dem Consumer-Verhalten in einen Zusammenhang bringt, spiegelt dies den momentanen und uns für längere Zeit begleitenden Trend. Der m.E. (a. aus konservativer Sicht und dementgegen b. auch aus einer kulturavantgardistischen Sicht) eine beständige, nachhaltige Kinoauswertung erschwert.

 

Richtig ist die Aufstand der Kinobetreiber in USA gegen die Kürzung der Kino-Auswertungsfenster, wie @rabust dringend einmahnt, auf alle Fälle. Aber warum kommt das so spät? In dieser Richtung und in Richtung Standort- oder Inhaltsprofilierung muss man weitermachen. Weniger sollte man sich um artegrechte Ausstrahlungen von Filmen im Fernsehen oder das Schickssal der Videotheken kümmern, die ja gewissenlos am Fundament des Kinos sägten.

Auch unbenommen der nüchternen Erkenntnis, dass sich die Rahmenbedingungen vorerst nicht revolutionieren werden, wird man in vielfältiger Weise und in unterschiedlichen Varianten weitermache müssen.

Förderlich wäre, man würde das Recht der Verwerter von Online-Streams, der Videotheken, der TV-Anstalten beschneiden. Ein notwendiger Eingriff in die marktliberale Struktur unserer Gesellschaften. Das wäre aber in den dominanten filmproduzierenden und auswertenden Ländern nur mit Verfassungsänderungen durchzusetzen. Man könnte es begrüssen, nur leider hält das hiesige Meinungsbild gesellschaftspolitische Umwälzungen für wenig opportun und aussichtsreich.

 

Multiplex-Mitarbeitern wie auch Kleinkino-Verfechtern, KoKis, Arthouse-Protagonisten und allen anderen dürfte aber in anbetracht der Fensterdebatte klar werden, dass sie plötzlich in einem Boot sitzen. An diesem Punkt erscheint der Appell von @rabust von hoher Brisanz, um ein Umkippen zu verhindern.

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Da bist du m.E. auf dem falschen Pfad unterwegs. Der UFA Palast wurde nach meinen spärlichen Informationen 1931 von Riphahn gebaut und ist damit frei vom Verdacht Nazi-Architektur zu sein. Riphahn steht in der Tradition der Moderne und Bauhausarchitektur. Ich habe leider noch kein Foto von dem Vorkriegs-UFA Palast gesehen. Wenn es da was frei zum Anschauen gibt, wäre ich sehr daran interessiert.

 

 

 

Stimmt, das war mir nur unterschwellig bewußt. Doch ich hatte auch geschrieben, daß in den 30ern nur noch wenige Theater errichtet wurden. Die Bilder stammten aus einer Architekturmonatsschrift der 30er, und waren dort als herausragendes Beispiel funktioneller Tag-/ Nacht Architektur geschildert.

 

So etwas wie einen "Nazi Baustil" gab es ja auch gar nicht.

 

Drei Formen lassen sich ausmachen:

1) Für Staats und Repräsentanzbauten im offiziellen Umfeld ein modifizierter Klassizismus, zum Teil auf sehr moderner Bauunterlage aus Stahlskelettbau oder Stahlbeton, Spannbeton oder Spanndrahtbeton verziert.

 

2) Das was unter "Heimatschutzstil" läuft und Bauentwürfe der Umgebung aufgreift, also Alpen Häuser oder nordd. Backsteinbauten. Findet sich heute noch in Ortssatzungen und Bauvorgaben wie "Muß in Rotklinker verklinkert werden, Dachneigung 42 Grad, Deckung mit roten S Pfannen".

Im Kinobereich ist mir da ein Füssener Kino mit dem Fraktur-Neon "Alpen-Filmtheater" in Erinnerung. Von der Abmessungen her der Standard Bau der Speerschen Vorgaben. Von außen für den Norddeutschen befremdliche Architektur. Ebenfalls in der 30er Jahre Literatur gefunden, spielt dieses Kino heute noch. Alpenfilmtheater Füssen

 

3) Wesentlichster Baustil war der seit den 20ern mit Bauhaus und anderen eingeführte Funktionalismus, der letztendlich Moderne Ästhetik mit zeitgemäßer Funktion und Form zu verbinden hatte. Ganze Ämterstellen (Amt für Schönheit der Arbeit etc) wurden mit ex-Funktionalisten der 1920er aus Bauhaus und anderswo besetzt.

Alles Bauen hatte sich zunächst an der Funktion zu orientieren, und der Heimatschutzstil oder Repräsentanzstil wird dann außen aufgesetzt. Fast der gesamte Werkstatt, Fabrik und Geschäftshausbau erfolgt ausschließlich funktionell, und wirkt heute auf Bildern sehr modern und noch zeitgemäß.

Bauhaus wurde aufgelöst, weil es ab dem Zeitpunkt der Beendigung "Staatsdoktrin" wurde.

 

Man darf eines nicht vergessen. Zu keiner Zeit gab es größeres wirtschaftliches Prosperieren, und damit auch die finanziellen Möglichkeiten zum Bau in allen Parametern entsptrechenden Bauten.

Daß ab 1937 durch boomende Industrie Stahl relativ teuer wurde, und daher wieder zum Ständer Mauerwerksbau zurückgekehrt wird, ist nicht etwa geänderten Vorgaben zu schulden, sondern der wirtschaftlichen Lage und dem Bedarf im Maschinenbau- und Rüstungssektor.

 

Und genau aus diesem Grund der Hauptaufgabe "funktionelles Bauen" ist dann wohl der Ufa Palast in der Zeitung noch einmal dargestellt worden, als Vorbild für derartige Bauten.

Wie gerne hätte ich die Bilder Serie gescannt, Urheberprobleme sie einzustellen gäbe es da nach mehr als 70 Jahren wohl kaum, doch es war nicht meine Zeitschriftensammlung, sondern in einem Verkaufsladen für Antikpapier, zu entsprechend überzogener Preisforderung. Da macht es sich nicht so gut, die Kamera herauszuziehen.

 

Unabhängig davon, wenn wir hier schon bei baulichen Bedingungen sind: die baulichen Standards sind doch bereits mit den Multiplexen neu definiert worden. Leinwand als vierte Wand des Saales etc. Nur sind viele Plexe mittlerweile 20 Jahre alt und sehen auch so aus, und die theoretisch guten Projektionsbedingungen sind in einem kommerziellen Umfeld eingebettet, dem sich viele verweigern.

Nur, auch die Plexe haben die Projektionsbedingungfen nicht neu erfunden, das wurde zwischen 1930 und 1954 standardisiert und in Normenentwürfe gepackt. Der zulässige Sehwinkel, 1953 aus Gründen der Körnung des CinemaScope Films gewählt, konnte trotz besserer Negativ- und Printmaterialien später nicht erweitert werden, weil der Filmvorführer durch Automaten ersetzt wurde, und somit eine laufende Schärfekontrolle unterblieb, was wieder den 1953 er Schärfekreis ergab.

Auch bei 2k Digital DLP kann nicht mehr, als 36 - 38 Grad Sehwinkel zugelassen werden, der Fliegengittereffekt stört sonst zu stark.

Wenn jetzt besonxders europ. Plexe "Größtbildwände" anstrebten, Vorderwand als Bildwand, eingebettet in vorhandene EKZ Räumlichkeiten, und das ganze von Architekten geplant wurde, die zuvor nie Kino gemacht hatten (habe da selber die Forderung nach 20 mm 1.85 Optik erlebt), dann ergibt sich der vielfach bekannte Stil, der leider auch nicht funktioniert.

Und tatsächlich, Unterhosenpolyester als Stuhlbezug auf Schaumstoff hat eine andere Lebenserwartung, als Mohairwolle auf Sisal Federkern. Man sieht der Ausstattung halt 15 Jahre sehr gut an, mehr als dieses eienm klassischen Filmtheater anzusehen war, wo die alternativen Materialien verwendet wurden.

 

Stefan

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Vom 1953er Schärfekreus bei Scope würde ich jedoch nicht so dezidiert sprechen. Zahlreiche Kopien vom Originalnegativ - damals eine Branchekonvention mit ausgewählten und deutlich weniger Filmkopien als heute - gewährleistete auch eine 35mm-Wiedergabe auf Bildwänden breiter denn 20 Meter. Die Fachzeitschriften zeigen solche Kinos auch an exponierten Orten.

Der Betrachtungswinkel von 36 Grad sei davon unberührt.

 

Einen "Nazi-Baustil" würde ich durchaus erkennen wollen. Das wird dadurch nicht aus der Welt geschaffen, dass der neolassizistische und neo-antike Baustil ansatzweise schon in den 1920er Jahren Blüten zeigte. Zur repräsentativen Staatsarchitektur der Herren Speer & Co wurde sie erst ab Mitte der 1930er Jahre erhoben und kennzeichnet diese Epoche signifikant.

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  • 3 weeks later...

Hallo Stefan2,

 

da fuer Dich das 3. Reich in allen Bereichen das Beste gewesen zu sein scheint, was es je auf Erden existiert hat, bist Du sicherlich auch mit dem Mord an 6 Millionen Juden, Andersdenkenden, Schwulen und Sinti und Roma einverstanden, richtig ?

 

Und sicherlich ist fuer Dich auch die Abschaffung der Demokratie, der Presse-, Meinunungs- und Versammlungsfreiheit, das Verbot der Parteien und Gewerkschaften und allem anderen, das das 3. Reich kennzeichnet, bewunderns- und erstrebenswert, richtig ?

 

Und vielleicht sehnst Du Dich auch nach den barbarischen Folterungen durch die Gestapo und den Massakern der Wehrmacht im europaeischen Ausland ?

 

Schade, daß Du nicht selbst waehrend der Nazi-Zeit gelebt hast, denn dann wuerdest Du jetzt vielleicht auf derartig taktlose Eingaben verzichten.

 

 

Koennten die Moderatoren hier bitte endlich mal einschreiten und diese Beitraege, die unsere demokratische Ordnung infragestellen, loeschen ?

 

Mir wird langsam wirklich schlecht, von Stefan2 immer wieder Lobeshymnen auf die Nazi-Diktatur lesen zu muessen, merkt denn eigentlich niemand, was hier laeuft ???

 

 

 

Sind wir hier in einem Filmvorfuehrerforum oder in einem Nazi-Club ???

 

 

Es reicht jetzt, Stefan 2 !!!

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Da würde ich eher deine vollkommen unangemessene Reaktion oder vielmehr Interpretation unterdrückt sehen wollen, die reisst hier vollkommen sinnlos die Diskussion in eine vollkommen falsche Richung.

 

 

 

 

 

- Carsten

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Ich habe mich lange einer Kritik enthalten aber es ist nunmal bei weitem nicht das erste Mal, seitens Stefan 2 diese Lobeshymnen auf das 3. Reich lesen zu muessen. Wenn es nur ein-, zweimal vorgekommen waere, koennte man sowas vielleicht trotz Irritation versuchen zu ignorieren.

 

Wenn sich dies jedoch staendig wiederholt, ist irgendwann die Toleranzgrenze ueberschritten, wie jetzt halt bei mir. Und hier handelt es sich nicht um subjektive Interpretationen meinerseits sondern um Fakten.

 

Mein Kommentar mag hart und direkt gewesen sein, dies jedoch ist leider manchmal noetig um diejenigen wachzuruetteln, die die geschickte Agitation in den Texten von Stefan 2 noch nicht entdeckt haben.

Oder warum werden von Letztgenanntem immer bereitwillig Vergleichsbeispiele aus dem 3. Reich angefuehrt, die dann zufaellig auch jedesmal besser seien, als alles, was wir heute haben ?

 

 

Zufall ? Wohl kaum.

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@Jörg:

 

Lern entweder lesen - oder halt dich aus der Diskussion raus, wenn du nichts sachliches dazu zu sagen hast. (Oder von mir aus auch gerne beides)

 

 

Du gibst wirklich gerade ein ausgezeichnetes Beispiel für die "Sorte Mensch" (wahrscheinlich werde ich aufgrund dieser Formulierung jetzt auch gleich des Rassendenkens beschuldigt...) ab, mit der man nicht differenziert über historische Dinge sprechen kann. Es scheint hier ein Reflex vorzuliegen, der den Verstand und das differenzierte Lesen und Verstehen ausschaltet, sobald es um die Zeit von 1933 bis 1945 geht.

 

Das ist die eine Sache, die mich ärgert. Die andere: als jemand, der Stefan persönlich kennt und auch schon wirklich tiefgehende (auch politische) Gespräche mit ihm geführt hat ärgert es mich maßlos, dass du ihn hier in aller Öffentlichkeit als "Nazi" diffamierst. Das ist wirklich unter aller Würde. Abgesehen davon, dass ich persönlich den Grund deiner Abneigung gegenüber Stefan sowieso ganz woanders sehe, aber das geht hier im öffentlichen Forum tatsächlich niemanden etwas an.

 

Aber noch eins zum Thema Umgangsformen: Hör vor allem auf hier in Riesenschrift "rumzuschreien"! Schreist du deine Diskussionspartner im realen Leben auch so an?

 

 

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Hallo Showmanship,

 

danke für Deine Zeilen! Auch ich kenne Stefan2 persönlich und er ist wirklich kein Fan von Herrn Schicklgruber und seiner Boygroup.

Vermutlich ist Joerg nur sauer weil Stefan seine Verkaufsversuche mit einer unverbindlichen Preisempfehlung versieht. Im Thread mit dem Spulenturm war lesen auch nicht Joergs stärke.

 

Es sollte IMHO in dieser Gesellschaft möglich sein über technische Erfindungen und technische Qualitätsvorstellungen zu sprechen, auch wenn sie in die Zeit der sehr kurzen 1000 Jahre fallen.

Mich hat auch mal jemand so angemacht, nur weil ich die Qualität der frühen Stereoaufnahmen der RRG (Reichs-Rundfunk-Gesellschaft) gelobt habe.

 

 

Eine gute und friedliche Nacht

 

Salvatore

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Als angehender Historiker an dieser Stelle eine fachwissenschaftliche Meinung:

Ich verstehe die Aussagen in den Beiträgen von Stefan 2 über die Film-Kulturpolitik des sogenannten "Dritten Reiches" (der Ausdruck ist ja ansich schon falsch!) und komme zu folgendem Fazit:

Die Vorwürfe von Joerg an Stefan 2 halte ich an dieser Stelle zwar nicht grundsätzlich für falsch, sie gehen jedoch in eine andere Richtung, die wohl auch von Stefan 2 nicht bestritten bzw. beabsichtigt wurde. Es ist (leider) festzustellen, dass der nationalsozialistische Kulturapparat die Chancen und Wirkungen des Mediums 'Films' erkannt hat und auch die praktische Umsetzung gestaltet hat. Selbstverständlich steht diese in Tradition zur Zeit der Weimarer Republik. Nichts fällt vom Himmel! Institutionen, wie z.B. als prominentestes Beispiel die UFA und ihre Spielstätten wurden seiner Zeit als Fortschritt empfunden, sowohl in Baustil, als auch in der technischen Umsetzung usw. Darüber schwebte natürlich ein politisch-propagandaristischer Auftrag. Deshalb sind selbst Filme wie die "Feuerzangenbowle" eigentlich nur mit Vorsicht zu genießen.

Was fange ich nun mit diesen Erkenntnissen an? Ich muss natürlich den damaligen (ns-)kulturpolitischen Auftrag berücksichtigen und diesen mit meiner humanistisch-demokratischen Grundeinstellung (zugegeben, der Begriff klingt großspurig) ausdrücklich verneinen. Was bleibt, ist die konkret wirtschaftliche Perspektive für den einzelnen Kinobetreiber bzw. Beschäftigten im Kinowesen. Und diese war zweifelsohne positiver, da durch die Diktatur Restriktionen bestanden, die sich als Vorteil für den Betroffenen auswirkten. Die Auswirkungen dieser Restriktionen werden in den Forumsbeiträgen auch ausdrücklich angesprochen, wenn nicht sogar betrauert oder wenigstens daran erinnernd. Das gehört eben zur Rezeptionsgeschichte des Kinos in Deutschland dazu. Das ist nicht schlimm bzw. pro-nationalsozialistisch o. Ä.; hätte aber von Stefan 2 an dieser Stelle deutlicher herausgestellt werden können.

Es ergibt sich daher eine weitergehende Frage: Wie kann das Medium Film und der Rezeptionsort Kino auf die Veränderungen im Konsum reagieren? Konzepte der Vergangenheit taugen dafür nur bedingt, da ihnen die Rahmenbedingungen fehlen. Das diese sprichwörtlich 'perfide' bis hin zu 'menschenverachtend' sind, stelle ich dabei nicht in Abrede. Ich hoffe, dass Stefan 2 diese 'Rahmenbedingungen' auch nicht befürwortet. Bei widererwartender Zustimmung von Stefan 2 sind die Vorwürfe im Beitrag von Joerg dann aber auf jeden Fall berechtigt.

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