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Rabust

Digital tötet Kino

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Ja, ich bin bekennender Anhänger vom analogen Kino, nicht nur, weil ich diese IT-Monster nicht begreife, die sich digitale Projektoren nennen. Nicht nur, weil alle kleinen Kino´s vor gigantischen Problemen stehen, weil diese digitalen Mist-Dinger empfindlicher auf Wärme, Kälte, Staub und weiß-ich-was-noch-alles reagieren als Madonna auf Kritik an ihren desaströsen ESC-Auftritt.

 

Ich mochte das Gemütliche an den alten 35-mm-Ratter-Kisten, sie waren – wenn der Vorführer gut gearbeitet hat – zuverlässig, robust und die beste Freundin (Honi soit qui mal y pense !) in all den einsamen Stunden in der dunklen Vorführ-Kabine. Für uns war ein Vorführer, der ab Donnerstag nichts mehr zu tun hatte, ein guter Vorführer – weil er am Mittwoch sauber, zuverlässig, präzise und gut gearbeitet hat.

 

Kein Bildstrich-Fehler, keine falschen Akt-Reihenfolgen, keine (neuen) Kratzer und Schleifspuren, keine Schauspieler, die rückwärts liefen, die Worte gesaugt statt gesprochen haben und Häuser, die auf dem Kopf standen.

 

Natürlich ist die digitale Projektion, was Qualität angeht, nicht zu toppen, ohne Zweifel. Aber davon rede ich nicht, was ich meine, ist dieses Zuviel an digitalem CGI-Mist. 

 

Ich war die Tage unter anderem in Avengers, Aladdin und Godzilla 2 und es übelte mir unangenehm nach. Statt grandiose Bild- und Story-Einfälle endlose Tsunamis mit digitaliserten Hässlichkeiten, mit tanzenden Vogel Strauss- und Äffchen-Katastrophen oder berghohen Monstrositäten, die vermutlich nicht mal Asiaten lustig finden.

 

Wie soll ich einem Dreikäse-Hoch erklären, dass diese üppigen Musical-Paraden mit Will Smith ausschließlich im Computer entstanden und die in der wirklichen Welt nicht mal zu Hoch-Zeiten von Hello Dolly so opulent ausfielen.

 

Was darf ich Zukunft von Action-Filmen erwarten, die mich heute schwindlig zuscheissen mit Zillionen von ekligen Figuren, irrwitzigen Artistik-Einlagen und das ganze Gedöns jenseits bekannter physikalischen Möglichkeiten dann auch noch so ernsthaft zelebrieren, dass man meinen könnte, die halten ihren debilen Output für das richtige Leben (ich sag nur Fast & Furios).

 

Wo sind die Stunt-Doubles mit ihrer brillanten Akrobatik, wo sind die genialen Geschichten-Erzähler, die uns mit Esprit fesseln, wo sind die unerreichten Kamera-Augen, die unbestechlich Licht-Stimmungen erzeugten, die uns wohlig erschauern und staunen ließen, wo sind die Koryphäen der darstellenden Kunst, die mich mit minimalster Gestik in ein Universum entführten, wo Träume und Wünsche der einzige Grund waren für Blut-Hochdruck und Kammer-Flimmern ?

 

Ich liebe Kino, schon immer, aber ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass diese Liebe immer weniger erwidert wird. Sie wird geopfert auf dem Altar der Gleichgültigkeit, kastriert im dunklen Loch der Gier, massakriert im gehetzten Alltag, verraten vom Mangel an Talent, ermordet im Nebel der Beliebigkeit.

 

Das Schräge, das Originelle, das Unerwartete verschwindet im Mainstream – möglicherweise das größte Verbrechen, das wir in 123 Jahren Kino-Geschichte zugelassen haben.

Edited by Rabust (see edit history)
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Vielleicht mal Arthaus und Filmkunst versuchen und dem Mainstream abschwören.

 

Grüße
Jörg

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vor 3 Stunden schrieb Rabust:

Wo sind die Stunt-Doubles mit ihrer brillanten Akrobatik, wo sind die genialen Geschichten-Erzähler, die uns mit Esprit fesseln, wo sind die unerreichten Kamera-Augen, die unbestechlich Licht-Stimmungen erzeugten, die uns wohlig erschauern und staunen ließen, wo sind die Koryphäen der darstellenden Kunst, die mich mit minimalster Gestik in ein Universum entführten, wo Träume und Wünsche der einzige Grund waren für Blut-Hochdruck und Kammer-Flimmern ?

 

Die machen Serien für Netflix.

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Über die Beliebigkeit vieler heutige Streifen haben wir ja schon an anderer Stelle diskutiert, ebenfalls über die xte Fortsetzung von Film xyz, wirklich innovatives wie seinerzeit inception, shutter island etc., dass, gibt's doch heute gar nicht mehr. Ich bin in einem Alter, da müsste mir das Action Genre noch gefallen, mich fesseln aber Filme aus dem Arthouse Segment viel mehr, wie z.b. Astrid, Trautmann usw. War da im vergangenen Jahr voj der FKM-Leipzig begeistert.

Der Amerikanische KINO Markt boomt, im europäischen Markt ist man halt nur noch gelangweilt, und es funktioniert selten noch was...aus Hollywood.

 

Ich kann es immer wieder nur sagen, schade, dass man mit den ARTHOUSE Filmen oftmals nicht über die Runden kommt, aufgrund fehlendem Marketing und Präsenz in den Medien.

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Diese Probleme hättest Du heute auch mit analoger Technik. Stichwort:

vor 4 Stunden schrieb Rabust:

Was darf ich Zukunft von Action-Filmen erwarten, die mich heute schwindlig zuscheissen mit Zillionen von ekligen Figuren, irrwitzigen Artistik-Einlagen und das ganze Gedöns jenseits bekannter physikalischen Möglichkeiten dann auch noch so ernsthaft zelebrieren, dass man meinen könnte, die halten ihren debilen Output für das richtige Leben (ich sag nur Fast & Furios).

 

 

Die technischen Möglichkeiten gleichzusetzen mit mangelnder filmischer Qualität, empfinde ich auch als grenzwertig, bzw. übertrieben und falsch.

Denn es ist immer noch der Mensch, der dieses Werkzeug benutzt. Also sollte man nicht der Technik, sondern den Studios/Verleihbossen und Drehbuchautoren auf die Finger hauen. Es sitzen eben heute keine Cineasten mehr in den Schaltzentralen, sondern irgendwelche x-beliebigen und austauschbaren Manager, denen das Kino im Kern egal ist. Nur der Profit zählt!

 

 

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Die Kunst ist zu einem Industrieprodukt geworden, Abdrehen, Abcashen, Vergessen :)

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vor 3 Stunden schrieb walze:

Vielleicht mal Arthaus und Filmkunst versuchen und dem Mainstream abschwören.

 

Ich halte mich mit Stan & Ollie, Vorhang auf für Cyrano, Under the Three, Ein Gauner und Gentleman, Das Ende der Wahrheit, Der Fall Collini schadlos. Alles wunderbare Filme, aber um das geht es nicht. Diese Filme benutzen auch CGI, aber diskret als Unterstützung für die Story und nicht als Hauptdarsteller, der alles erstickt.

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Ich hatte mir ja Godzilla/King of Monsters letzte Woche angesehen. Im Dome am Sunset Blvd, also in eine der ersten Addressen für Kinobesuche.

Technisch überzeugte der Ton, obschon das Haus keine Immersiv Anlage (DTS X/ Atmos) besitzt. Eigentlich müßte in dieser ersten Spielwoche bei kinogeeignetem Wetter, kühl überhangen, eine gute Kartenzahl erzielbar sein. Aber selbst in dieser Spielstelle fanden sich nur knapp 60 Besucher in den über 800 Sesseln ein. Das zeigt, wie trotzt überdurchschnittlicher Güte, einem erheblichen Werbeaufwand, das Geschäft nur noch am ersten Wochenende von Fr - So gemacht wird.

Im Nachgang lief ein Gespräch mit dem Regisseur und dem Sound Designer, wie wichtig der Ton bei Filmen ist, und das die Animationen dem Sounddesign folgen (müssen). 

Wahre Worte, die gut erkennbar wurden.

Dennoch, mehr als ein Virtelpfünder mit Käse ist dieses Werk nicht geworden, fetter Kern, weiche, lapprige Brötchen drumherum. In der perfekten Präsentation oK, aber in minderwertiger Wiedergabe definitiv zum Scheitern verurteilt.

Ich habe mich dann an Kinobesuche vor 25 - 30 Jahren in der gleichen Stadt erinnert. Da waren nicht nur der Dome, sondern auch Kinos wie Orpheum Broadway und Westlake Theatre (mit seinem über Kilometer sichtbaren 3 stöckigen Neonlogo auf dem Dach) sehenswerte, alte Spielstellen. Völlig heruntergewirtschaftet liefen dort spanischsprachige odere untertitelte FILMkopien, in bester Projektions- und Tonqualität alter Schaumannskunstschule durch IA Vorführer. Da war der Film durch die gut gefüllten Großtheater ein Spaß an Sich, und wenn 700 Kinder mit den Gremlins kämpften, wurden auch Sprachbarrieren überwunden. Allein die großartige Anmut der klassischen Häuser ließ den Film zum Besonderen werden.

Auch das vermisse ich heute.

 

-St

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Kino müßte neue Alleinstellungsmerkmale erfinden: aber woher kommt Rückhalt? Falls es ihn nicht gibt (wovon ich ausgehe), handelt es sich um eine im Moment scheinbar expandierende, aber im Kern sich auflösende Branche, zumindest im gegenwärtigen Wirtschafts- und Sozialsystem, das sich dramatisch zugunsten gerechter Verteilung und freier Kunst ändern müßte. Auch dafür existiert kein Rückhalt. Rückhalt dagegen für Künstliche Intelligenz zur Ausweitung der Überproduktion und neuer Militärstrategien. Auch werden tradierte Major Companies überflüssig: die Blockbuster ziehen zu Netflix und ins Internet (sieht man schon heute an den riesigen Netflix-Werbebannern auf allen Strassen). Fast jeder LCD HD-Fernseher ist kontrastreicher als tradierte Kinoräume. Mit LED-Flachbildschirmen zu Haus muss jeder Kinobesuch zur entgütlgen Ernüchterung führen. Sämtliche Tonverfahren sind zuhause leichter kontrollierbar.

 

"Digitalisierung tötet" derzeit  alles:

 

[Frage der Journalistin]: Einer Studie der Uni Leipzig zufolge sind in Deutschland Paare zwischen 60 und 70 aktiver als Singles zwischen 18 und 32. Die Wissenschaftler vermuten als Ursache für die lustlose Jugend die Verfügbarkeit von pornografischem Material im Internet. Teilen Sie diese Einschätzung?

 

[Antwort der Professorin]: Der Einfluss der digitalen Technologien ist immens. Besonders gravierend finde ich, dass das Internet die traditionellen Orte zerstört, an denen Geselligkeit stattfindet: Restaurants, Kinos und so weiter. Alle demonstrieren gerade gegen die Zerstörung der Natur. Ich würde mir ein bisschen mehr Widerstand dagegen wünschen, dass Amazon und Facebook den Kern unserer Zivilisation 

 

Aus: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/interview-mit-eva-illouz-warum-haben-die-menschen-immer-weniger-sex/24376458.html

Edited by cinerama (see edit history)
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vor 2 Stunden schrieb cinerama:

Kino müßte neue Alleinstellungsmerkmale erfinden: aber woher kommt Rückhalt? Falls es ihn nicht gibt (wovon ich ausgehe), handelt es sich um eine im Moment scheinbar expandierende, aber im Kern sich auflösende Branche, zumindest im gegenwärtigen Wirtschafts- und Sozialsystem, das sich dramatisch zugunsten gerechter Verteilung und freier Kunst ändern müßte. Auch dafür existiert kein Rückhalt. Rückhalt dagegen für Künstliche Intelligenz zur Ausweitung der Überproduktion und neuer Militärstrategien. Auch werden tradierte Major Companies überflüssig: die Blockbuster ziehen zu Netflix und ins Internet (sieht man schon heute an den riesigen Netflix-Werbebannern auf allen Strassen). Fast jeder LCD HD-Fernseher ist kontrastreicher als tradierte Kinoräume. Mit LED-Flachbildschirmen zu Haus muss jeder Kinobesuch zur entgütlgen Ernüchterung führen. Sämtliche Tonverfahren sind zuhause leichter kontrollierbar.

 

"Digitalisierung tötet" derzeit  alles:

 

[Frage der Journalistin]: Einer Studie der Uni Leipzig zufolge sind in Deutschland Paare zwischen 60 und 70 aktiver als Singles zwischen 18 und 32. Die Wissenschaftler vermuten als Ursache für die lustlose Jugend die Verfügbarkeit von pornografischem Material im Internet. Teilen Sie diese Einschätzung?

 

[Antwort der Professorin]: Der Einfluss der digitalen Technologien ist immens. Besonders gravierend finde ich, dass das Internet die traditionellen Orte zerstört, an denen Geselligkeit stattfindet: Restaurants, Kinos und so weiter. Alle demonstrieren gerade gegen die Zerstörung der Natur. Ich würde mir ein bisschen mehr Widerstand dagegen wünschen, dass Amazon und Facebook den Kern unserer Zivilisation 

 

Aus: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/interview-mit-eva-illouz-warum-haben-die-menschen-immer-weniger-sex/24376458.html

 

Schließt du daraus, dass Jugendliche nicht mehr ihns Kino gehen, weil sie 24/7 den Akt an sich selbst ausführen?

 

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Na ja... die jungen Mädchen (und mittlerweile alle) mit dem rieeeesigen  Ersatz-P., dem Smartphone in der Hand.

Studierte Psychologen werden sicher fündig. Es trifft dann aber alle Kulturbereiche.

Die grosse Sturmflut, die viele Heiligtümer wegschwemmt. kann man auch nicht ausschliessen. 

Edited by cinerama (see edit history)

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Ihr müsst alle die Geschichte genauer betrachten und euch erinnern, was eure Großeltern früher empfanden.

Wenn man sich erinnert, hatte man mit Menschen zutun, die noch in einer Zeit aufgewachsen sind, wo man Zuhause nur ein Radio hatte. Fernsehen war unbekannt. Es gab eine Zeit, mit nur Schwarz Weißen Stummfilmen. Schaut euch mal Singing in the Rain an. Da wurde der Tonfilm als neumodischer Schnick Schnack abgetan. Und Schauspielen in Stumm war für manche Kunst, oder auch nicht.

Die Zeit geht weiter, das Kino erfindet sich neu. Wir werden es nicht erleben, aber die nächste Generation, die nur mit Youtube und Smartphone aufwächst, empfindet alles anders als wir.

In meiner Kindheit, in den frühen 70iger Jahren war laut Aussage der älteren Generation das Kino schon nicht mehr das, wass es mal war. Mir wurde berichtet, dass man ins Kino mit Anzug, wie bei einer Theatervorführung gegangen war. Ich kannte nur die neuen Multiplexe und es wurde schon damals vom großen Kinosterben berichtet.

Ich finde das Kino hat sich trotzdem gut gehalten, nur halt weiter entwickelt.

Ich habe gerade heute einen Film vorführbereit umgespult und dachte mir "lohnt sich jetzt der Aufwand?" mit einer BlueRay würde es viel schneller gehen.

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vor 14 Stunden schrieb filmantiques:

(..)

Ich habe gerade heute einen Film vorführbereit umgespult und dachte mir "lohnt sich jetzt der Aufwand?" mit einer BlueRay würde es viel schneller gehen.

 

Für uns als Sammler kommt ja der Spaß an der Sache dazu.

 

Ansonsten gebe ich Dir recht, es entwickelt sich alles weiter und die Verfügbarkeit von Filmen (und auch Musik) macht eben auch vieles beliebiger.

 

Wir haben früher eine LP gekauft, verliehen, überspielt, etc., heute gibt es mit Spotify & Co. riesige Datenbanken mit verfügbarer Musik.

 

Filme desgleichen, "that's life".

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Hoert sich zunaechst so an, ist aber in einigen Punkten dem heutigen Bewusstsein um zehn Jahre voraus. Den provokanten Fragestellungen sind die Meisten in ihrem Vorstellungsvermoegen und in der intellektuellen Analyse nicht gewachsen und ziehen sich auf Allgemeinplaetze ("Kino wird es immer geben...") zurueck. Ein Paradebeispiel dafuer ist der Thread "Neustarts", in dem man gleichsam einem Horoskop den Charts hinterherher-"dackelt" und das Denken getötet wird.

 

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Mit praktischer und wirtschaftlicher Erfahrung von Historischem-Kino-Machen, zugegeben auf die Provinz Nordwestschweiz begrenzt, vielleicht ein wenig erweitert um Wiederaufführungen am Alexanderplatz zu Berlin und was ich mit den Reprisen im Sputnik erlebte, möchte ich zum ersten und ursprünglichen Kinoerlebnis raten. Das hat es in den vergangenen 100 Jahren wohl kaum mehr gegeben, dieses wilde, anarchische Flimmern zu verkaufen, und zwar mit Kalklichtbrennern.

 

Schinken aus dem 20. Jahrhundert kann fast jeder spielen, ein Nickelodeon-Programm zusammenstellen bedeutet schon mehr Aufwand. Streifen von vor 1900 artgerecht aufzuführen, ist dann noch anspruchsvoller, aber umso lohnender.

 

Man müßte das natürlich gepflegt vermarkten. Alleinstellung ist gegeben. Nur Petzval-Objektive und Triplette, selbstverständlich unvergütet. Alles von Hand durchgekurbelt. Davon könnten die iPhoneys dann erzählen, sich womöglich in 30 Jahren daran erinnern, wenn deren Kinder in die Schule kommen, wo ein Lehrer sich über die Zeiten von Windows 10 lustig macht.

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Womöglich befinden wir uns in einem doppelten Dilemma? Wenn schon beständige traditionelle Kinoformen fast untergingen und den moderneren Produktions - und Verleihpraktiken (mit ihren immer kürzeren Lebensproduktzyklen und Auswertungsfenstern) wichen, trifft auch die die digitale Lebens- und Konsumkultur produktiv aufnehmende Kinobranche "die Rache des Ungeheuers": schwuppdiwupp wird sie vom Digisat gefressen.

 

Kinostandorte sind demnach zunehmend schwieriger zu halten.

 

Bei den dt. Nachkriegsphilosophen findet man unterschiedliche Prognosen: nach Adorno und Horkheimer stellt die Kulturindustrie  (seit mehr als hundert Jahren bereits) die Form ueber den Inhalt, um massenkompatibel zu bleiben und "schlaegt alles mit Aehnlichkeit". Nach Habermas ist das Web ein Ort, an dem "die Wurzeln einer egalitaeren Oeffentlichkeit von Lesern und Autoren reaktiviert" werden - in dieser positiven Prognose laege dann, koennte man annehmen, der Kern einer Chance, um im Sinne Adornos/Horkheimers die verhasste Kulturindustrie endlich umzustuerzen.

Egal, welche Prognosen: dem Wachstum oder der Fortenwicklung moderner Kinoformen eben so wie dem Erhalt der klassischen Kulturtechnik Kino stehen sie gleichermaßen entgegen. (Aehnlich der CO2-Problematik.)

 

Alles andere gehoert in den Bereich des Glaubens und Fuehlens, etwa das Ideologem "das Kino erfindet sich staendig neu". Dabei ist jener Gattungsbegriff "Kino" weder eine Naturkonstante noch "der subjektive Faktor" (nach dem ja wir als Menschen in Einzelinitiativen daran glauben, Dynamiken anstossen zu koennen).

 

Meine Prognose geht leider von bis dato ungekannten Kollaps-Szenarien aus, die rasch totale Umformungen nach sich ziehen, auch in der Kuenstlichen Intelligenz und Robotik. Ob Multiplex oder Filmkunststaette: alle sind gleichermassen bedroht und muessten sich interessegeleitet zusammenschließen. Vor zwanzig Jahren noch haette ich das nicht so gesehen.

 

Edited by cinerama (see edit history)

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Mein lieber Cinerama

 

Adorno, Habermas, Horkheimer etc. habe ich nie gelesen, vermutlich hätte ich sie intellektuell auch nicht erfasst. Ich steh mehr auf Jerry Cotton, Perry Rhodan und Prinz Eisenherz. Aber wir beide lieben Kino, jeder auf seine Art. Und um auf mein Grund-Thema zurück zu kommen - habe Gestern MIB 4 gesehen. Dieses unreife, unlustige Gezappel bestätigt meine These eindrücklich : Schau statt Inhalt. Übel !

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vor 4 Stunden schrieb Rabust:

habe Gestern MIB 4 gesehen. Dieses unreife, unlustige Gezappel bestätigt meine These eindrücklich : Schau statt Inhalt. Übel !

 

Aber was erwartest du von Man in Black 4??? 

Das ist wie einen McD besuchen um sich dann über den Verfall der Esskultur zu beschweren. 

 

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MiB 4 kann man mit einem Teebeutel vergleichen, der zum 4. Mal in kalten Wasser aufgegossen wird. Wohl bekomms...

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Es wird nicht allein der Overkill der visual effects bei MIB4 oder GODZILLA-KING OF MONSTERS sein, der toetet, eher doch, weil es sich um Kassenflops handelt.

Bei Bruckheimer, Spielberg, Lucas und Cameron vor 20 oder 40 Jahren wurden deren Werke trotz albernster Drehbuecher gefeiert, weil mehrheitlich mit analogen Effekten die Massen anziehend. STAR WARS stiess mkr dennoch uebel auf, weil sich andeutete, dass die Aera des Achterbahnkinos kuenftig Blockbuster auf Basis des Bauerntheaters dominieren wuerde.

Was an Digitalitaet toetet, wann und wo, waere noch praeziser zu erfragen.

Bei einem Shitstorm aus MIB4 ist die Angriffsflaeche naemlich gegen Digitalitaet leicht zugaenglich, bei PLANET OF THE APES-SURVIVAL, der einem 50er Jahre-Western oder einem KZ-Film aehnelt, schwer zu detektieren.

Edited by cinerama (see edit history)

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vor 2 Stunden schrieb cinerama:

Es wird nicht allein der Overkill der visual effects bei MIB4 oder GODZILLA-KING OF MONSTERS sein, der toetet, eher doch, weil es sich um Kassenflops handelt.

Bei Bruckheimer, Spielberg, Lucas und Cameron vor 20 oder 40 Jahren wurden deren Werke trotz albernster Drehbuecher gefeiert, weil mehrheitlich mit analogen Effekten die Massen anziehend. STAR WARS stiess mkr dennoch uebel auf, weil sich andeutete, dass die Aera des Achterbahnkinos kuenftig Blockbuster auf Basis des Bauerntheaters dominieren wuerde.

Was an Digitalitaet toetet, wann und wo, waere noch praeziser zu erfragen.

 

Das stimmt doch auch wieder nicht. Das Problem dabei ist, dass wir heute doch digitale Effekte nur noch wahrnehmen, wenn sie wirklich schlecht gemacht sind. Auch ein Bohemian Rapsody ist ein digitales Effektgewitter - man sieht es nur nicht... 

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meinte nur, dass schon zur Analogzeit ein VFX-Effektgewitter Massen anzog oder wegen Overkill nervte. Es toetete die Inhalte, aber nicht das Geschaeft.

Sonderphaenomene: TRON (der Effekt ist selbst das Thema); FLASH GORDON (SFX waren graesslich, aber der Mammutfilm wurde ein Erfolg).

 

Daraus ableitend die Frage: welche Digitalitaet konkret heute toetet Kino? Moegliche Antwort: die Revolutionierung der Vertriebsmodelle durch digitale Distributionen ist der Sargnagel fuer einkoemmliche Theaterverwertungen.

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vor 10 Stunden schrieb cinerama:

die Revolutionierung der Vertriebsmodelle durch digitale Distributionen ist der Sargnagel fuer einkoemmliche Theaterverwertungen.

 

Da würde ich im Kino selbst eher sagen, die digitale Distribution IN KOMBINATION mit absolut unpassender Analog-Kopie-Denke mit Vorgaben, die zwangsweise zu ineffizienten Vorstellungen führen ... DAS ist der "Sargnagel für einkömmliche Theaterverwertungen"! Es geht/ginge bei manchen Kleinverleiher auch durchaus erfolgreich anders! (Bsp. bei uns aktuell der Dokumentarfilm "Yoga" von Arsenal - keine Vorgaben und hervorragende Effizienz und auch insgesamt mehr Umsatz/Besucher als X-Men in der zweiten Woche) Die digitale Kino-Distribution wäre eine riesen Chance für uns Kinos, dem Publikum leichter das anbieten zu können, was sie gerne sehen wollten ... sie damit irgendwo reinbringen/reinzwingen, was sie nicht in dem Maße wollen, das wird aber auch mit noch so vielen Vorstellungen ganz sicher nicht funktionieren.

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